Der Pferdekopf auf dem Hillefeld bei Welver. Ein archäologisches Interpretationsreservoir?

Der Pferdekopf auf dem Hillefeld bei Welver. Ein archäologisches Interpretationsreservoir?

 

Inhaltsverzeichnis

Proömium

Die Pferdebestattungen sind keine Marginalie!

Analogien im altsächsischen Raum

Ein Potpourri an Leitfragen für den Pferdeschädel vom Hillefeld

Ein sagenhaftes Parergon

Tacheles zum Epilog

Anhang

Literaturverzeichnis

Hyperlinks

Abbildungskatalog

Abbildungsverzeichnis

Proömium

Die Pferdeopfer, die in dieser Schrift ex definitione vornehmlich als rituelle Pferdebestattungen betrachtet werden, gehören als Sekundärbestattungen – wenn auch im marginalen Modus – thematisch in die Gräberarchäologie und den Totenkult der Vorgeschichte, der Antike und des Mittelalters. Die in der heutigen autonomen Republik Tuwa in Sibirien beheimatete spätbronzezeitliche Aldy-Bel-Kultur, die Skythen in den eurasischen Steppen Südrusslands und der Ukraine, also allgemein der Skythisch-sakische Horizont, oder die späthelladische Periode kannten diesen Ritus. Aus den niedersächsischen Siedlungskammern Rullstorf, Emstek-Drantum und Wulfsen oder aus dem niederösterreichischen Stillfried an der March sind Pferdeopfer dokumentiert. Neben archäologischen Überresten können auch die Fragmente einstiger Tieropferriten im religiösen Alltag oder allgemein die Darstellung von Tieropferszenen auf überlieferten ikonischen Materialien die über die Zeitepochen hinweg gängigen Bestattung veranschaulichen. Denken wir hier nur an das Bukranion, das bereits im Hellenismus und in der römischen Antike in plastischer oder ikonischer Ausführung zum standardisierten Dekorationsaccessoire gehörte. Auch für die zahlreichen Hieromanten und Chaldäer im Alten Orient und in der klassischen Antike ist das Extiszipin belegt. Ritualisierte Opferungen werden bis heute in den Weltreligionen praktiziert, mit dem Matagh in Armenien, am indischen Kalighat-Tempel oder durch den islamischen Eid ul-Adha kardinal veranschaulicht.

Die Pferdeopfer gehören expressis verbis als von den Zeitepochen losgelöste transnationale Konstante hinsichtlich der Tieropferriten aufgeführt und in den Diskurs getragen. Betrachten wir das vedische Ashmavedha, als dediziert den indischen Königen bei deren Königskrönungen oder -bestattungen ein Pferd geopfert wurde, neigt sich den Diskursteilnehmern als ostensive Konklusion der Argumentationsgriff entgegen, die Rossopfer auf das jeweilige Establishment zu fokussieren. Und in der Tat, das Ashmavedha-Opfer war im indischen Kulturkreis stets dem Radscha vorbehalten oder erhielt durch die Honoratioren eine Renaissance, wie unter Maharajadhiraja Samudragupta aus der nordindischen Gupta-Dynastie im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung geschehen. Ganz der Verbreitung und dem Wesen der indogermanischen Sprachfamilie Rechnung getragen, werden ähnlich gelagerte Rossopferzeremonien auch bei den Turkvölkern oder in Kontinentaleuropa von hochgestellten Persönlichkeiten initiiert worden sein. Ob Primär- oder Sekundärbestattungen, Einzel- oder Mehrfachbestattungen oder das Rossopfer als Ausdruck regaler Bestattungsriten, die Affinität nach dem deutschen Philosophen Jakob Friedrich Fries muss vorgelegen haben, nicht nur in der Intention, sondern auch – der Archäologie Genüge zu tun – in der Plastizität der Überreste. Und hier setzt der archimedische Punkt meiner Ausarbeitung an.

Das Hillefeld gehört verwaltungstechnisch zur Verbandsgemeinde Welver, im Landkreis Soest gelegen. Es handelt sich dabei um eine Flurparzelle im Süden der Gemeinde Scheidingen. 2015 wurden auf dem Hillefeld unter der Regie des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe, Archäologie für Westfalen (LWL) Ausgrabungen durchgeführt hinsichtlich der Dokumentation mittelalterlicher Besiedlungsspuren in Ausmaß, Form und daraus ableitender Funktionalität. Im Fokus dortiger archäologischer Aktivitäten stand im Sommer 2015 ein Grundmauerzug, den es galt freizulegen. Während dieser archäologischen Tätigkeiten konnte in einer Abfallgrube ein Pferdekopf – in den Ausmaßen fast schlechthinnig erhalten –  ausgegraben und dokumentiert werden. Bisher konnten weder fachliche Diskurse, gar dezidierte Versuche dahingehend, noch evidente literarische Annäherungen bezüglich jedweder Interpretationen zur Präsenz dieses Biofaktes perzipiert werden. Billigermaßen? Ich will den Versuch unternehmen, über ausgewählte Exempla Analogien aufzuzeigen, um diesen Pferdeschädel nach archäologischen und historischen Gesichtspunkten argumentativ in das Potpourri belastbarer Zuordnungen integrieren zu können. Der Pferdeschädel soll sich vom bloßen Dokumentationsstatus emanzipieren und als Rückgriffbiofakt für das Explizieren von komplexen Zusammenhängen im Scheidinger Umland dienlich sein. Um der Übersichtlichkeit, der Stoffrelevanz und dem Objektivismus einer Ausarbeitung Genüge zu leisten, werden als thematischer Restriktionsrahmen die Konzentration auf das altsächsische und mainfränkische Einzugsgebiet statuiert und die Argumentation nivelliert geführt zur Vermeidung ekstatisch-dogmatischer Argumentationsketten.

Methodisch ist dabei der Werdegang vom Allgemeinen zum Speziellen eine Notwendigkeit hinsichtlich der Charakterisierung eines Pferdeschädels. Das Aufzeigen von (über-)regionalen Analogien und übereinstimmenden Parametern – sofern sie denn existieren – erleichtert die Zuordnung oder die eben aus der Abwägung heraus resultierende Verneinung einer Funktionszuordnung für den Hillefeldschen Pferdeschädel. Der Anspruch auf Vollständigkeit im Aufzeigen von Analogien ist aber keine Zielkomponente dieser Ausarbeitung, denn der Plastizität wegen bedarf es einer didaktischen Reduktion. Wenn ich ein Biofakt, ein Überrest allgemein der Adjunktion zuführe, bedarf es dabei idealiter objektiver Parameter zur Eingrenzung oder Identifikation bezüglich der Zeit- und Kulturepochen. Die Krux mit dem Hillefeldschädel liegt dabei im Tatbestand des Nichtvorliegens direkter Bezugsgrößen, da die Befundmasse exzeptionell und autark auf einer Ackerfläche vorzufinden war. Lediglich die angrenzenden Überreste von Besiedlungsspuren und Biofakten geben Halt in den Interpretationsansätzen für mögliche Funktionalitätszuordnungen. Daher legt die Ausarbeitung den Akzent auf das Setzen von Signifikanzen und Konklusionen aus den Besiedlungsspuren und dem abseits gelegenen Pferdeschädel. Sine ira et studio, dieses für Diskurse notwendige Kriterium in Darbietung und Beantwortungsszenarien eines (selektiven) Leitfragenkonglomerates ist der eigene Anspruch für diese Ausarbeitung. Die nie unsichtbare Diskrepanz besitzt dabei eine pikante, persönlich motivierte Note, denn thematisch können von mir initiierte und eigene archäologische Tätigkeiten integriert werden in die Ausarbeitung. Autochthone Beatifikationen werden aber nicht skizziert.

Samantha Seithe

 

Die Pferdebestattungen sind keine Marginalie!

Zunächst soll ein Abriss über diese Biofakte das Bewusstsein stärken für die Legitimation im merklichen Befundkatalog der Archäologie. Und einige Pferdebestattungen sind in der archäologischen Befunddokumentation vorlegbar. In Kontinentaleuropa waren die Pferdegrabriten bis in das Hochmittelalter hinein präsent. Waren in der Spätantike Pferdebestattungen überwiegend in Pannonien, im Bulgarenreich, in Thüringen und den alamannisch-bajuwarischen Einzugsgebieten zu beobachten, expandierte der Pferdegrabritus zunehmend über den kompletten Herrschaftsbereich der Merowinger und konnte sich auch in Mainfranken oder im Südwestfälischen etablieren. Es ist anzunehmen, dass diese heidnische Sitte im Rahmen der Völkerwanderungsbewegungen in den gallorömischen und rechtsrheinischen Siedlungsgebieten entweder durch ein Oktroy oder durch die Synthesis Platz fanden in den Regularien der Bestattungsriten. So ist auch zu erklären, dass es gerade die Nachfahren der heidnischen Sachsen waren, die bis in das 11. Jahrhundert diesen Grabritus praktizierten, sozusagen als theodiske Plastination des Ursprünglichen, des den romanisierten Germanen und Franken Konträrem. In Anspielung auf die romanisierten Bevölkerungsgebiete kann man dann aber auch Tacitus heranziehen, der schon davon berichtete, dass die Germanen in den Pferden die Vermittler von Vorzeichen und Weissagungen sehen würden. Wie heißt es doch treffend an der entsprechenden Stelle im 10. Kapitel der Germania zum öffentlichen Leben:

Et illud quidem etiam hic notum, avium voces volatusque interrogare; proprium gentis equorum quoque praesagia ac monitus experiri.[1]

Abbildung 1: Das Pferdegrab von Wulfsen.

Der Ur- und Frühhistoriker Michael Müller-Wille dokumentierte bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts beinahe über 250 Reihengräberfelder mit Pferde- und Pferdeteilbestattungen, wobei geographisch der altsächsische Raum majorativ vertreten ist. Alamannen, Bajuwaren und Rheinfranken waren dem quantitativ nachgelagert. Und Gräberfelder wie das im niedersächsischen Wulfsen (Abb. 1) waren da noch nicht aufgenommen. Auch die Anzahl der bestatteten Pferde ist facettenreich und nicht nach Regularien in der statistischen Masse kategorisierbar.[2] Die Einzelbestattungen ragen deutlich hervor, die Mehrfachbestattungen sind majorativ im geographischen Gürtel vom Friesländischen in das Anhaltinische anzutreffen. Die Dreifachbestattungen sind nicht als statistischer Ausreißer zu interpretieren ob ihrer quantitativen Marginalität, aber zahlenmäßig unterrepräsentiert, jedoch geographisch im Altsächsischen behei

Abbildung 2: Die dem „Fürstengrab von Beckum“ zugeordneten Pferdegräbern.

matet (Beckum in Nordrhein-Westfalen, Wulfsen in Niedersachsen, Griefstedt in Thüringen). Die profane Einschachtung war dabei die obligatorische Bestattungsmethode, konnte jedoch bautechnisch auch Transnormalitäten aufweisen, so zu beobachten auf den westfälischen Gräberfeldern von Beckum (Abb. 2) und Bremen-Ense mit holzverkleideten Gruben. Auch Kreis- und Rechtecktgräben als Umwallungen oder Pfostenanlagen sind dokumentiert.[3]

