Zur Wahl Lothars III. von Supplinburg

Zur Wahl Lothars III. von Supplinburg

Abbildung 1: Lothar von Supplinburg (1075-1137) bei seiner Wahl zum König

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Suche nach der Schwerpunktsetzung zur Kommentierung der Königswahl von 1125

 

  1. Die Kandidatensituation am Vorabend der Königswahl

 

  1. Der Weg zur Narratio

 

  1. Auskünfte der Narratio über die Abläufe

 

  1. Lotharius rex sit!

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

  1. Die Suche nach der Schwerpunktsetzung zur Kommentierung der Königswahl von 1125
Abbildung 2: Lothar von Supplinburg

Ob die zahlreichen Gegenkönige mit Intermezzoflair oder die Hauptakteure im Interregnum des 13. Jahrhunderts im Altreich fachwissenschaftlich, literarisch oder multiperspektivisch ausreichend gewürdigt werden, bleibt dem Kenner oder Interessierten pro domo überlassen nach stabiler Bibliographie. Der Ludowinger Heinrich Raspe, der Gerulfinger Wilhelm, Richard von Cornwall aus dem Haus Anjou-Plantagenêt oder der Wittelsbacher Ludwig gehören in die Gruppierung der römisch-deutschen Könige, aus der heraus für die Nachwelt wenig mit dem Mittelalter in Verbindung gebracht wurde, alleine schon die flächendeckende Unkenntnis der vorgenannten Titelträger erschwert adäquate Prädikate. Lothar von Supplinburg, Angehöriger des sächsischen Hochadels und Weggefährte Heinrichs V., gehört zu den Königstitelträgern, die mit überschaubarer genealogischer Reputation dem Altreich vorstanden. Ohne Geblütsrecht ausgestattet, abseits einer

Abbildung 3: Thietmar von Merseburg

elitären kognatischen Abstammung, stand der Wahlkönig im Regulativ der Wahlzeremonie stets zur Disposition in Abhängigkeit tagespolitischer Konstellationen. Schon der Chronist Thietmar von Merseburg brachte diese Diskrepanz zwischen dem Wahlkönig und dem Geblütsanrechtigen zum Ausdruck, indem er die Metapher vom fehlenden vierten Rad am Wagen verwendete („…tuo quartam deesse non sentis rotam?“).[1] Die nachfolgenden Ausführungen wollen exemplarisch an der Königswahl von 1125 die Suprematie wahltaktischer beziehungsweise wahlrechtlicher Aspekte im Altreich verdeutlichen. Und das Referat will mit diesen Ausführungen die erbmonarchischen Tendenzen in ihren Bemühungen auf den verlorenen Posten katapultieren. Die Grundlage für diese Ausführungen bildet unter Verwendung von Zitaten die Narratio de electione Lotharii Saxoniae ducis in regem Romanorum von Wilhelm Wattenbach[2], wobei dem damaligen Mainzer Erzbischof Adalbert und dem Wahlprozedere in Mainz am Beispiel des eher unbekannten Lothar von Supplinburg eine besondere Rolle zukommen werden, um die Präeminenz des Wahlgedankens im Altreich zu veranschaulichen.

            2. Die Kandidatensituation am Vorabend der Königswahl

Die Übergabe der Reichsinsignien erfolgte bei den Ottonen und Saliern in der Regel durch die Designation. Die Erbmonarchie drohte zum Fundament des regnum Theutonicum zu werden, und die Fürsten sahen darin den archimedischen Punkt ihres Machtverlustes im Wahlkönigtum. Schon die Wahl Rudolfs von Rheinfelden 1077 als Gegenkönig zum Bußgänger Heinrich zeigte im Designationsverbot für Rudolfs auserwählten Sohn[3] die wahren Absichten der Reichsfürsten: Die Partikulargewalten  gewähren dem Gewählten protokollarischen Vorrang als primus inter pares, jedoch mit exekutivem

Abbildung 4: Heinrich der Fünfte. 1106–1125

Schwerpunkt, nicht in legislativer Ausrichtung. Ähnlich verhielt es sich 1125 nach dem Tod des letzten Saliers. Heinrich V. starb, und durchaus passende Kandidaten aus dem Verwandtenkreis wie die staufischen Neffen Friedrich und Konrad waren Kandidaten für die Nachfolge des kinderlosen Saliers Heinrich V., die aber nicht per se durch die Verwandtschaft eine Sonderstellung einnahmen. Auch Leopold von Österreich, Stiefvater der staufischen Neffen, gehörte zum auserwählten Kandidatenkreis. Es gab jedoch keinen verwandtschaftlichen Automatismus. Nicht von minderer Bedeutung war die Übergabe der Reichsinsignien an den potentiellen Nachfolger. Denken wir nur an die

