2. Das Steinwerk…Ein Gebäude oder eine Hofanlage?

Hatte ich noch das Schloss fast überlesen, so blieb ich doch beim “Steinwerk” auf der gleichen Seite von Rudolf Preising sofort stehen.

Dieser Begriff war mir völlig unbekannt. Offenbar hatte es ja irgendetwas mit dem Schloss zu tun, da in der Lehensbekundung von 1411 auch Renovierungsarbeiten geregelt wurden, und das Steinwerk wurde eben als Teil dieser Schlossanlage genannt.

Die ersten Informationen zum Steinwerk besorgte ich mir über die Internetrecherche. Das Verbreitungsgebiet und die Funktionsweise dieser Kemnaten passten wunderbar zu meiner Quelle von 1411.

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Kemnate

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Ostwestfalen kannte diese Profanarchitektur seit dem Spätmittelalter, und diese im Grundriss häufig rechteckig angelegten Steinbauten wurden sicherlich als Zufluchtsort für den Adel genutzt.[1]

Das Hauptthema zwischen Freseken und dem Erzbischof war ja gerade die Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit dieser Anlage ( “…in Fehden und allen sonstigen Bedarfsfällen auf eigene Kosten des Schlosses ungehindert bedienen.” ). Ich hatte übrigens in der Urkunde von 1397 das Steinwerk ebenfalls mit “…to dem Steynwerk syn wyff…” nachgelesen. Wenn man so will, kann man durchaus diese Verkaufsurkunde als Argument für die Querverbindung von Burg und Schloss nehmen, da Freseken ja 1397 eine Burg gekauft hatte ( und 1405 veräußerte an Saarwerden), die der Erzbischof 1411 als Schloss belehnte. Es gibt aber noch einiges mehr an Informationen und Sichtweisen zu diesem “Steinwerk” zu berichten. Rudolf Preising gab hier wieder den Einstieg in die Motivation, die beim Weiterlesen seiner Heimatkundeschrift auftauchte. Worum ging es also?

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Hof Stemmerk

Preising grenzte das Steinwerk vom Hof Stemmerk ab, der heute noch in der Gemarkung Flerke existiert. Das war für mich zunächst einmal kommentarlos ( und gedankenlos ) hinzunehmen, aber gegen Ende seiner Heimatexkursion legte dann Preising eine Verbindung von Schulte-Stemmerk zum “Stenwerk”, einen verwandten Begriff zum Steinwerk. Die Abgrenzung und gleichzeitige Verbindung waren ein Widerspruch…einen Erklärungsansatz versuchte ich in den Urkunden zu finden. Preising selbst ging nie auf die Geschichte von Schulte-Stemmerk ein, aber als Ergebnis der Internetrecherche konnte ich eine Urkunde aus dem Jahre 1316 ermitteln, bei der der Hof Stemmerk  aus der Dreiteilung einer größeren Hofanlage namens Steinwerk hervorging.[2]

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1316 Schwesternhaus Ahlen Nr. 1

Otto Graf von Thekeneburg übergibt dem Ritter Engelbert von Herborne den dritten Teil des Hauses Steveninck, im Kirchspiel Welver gelegen, welches von ihm und seinen Vorfahren zu Lehen gegangen war. Wogegen Letzterer ihm das Eigentum des Hauses Vrylwick, im Kirchspiel Hesnen gelegen, überträgt, welches Haus ebenfalls von ihm und seinen Erben zu Lehen gehen werde.

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1393 Urkunde Kloster Oelinghausen Nr. 468

Indizien für die “Hofanlage Steinwerk” ergaben sich aus der Buchrecherche und aus den Urkunden des Klosters Oelinghausen für die Jahre 1308, 1393, 1402 und 1421, in denen mit “Haupthof Steinwerk”, “Hof zum Steinwerke (Sten-) mit Gericht und Herrlichkeit” oder “mit der Herrschaft der Höfe zu Flerke” schon Umschreibungen für eine größere Hofanlage zu finden sind.

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1402 Urkunde Kloster Oelinghausen Nr. 488

Gut möglich, dass es hier bei Preising durch Nichtbeachtung der Dreiteilung zu Beginn des 14. Jahrhunderts zu Namensgleichheiten für eigentlich separate Anlagen  kam. Als These muss man dann natürlich auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Steinwerkbegriff aus der Schlossbetrachtung durchaus seinen Ursprung in der Dreiteilung von 1316 haben könnte und die Burg Scheidingen, die Anton von Scheidingen 1397 an Freseken verkaufte, ein Teil vom “Gesamtkomplex Steinwerk” demnach hätte bilden können.  Ich konnte hierfür keine Belege finden…für den Aufbau meiner eigenen Arbeit war das aber nicht hinderlich.

Insgesamt stand die Urkundenlage beim Steinwerkbegriff günstiger, da zahlreicher. In einer Tauschurkunde von 1348 gab es mit “ …bi der stayt to Werle tuyschen Werle unde dem steynwarcke…”[4] nicht nur eine weitere Schreibweise vorgesetzt, sondern indirekt auch eine mögliche Standorteingrenzung eben für das Steinwerk als Anlage oder einzelnes Gebäude.

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Urkunde mit der Erwähnung des Steinwerks / Steynwarcke

Der Hofflerke als Tauschobjekt lag zwischen Werl und eben diesem “steynwarcke“, dem Steinwerk. Dieser Hof existiert wie Stemmerk aber heute noch…im Umfeld von Stemmerk konnte ich ansetzen zur Suche nach Überresten.

…Fortsetzung folgt…


[1]Vgl. hierzu http://de.wikipedia.org/wiki/Steinwerk.

„Steinwerk dielinger schnitt“ von Dietmar Walberg – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Steinwerk_dielinger_schnitt.png#/media/File:Steinwerk_dielinger_schnitt.png

[2]Vgl. hierzu http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&klassId = 1&id = 0487.

[3]Vgl. hierzu Koske, Marga, Das Bördekataster von 1685, Soest 1960, S. 168 und  http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&klassId = 8&tektId = 104&id = 0585&bestexpandId = 103.

[4]Vgl. hierzu http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&tektId = 104&id = 0585&klassId = 5&seite = 1.

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