Und die Ausrichtung der Pferde? Auch hier gibt die statistische Masse keine signifikante Kategorisierung preis. Aufgestützte Köpfe, Bestattungen mit rechts- oder linkslagiger Rumpfausrichtung, Bauch- oder Rückenlage und Ausrichtungen nach allen Himmelsrichtungen können sind dokumentiert. Lediglich in Clustern kann man schwerpunktmäßig im alten Sachsen nach Regionen die Ausrichtung angeben, die aber versetzt sind mit zahlreichen statistischen Ausreißern. So kam im alten Ostsachsen, also in Teilen des heutigen Mitteldeutschlands, schwerpunktmäßig die Ost-West-Ausrichtung zum Einsatz, in Engern und Westfalen dagegen majorativ die Nord-Süd-Ausrichtung zum Vorschein.  Allerdings liegt in toto dieser Einteilung keine sklavische Kategorisierung zugrunde, denn das Vorhandensein mehrerer Bestattungsrichtungen ist in allen altsächsischen Gebieten anzutreffen, auf dem Gräberfeld von Grone in Niedersachsen sogar mehrere Bestattungsrichtungen. Geschlechtsspezifische Kategorisierungen sind nur bedingt möglich, da osteologische Analysen nicht für alle Befunde vorliegen. Wo osteologische Befunde vorliegen, kann klar ein Votum für den Hengst oder für den Wallach gegeben werden. Aber auch hier können weibliche Exemplare nicht ausgeschlossen werden, wie im sachsen-anhaltinischen Schönebeck schon in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts vom Museologen Wolfgang Wanckel aufgezeigt wurde. Auch im brandenburgischen Gröditsch (Abb. 3)

Abbildung 3: Pferdegrab aus Gröditsch, Bef. 35.

wurden 2001 neben Rindern trächtige Stuten und ein Fohlen entdeckt. Darüber hinaus wurde dort ein ausgewachsenes Pferd dokumentiert, dass mit unter dem Körper angewinkelten Beinen in einer in Nord-Süd-Ausrichtung gelegenen Grube lag.[4]  Die Spannweite hinsichtlich des Alters ist jedoch ungewöhnlich hoch. Das oberbayerische Wielenbach kann ein halbjähriges Fohlen vorweisen, das niedersächsische Grone ein mehr als rüstiges Exemplar von stattlichen 20 Jahren. Um robust sich den statistischen Ausreißern entgegenzustellen, kann auch der Modalwert Verwendung finden für diese statistische Masse und irgendwo zwischen vier und acht Altersjahren platziert werden für die Bestattungspferde. Die partiellen Pferdebestattungen – und hier zählt Hillefeld zu den Kandidaten – treten untergeordnet in Erscheinung. Verena Freiin von Babo zählt beispielsweise ohne Berücksichtigung des Hillefeldes 26 Kopfskelettbefunde in ihrer Dissertation von 2004 auf.[5]

Um der Nennung aller Besonderheiten gerecht zu werden, auch Knochen anderer Tiere sind als Beigaben in Pferdegräbern dokumentiert, oft im Zusammenhang mit der Dekapitation der Pferde. Nehmen wir das unterfränkische Zeuzleben. Anfang der achtziger Jahre im 20. Jahrhundert kamen bei Erdarbeiten markante Bodenverfärbungen – also ein klassischer Indikator für verfüllte Grabschächte – zum Vorschein und gaben die Initialzündung für eine systematische Bodenanalyse. Das Ergebnis war ein frühgeschichtliches Gräberfeld mit Menschen- und Tiergräbern. Die Pferde waren größtenteils enthauptet, Hundegräber den Menschengräbern beigefügt. Da zahlreiche Tierknochen auch zur Befundmasse der Menschengräber gehören, liegt die Vermutung nahe, hier eine rituelle Begräbnisstätte anzusetzen oder zumindest die enthaupteten Pferde als elementaren Bestattungsritus zu interpretieren. Auffallend ist dabei – und zugleich als Verstärkung geeignet für die These des rituellen Bestattens – die Beobachtung auf dem Zeuzlebener Gräberfeld, dass in einem Grabschacht ein menschliches Skelett unterhalb eines vollständigen Pferdeskelettes lag.[6]

Das ebenfalls in Unterfranken gelegene Kleinlangheim im Landkreis Kitzingen verfügt über ein ganzes Arsenal an Tierskeletten, die bereits ausführlich in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts von den Münchener Tiermedizinern Joachim Boessneck und Angela von den Driesch-Karpf osteologisch vollumfänglich in die Befundaufnahme überführt wurden. Neben den dekapitierten Pferdeschädeln gehören ein Rinderschädel, ein Widderschädel, ein Wolfsskelett und ein Rothirschgeweih zur Ausstattung des Tierfriedhofes.[7] Da allen Pferdeskeletten in Kleinlangheim der Schädel fehlt, kann hier eine Verwendung der Pferdeköpfe zu kultischen Zwecken angenommen werden. Nicht unüblich war, dass die Pferdeköpfe auf Pfähle oder Firste gesteckt wurden. Offensichtlich wurden die Pferde als Kameraden interpretiert, die den beigesetzten Menschen als Transportmittel in einem wie auch immer gelagerten Jenseits dienen sollten. Auch hier lag geschlechtsspezifisch die männliche Ausprägung vor, möglicherweise waren es Wallache. Warum? Die Beckenknochen waren der Indikator, das Geschlecht der Pferde als männlich zu bestimmen.  Da das Os pubis eines Pferdeskelettes auf dem Gräberfeld eine leichte Eindellung besitzt nahe der Mediane an Stelle des Tuber dorsale, kann auf eine Kastration geschlossen werden, da die Beckenformtransformation eine direkte Kastrationsfolgeerscheinung von Hengsten ist. Ob es für alle Pferdeskelette zutrifft, kann aber nicht mit Sicherheit formuliert werden, da Schambeinanomalitäten lange Vorlaufzeiten haben, und die Pferdeskelette wurden nicht in Kleinlangheim als vollständig adult katalogisiert, so dass noch kein anatomischer Unterschied zwischen Hengst und Wallach bestehen muss.[8] Da der Hillefeldfund nicht zur Dekapitationsbefundmasse gehört, soll es bei diesem Exkurs bleiben mit dem Schaffen eines Bewusstseins, dass die Interpretationsindikatoren für den Pferdeschädel auf dem Hillefeld nicht vollumfänglich nutzbar sind wegen des Fehlens anatomischer Charakteristika.

Das Pferdegeschirr ist nicht obligatorisch für die dokumentierten Pferdebestattungen, aber eben auch nicht unbekannt. Trensen, Zaumzeugbeschläge oder Steigbügel gehören zur Asservierung. Ein Musterbeispiel derartiger Grabbeigaben ist im westsächsischen Schleenhain dokumentiert, als Ende der neunziger Jahre im letzt

Abbildung 4: Grube mit Pferdebestattung aus Schleenhain.

en Jahrhundert nahe der mittelalterlichen Wüstung Cossa eine Grabgrube entdeckt wurde, in der ein Pferdekadaver stehend ausgerichtet bestattet wurde. Hierfür waren die Grubenvertiefungen dienlich, in denen sich die Vorder- und Hinterläufe befanden. Und der Pferdekopf ruhte leicht erhöht auf einem

Abbildung 5: Pferdeschädel mit eiserner Trense aus Schleenhain.

Sockel (Abb. 4). Das Kuriosum an diesem Pferdeschädel lag nicht in dem mit Steigbügeln und Trense ausgelegtem Grab, sondern in der Aufzäumung des Pferdes mit diesen typischen Grabbeigaben (Abb. 5).[9] Hilfreich waren diese obligatorischen Grabbeigaben durchaus, denn die dortige Ringtrense zeigt eine ungefähre Gebissweite von zehn Zentimetern. Zudem erschien die Verdickung der Gebisshaltung, mittig platziert, als Schlussfigur dienlich zu sein für Knebeltrensen, da die Verdickung die für Knebeltrensen typische Durchlochung aufweist. Eine tragbare Konklusion wäre damit die Annahme einer Gebissbreite von nur knapp sieben Zentimetern. Nimmt man die Spannweite der durch die Trensen vorgegebenen Gebissweiten, läge Schleenhain im untersten Datencluster, für die frühmittelalterlichen Artefakte sogar außerhalb der katalogisierten Messdaten. Ob aus diesen Widersprüchen oder Nichtpassungen Konklusionen hinsichtlich der zeitlichen Einbettung getroffen werden können, bleibt vorerst abzuwarten, trübt aber keineswegs die ausführliche Dokumentation der stehenden Pferdebestattung.[10] Auch wenn Grabbeigaben wie die Trensen in Schleenhain zur Verwirrung beitragen können, bleibt doch der Positivismus nicht dem Einsturz zwingend zugeführt. Der Steigbügel aus dem Schleenhainer Pferdegrab offenbar eine interessante Vernetzung in den asiatischen Raum. Da hier der Riemendurchzug zur Befestigung des Steigriemens in den Bügelkörper integriert ist, kann der Fund frühestens in das beginnende 11. Jahrhundert verlegt werden, da bis zum Ende des ersten Jahrtausends der Riemendurchzug am Bügel an- oder aufgeschmiedet vorzufinden war, zumindest in der Restriktion zulässig auf Grundlage der katalogisierten Steigbügelfunde. Abgesehen von einer technischen Finesse, blieb diese Technik nur zwingend in der Konstruktion für Panzerreiter, die durch die neue Riemendurchzugstechnik die Bügel einer größeren Belastung zuführen konnten und damit die Pferdekraft vollständig ausschöpfen konnten in Kampfsituationen oder für leichte Reiterei mit ihren leistungsfähigen Kompositbögen. Vielmehr kann in dieser Steigbügelform auch eine Verbindung zu den Steppenomaden im Einzugsgebiet der Kiewer Rus und der byzantinischen Schwarzmeergebiete gezogen werden, die diese vornehmlich nutzten. Lokale Fürsten bedienten sich dieser Steppennomaden als Reservoir für eine Soldateska, Söldnertätigkeiten der einzelnen Turkvölker sind quellentechnisch belegt für den polnisch-ungarischen Raum im Mittelalter.[11]

Diese Grabbeigaben gehören nicht nur aufgelistet, um der Vollständigkeit des Befundes gerecht zu werden, sie lassen auch Rückschlüsse zu hinsichtlich der Funktionalität eines Pferdes. Ob Reitpferd, Waffenpferd oder ein in der Landwirtschaft eingesetzte Allrounder auf vier Hufen, die Interpretationen können verwirrend ambigue sein.  Mit Blick auf die weiteren Ausführungen scheinen hier einige Anmerkungen hilfreich zu sein hinsichtlich der Wertschätzung und der Position des Pferdes zu seinem Besitzer. Grundsätzlich diente das Pferd als Transportmittel und zwar in der Form, dass die Bestatteten auch die Reise in das Jenseits hätten antreten können oder im Jenseits ein Pferd zur Verfügung gehabt hätten. Im Rahmen von Bestattungsfeierlichkeiten gehörte das Pferdefleisch zum standardisierten Begräbnismal, das Fell und der Schädel wurden jedoch symbolisch in die rituelle Begräbniszeremonie aufgenommen als Begräbnisinventar. Es war durchaus üblich, dass der Pferdeschädel auf Stangen am Grab aufgesteckt wurde oder wenige Meter vom Körpergrab abseits eine eigenständige rituelle Bestattung erfuhr. Als pars pro toto wurde das Pferd in der Bestattung als Fortführung der diesseitigen Symbiose geopfert.[12] Nehmen wir hier das Grab des „Herrn von Beckum“ aus dem westfälischen Landkreis Warendorf als repräsentatives Beispiel für die Zurschaustellung einer sozialen Stellung des Bestatteten über die Beigabe von Pferdegräbern. Alleine zwölf Pferde und ein Hund wurden diesem Mann beigegeben, und die qualitativ hochwertige Menge an Grabbeigaben wie Waffen, Geschirr oder Schnallen weisen den Mann zweifellos als Angehörigen der Oberschicht aus. Der Ango, das Replikat einer Goldmünze Justinians aus Byzanz, eine eiserne Streitaxt, ein Ringknauf-Schwert, eine bronzene Pinzette, eine Bronzeschale oder die Goldbeschläge einer Tasche aus aufgelöteten Golddrähten sind Belege für den elitären Stand des Verstorbenen.[13] Die Bedeutung dieses Fürstengrabes liegt gerade darin, dass mit diesen Utensilien eine zeitliche Datierung relativ exakt vollzogen werden kann. Die zum Grabbeigabeninventar gehörenden Bronzeschnallen mit punzverziertem Laschenbeschlag ermöglichen die Einordnung in die merowingerzeitliche Gräberfeldkultur um Chilperich I. und Chlothar I. am Ende des 6. Jahrhunderts.[14] Offensichtlich war das Pferd als zusätzliches Statussymbol gedacht. In der Fachwelt werden die zugehörigen Pferdebestattungen als Opfer interpretiert für den Ritt nach Walhall oder als waffentragendes Tier. Auch die Qualität des Zaumzeugs in den Pferdegräbern – insbesondere mit den Notationen 34/110 und 10/10 auf dem Beckumer Gräberfeld  – entspricht der Qualität der Grabbeigaben aus dem Grab des „Herrn von Beckum“.[15]