Abbildung 5: Heinrich wird beim Vogelstellen im Wald die Königskrone angetragen

legendäre Szene, in der der Vogelfänger Heinrich vom Franken Konrad im Vorfeld der Königswahl 919 die Reichsinsignien übertragen bekam. Diese Weitergabe fand so in den letzten Lebensmonaten bei Heinrich V. nicht statt. Er übergab sie seiner Frau Mathilde, die die Kleinodien auf der Burg Trifels in der Pfalz aufbewahrte. Erzbischof Adalbert von Mainz konnte offenbar die Witwe Mathilde zur Übergabe der Reichsinsignien bewegen, und der Erzbischof von Mainz durfte sich so in die ansehnliche Aura des Königsmachers begeben.[4] Offenbar war selbst bei der englischen Prinzessin Mathilde wenig Neigung zu spüren, sich allzu offensiv mit familiärem Dünkel in die Kandidatensondierungsphase zu begeben. Dieses Exempel statuierte die fragilen Tendenzen des erbmonarchischen Denkens im personenverbandsstaatlichen Theutonicum, denn – ursprünglich Weggefährte des letzten Saliers – überwarf sich Adalbert mit Heinrich V. und musste aus dem elitären Regierungszirkel austreten. Nun besann er sich seiner legitimen Wahlrechtsobmannfunktion und warf alle rhetorischen Mittel in den Königsmacherring gegen die salische Kandidatenfraktion im Vorfeld des Hoftages zu Mainz 1125.[5] Der rechtliche Primat bei Verhandlungen während der Thronvakanz war seit alters her dem Mainzer zugestanden, denn schon bei Lampert von Hersfeld ist eine Form des episkopalen Geblütsrechts herauszulesen („…archiepiscopus Mogontinus. cui potissimum propter primatum Mogontinae sedis elegendi et consecrandi regis auctoritas deferebatur …”).[6] Und diese administrative Primogenitur in der Königsmacherphase wurde durch den Mainzer Adalbert mit persönlicher Befriedigung ausgereizt.

                3. Der Weg zur Narratio

Wie ist nun die Braunschweiger Personalie Lothar Supplinburg quellentechnisch zu gewichten. Nach den Begräbnisfeierlichkeiten in Speyer für den letzten Salier und der dann anschließenden Wahlversammlung in Mainz formierten sich die Wahlmänner der verschiedenen Lager im frühmittelalterlichen Wahlkampfmodus. Die Kaiserchronik eines Hofgeistlichen aus Regensburg ist dabei, schon mit Blick auf die Entstehungszeit Mitte des 12. Jahrhunderts, eine aussagekräftige Quelle.[7] Hier findet keine pathetische Heroisierung des Braunschweigers Lothar von Supplinburg statt, keine manneskräftigen Wahlkampfschlachten werden in gereimten Versen angeboten oder rufschädigende Hetzfraktionen bei den Saliern, Staufern oder den Sachsen propagandistisch im kolorierten Frontalangriffspanorama dargeboten. Lediglich die fürstliche Beratung in Aachen und die Gesandtschaft nach Braunschweig können in der Kaiserchronik quellentechnisch attackiert werden, da sie nirgends Erwähnung finden. Diese Quellenkritik kann aber sine quaestione entkräftet werden, da der Sprachstil und der Tenor des Autors der Kaiserchronik hinsichtlich der Mainzer Wahlversammlung und der Fokussierung auf die Personalien Adalbert und Lothar nicht zur Dramatisierung geeignet sind. Und die Kaiserchronik entstand nur ein Vierteljahrhundert nach dem Ereignis, also noch von Zeitzeugen oder Weggefährten wahrgenommen inmitten der Stauferdynastie.

Lässt die Kaiserchronik mit multiperspektivem Drang noch in der Königswahl 1125 einen Diskursspielraum, so wird jener Königswahlbericht in toto realiter zum Status quo des in Auslegung und Wahrnehmung existierenden Verfassungsrechts des 12. Jahrhunderts, der in der Geschichtsquellenbibliographie unter dem Namen Narratio de electione Lotharii Saxoniae ducis in regem Romanorum Eingang gefunden hat. Die Narratio wurde 1721 im niederösterreichischen

Abbildung 6: Kupferstich Kloster Göttweig

Kloster Göttweig gefunden und auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert. Vermutlich ist sie aber älteren Datums, denn der detailintensive Wahlablaufbericht bei gleichzeitiger Nichterwähnung der nach 1125 vorliegenden Dispute zwischen Lothar und den Staufern liefert ein Indiz für eine Abschrift, die 1721 im Kloster Göttweig gefunden wurde, das Original konnte demnach kurz nach der Wahlversammlung am 24. August 1125 entstanden sein. Der Fundort in Niederösterreich selbst ist dabei nicht verwunderlich, da der Sachse Lothar mit dem Grafen von Formbach verwandt war, aus dessen Familie wiederum Gründungsväter des Klosters stammten.[8]

           4. Auskünfte der Narratio über die Abläufe

Die Einführungsworte der Narratio liefern für das zeitnahe Aufsetzen der Mainzer Wahlabläufe bereits ein Indiz, wenn der Verfasser formuliert:

„In curia nuper Mogontiae celebrata quid dignum memoria gestum fuerit, qualiter electio regis processerit, breviter cartae mandavimus.“[9]

Eine weitere Passage der Narratio zeigt, losgelöst von jeglicher Intensität verwandtschaftlicher Beziehungen oder von guter leumundiger Designation, die grundsätzliche Genese des rex Romanorum über wahlmodale Gesichtspunkte im Altreich:

Dux autem Fridericus adiuncto sibi episcopo Basilensi ceterisque Sweviae principibus, ac quibusque nobilibus, e regione ex altera Reni parte consederat, (…): et paratus in regem eligi, sed non regem eligere, prius explorare volebat, quem ex omnibus pricipum assensus promovere pararet.[10]

Abbildung 7: Marktgraf Leopold von Österreich (links)

Der aussichtsreiche Stauferkandidat Friedrich blieb also in diesem offensichtlichen Vabanquespiel um den Königsthron in Abstand zu den anderen Kandidatenlagern, angeführt vom Sachsen Lothar und vom Markgrafen Leopold von Österreich. Auch die Einrichtung eines Wahlmännergremiums („…, primo decem ex singulis Bawariae, Sweviae, Franconiae, Saxoniae provinciis principes consilio utiliores prosposuerunt, …“)[11] bestehend aus den Oberen der Stämme, verdeutlicht das den erbmonarchischen Tendenzen widersprechende Verfassungsrecht im regnum Teutonicum. Dass die Narratio lediglich von drei Kandidaten zu berichten weiß, wohingegen Otto von Freising einen vierten Kandidaten mit Karl von Flandern namentlich erwähnt, soll den Aussagewert der Narratio nicht schmälern, denn jener Graf gab schon in den Vorverhandlungen des Hoftages zu Mainz seinen Verzicht bekannt. Vielmehr scheint das Verhalten des Erzbischofs Friedrich von Köln, der beim flandrischen Grafen anfragte, einen weiteren Beleg zu liefern für den tief verwurzelten teutonischen Drang nach Etablierung von Kandidaten im Vorfeld einer Königswahl.[12] Wenn wir der Narratio Glauben schenken können, dann folgte im weiteren Wahlgeschehen eine Lehrstunde teutonischer auctoritas oder besser: deren Verlust nach Zurschaustellung einer wie auch immer begründeten Designation. Lothar und Leopold verzichteten jedoch und verpflichteten sich nach Rückfrage des Mainzer Erzbischofs ohne jegliche Einschränkung auf die Eidbekundung dem zukünftigen König gegenüber.[13] Wie stark die persönliche Abneigung des Mainzer Erzbischofs gewesen sein mag oder der mögliche rex Teutonicum das Synonym für den primus inter pares statuierte, kommt nun in der Reaktion auf folgende Anfrage des Mainzers Adalbert zum Ausdruck:

Requisitus ergo dux Fridericus, utrum ipse quoque sicut et ceteri ad totius ecclesiae regnique honorem et liberae electionis commendacionem perpetuam idem quod ceteri fecerant facere vellet, sine consilio suorum in castris relictorum se respondere nec velle nec posse asseruit; (…)[14]

Zur Ehre der Kirche, des Reiches und für die freie Wahl sollte Friedrich – lediglich über einen zeremoniellen Sprachakt –  auf die Designation verzichten? Adalbert kannte offenbar den Staufer besser als gedacht, denn jener entzog sich dem traditionellen Wahlmodus zum Trotz der Verantwortung durch Flucht in das staufische Wahllager. Friedrich verschmähte, getragen von erbrechtlichen Gedanken, aber in erster Linie das freie Wahlrecht der Fürsten, zumindest in der Außenwirkung.[15] Die leichte Abänderung der Loyalitätspassage im Wahlmodus lieferte aber bereits das Indiz für eine merkliche Antipathie dem Staufer gegenüber. Der Kleriker hatte in Rechten und Pflichten hinsichtlich des legitimen Wahlfindungsaktes genauso die Genese zur Austarierung zu garantieren wie das selbstverpflichtende Rollenspiel der Kandidaten, so Friedrich es hätte wahrgenommen. Und diese Wahrnehmung konnte nicht ausschließlich durch das persönliche Schisma zwischen Adalbert und dem letzten Salier verursacht worden sein.