Signifikante Verbindungen zwischen den Menschengräbern und den Pferdegräbern können nicht aufgezeigt werden. Ob gesondert, im Verbund oder zentriert auf den Gräberfeldern, bleibt vermutlich den örtlichen Besonderheiten vorbehalten. Die quantitativ merkliche Existenz von Ausnahmen verbietet dahingehend Kategorisierungen, zumindest für die Bereitstellung allgemeingültiger Konklusionen. Nehmen wir die großflächige Verteilung der Pferdegräber an auf den Gräberfeldern, belehren uns die Pferdegräber im niedersächsischen Bovenden oder die niederländischen Zweeloo und Loveen eines Besseren.[16] Auch die Suche nach einem System, um die Menschengräber in einen funktionalen Zusammenhang zu bringen mit den Pferdegräbern, bleibt verwehrt, da willkürliche Abstände zwischen den Bestattungsparteien keine Korrelation zulassen oder für wenige Pferdegräber sowohl Frauengräber als auch Männergräber Bezugspunkte sind. Und dabei sind noch nicht einmal die zahlreichen Pferdegräber auf den Gräberfeldern berücksichtigt, bei denen die dort lokalisierten Menschengräber das jeweilige Geschlecht nicht preisgaben. Dieses Faktum der Willkürlichkeit und die asyndetischen Cluster wirken wie Blei auf den Argumentationstragflächen dieser Ausarbeitung, müssen jedoch fachwissenschaftlich angenommen werden.

Analogien im altsächsischen Raum

Starten wir mit dem Gräberfeld in Ense-Bremen, einem Bestattungsplatz südwestlich der westfälischen Stadt Soest nahe der Möhne gelegen. Nicht nur die räumliche Nähe zum Hillefeld erlaubt eine Einordnung in den Diskurs, sondern die dem Bestattungsfeld zugeordneten Bestattungsinventare aus verschiedenen archäologischen Phasen von annähernd 2000 Jahren. Schon in der späten Bronzezeit erlebte dieser Bestattungsplatz eine ritualisierte Grabbeigabenkultur, wie die zahlreichen dokumentierten Grabeinhegungen belegen. Ob Kreis-, Schlüsselloch- oder Langgräbenformationen, die auf dem Gräberfeld die Körper- und Brandgräber mit teils Leichenbrand einhegten, den Menschen in der Bronze- und Eisenzeit oder der Römischen Kaiserzeit war ein vorchristlicher Bestattungsritus für deren

Abbildung 6: Eine Urne aus Ton im Gräberfeld von Ense-Bremen.

Erinnerungskultur ostensiv ein realisiertes Desideratum. Auf dortigem, vorchristlichem Boden erfolgte exemplarisch durch Urnen aus gebranntem Ton (Abb. 6) als Depositorien für den rudimentären Leichenbrand ein generationenübergreifender Bestattungsritus. Zudem konnte über vergleichende Methoden der keramischen Überreste eine Affinität zur Niederrheinischen Grabhügelkultur aufgezeigt werden. Auch die insbesondere aus den Körpergräbern des Frühmittelalters dokumentierten Grabbeigaben wie Scramasaxe, Schildbuckel oder das Potpourri an Alltagsgeräten müssen in der merklich umfänglichen Bedeutung für den experimentellen Historiker und für den Archäologen ostentativ formuliert werden.[17] Aus der Relevanz des westfälischen Gräberfeldes – nicht nur dieses Gräberfeldes –  generieren sich Blickwinkel für die nachfolgenden Betrachtungen zu Pferdegräbern respektive Pferdeschädeln. Die natürlich bedingte Putreszenz in den Gräberfeldern führt apodiktisch zur Vernichtung von Grabbeigaben, und damit liegt für die Rekonstruktion ganzheitlicher Zusammenhänge ein Malus vor. Diese fragmentarischen Überreste tragen per se den Charakterzug der fragilen Konklusionen in sich. Wenn wir Ense-Bremen in den Diskurs tragen, dann sind die zahlreichen organischen Aufbewahrungsbeigaben wie Holzgefäße oder Lederutensilien in den Gräbern mit Leichenbrand entweder unwiderruflich gelöscht aus der Inventarliste oder widerrechtlich dem tatsächlichen Inventar zugefügt worden, ganz zu schweigen von osteolytischen Prozessen in den Körper- und Pferdegräbern. Zudem werden durch externe Faktoren wie landwirtschaftliche Tiefpflüge, Dedunation, Deflation und umfängliche Umbaumaßnahmen ohne genügende Tieflage der Gräber der archäologische Modus ponens im Übermaß traktiert. Und dieses Konglomerat an Annihilationen ist zum Leidwesen der Archäologen für das Hillefeld in destruktiver Analogie vollumfänglich zu übernehmen. Nimmt man die konstruktive Analogie als Prämisse, kann alleine aus dem Vorhandensein der Grabeinhegungen in Ense-Bremen die Existenz einzelner Pferdeknochenfragmente auf dem Hillefeld in den Bedeutungsrahmen der in den Diskurs gestellten Pferdegräber aus Niedersachsen und Westfalen getragen werden. Werden die Langgräben als Ruhestätten von Familienoberhäuptern, Schöffenbarfreien, vielleicht auch von Semperfreien interpretiert, gehören die Pferdegräber als Sekundärbestattungen in die vorchristliche Ahnenkultur mittels der Totenhäuser, also als bauliches Parergon im Bestattungsritus interpretiert oder als Marginal verwendet in der altsächsischen Variante der Gräber der Noblen aus dem Alten Ägypten.

Das dingliche Konkretum liegt nun in Ense-Bremen in langrechteckigen Gruben, und die Ausrichtung der Pferde in den Gräbern kann dabei aus der Lage der Schneide- und Hakenzähne sowie aus der Lage der Prämolaren und Molaren geschlossen werden, die nicht der Zerstörung des Hydroxylapatits zum Opfer fielen. Die Ausrichtung der dortigen Pferdegräber war mehrheitlich so angelegt, dass die Pferde mit dem Kopf nach Norden bestattet wurden. Drei Pferdeköpfe zeigten auch nach Osten. Ob die Ausrichtung nach standardisierten Normen erfolgte oder die statistische Datenmenge quantitativ nach den Himmelsausrichtungen als Auswertungsmenge nicht dienlich ist, kann dem archäologischen Status quo nicht entnommen werden in Ense-Bremen, aber die Pferdekopfausrichtungen waren konträr zu den Körpergräbern.[18] Auch die zusätzlichen Nischen für die Pferdeköpfe waren in den langrechteckigen Gräbern anzutreffen. Das Grabbeigabeninventar aus den Pferdegräbern verdeutlicht zudem signifikant einen Bezug zum Totenkult. Eine ahnenkultige Ingredienz sollte dem Verstorbenen als – seinem Stand entsprechend –  adäquates Transportmittel zur Verfügung stehen, um den Weg nach Walhall antreten zu können.

Und das niedersächsische Wulfsen? Der Fund des Pferdegrabes im Landkreis Harburg südlich von Hamburg 1974 bedeutete nicht, den Leitfaden in der Interpretation derartiger Dreifachbestattungen (Abb. 1) als Phoenix aus der Asche gefunden zu haben, da das Hillefeld eine noch nicht skizzierte Einzelbestattung aufzeigte. Aber der Hillefeldsche Fund hätte gut daran getan, sich der Methoden zur Dokumentation der Pferdeskelette anzunehmen. Was war passiert nach der Freilegung in Wulfsen? Der Archäozoologe Hans Reichstein aus Kiel taxierte die drei Pferdeskelette zunächst auf ein Alter zwischen fünf und sieben Jahren, und die Hengstzähne ermöglichten eine geschlechtsspezifische Einteilung. Auch die Widerristhöhe wurde ermittelt und lag mit bis zu maximal 138 Zentimetern nicht im überdurchschnittlichen Bereich. Vielleicht waren es Artverwandte der Großponys oder Abzweigungen der Islandponys.[19] Gedankengänge und dergleichen Assoziationen dahingehend scheinen im germanischen Kulturkreis nicht abwegig zu sein. Diese Charakteristika können als Basis für belastbare Konklusionen dienen. Bleiben sie nur in der Aufzählung schon verwehrt, sind die archäologischen Überreste nicht in die Nomenklatur aufzunehmen und bleiben interpretatorisches Streuobst mit einer zügigen Halbwertzeit des Erinnerns. In der Präparation in situ zeigten die Archäologen in Wulfsen ihr Bewusstsein für die Sensibilität des Grabfundes. Brüchige Knochen und die wenig stabile Haftung des Untergrundes verlangten zunächst die Knochentränkung mit Leim bis zur Sättigung. Der Boden und die Grubenwände mussten verfestigt werden mit Speziallack, Polyurethan- Hartscham stabilisierte den Grubenhohlraum. Anschließend erfolgten der Einbau eines umfassenden Holzkastens und das Ausschäumen des Zwischenraumes zur Stabilisierung. Dieses aufwendige Verfahren – und das weitere Freipräparieren vom Hartschaum im Museum ist nicht frei von unerheblichem Arbeitsaufwand – kann nicht den Anspruch auf Übernahmeverpflichtung statuieren, aber überregionale Querverbindungen hinsichtlich der Pferdebestattungen können nur durch eine lückenlose Dokumentation erfolgen. A priori sind die archäologischen Corpora Delicti somit für Analogien perforat. Ob und in welchem Ausmaß sich der Hillefeldsche Fund dieses Defizitäre eingestehen muss, bleibt den Ausführungen zum Hillefeld in dieser Ausarbeitung vorbehalten. Interessant sind auch die Beobachtungen von Werner Haarnagel bezüglich des Gräberfeldes in Feddersen-Wierde, nahe Cuxhafen. Er kategorisierte die dortige Befundmasse nach Abfallgruben mit Tierknochen als Speisereste und Grubentypen mit Tierskelettresten. Ihm fiel auf, dass in länglich-rechteckigen Gruben oft vollständige Skelette lagen, in Pfostengruben und Gruben unterschiedlicher Ausprägung dagegen majorativ nur Pferde- oder Rinderschädel. Zudem ging er davon aus, dass nur Tiere wie Pferde, Rinder und Hunde geopfert wurden, da offenbar nur diese Tiere über sorgfältig errichtete Beisetzungsgruben verfügten[20]. Der Aufenthalt im altsächsischen Einzugsgebiet ist auch deshalb urbar, da bei Vorliegen entsprechender Grabbeigaben in Pferdegräbern gute Datierungen, Charakteristisches aus jenen Zeitepochen und Vereinfachungen hinsichtlich der Interpretationsschübe für die Einbettung des Pferdegrabes in den Gesamtzusammenhang möglich sind, unabhängig von den Erkenntnissen aus Schleenhain. Nehmen wir die Reitergräber aus dem niedersächsischen Sarstedt. Bereits zu Zeiten der Weimarer Republik dokumentierte der Archäologe Hans Gummel ein Reitergrab in Sarstedt, in dem neben dem menschlichen und dem Pferdeskelett auch ein Schwert, eine Lanze, ein Schildbuckel und eine Rippzange aus Bronze enthalten waren. Augenzeugenberichte zu jener Grabung berichteten von einem Pferd, das auf der rechten Körperseite in Südost-Nordwest-Ausrichtung verharrte, der Reiter dagegen in Südwest-Nordost-Ausrichtung bestattet lag. Und der skelettierte Schädel befand sich zwischen den Gliedmaßenknochen des Pferdes.[21] Nicht nur die Überkreuzausrichtung der beiden Weggefährten nach Walhall war dabei von Belang, sondern die Grabbeigaben wurden als Artefakte der Schlacht am Süntel 782 beschrieben, als sich der heidnische Widukind gegen die Franken erfolgreich zur Wehr setzte. Auch 2001 wurden zwei Reitergräber im Sarstedter Stadtteil Heisede entdeckt, in denen in Kammergräbern neben den Kriegern Pferde, Stoßlanze, Sax und Schild aufzufinden waren. Da beide Krieger Spuren von malignen Verletzungen aufweisen (Schädelfraktur, Unterschenkelamputation), sehen Archäologen diese Begräbnisse im zeitlichen Kontext zu den archäologischen Befunden auf den sächsischen Fliehburgen Barenburg und Amelungsburg, die Sammelstellen für die sächsischen Truppen waren gegen die Franken 782.[22]