        5. Lotharius rex sit!

Abbildung 8: Lothar von Supplinburg (1075-1137) bei seiner Wahl zum König

Tags darauf versicherten Lothar und Leopold wiederholt ihre Loyalität gegenüber dem zukünftigen König, und erste prosächsische Rufe ertönten („…, subito a laicis quam pluribus: Lotharius rex sit!“)[16]. Tumulte ließen sich nicht vermeiden, Fürsten waren verärgert. Selbst Lothar erkannte die Notwendigkeit und forderte die Bestrafung der Lärmenden. In diesem Verhalten zeigt sich abermals die tiefe Verwurzelung im Wahlreich, um die Legitimation des zu Wählenden nicht zu schmälern. Eine tumultarische Erhebung Lothars wurde von allen Anwesenden mit explizitem Stimmrecht verneint, schließlich waren es ja die Laien, die den Lothar ausgerufen hatten. Auch der Hinweis auf die Abwesenheit des Bayernherzogs verdeutlicht noch einmal den verpflichtenden Rahmen bei einer Königswahl im Altreich. Erbrechtliche Argumente oder emotionale Rufkanonaden waren von negativer Attitüde geprägt oder verursachten ein dementsprechendes Klima. Zudem hatte der Staufer Friedrich durch das in Griffweite liegende Geblütsrecht die Situation im Teutonicum falsch eingeschätzt. Leumund, Geblütsrecht oder eine Favoritenrolle bei der Königswahl bildeten nicht die Stufen aufwärts zum Thron des großen Aacheners, sondern die Integration und Akzeptanz von wahlmodalen Spielregeln im Personenverbandsstaat, zur Schau gestellt von möglichen Kandidaten für die ostfränkische Krone. Friedrich redete nicht mit denen, die redeten und die letztlich auch wählten. Und wie stark dann der Drang nach einer allgemeinen Übereinstimmung unter den führenden Fürsten für die Erhebung in die Königswürde verankert war, zeigte sich in der Anwesenheit des eigentlich mit Friedrich von Schwaben angebandelten bayrischen Herzogs:

 „Accito igitur duce Bawarico, iam sancti Spiritus gratia ad unum idemque studium animos omnium unire curabat, et unanimi consensu ac peticione principum iam primum Lotharius rex Deo placitus sublimatur in regnum.[17]

Ein weiterer Beleg für die ostfränkische Agonie hinsichtlich erbmonarchischer Tendenzen war die Übereinkunft des Bayernherzogs Heinrich mit Lothar, denn Heinrichs Schwiegersohn war nun ausgerechnet Friedrich von Schwaben. Hier liegt denn auch der staufisch-welfische Dualismus begründet, der unter Barbarossa und Heinrich dem Löwen zum Höhepunkt generieren sollte. Der Welfe Heinrich nahm die Aussicht auf eine Vergrößerung der Hausmacht gerne an zum Nachteil seines Schwiegersohnes aus Schwaben, denn sein gleichnamiger Sohn wurde wenig später mit der einzigen Tochter Lothars vermählt. Reichsfürstliche Hausgutpolitik oder die pathologische Zeremonie wahlmodaler Vereinbarungen aus dem überlieferten Recht oder nach vereinbartem tagesaktuellen Prozedere bei Königserhebungen mit dem Privileg der freien Wahl (liberae electionis commendacio perpetua)[18] waren die sacrosankten Elemente einer Königserhebung im Altreich, die in der Personalie Lothar kummulierten. Insofern ist die in der Narratio vorgestellte Königswahl von 1125, losgelöst von der Intention des Verfassers, von den konkreten Personalkonstellationen und vom Ausmaß einer Quellenkritik, inhaltlich eine Kampagne für die Königswahl wider die Statuierung erbmonarchischer Attitüden. Die verfassungsrechtliche Verschriftlichung sollte dann wiederum zwei Jahrhunderte später erfolgen mit der Goldenen Bulle des Luxemburger Karls IV. von 1356.

Abbildung 9: Luxemburger Karls IV. von 1356, Goldene Bulle

 

Quellen- und Literaturverzeichnis:

Quellen:

Thietmari Merseburgensi episcopi, Chronicon, hrsg. von Robert Holtzmann (MGH SS rer. germ. N. S. 9), Berlin 1935.

 

O.A., Narratio de electione Lotharii Saxoniae ducis in regem Romanorum. hrsg. von Wilhelm Wattenbach, in: Historicae aevi Salici (MGH SS 12), Hannover 1856.

Ottonis et Rahewini, Gesta Friderici I. imperatoris, hrsg. von Georg Waitz (MGH SS rer. Germ. 46), Hannover 1912.

Lamperti Monarchi Hersfeldensis, Opera, hrsg. von Oswaldus Holder – Egger (MGH SS rer. germ. 38), Hannover 1894, S. 168.

Kaiserchronik eines Regensburger Geistlichen, hrsg. von Edward Schröder (MGH  Dt. Chron. 1,1), Hannover 1892, V. 16942 – 16944.

Literatur:

Bernhardi, Wilhelm, Lothar von Supplinburg (Jahrbücher der deutschen Geschichte 15), Leipzig 1879.

Diedler, Hennig, Eine vergessene Designation? Zu den politischen und verfassungsrechtlichen Hintergründen der deutschen Königswahl von 1125, in: Concilium medii aevi 1 (1998), URL: http://cma.gbv.de/z/1998/dr,cma,001,1998,a,03 (zuletzt aufgerufen am 09.12.2017).

Nonn, Ulrich, Geblütsrecht, Wahlrecht, Königswahl: Die Wahl Lothars von Supplinburg 1125, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Bd. 44 (1993), S. 146 – 157.

Speer, Lothar, Kaiser Lothar III. und Erzbischof Adalbert I. von Mainz. Eine Untersuchung zur Geschichte des Deutschen Reiches im frühen zwölften Jahrhundert, Köln/Wien 1983.

[1] Thietmari Merseburgensi episcopi, Chronicon, hrsg. von Robert Holtzmann (MGH SS rer. germ. N. S. 9), Berlin 1935, S. 190.

[2] O.A., Narratio de electione Lotharii Saxoniae ducis in regem Romanorum. hrsg. von Wilhelm Wattenbach, in: Historicae aevi Salici (MGH SS 12), Hannover 1856, S. 509-512. (Im Folgenden zitiert als: Wattenbach, Narratio).

[3] Nonn, Ulrich, Geblütsrecht, Wahlrecht, Königswahl: Die Wahl Lothars von Supplinburg 1125, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Bd. 44 (1993), S. 146 – 157, S. 148 (im Folgenden zitiert als: Nonn, Geblütsrecht).

[4] Ottonis et Rahewini, Gesta Friderici I. imperatoris, hrsg. von Georg Waitz (MGH SS rer. Germ. 46), Hannover 1912, S. 30 – 31.

[5] Speer, Lothar, Kaiser Lothar III. und Erzbischof Adalbert I. von Mainz. Eine Untersuchung zur Geschichte des Deutschen Reiches im frühen zwölften Jahrhundert, Köln/Wien 1983, S. 56 – 58.

[6] Lamperti Monarchi Hersfeldensis, Opera, hrsg. von Oswaldus Holder – Egger (MGH SS rer. germ. 38), Hannover 1894, S. 168.

[7] Kaiserchronik eines Regensburger Geistlichen, hrsg. von Edward Schröder (MGH  Dt. Chron. 1,1), Hannover 1892, V. 16942 – 16944.

[8] Nonn, Geblütsrecht, S. 151.

[9] Wattenbach, Narratio, S. 510.

[10] Wattenbach, Narratio, S. 510.

[11] Wattenbach, Narratio, S. 510.

[12] Nonn, Geblütsrecht, S. 153.

[13] Diedler, Hennig, Eine vergessene Designation? Zu den politischen und verfassungsrechtlichen Hintergründen der deutschen Königswahl von 1125, in: Concilium medii aevi 1 (1998), URL: http://cma.gbv.de/z/1998/dr,cma,001,1998,a,03 (zuletzt aufgerufen am 09.12.2017), S. 49.

[14] Wattenbach, Narratio, S. 510 – 511.

[15] Bernhardi, Wilhelm, Lothar von Supplinburg (Jahrbücher der deutschen Geschichte 15), Leipzig 1879, S. 37 – 38.

[16] Wattenbach, Narratio, S. 511.

[17] Wattenbach, Narratio, S. 511.

[18] Wattenbach, Narratio, S. 511.

Abbildungsverzeichnis

 Abbildung 1:

Lothar von Supplinburg (1075-1137) bei seiner Wahl zum König

https://www.welt.de/geschichte/article173332428/Der-Sieg-des-Lothar-von-Supplinburg.html

abgerufen am 01.03.18

 Abbildung 2: Lothar von Supplinburg

https://de.wikisource.org/wiki/

Die_deutschen_Kaiser:

Lothar_von_Supplingburg_und_Konrad_III.

abgerufen am 01.03.18

 Abbildung 3:

 Thietmar von Merseburg

http://von-dom-zu-dom.de/thietmar

abgerufen am 01.03.18

 Abbildung 4:

 Heinrich der Fünfte. 1106–1125

https://de.wikisource.org/wiki/

Die_deutschen_Kaiser:Heinrich_IV._und_Heinrich_V

abgerufen am 01.03.18

 Abbildung 5:

Heinrich wird beim Vogelstellen im Wald die Königskrone

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Ostfrankenreich)

abgerufen am 01.03.18

 

 Abbildung 6:

 Kupferstich Kloster Göttweig

http://de.mini.wikia.com/wiki/Datei:Kupferstich.jpg

abgerufen am 01.03.18

 

 Abbildung 7:

 Marktgraf Leopold von Österreich (links)

https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_II._(%C3%96sterreich)

abgerufen am 01.03.18

 Abbildung 8:

Lothar von Supplinburg (1075-1137) bei seiner Wahl zum König

https://www.welt.de/geschichte/article173332428/Der-Sieg-des-Lothar-von-Supplinburg.html

abgerufen am 01.03.18

 Abbildung 9:

Luxemburger Karls IV. von 1356, Goldene Bulle

https://www.welt.de/geschichte/article155333430/Wie-Kaiser-Karl-IV-bei-der-Pest-die-Juden-verriet.html

https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Goldene_Bulle,_1356

abgerufen am 01.03.18

Abstand zum thukydideischen Perikles?