Die frühmittelalterlichen Pferdegräber im niedersächsischen Liebenau und Wünnenberg-Fürstenberg sind dahingehend interessant, da hier in beiden Fällen detaillierte Zahn- und Skelettaltersbestimmungen vorliegen zwecks Altersbestimmung. In Liebenau wurden die langen Gliedmaßenknochen mit der Methode von Ludwig Kiesewalter ermittelt und die Widerristhöhen katalogisiert.[23] Das Fehlen jeglicher Schädel- und Beckenfragmente machte die Bestimmung des Geschlechts und die Geschlechtsverteilung unmöglich, aber Schädelfragmente und Zähne deuteten auf Hengste oder Wallache hin. Schnittspuren an den Occipital- oder Atlasfragmenten konnten nicht beobachtet werden, daher konnten für die dortigen Pferdeskelette Dekapitationen ausgeschlossen werden. Die Epiphysensensynostosierung ergab, dass die Hälfte der Probanden höchstens fünf Jahre war, wenige Exemplare waren älter als 6 Jahre. Zudem ergab die Knochenanalyse keinerlei Indizien für pathologische Veränderungen wie Arthritiden oder Spondylarthrosen, die als Parameter für langanhaltende oder einseitige Überbelastung gelten.[24] In Wünnenberg-Fürstenberg wurden neun Pferdegräber dokumentiert, in zwei Gräbern gab es nur die Schädel und fragmentierte Gliedmaßenknochen. Es gab verschiedene Orientierungen in der Ausrichtung, allerding lagen tendenziell die Pferde auf der rechten Körperseite mit angewinkelten Gliedmaßen. Lediglich in zwei Gräbern kamen Grabbeigaben zum Vorschein. Rainer Springhorn beschäftigte sich ausführlich mit den Kenndaten der Pferdeskelette wie Größe, Alter oder Geschlecht. Das Stockmaß erhielt wieder eine Vorgabe durch Ludwig Kiesewalter, und das Alter wurde nach dem Zahnstatus und dem Zahnabrieb ermittelt. Die Ausformung des Tuberculum pubicum dorsale und des Ramus acetabularis ossis pubis des Beckens und die Hakenzähne dienten als Beleggrundlage für die geschlechtsspezifische Katalogisierung.

Ein Potpourri an Leitfragen für den Pferdeschädel vom Hillefeld

(Leitfrage 1) War der Hillefeldsche Pferdeschädel ein Bauopfer? Diese Frage kann nicht aus der bloßen Existenz des Schädels konkludiert werden, sondern gehört als eine Staffage in die Ausgrabung und Dokumentation einer komplexen Bebauungsstruktur des archäologischen Grabungsgeländes. Es ist keine apodiktische Determinante, aber die Überreste von Baustrukturen dienen als für fachwissenschaftlich intonierte Diskurse belastbare Gradmesser auf der Suche nach Funktionalitäten der Artefakte. Schauen wir uns zunächst im Abriss das oberbayerische Ingolstadt an für die Bereitstellung von Vergleichswerten. Hier konnten zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf dem Ingolstädter Rathausplatz stratigraphische und topographische Erkenntnisse gewonnen werden durch das Auffinden mittelalterlicher Überreste. Die detailliert dokumentierte Ausgrabung brachte im alten Fließwasserareal des Flusses Schutter ein archäologisches Überraschungsmoment zum Vorschein, als ein mittelalterliches Holzhaus freigelegt werden konnte. Alleine die facettenreiche Dokumentation war für den Städtebauhistoriker ein Damaskus

Abbildung 7: Hausgrundriss Ingolstadt.

hinsichtlich unterstellter mittelalterlicher Profanbautechniken. Das Holzhaus verfügte mindestens über eine horizontale Querschnittsfläche von 60 Quadratmetern, war West-Ost orientiert und als Überreste konnten eine zentral gelegene Herdstelle, Teile des Fußbodens und der Schwellenkranz des Ständerbaus gesichert werden (Abb. 7). Auch die Nutzungsdauer muss von Konsistenz geprägt gewesen sein, da mehrlagige Lehmtennen dokumentiert wurden. Zudem erfolgte die Errichtung auf einer künstlichen Insel im Schutterwasser, realisiert durch einen Bohlenkasten mit Lehmabdichtungen und Kiesauffüllungen. Das Intermezzo in die Ingolstädtter Stadtbaugeschichte sei nun beendet, aber das objet de désir

Abbildung 8:  Das Pferdeskelett aus Ingolstadt, Bef. 159.

findet selbstverständlich Erwähnung. Im Bohlenkasten fand sich zentral gelegen als Bauopfer das Skelett eines Pferdes mit sauber platziertem Pferdeschädel auf dem Skelettrücken unter der Kiesverfüllung des Holzkastens (Abb. 8).[25] Eine weitere Festigung der Querverbindung von Pferdeschädelfunden und Besiedlungsartefakten liefert das unterfränkische Trappstadt, das 2014 bei Grabungen auf dem Schlosshof der dortigen Schlossanlagen interessante mittelalterliche Besiedlungsspuren aufzeigen konnte.

Nebengrabenartigen Strukturen fielen insbesondere die beiden Grubenhäuser in die archäologische Relevanz und bereicherten den Befundkatalog. Beide Grubenhäuser waren bis zu einem halben Meter eingetieft in den Keuper mit Abrundungen der Wände zum Bodenbereich. Das Grubenhaus mit der Notation 6 (Abb. 9) verfügte über eine südliche Hauswandlänge von über drei Metern, die östliche Grubenhauswand konnte zumindest auf ungefähr zwei Metern freigelegt werden. Da sich am Profil ein Pfostenloch abzeichnete, konnten für die östliche Grubenhauswand natürlich weitere Wandlaufmeter unterstellt werden, aber die grundsätzliche Anordnung der Gebäude mit paralleler oder rechteckiger Anordnung blieb durch das lückenhafte Ausgrabungssubstrat in der Erkenntnis verwehrt. Lediglich Überbleibsel reiner Holzkohle konnten auf dem Grubenhausboden der Notation 6 ermittelt werden. Ob es sich dabei um belastbare Indizien für Feuerstellen handelt, bleibt unklar und gehört nicht in den Fokus der Ausarbeitung. Interessanter scheint – auch mit Blick auf die Pferdeschädelproblematik – das Grubenhaus mit der Notation 7 (Abb. 9) zu sein. Zunächst komplettieren sich dessen Ausmaße zu etwa fünf Metern in der Länge und zu dreieinhalb Metern in der Breite. Gebäudeecken und Schmalseiten verfügten über Pfostenlöcher, die etwas über dreißig Zentimeter eingetieft waren. An der nördlichen Längswand war zentral ein weiteres Pfostenloch angebracht. Ein bautechnischer Zwilling auf der gegenüberliegenden Seite konnte durch den dort verlaufenden Sondagegraben nicht mehr explizit aufgezeigt werden, bleibt aber – schon der Symmetrie wegen –  kein Element aus einer obskuren Vorstellungskraft. Notation 7 war darüber hinaus im südlichen Areal gekennzeichnet durch holzkohle- und kalkenthaltende Bodenschichten, durchzogen von schmalen Lehmbändern. Die dort aufgefundenen Keramikfragmente

Abbildung 9: Übersichtsplan der Grabung in Trappstadt.

führen dazu, dass dieser bauliche Überrest in die Hochmittelalterepoche datiert werden kann. Die Funktionalität kann über das Nichtvorhandensein jeglicher Feuerstellen erschlossen werden, und die durchaus nachgewiesenen Schlackteteilchen schließen trotzdem metallverarbeitende Funktionstrakte aus wegen des Fehlens eben jeglicher Hitzequellen. Die Grubenhäuser mit Webhäusern zu identifizieren, liegt naheliegend aufgrund der dort gefundenen Webüberreste wie Webgewichte und Spinnwirtel.[26] Das für die Ausarbeitung interessante unterfränkische objet de désir lag in der Notation 7 (Abb. 9),

 

Abbildung 10: Pferdeschädel im Grubenhaus in Trappstadt, Bef. 7.

 

aufbewahrt in der obersten Ostwand und ausgerichtet nach Osten. Der vollständig erhaltene Pferdeschädel war bedeckt durch das Verfüllmaterial (Abb. 10). Auffallend in der Anatomie ist der gezackte Oberkiefer, der als Indiz für ein beträchtliches Alter des Pferdes gewertet werden kann, da die Knochen im Zahnbereich mit dem Alter spitzer werden; sozusagen ein natürlicher Gradmesser für die Datierung eines Fundobjektes. Hier bleibt – in Anbetracht der Fundmasse – die Deutung nur als Bauopfer oder ähnlich gelagerte rituelle Niederlegung hinsichtlich einer Schutzfunktion gegen das Übernatürliche oder kaum Erklärbare.[27]

Die Grundlage für diesen Thesenbestand ist das Vorliegen baulicher Strukturen auf dem Hillefeld. Und hier können eigene archäologische Aktivitäten einen Beitrag leisten, damit der Pferdeschädel nicht ohne Bezugspunkte in die Geschichte der Katalogisierung eingeht. Im Rahmen eines Forschungsprojektes zum Salzbach hatte ich 2014 öfters am Salzbachufer um Hof Stemmerk in der Scheidinger Gemarkung zu tun und noch in Erinnerung, dass Steinhügel auf einer der landwirtschaftlichen Pachtflächen eines alteingesessenen Einheimischen namens Bernd Vickermann lagen. Dort stand ich nun seinerzeit mit der Frage nach der Herkunft dieser Steine vor diesen Steinaufschüttungen. Ich musste mir schon eingestehen, dass man aus der bloßen Existenz von Steinrestehalden ohne intensive Materialprüfung keine großartigen Erkenntnisse ziehen sollte und apodiktische Konklusionen in die Diskursmasse hätte werfen können. Aus einem regen Informationsgespräch gab mir der Landwirt Vickermann in jenen Tagen aber Informationen, die die Funktionalität des Pferdeschädels ermöglichen. Wir standen zwar vor den Steinaufschüttungen, aber auf dem “Königskamp”, einem Königshofland. Das war eine Bezeichnung, die unbekannt war, da offenbar nirgends gelistet. Hier korrigierte mich der Landwirt. In seinem Privatbesitz gab es noch eine Katasterkarte aus der Wilhelminischen Ära mit dieser Bezeichnung, die er mir dann später auch freundlicherweise zur Verfügung stellte. Bernd Vickermann berichtete, dass er in all den Jahrzehnten auf dem benachbarten Hillefeld (!) beim Umpflügen seine liebe Mühe mit “diesen Gesteinsbrocken” hatte und auf dem Königskamp zentral lagerte.