Abstand zum thukydideischen Perikles?

Abbildung 1:

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Perikles … Ein Denkmal wie der Nikiasfrieden?

 

  1. Erst einmal Thukydides!

 

  1. Der thukydideische Perikles

 

  1. Kritik gehört zum Geschäft

 

  1. Perikles … Der Mann wird nicht neu aufgebaut!

 

  1. Quellen- und Literaturverzeichnis

 

  1. Perikles … Ein Denkmal wie der Nikiasfrieden?
Abbildung 2: Perikles

Ist etwas faul am Staatsmann Perikles? War die Nähe zu seinem Intimus Phidias, dem Toreuten mit der Zeusstatue von Olympia, prekär wegen Verdachts auf Unterschlagung von Baumaterialien? Oder konnte er – ob inkompetent oder desinteressiert – die überlebensnotwendigen Getreidezufuhren aus dem Pontus über die Sicherung des Bosporus und Hellespont nur auf der Pnyx in eloquenten Redesalven sichern? Nichts von diesen Punkten wäre nach aktueller Quellenlage gerichtlich verwertbar gewesen zur angeblichen Tatzeit. Und die tatsächlichen juristischen Kalamitäten im Leben des Ersten Mannes in der Polis Athen betrafen das persönliche Umfeld des langjährigen Strategen. Darum soll und kann es nicht gehen in dieser Ausarbeitung. Noch heute kennen die Koryphäen der antiken Philosophie aber den platonischen Aphorismus von faulen und geldgierigen Athenern zu Perikles´ Lebzeiten. Das sind keine adäquaten Attitüden für den Hegemon des Attischen Seebundes und dem Triumphator über Dareios und Xerxes. Vielmehr scheinen hier die klassischen Geschichtsbilder von inkompletter Natur zu sein, postuliert über eine marginale Multiperspektivität. Der klassisch Gebildete konnte stets auf das Informationsprimat des griechischen Historikers Thukydides verweisen, der den deskriptiven Schreibstil zu erreichen versuchte. Ob es gelang, kann in toto hier nicht analysiert werden, aber Zeitgenossen des perikleischen Zeitalters wie Platon dürfen das Wort erhalten. Oder Thukydides selbst darf in den für die Ausarbeitung relevanten Kapiteln des zweiten Buches seiner Tradierung über den Peloponnesischen Krieg auf Ambivalenzen hin untersucht werden. Es ist dabei das Ziel, den athenischen princeps nicht in die Demontagehalle zu katapultieren, sondern ein differenzierteres Bild von einem Staatsmann zu erhalten, der sine dubio eine überdurchschnittliche Kohärenz in rhetorischen und sozialpolitischen Angelegenheiten sein Eigen nennen konnte.

2. Erst einmal Thukydides!

Hätte sich der Staatstheoretiker Platon im 4. Jahrhundert vor Christus mit seiner Politeia durchgesetzt, wäre das heutige Demokratieverständnis ad absurdum geführt worden. Sokrates, einst Lehrer des Platon, philosophiert in diesem Werk über das Naturrecht und entwickelt eine ständische Ordnung für die Res publica. Der Bauernstand, die Wächterkaste und die elitären Philosophenherrscher würden heute den gesellschaftlichen Alltag bestimmen. Gute Staatsführung verwirklicht die Gerechtigkeit. Und die Gerechtigkeit liegt in der Deutungshoheit bei den Philosophen. Es gäbe eine philosophische Oligarchie. Warum aber diese Abkehr von gleichem Recht? Unmissverständlich sieht Platon die für die Ausübung politischer Tätigkeiten notwendigen Charaktere bei den Aristokraten. Die Demokratie mit ihrer Neigung zu unersättlichem Freiheitsdrang würde in die Tyrannis münden, da die Drohnen mit ihrer apodiktischen Argumentation ein populistisches und plebiszitäres Demagogenterrain aus Zügellosigkeiten und Immoralitäten erschaffen.[1] Am Ende stünde nach Platon ein Bürger, der im ethischen Wertekatalog die Dekadenz zelebrieren würde mit übermäßigen und unkontrollierten Neigungen.[2] Dem Platoniker verbietet sich aber jegliche Form der verfassungsrechtlichen Schadenfreude, denn die platonische Kalamität ist von perfider Ambivalenz hinsichtlich einer generationenübergreifenden Psychogenese.  Die Idiopragieformel, die die Stärken des Individuums in das produktive Ganze überträgt, würde eine intellektuelle Saat erzeugen für den Homo necans. Die Triebgenese psychisch entarteter Philosophen und ein Konglomerat an ethisch-sittlichen Ansprüchen wären symbiotisch in die nachfolgenden Jahrhunderte kolportiert worden.

Abbildung 3: Thukydides

War der demos bei Platon auf Inakzeptanz gestoßen, bildete das gleiche Recht bei einem attischen Adligen den archimedischen Punkt in dessen zeithistorischen Geschichtswerk. Ein Mann namens Thukydides, um 460 v. Chr. geboren, wohl mit thrakischer Genealogie väterlicherseits[3], kannte in jungen Jahren den Strategen Perikles persönlich.  Thukydides´ Abhandlung über den Peloponnesischen Krieg kann daher zweifellos herangezogen werden als Primärquelle zur Gewinnung substanzieller Schlussfolgerungen bezüglich der politischen Vita des Strategen Perikles. Die Althistoriker können in ihren Diskursen die detaillierten Grundsatzreden des Perikles aus den

Abbildung 4: Die älteste erhaltene Handschrift des Geschichtswerks des Thukydides

ersten beiden Büchern des thukydideischen Geschichtswerkes entnehmen, um eine plastische Vorstellung von der politischen Heimat und den konkreten Initiativen dieses Strategen am Vorabend des Peloponnesischen Krieges zu erhalten – einschließlich der von ihm propagierten Strategie im Dualismus mit Sparta, seinen Peloponnesischen Bündnispartnern. Über diese beeindruckende Darstellung des Politikers und Redners hinaus hat Thukydides in diesem Werk auch in eigenem Namen, zu der Person und den politischen Leistungen des Perikles Stellung bezogen – in einem ausführlichen Nachruf, den der in seinem persönlichen Urteil sonst sehr zurückhaltende Historiker dem Andenken des im dritten Kriegsjahr verstorbenen Staatsmannes gewidmet hat. Dieser Nachruf verknüpft die persönliche Würdigung des Perikles mit einem kritisch argumentierenden Ausblick auf den weiteren Gang des Kriegsgeschehens und die Entwicklungen im politischen Leben Athens bis zur Entscheidung von 405/4 v. Chr. Thukydides´ Urteil über Perikles steht somit eindeutig im Zeichen der für Athen und seine Demokratie so fatalen Niederlage und der damit verbundenen Grundsatzfragen. Mit festem Blick auf das katastrophale Ende der athenischen Kriegsführung und den Zusammenbruch der athenischen Demokratie will Thukydides deutlich machen, dass man den führenden Staatsmann der 430er Jahre und seine damalige Politik gerade nicht vom fatalen Ausgang dieses Kriegsgeschehens her beurteilen dürfe. Dabei hat der antike Autor die Geschichte des Peloponnesischen Krieges bekanntlich nicht nur gründlich erforscht, sondern auf seinem schweren Lebensweg auch ganz persönlich erlitten. Für Thukydides kommt jedenfalls eine unmittelbare, persönliche Kriegsschuld des Perikles, in seinen Reaktionen und Initiativen während der über mehrere Jahre sich hinziehenden diplomatischen und politisch-militärischen Auseinandersetzungen vor dem eigentlichen Beginn des Peloponnesischen Krieges, nicht in Betracht. Ebenso wenig ist von gravierenden Fehlern des Politikers in der machtpolitischen Risikoabwägung im Verlauf der eskalierenden Konflikte an den Rändern der miteinander rivalisierenden Bündnissysteme die Rede.[4]