Offensichtlich konnte man dem Hillefeld über Jahrzehnte hinweg Reste baulicher Strukturen entnehmen. In einer anschließenden Archiv- und Internetsuche war es mir möglich gewesen, Informationen zu einem ominösen, nicht konkret lokalisierbaren Steinwerk zu erhalten. als Ergebnis der Recherche konnte ich damals eine Urkunde aus dem Jahre 1316 ermitteln, bei der der Hof Stemmerk aus der Dreiteilung einer größeren Hofanlage namens Steinwerk hervorging.[28] In einer Tauschurkunde von 1348 gab es mit “…bi der stayt to Werle tuyschen Werle unde dem steynwarcke…”[29] nicht nur eine weitere Schreibweise vorgesetzt, sondern indirekt auch eine mögliche Standorteingrenzung eben für das Steinwerk als Anlage oder einzelnes Gebäude. Der Hofflerke als Tauschobjekt lag zwischen Werl und eben diesem “steynwarcke“, dem Steinwerk. Dieser Hof existiert wie Stemmerk aber heute noch. Es war also naheliegend, das Terrain um Stemmerk näher zu begutachten. Und so geschah es seinerzeit auch in Eigenregie! Einen weiteren Motivationsschub hinsichtlich der Stemmerkschen Ausgangsstellung ergab sich über eine ergänzende Literaturrecherche, aus der heraus die Urkunden des Klosters Oelinghausen für die Jahre 1308, 1402 und 1421 mit “Haupthof Steinwerk”, “Hof zum Steinwerke (Sten-) mit Gericht und Herrlichkeit” oder “mit der Herrschaft der Höfe zu Flerke[30] schon Umschreibungen liefern und damit eine größere Hofanlage verortet wird. Tatsächlich wurden die damaligen Absuchmanöver erfolgreich begleitet, und im Herbst 2014 konnte zumindest bezüglich des Vorliegens baulicher Überreste eine Verzugsmeldung attestiert werden mit den GPS-Daten 51,594391 und 7,939498. Dort konnte ich mehrere Steine nebeneinander vorfinden, und nach weiterem Aushub kamen Teile einer Grundmauer zum Vorschein. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe-Archäologie in Westfalen mit Außenstelle Olpe übernahm anschließend unter Professor Baales und Frau Doktor Cichy die weiteren Untersuchungen und identifizierte die Überreste als ein polygonales Bruchsteinmauerwerk. Zudem wurden die dortigen Scherbenfunde als Irdenware identifiziert und Pferde-, Schweine- und Rinderknochen gefunden bei weiteren Untersuchungen. Eine hofartige Ansiedlung war bei diesen Überresten nicht nur bautechnisch möglich. Weiterführende Ausgrabungen hatten

Abbildung 11: Übersichtsplan der Grabung Welver-Flerke.                      Abbildung 12:  Ausschnitt aus dem Übersichtsplan der Grabung Welver-Flerke mit besonderem Augenmerk auf Bef. 4.                    Abbildung 13:  Pferdeschädel aus Bef. 4 der Grabung Welver-Flerke, Draufsicht.                                Abbildung 14: Pferdeschädel aus Bef. 4 der Grabung Welver-Flerke, Profilsicht.

dann auch Pfosten, Pfostengruben und eine Wasserleitung hervorgebracht, also Überbleibsel eines Grubenhauses (Abb. 11). Losgelöst vom Umfang und Funktionalität der Überreste, kann der Pferdeschädel also im Zusammenhang mit Baustrukturen auf dem Hillefeld genannt werden. Eine Fundabqualifizierung ist ausgeschlossen, zumal sich die Lage des Pferdeschädels direkt unterhalb der Reste des Grubenhauses befindet, aber der Ausgewogenheit der Argumente geschuldet, bleibt das Resümee hinsichtlich einer Bauopferstrategie nicht evident. Die Abfallgrube ist ein Grubenhaus, welches ein rechteckiges Format angenommen hat und westlich des Eingangs des ausgegrabenen Steinfundaments gelegen war (Abb. 12). Der Pferdekopf war mit Blick nach Norden ausgerichtet, was in Analogie zur majorativen Ausrichtung im frühmittelalterlichen Sachsen steht. Der Schädel war umgehen von der Befundfüllung des Grubenhauses, deponiert auf einem Plateau (Abb. 13). Aufgefunden wurde er lädiert, was man entweder auf die obere Befundfüllung oder auf ein absichtliches Zerdrücken hindeutet (Abb. 14). Auffällig hierbei ist, dass dem Pferdekopf der untere Kiefer abhanden ist. Während des weiteren Verlaufs der Grabung konnte in der zu untersuchenden Fläche kein Unterkiefer ausfindig gemacht werden. Ob dieser als Werkzeug weiter benutzt oder anderweitig Verwendung hatte, bleibt ungelöst. Umgeben mit weiteren Knochen vom Pferd, Schwein und Rind, teils bearbeitet, teils unbearbeitet, ist davon auszugehen, dass der Pferdeschädel in dieser Grube vom restlichen Körper abgetrennt und entweder als Symbol deponiert oder weggeworfen wurde. Sine dubio, der Schädel gibt ein Rätsel auf. Ein auffallendes Analogon existiert jedoch, und zwar handelt es sich dabei um die bereits erwähnte Gräberlandschaft in Gröditsch. Siedlungsspuren mit vergrabenen Tierkörpern sind nicht nur dort dokumentiert. Bereits wenige Jahre zuvor konnte man im brandenburgischen Senftenberg aufzeigen, dass die dortigen Tiergräber an den Grundstücksgrenzen vergraben wurden.[31] Und Gröditsch ermittelte Tiergräber im Hofbereich der Besiedlungsspuren. Es gab zudem einen weiteren Umstand im Gröditscher Ausgrabungskomplex, als in unmittelbarer Nähe eines Pferdegrabes Überreste zweier Brunnen entdeckt wurden. Brunnen und Bauopfer sind dabei im Skizzieren von Signifikanzen in der Literatur keine Unbekannte. Dieter Warnke proklamierte für die Skelettreste eines Pferdes aus der Wüstung Miltendorf im brandenburgischen Reetz einen Bauopferritus.[32] Nimmt man nun noch den Tatbestand in die Wertung, dass das dortige Gröditscher Pferdegrab unter einem Gebäude aus dem Spätmittelalter lagerte, bleibt der Gang zum Bauopferritus nicht unvorstellbar. Seit dem Neolithikum sind diese Opferriten bekannt, verfügen aber nicht über eine Kodifizierung. Da für den Erkenntnisgewinn hinsichtlich eines Bauopfers noch keine adäquate Literatur zur Verfügung steht, aus der sich eine Systematik für den Definitionsrahmen ableiten lassen würde, sichern archäologische Funde den Erkenntnisgewinn ab, allerdings restriktiv in der Analogieanwendung. Vergleichsweise zu anderen Funden, kann dem Pferdekopf vom Hillefeld hier aber keine Bauopferdeponierung oder Bestattung in stringenter Analogie nachgesagt werden. Bei einer Bauopferdeponierung wäre der Schädel im Gebäude oder an einer der Außenwände deponiert und umrahmt, jegliche Beigaben fehlen. Der auf dem Hillefeld aufgefundene Pferdeschädel zeigt keinerlei dieser Besonderheiten und stellt hierdurch etwas Apartes dar. Dieser Fund reiht sich ad libitum in die Kategorisierungsversuche der Pferdeschädelbefundmasse ein.[33]

(Leitfrage 2) Gehörte der Pferdeschädel zur Beigabenmasse eines sozial Höhergestellten, wie etwa am Grab des „Herrn von Beckum“ ersichtlich? Dieser Punkt steht im direkten Zusammenhang zur ersten Thesensetzung und legt den Fokus auf die möglichen Hauptakteure der in Überresten vorliegenden Besiedlungsspuren. Gehen wir zum Königskamp zurück. Der offenbar in Vergessenheit geratene Königskamp ermöglicht eine neue Blickwinkelöffnung, da ein Königskamp problemfrei in die Versorgungseinrichtung eines Königs einzuordnen war, und damit geht es in das Wanderkönigtum und die Pfalzeinrichtungen der Ottonenzeit, die weit vor der ersten urkundlichen Erwähnung Scheidingens von 1233 lagen.[34] Ob es eine Pfalz in Scheidingen gab, ergibt sich als Indizienkette aus dem Quellenstudium. Schon zu Zeiten Karls des Großen wurden am Hellweg Königshöfe errichtet.[35] Werl war civitas regia, und Heinrich I. weilte oft auf der curtis regia des Werler Grafen.[36] Interpretationsreich ist mit “…Sie [die entsprechende Vöhde] liegt nördlich vom Hellwege bei Werlaha…”[37] die Lage von den Unterkünften des Königs. Kann man nun noch dem Weimarer Reichskanzler Franz von Papen Glauben schenken, dessen Vater auf Haus Köningen geboren wurde, dann lagen diese Wiesen bei Haus Köningen und Heinrich der Sachse erhielt dort das Angebot zur Königskrone 919. Haus Köningen liegt in der Gemarkung Scheidingen und gehörte nach Aussage v. Papens zum “Regum domus“.[38] In diesem Zusammenhang sollte man sich auch die Wortbedeutung Werls vergegenwärtigen, da sich aus der alten Bezeichnung Werla eine Beziehung zum Eichenwald ablesen lässt, und heute noch zieren Teile eines alten Eichenwaldes die Gemeinde Scheidingen bei Werl, zu Werl oder eben im Norden von Werl, aber nicht in Werl. Der bereits erwähnte Königskamp oder die Flurbezeichnung “Königslandwehr” in Scheidingen reihen sich dort nur nahtlos in die geographische Argumentationskette ein…gute Ansätze für zukünftige Untersuchungen auf diesem Gebiet.[39]

Und diese res historica besitzt weiterführendes Potenzial für Interpretationen. Selbstverständlich stehen die Eliten in Verbindung zu Gebäuden, die ihrem Anspruch gerecht werden. Hilfreich können hier Heimatforscher oder die Aufzeichnungen von Regionalhistorikern sein, so geschehen bei Franz Joseph Mehler. Schon in seinem Buch von 1891 zur Werler Stadtgeschichte sprach er von einem Schloss im Zusammenhang mit einer Belehnung von 1411.[40] Der Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden verwendete offenbar zu Beginn des 15. Jahrhunderts in den entsprechenden Lehensbekundungen den Schlossbegriff zur Bezeichnung einer größeren Anlage. In einer der Regestensammlungen der Kölner Erzbischöfe können in der Lehensbekundung an einen gewissen Hermann Freseken aus dieser Urkunde von 1411 mit “…sein Schloss Scheidungen (-dongen) mit allen Bauwerken, Herrlichkeiten, Renten, Gülten, Nutzungen, Gefällen,…” Begriff, Beschreibung und Ausmaß herausgelesen werden.[41] Das Schloss existierte also. Die urkundliche Erwähnung an anderen Stellen zu anderen Zeiten zeigt auf, dass das Schloss als Gebäude auch als solches wahrgenommen wurde bis zu seiner Zerstörung 1445 in der Soester Fehde (1444-1449).[42] Bei einer Internetrecherche im Landesarchiv NRW konnte ich aus einer Verkaufsurkunde von 1689 mit “…, ehemals zum Schloss Scheidingen gehörigen 15 ½ Morgen Land bei Werl…” noch einen weiteren Bezug auf eine Schlossanlage finden, die aber in das Konglomerat an unklaren Indizien verfrachtet werden muss.[43] Warum gab es mehr als zwei Jahrhunderte nach der Zerstörung einer Gebäudeanlage noch einen Vermerk in einer Verkaufsurkunde aus der frühen Neuzeit? Die Langlebigkeit kann nur als Indiz Verwendung finden für den ehemals eminenten Habitus, der mit diesem Gemäuer in Concordia stand. Es ist evident, dass bei einem möglichen Wiederaufbau nach 1445 eine größere Anzahl an Erwähnungen in nachfolgenden Aufzeichnungen hätte erwartet werden können. Dieser Sachverhalt gehört keiner weiteren Prüfung unterzogen. Es ist zudem keine abstruse Imagination, dass durch eine Namensbindung zum Burgbegriff der Schlossbegriff “überlebt” haben könnte, vielleicht auch als Synonym in der Frühen Neuzeit Verwendung fand. Es war nicht unüblich, dass aus mittelalterlichen Burganlagen Schlösser entstanden, und Erzbischof Friedrich Saarwerden hatte sicher in der Lehensbekundung an Fürstenberg aus dem Jahre 1405 seine Gründe für die Schlossbezeichnung, die wenig wahrscheinlich als Wortattitüde des Erzbischofs seinerzeit zu interpretieren gewesen wäre.[44] Verweigert man die Denkstrukturen des Kölners, zynisch die Belehnung eines maroden, baulichen Schreckgespenstes beurkundet zu haben, bleibt nur die Existenz einer burgähnlichen Anlage als gegeben vorauszusetzen. Der bereits erwähnte Hermann Freseken hatte 1397 noch “Haus und Burg zu Scheidingen mit Zubehör” erworben.[45] Der Burgbegriff bei Pachtverträgen war auch nach 1445 aus Scheidingen nicht verschwunden.[46]

„Nomen est omen“, das lateinische Zitat ist für diese Leitfragenkultur evident. Werden die Hinweise in den Quellen als archimedisches Punktinferno interpretiert unter Hinzufügung der existierenden Überreste, gäbe es für den Pferdeschädel auf dem Hillefeld eine Involvierungsthese in die Bestattungsriten der regionalen Noblesse. Dass das mit der regionalen Elite auch in Bogenspannung zu den Liudolfingern im Altreich hinausläuft, wäre für den Schädel nicht abträglich. Fahren und Reiten waren im Verhaltenskodex der Oberen fest verankert, berittene Krieger waren – ob vorkarolingisch oder im etablierten Personenverbandsstaat des Altreiches – nur in der Anzahl wenige Personen. Und diese elitäre Oberschicht zeichnete sich auch durch entsprechende bauliche Dimensionierungen aus. Es ist somit nicht vorstellbar, dass eine singuläre, von allen Bezügen zur sozialen Alltagsgeschichte losgelöste Pferderestebestattung auf dem Hillefeld vollzogen wurde. Der Malus auf dem Spielfeld dieses Leitfragenblickwinkels stellt aber apodiktisch das Fehlen jeglicher Bezüge zu Menschengräbern in das Panorama der Leitfragenkritik. Denn nur mit dieser Querverbindung kann die (partielle) Pferdebestattung thesenfest in den fachlichen Diskurs überführt werden. Da konkrete Altersangaben für den Pferdeschädel noch fehlen, Menschengräber auf dem Areal (noch) nicht existent sind oder der starke Fragmentierungsgrad die Einordnung in die Biofakttypen erschwert, bleibt nur durch die angrenzende Fundzusammensetzung die Möglichkeit der relativen Datierung übrig, sozusagen eine Seriation auf lokaler Ebene. Das Ausmaß an Artefakten ist jedoch nicht hinreichend für derartige Vorgehensweisen. Die Hintergründe bleiben somit vorerst facettenreich in der Darstellung. Wurde das Pferd um seiner selbst willen für den Trap nach Walhall bestattet? Liefert der fragmentierte Pferdeschädel auf dem Hillefeld als Biofakt ein Indiz, den Pferdeschädel zu interpretieren als eine Opferhandlung auf einem Kultplatz? Auch ist gegenwärtig nicht zu entscheiden, ob der Pferdekopf ein Biofakt nachbestatteter Pferde darstellt, als turnusmäßiges Ritual zu Ehren einer sozial exponierten Persönlichkeit.[47]

(Leitfrage 3) Ist das Equus caballus auf dem Hillefeld Ausdruck einer profanen Haustierhaltung? Oder: Ist der Pferdeschädel überrestlicher Ausdruck eines wie auch immer deponierten Tierkadavers? Liegt etwa eine Tierkadaverstelle vor? Schauen wir uns im Befundkatalog für das Hillefeld die dokumentierten Knochen genauer an.[48] Die dort dokumentierten Pferde-, Schweine- und Rinderknochen

Abbildung 15:Auswahl der Tierknochenfunde der Grabung Welver-Flerke.

spiegeln durchaus das Bild einer Tierrestehalde wieder (Abb. 15). Der schmale Metatarsus (Mittelfuß) eines Pferdes wurde im Außenbereich des polygonalen Bruchsteinmauerwerkes gefunden. Dabei war ein Ergebnis des Befundes, das der Metatarsus zwar in der Erscheinung komplett, aber eben auch distal abgekaut war. Zudem lagen die beiden zugehörigen Nebenstrahlen (Griffelbeine) in verkümmerter Erscheinung vor. Diese Verkümmerung ist Ausdruck entweder einer stetigen Überlastung des Griffelbeinköpfchens oder der langlebigen Unterlastung, was jedoch einer majorativen Untätigkeit des Pferdes im Alltag entsprechen müsste. Vielmehr scheint hier die Alltagswahrscheinlichkeit Fuß zu fassen, und die Degeneration ist Ausdruck einer permanenten Nutzung des Fesselträgers. Auch der dokumentierte Astragalus (Sprungbein, auch Talus genannt) zeichnet sich durch einen verbrauchten Zustand aus. Die Oberseite des Astragalus zeichnet dabei ein Bild einer maroden Sprungbeinrolle, die natürlich als zwingende Konklusion Auswirkungen auf die Schienbeinrolle in der Knöchelgabel hätte, was zu Gelenkinstabilitäten des oberen Sprunggelenks geführt haben könnte im normalen Stand. Da aus der Befundmasse auch die Lädierung des Pferdeschädels entnommen werden kann, gab es also offensichtlich externe Faktoren für das degenerative und lädierte Erscheinungsbild der überrestlichen Pferdeknochen. Nach jetzigem Erkenntnisstand lag mindestens ein adultes Pferd in seinen Überresten auf dem Hillefeld begraben. Es liegen zwar keine korrelativen Ergebnisse vor zwischen Pferdeschädel und Pferdeknochen, aber die Läsionen passen nicht zur Symbolhaftigkeit einer dem Verstorbenen angetragenen Pferdebeibestattung, um den sozialen Rang des Verstorbenen zu dokumentieren oder das passable Transportmittel nach Walhall zu erhalten. Grundsätzlich wurden Pferde als Arbeits- oder Reittiere gehalten, und die vorliegenden Knochen auf dem Hillefeld liefern keine Anhaltspunkte für juvenile oder subadulte Zustände. Adäquate Altersbestimmungen dahingehend könnten durch verwachsene Epiphysen untermauert werden, liegen aber als Knochenmaterial nicht vor. Und die fragmentierte Tibia (Schienbein) oder Schnittspuren an einer Phalanx könnten Auskunft geben zu Zerlegungen oder Fleischlieferanten.[49] Diese Interpretationsmöglichkeiten bleiben dem Hillefeldfund nach gegenwärtiger Befundmasse verwehrt.

Es existieren weitere Augenscheinlichkeiten hinsichtlich der Taphonomie bei den gefundenen Tierknochen. Nehmen wir das Sus scrofa domesticus, also das domestizierte Schwein. Sollten Knochenreste über einen längeren Zeitraum auf dem Terrain liegen und den Witterungseinflüssen ausgesetzt sein, dann entstehen charakteristische Spaltenmuster, die von der Knochenoberfläche zu den inneren Gewebeschichten vordringen. Diese Beobachtungen sind für ein Gelenkende und für den medialen Unterkieferast als Befundstücke des Hillefeldes nur bedingt zu beobachten. Würde man als Bezugsgröße die Verwitterungsgrade von Anna Kay Behrensmeyer aus dem Jahr 1978 nehmen[50], dann liegen im ungünstigsten Fall abgeblätterte äußere Compactaschichten vor, was einer Liegezeit von höchstens 6 Jahren entsprechen würde. Auf dem Hillefeld haben die Befundstücke des Hausschweines in facettenreicher Ausprägung ein Konglomerat an oberflächigen Längsrissen in Collagenfaserrichtung, Einrisse an der Gelenkfläche oder die Defizite bei den Compactaschichten, teils sogar verwitterungsfrei. Offenliegende Compactaschichten, Oberflächenabspaltungen oder Einblicke bis zur Markhöhle sind nicht zu erkennen. Eine stabile Konklusion kann aus dieser Plastizität nicht gewonnen werden, denn einerseits ist die Spannweite von 0 bis 6 Jahren ein für alle Interpretationsrichtungen nutzbares Indiz ohne Ausschlusspotenzial und andererseits kann ich nicht jedem Biofakt die Verwitterungsgrade von Behrensmeyer aufoktroyieren, denn diese Systematisierung war das Resultat von Untersuchungen, die die tropische Klimazone als meteorologische Rahmenbedingung vorfanden.[51] Nach der Einbettung in den Erdboden ist der Verwitterungsprozess aber nicht konserviert. Die Osteolyse besitzt als externe Katalysatoren Bakterien, Pilze oder bodenchemische Reaktionen. Betrachten wir an der Fundstelle die Bodenzusammensetzung, erkennen wir schwach schluffigen, hellgrauen Ton mit ockerbeigen Einschlüssen. Zudem sind Rotlehmfilter und –stückchen sowie Kalkstein und kleinstückiger Sandsteinbruch der Hillefeldschen Ausgrabungsstelle zu entnehmen. Suboptimale Bodendurchlüftung, alkalische Bodenreaktionen und entweder trockene oder wasserführende Bodenfeuchte sind des Weiteren augenscheinlich dem Hillefeld zu entnehmen. Tendenziell können die vorgenannten Kriterien subsumiert werden unter die für ein Biofakt guten Erhaltungsparameter.[52] Für das Hillefeld kann deutlich formuliert werden, dass etwaige Tiefwurzler oder durch Pflanzen verursachte Ätzspuren an den Tierknochen nicht zu beobachten sind und daher kein signifikanter Einfluss vorliegt auf den Erhaltungszustand und die Oberflächenveränderungen. Bleibt noch das Hausrind (bos taurus). Der Unterkieferast lag nur in Fragmenten vor, allerding mit Bezahnung. Aus den Prämolaren und Molaren konnte geschlossen werden (Zahnabrieb), dass es sich bei diesem Rind um ein relativ junges Tier gehandelt haben muss, da der hintere Backenzahn M3 praktisch nicht abgekaut war. Zudem konnte ein abgekauter Milchzahn mit passendem durchbrechendem Prämolar (vorderer Backenzahn) identifiziert werden. Nimmt man nun den Erhaltungszustand des Pferdeschädels als Vergleichsgröße mit dem lädierten Oberschädel (Cranium superior), dem fehlenden Zahnmaterial und der Nichtexistenz des kompletten Unterkiefers, bleibt wenig Spielraum für vergleichende Analysen. Anzunehmen ist – als Bezugsmasse gilt hierbei das Tierknochenkonglomerat – das der Pferdeschädel zu einem Pferd gehörte, das als mindestens adult angesehen werden muss. Die abseitige Lagerung auf einem Plateau kann noch nicht in der Funktion zugeordnet werden, da Signifikanzen zwischen den Tierknochen so nicht möglich sind. Ob Tierrestehalden oder Tierbestattungsszenarien vorlagen auf dem Hillefeld, kann nicht apodiktisch formuliert werden. Auch die Kategorien zur Differenzierung sind ambigue und konträr. Gut möglich ist, dass auch vorchristlich-heidnische Aspekte die Tierknochen auf dem Hillefeld erklären können. Lesen wir bei einer Heimatforscherin doch Folgendes zu einem ominösen Teufelsweg:

Der Haupt- Teufelsweg beginnt an der Ruhr im Ortsteil Waltringen an der Mündung der Daimeke (Daiwels- Duiwelsbieke), führt über Günne parallel zum Haarweg nach Osten, über Wamel, Oberbergheim, Mülheim, Belecke, Drewer, Rüthen und endet in Obermarsberg. Unser Deiweg, ein Nebenteufelsweg, beginnt in der Nähe des ehemaligen Hofes Schulte- Steinwerk (Stemmerk) am sogenannten Flurstück Teufelsküche. Nach Schoppmann galt dieser Ort als unheimlich, wo Spukgestalten ihr Unwesen trieben.[53]

Einer der Teufelswege lief also am Hillefeld entlang. Und auch eine kleine Flurparzelle namens Teufelsküche befindet sich beim Hofe Stemmerk. Zufall? Rudimente heidnischer Kulte? Und wie das so mit den Sagen ist, handelt es sich um eine die Realität überzeichnete Darstellung lokaler Besonderheiten, aber es bleibt bei realen Komponenten. Hier könnte für zukünftige Untersuchungen eine interessante Querverbindung aufgebaut werden, da insbesondere das Alter des Pferdeschädels wegweisend sein könnte für rituelle, mythische Handlungen auf heidnischen Plätzen. Nehmen wir als Exemplum die vorfränkische Gerichtsbarkeit in Westfalen. Die Pagi, ursprünglich Rechtsdistrikte der Germanen mit dem Gaugericht als oberstes Rechtsorgan, erhielten nach den Sachsenkriegen Karls des Großen einen personellen Amtsträger namens grafio, den späteren Grafen.[54] Für Westfalen sind dabei die pagi pagus Westfalon und pagus Angeron belegt zur Ottonenzeit. Und die Grenze dieser Rechtsbezirke lag bei Werl entlang des Salzbaches, also am Hillefeld. Einer dieser Gogerichte, also Rechtsdistrikte innerhalb der Grafengerichtsbarkeit, mag tatsächlich dieses Hillefeld gewesen sein, denn in der Überlieferung standen dort nicht nur die Gerichtsbäume[55], sondern exekutive Einrichtungen. Und eine dieser Bezeichnungen lautete Heidengalgen. Die möglichen Attribute für den Pferdeschädel dürfen aus angeblicher Furcht vor unwissenschaftlichen Anekdoten nicht der Selektion zugeführt werden, da diese reservierten Blickwinkel eine Fron darstellen für die Rekonstruierung komplexer Zusammenhänge.

Ein sagenhaftes Parergon

Die Klimax dieses Zuganges an Interpretation liefert übrigens einen weiteren Beitrag zu einer der bekanntesten mittelalterlichen Sagen auf deutschem Boden, der Vogelherdlegende, nach der Heinrich aus Sachsen am Vogelherd saß, als ihm eine Abordnung im Auftrag Konrads I. die Königswürde für den spätostfränkischen Herrschaftsraum antrug. Können diese Betrachtungen einen utilitären Charakter in sich tragen bezüglich des Pferdeschädels? Ja, denn durch das Aufzeigen von historischen Tatsachen und Erwähnungen in der Literatur können durch die Vernetzung von sozialen und baulichen Strukturen Artefakte und Biofakte nicht mehr den Status einer gegenständlichen Anthropophobie für sich deklarieren. Und wie kommt es nun zur Verortung der Finkenherdgeschichte in die Scheidinger Flur?[56] Der Vermessungsrat Hugo Schoppmann 1940 und der ehemalige Soester Landrat Fritz Schulze 1982 erwähnten Vogelherdaktivitäten Am Krummen Duike, einem Flurstück in der Scheidinger Gemarkung nordöstlich von Werl. Schoppmann argumentierte noch ohne zeitlichen Bezug ( „…soll früher an dieser Stelle [Anmerkung: Am Krummen Duike] nahe dem alten ´Haus Köningen´, das ehemals sächsisches Königsgut war, ein Vogelherd gestanden haben, wo der Vogelfang betrieben wurde.“[57] ), aber bei Schulze erfolgte eine Personalisierung mit Heinrich, durch die sächsische Königsgutvergangenheit bedingt:

Eine Flurbezeichnung in der Feldmark Scheidingen ´Am krummen Duike´. Hier soll ein Vogelherd gestanden haben. (…), dass König Heinrich dort den Vogelfang betrieben hat, wenn er in Haus Köningen zu Besuch weilte.[58]

Geschichtsschreiber wie Georg Christian Crollius 1778 oder Leopold von Lebedur 1863 sahen im niedersächsischen Werlaburgdorf bei Goslar im Einzugsgebiet des Bistums Hildesheim das alte Werla, das sächsischen und salischen Kaisern als Aufenthaltsort in Ostfalen diente.[59] Die von Crollius angeführte Kaiserurkunde Heinrichs IV. vom 1. Januar 1086[60] bedeutete faktisch für den Hof Werla eine geographische Zuordnung in das Ostsachsen, und die durch von Lebedur nach Datum und Ausstellungsort der verfassten Kaiserurkunden aus der Ottonenzeit begünstigen diese Verortung.[61] Für Werl spräche die Bemerkung des Geschichtsschreibers Johann Dietrich von Steinen, wonach Heinrich 924 vor den Hunnen in die Fliehburg Werl flüchtete und von Johann Suibert Seibertz als „castrum“ titulierte wurde.[62] Diese Argumentation ist historisch patrouilliert, denn die Fachwissenschaft legt die Gründung einer Wehrburg am Hellweg in das beginnende 10. Jahrhundert. Turnusmäßige Aufenthalte muss es auf der curtis regia geegeben haben, allerdings ohne konkrete Lagebeschreibung. Majestätische Besitzungen werden nördlich von Werl angesiedelt ( „…liegt nördlich vom Hellwege bei Werlaha…[63] ) im Einzugsgebiet des Rittergutes Koeningen, auch „villa ducalis“ oder „königlicher Meierhof“ genannt.[64] Kann man dem Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Glauben schenken, dann scheint die Werler Burganlage mit der curtis dicta Aldehof in Verbindung zu stehen, altem gräflichen Besitz.[65] Franz Josef Mehler zählte übrigens den Aldehof zu den äußeren Pfarrbezirken der Stadt Werl, was der Lage einer Pfalz auch entgegenkommen würde. Die westfälische Kartograph Albert Hömberg verortet in seinem Kartenmaterial eine Abzweigung des Hellweges in die Scheidinger Gemarkung.[66] Nach Rücksprache mit Dr. Kreucher vom Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen besaß der dabei auffällige Teich in winkelförmiger Anlegung zwischen den Fluren möglicherweise die Funktion einer Gräfte. Interessant ist, dass nach Blick in das Güterverzeichnis für zumindest Teile der Flur Fischteich-Wiesen angegeben waren.[67] Die Fischteichwiesen waren ein gutes Argument für einen königlichen Wirtschaftshof. Heinrich war Zeitgenosse der spätkarolingischen Ära, hier orientierte man sich in unterschiedlicher Ausprägung an der Capitulare de villis.[68] Die Indizienkette für eine pfalzähnliche Anlage ist damit gelegt. Verba docent, exempla trahunt!

Tacheles zum Epilog

„Quod caput sit sine nomine“, mag der Leser denken. Und wahrlich, der Pferdeschädel auf dem Hillefeld wird nicht den Mythos eines Bernsteinzimmers erlangen, keinen Charme versprühen wie die Exponate im Dinosaurier-Park Altmühltal, geschweige denn jemals in einen namhaften Ausstellungskatalog einen Platz finden oder die Archäozoologen zum Heureka bewegen. Das Equus caballus ist aber weder im Ansehen noch im Deutungspotenzial inferior. Die Pferdebestattungen, ob nun pars pro toto oder in vollständiger Skelettmontur auf den Gräberfeldern, sind eine fixe Größe im Sammelsurium der nach Biofakten strebenden Archäologen. Ein Konglomerat an Parametern ermöglicht die Skizzierung eines Datierungsrahmens und die Charakterisierung der Befundmasse aus dem entsprechenden Pferdegrab. Die Pferdegräber im Altsächsischen und Bajuwarischen wie das westfälische Fürstengrab des „Herrn von Beckum“ oder die Pferdegräber im unterfränkischen Zeuzleben offenbaren jedoch einen genetischen Nachteil der Pferdegräber hinsichtlich der Konklusionsgenese. Zunächst muss konstatiert werden, dass spätestens mit den Liudolfingern die Pferdegrabsitte ihren Zenit überschritten hatte. Salier und Staufer konnten über ihr Verständnis von Metropolfunktionen ohnehin wenig anfangen mit dem heidnisch-merowingischen Begräbnisritual. Waren die Grabkammern themengerecht majorativ mit organischem Material versetzt, blieben durch externe und osteolytische Faktoren oft nur lädierte Fragmente zurück, die gerade bei Einfachbestattungen erschwerend signifikante Beziehungen aufbauen können zu benachbartem Befundmaterial. Nach eigenem Gusto und asyndetisch können Clusterbildungen mit den Charakteristika eines Pferdegrabes und in überregionaler Kartographie vollzogen werden. „Quo vadis?“, bleibt dort nur den Beteiligten in Diskursen zu resümieren. Und auch das slawische Schleenhain ist trotz vorzüglicher Dokumentation nur bedingt für Analogien hinsichtlich des Hillefeldschen Pferdeschädels geeignet.

Die auferlegte territoriale Restriktion mit einem Regionalbezug für die Rahmensetzung einer belastbaren Funktionalitätsanalyse des Hillefeldschen Pferdeschädels augmentiert über die altsächsischen Gräberfelder von Ense-Bremen, Wulfstedt, Sarstedt, Feddersen Wierde Liebenau oder Wünnenberg-Fürstenberg nur den Interpretationsmalus, mit dem der Pferdeschädel auf dem Hillefeld ausgestattet ist. Vielmehr erscheint mit dem Hillefeld der Malus noch exzessiv herausgearbeitet zu sein, da vergleichende Grabeinhegungen, fehlendes Knochenmaterial, verwertbare Zahnsubstanzen oder anorganische Grabbeigaben völlig fehlen. Auch das Bauopferszenario bleibt vage. Die brandenburgischen Gräberfelder in Gröditsch und in Senftenberg liefern allerdings ein augenscheinliches Analogon. Die entsprechenden Gedanken stehen jedoch in Abhängigkeit zu den Besiedlungsspuren, die noch einer weiteren Untersuchung bedürfen. Ist dieser Phoenix aus der Asche vom Hillefeld etwa ein Vorabkommando einer noch archäologisch unerforschten Begräbniskultur mit Totenbezug? Der Konstruktivismus und die Suche nach einer Verknüpfung sind zuträglicher als die Theorien, die sich aus dem Nihilismus ergeben. Wenig Verwertbares bedeutet nicht in der Konklusion die Einstellung der Suche nach Funktionalitäten. Der Pferdeschädel auf dem Hillefeld ist nach Norden ausgerichtet, abgelegt auf einem Plateau und abseits gelegen zu archäologisch noch nicht vollumfänglich erfassten Besiedlungsspuren. Der vergleichende Knochenbefund mit angrenzend lokalisierten Tierknochen charakterisiert den Pferdeschädel als adult. Die Fragmentierungstendenzen (Cranium superior), das Fehlen ganzer Pferdeschädelpartien (Unterkiefer, Zahnreihen) und die Fundläsion im Allgemeinen rechtfertigen aber keine Abqualifizierung im Sinne eines abgehalfterten Hauspferdes mit Teillagerung auf dem archäologischen Abort.

Wenn Grabartefakte oder Biofakte nicht existent oder aussagefähig sind als Vergleichsgrößen für die Funktionalität eines Objektes, dann ist die Inklusion von benachbarten Besiedlungsspuren ein konstruktiver Schritt auf der Suche nach dem Attribut. Die mediävale Herkunft der Tierknochenreste, der Besiedlungsstrukturen, der Flurbezeichnungen in den angrenzenden Gemarkungen und die Quellenhinweise für Referenzen wie „Pfalz“, „Burg“ oder „Schloss“ sind statuiert und dienlich als archimedischer Punkt zur Thesensetzung. Und so sind die Voglerlegende oder der regionalgeschichtlich bedeutsame Teufelsweg als urdeutsche Elemente mit dem Habitus des Involvierten ein Ertrag auf der Suche nach einer indirekten Funktionszuordnung für den Pferdeschädel.

Anhang

Literaturverzeichnis

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Hyperlinks

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[1] Tacitus: Germania (10,2).

[2] Müller-Wille, 1970/71, 119-248.

[3] Freiin von Babo, 2004, 17.

[4] Tessmann, 2013, 131-146.

[5] Freiin von Babo, 2004, 17-26.

[6] Rettner, 2007, 522-526.

[7] Boessneck, 1967, 193-215.

[8] Kuncaitis, 1939, 66-72.

[9] Goßler, 2012, 203-216.

[10] Nawroth, 2001, 81-82.

[11] Göckenjan, 1972, 93-95.

[12] Steuer, 2007, 50-96.

[13] Bersch, 2014, 89-104.

[14] Oexle, 1992, 54-55.

[15] Vgl. hierzu die Anmerkungen auf https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/blog/das-grab-des-herrn-von-beckum (zuletzt aufgerufen am 10.12.2018).

[16] Freiin von Babo, 2004, 19.

[17] Deiters, 2007, 5-7.

[18] Ein archäologischer Suchschnitt im Osten des Gräberfeldes konnte die ursprünglichen östlichen Abgrenzungen aufzeigen. Die weiteren Ausmaße können gegenwärtig nicht rekonstruiert werden.

[19] Ahrens, 1977.

[20] Haarnagel, 1979, 223-230.

[21] Gummel, 1926, 18-32.

[22] Cosack, 2017, 233-246.

[23] Kiesewalter, 1888, 5.

[24] Freiin von Babo, 2004, 25.

[25] Wolters, 2004, 139-140 und die Ausführungen des Ingolstädter Stadtarchäologen Gerd Riedel von 2005 unter https://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/scheuerer/arch/starch16.htm (zuletzt aufgerufen am 10.12.2018).

[26] Pelikan, 2014, 103-105.

[27] Pelikan, 2014, 105.

[28] Vgl. hierzu http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&klassId = 1&id = 0487 (zuletzt aufgerufen am 21.07.2018).

[29] Vgl. hierzu http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&tektId = 104&id = 0585&klassId =5&seite = 1 (zuletzt aufgerufen am 21.07.2018).

[30] Koske, 1960, 168 und  http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&klassId = 8&tektId = 104&id = 0585&bestexpandId = 103 (zuletzt aufgerufen am 21.07.2018).

[31] Eickhoff, 1998, 99-103.

[32] Warnke, 1995, 123-128.

[33] Der Befundkatalog Welver-Flerke 2015, Stemmerk, AKZ 4413,294 kann vom LWL-Archäologie in Westfalen offiziell auf Nachfrage bezogen werden und zum Komplex der Bauopferriten siehe Capelle, 1985, 498-501.

[34] Preising, 1970, 27 und zur Pfalzthematik Seibertz, 1846, 171.

[35] Thoss, 1943, 20.

[36] Kampschulte, 1861, 222.

[37] Rübel, 1902, 237. Hinweis: Werlaha kann sich auch auf die bei Goslar gelegene Pfalz beziehen. Einen Bezug zum Hellwege konnte ich allerdings nicht ermitteln, und die geographischen Argumente verlieren „glücklicherweise“ nicht an Bedeutung für den Pfalzstandort Scheidingen. Das bedeutet aber nicht, dass man die Werlaha-Problematik als belanglosen Historikerstreit abwertet. Die zukünftigen Forschungen werden sich dazu intensiver äußern (müssen), und mein Projekt bewertet zum jetztigen Zeitpunkt und Stand diese Problematik nicht als Schlüsselansatz oder festen Hauptteilstoff.

[38] v.  Papen, 1952, 14.

[39] Vgl. hierzu ausführlich meinen Beitrag zu alten Gebäuden in der Scheidinger Flur, der im Rahmen des Bundeswettbewerbes Jugend forscht 2014 erstellt wurde, in: Seithe, 2014, 1-13.

[40] Mehler, 1891, 524.

[41] Andernach, 1995, 9.

[42] Archiv Frhr. v. Fürstenberg Herdringen/Westf. Rep. IV, Fach 10 Nr. 49 und Klose, 1963, 559.

[43]Vgl. hierzu http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&id = 0410&tektId = 12&klassId = 25&expandId = 5&bestexpandId = 4&suche = 1&verzId = 1904 (zuletzt aufgerufen am 21.07.2018).

[44]Archiv Frhr. v. Fürstenberg Herdringen/Westf. Rep. IV, Fach 10 Nr. 49.

[45] Preising, 1970, 43.

[46]Vgl. hierzu http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr = 1&klassId = 22&tektId = 12&id = 0410&bestexpandId = 4&expandId = 5 (zuletzt aufgerufen am 21.07.2018) und Mehler, 1891, 47.

[47] Steuer, 2007, 51-52.

[48] Befundkatalog Welver-Flerke 2015.

[49] Heinrich, 1995, 117.

[50] Behrensmeyer, 1978, 150-162.

[51] Andrews, 1990, 10-16.

[52] Müller, 1992, 32-72.

[53] Risse, 1999, 39.

[54] Schmeken, 1961, 20-43.

[55] Gerichtsbäume waren sehr alte und lokal markante Bäume, die bereits vor der fränkischen Invasion eine mythologische oder mystische Funktion bei den heidnischen Sachsen hatten. Eichen, oft als Femeeichen bezeichnet, bildeten dabei das Naturpanorama, Relikte der germanischen Gerichtsbarkeit.

[56] Vgl. hierzu ausführlich meinen Beitrag zu historischen und archäologischen Aktivitäten bezüglich der Vogelherdproblematik, der im Rahmen des Bundeswettbewerbes Jugend forscht 2015 erstellt wurde, in: Seithe, 2015, 1-13.

[57] Schoppmann, 1940, 165.

[58] Schulze, 1982, 72.

[59] Mehler, 1891, 26-28.

[60] v. Gladiss, 1952, 504.

[61] Mehler, 1891, 31.

[62] Mehler, 1891, 27-28 und Seibertz, 1864, 172.

[63] Rübel, 1902, 237.

[64] Mehler, 1891, 31.

[65] Petri, 1970, 768.

[66] Hömberg, 1967, Karte.

[67] Die Informationen ergaben sich aus dem Emailkontakt mit Dr. Kreucher bezüglich meiner Anfrage zur Flurkartennummer 1792-UR-18.

[68] Günther, 1974, 45.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: C. Ahrens, Das Pferdegrab von Wulfsen, in: Helms-Museum (Hrsg.), Hamburgisches Museum für Vor- und Frühgeschichte (Faltblatt 38) (Hamburg 1977).

Abb. 2: A. Bersch, Fenster Europa: Das „Fürstengrab“ von Beckum in Westfalen. Zum Stand der Forschung eines Altfundkomplexes, in: Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung 7, S. 89-104.

Abb. 3: B. Tessmann, Grabungsergebnisse einer Trassenbegleitung. Gab es Tieropfer im spätmittelalterlichen Gröditsch (Lkr. Dahme-Spreewald)?, in: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie,. Ethnologie und Urgeschichte (34) (2013), S. 131-146, S. 141.

Abb. 4: N. Goßler, Steppennomadische Einflüsse im hoch- und spätmittelalterlichen Mitteleuropa? Neues zur Pferdebestattung von Schleenhain, Kr. Leipzig, in: F. Biermann u. a. (Hrsg.), Transformationen und Umbrüche des 12./13. Jahrhunderts. Beiträge zur Sektion der slawischen Frühgeschichte der 19. Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Görlitz, 01. Bis 03. März 2010, Sonderdruck aus: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 64 (Langenweissbach 2012), S. 203-216, S. 204.

Abb. 5: N. Goßler, Steppennomadische Einflüsse im hoch- und spätmittelalterlichen Mitteleuropa? Neues zur Pferdebestattung von Schleenhain, Kr. Leipzig, in: F. Biermann u. a. (Hrsg.), Transformationen und Umbrüche des 12./13. Jahrhunderts. Beiträge zur Sektion der slawischen Frühgeschichte der 19. Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Görlitz, 01. Bis 03. März 2010, Sonderdruck aus: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 64 (Langenweissbach 2012), S. 203-216, S. 204.

Abb. 6: S. Deiters, Das Gräberfeld von Ense-Bremen. Begleitheft zur Ausstellung „Das Gräberfeld von Ense Bremen“ vom 20. November bis 10. Dezember 2007 im Rathaus der Gemeinde Ense in Ense-Bremen (Münster 2007), S. 10.

Abb. 7: S. Wolters, „Eine Insel unter dem Pflaster“ – Überraschungen auf dem Ingolstädter Rathausplatz, in: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege und von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern (Hrsg.), Das Archäologische Jahr in Bayern 2004, S. 139-140, S. 139.

Abb. 8: S. Wolters, Grabungsbericht Rathausplatz Ingolstadt, Bildanhang.

Abb. 9: M. Pelikan, Ein Pferd unterm Stall … Erste Spuren einer früh- und hochmittelalterlichen Besiedlung Trappstadts, in: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege und von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern (Hrsg.), Das Archäologische Jahr in Bayern 2014, S. 103-105, S. 105.

Abb. 10: M. Pelikan, Ein Pferd unterm Stall … Erste Spuren einer früh- und hochmittelalterlichen Besiedlung Trappstadts, in: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege und von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern (Hrsg.), Das Archäologische Jahr in Bayern 2014, S. 103-105, S. 104.

Abb. 11: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen, AS Olpe.

Abb. 12: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen, AS Olpe.

Abb. 13: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen, AS Olpe.

Abb. 14: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen, AS Olpe.

Abb. 15: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen, AS Olpe.

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