Darin liegt der fachwissenschaftliche Wert des thukydideischen Geschichtswerks. Und das ist die Initiative für eine distanzierte Verwendung der platonischen Argumentation hinsichtlich der Bewertung der perikleischen Ära, wobei die Kritik Platons an der Demokratie durchaus verständlich ist. Gerade in der letzten Phase des Peloponnesischen Krieges kam es zu latent abschreckenden Entscheidungen der Volksversammlung, dokumentiert über die Todesurteile gegen die Strategen, die man des Fehlverhaltens bezichtigte in der Seeschlacht bei den Arginusen 406 v. Chr.[5] oder die Einführung des oligarchischen Terrorkommandos Dreißig im Jahre 404 v. Chr. In diesem annus horribilis hatten die Athener nicht nur die Herrschaft verloren, sondern verloren auch die Oberhoheit über die Stadt, als diese gegenüber den Spartanern affine Kommission aus dreißig Oligarchen die Terrorbrigade exhibitionierte. Diese oder ähnlich gelagerte Volksbeschlüsse mögen Platon darin bestärkt haben, die Demokratie als instabil zu titulieren. Erst ein Stratege namens Thrasybulos, Veteran des Peloponnesischen Krieges, ermöglichte mit der Beseitigung der spartanischen Garnison und mit dem Sturz der despotischen Dreißig die Restauration der athenischen Demokratie. Allerdings scheint die radikale Kritik[6] des Platon überzogen, da Rechtsinstitutionen wie die Nomotheten oder die Klage graphē paranomon die Macht der Volksversammlung und der Demagogen relativierten. Offenbar ging es Platon nicht um eine dogmatische Ablehnung, sondern um eine pointierte Hinweisgebung auf ein Übermaß an demokratischer Freiheit. Und hier zeigt Platon analytischen Habitus, denn die Achillesverse der athenischen Demokratie lag in dem Ideal, jedem männlichen Bürger der Polis Athen die politischen Rechte in der Umsetzung zu gewähren.[7] Realiter konnte mit dem Ideal der politischen Gleichheit keine Gleichschaltung der ökonomischen Unabhängigkeit erreicht werden, denn der Bauernstand wäre monetär nicht potent gewesen, die Pnyx oder die Agora hochfrequentiert aufzusuchen.[8]

3. Der thukydideische Perikles

Dem versierten Historiker ist der Thukydides bekannt als der Begründer der politischen Geschichte, wenig merklich entfernt von der historischen Methode der neuzeitlichen Geschichtswissenschaft. Unabhängig von methodischen und fachwissenschaftlichen Diskursen, das thukydideische Bemühen um Nüchternheit und Aufklärung erhält eine Zustimmung.[9]  Eine Demonstration dieser vorzeigbaren Geschichtswissenschaft liegt in der Darstellung der Periklesgestalt. Dieser Staatsmann repräsentierte in der Hochphase der Polis Athen einen demokratischen Staat mit mehrjährigen, durchgehenden Erfahrungen als Stratege. Thukydides berichtet in seiner sachlichen Art über die Taten dieses Regenten, er lässt den Protagonisten des Perikleischen Zeitalters ausführlich in mehreren Grundsatzreden zu Wort kommen und lässt ihn die Grundgedanken seiner Politik darlegen. Der berichtende Teil der thudydikeischen Darstellung und die dem Perikles in den Mund gelegten Reden bilden eine in sich abgestimmte Kohärenz, so dass daraus eine Zustimmung des Geschichtsschreibers herausgelesen werden kann.[10] Mit dem Herannahen des Peloponnesischen Krieges erhält Perikles eine Überzeichnung als in Rede und Tat mächtiger Mann im Staat. Athen ist der Primus in der griechischen Welt. Die Politik Athens, das so den Anspruch des Staates mit der Würde des Bürgers in Einklang bringt und die anderen Poleis durch Wohltun, durch Vertrauen auf großmütige Gesinnung sich zu Freunden macht, wird als hellenistische Schule tituliert.[11] Die ehemals verbündeten Städte sind zu Untertanen geworden, ihre Abhängigkeit ist so klar, dass Athen unumwunden als ägäischer Hegemon bezeichnet werden kann. Das einheitliche Wirtschaftsgebiet, das so entstanden ist, macht Athen reich, der Staatsschatz ist gefüllt. Die Polis Athen ist möglichen kriegerischen Auseinandersetzungen gegenüber ressourcenintensiv.[12] Thukydides, der dieses maritime Bündnissystem analysiert, ist voll Bewunderung für den Strategen Perikles, der diesem ägäischen Gebilde in den ägäischen Gefilden einen hellenistischen Liktoren gibt. Das Zeitgenössische spricht zudem für Thukydides, da er persönlich diesen Staatsmann kannte oder sich doch zumindest dessen Auftritten auf der Pnyx vergegenwärtigte. Perikles den Demos lenkt, wie er in klarem Vorausschauen und in Begeisterung für seine Stadt die große Macht aufbaut und sichert. Perikles verkörpert den idealen Staatsmann mit den für einen Realpolitiker notwendigen Eingebungen für von markanter Demagogie befreite Volksversammlungsbeschlüsse, mit bezwingender Redegewalt, mit Vaterlandsliebe und persönlicher Uneigennützigkeit.[13] Thukydides erkennt darin die Harmonie zwischen demokratischer Verfassung und persönlicher Staatsführung, zwischen einem Kulturstaat und maritimer Hegemonie im Attischen Seebund. Die Gültigkeit dieser Norm, die Perikles aufgerichtet hat, erweist sich dem Geschichtsschreiber auch im Geschehen nach Perikles´ Tod, an dem Abgleiten der Epigonen wie Kleon oder Nikias, der Selbstaufgabe und Kapitulation Athens nach der deklassierenden Seeschlacht bei Aigospotamoi 405 v. Chr. Diese amourösenhafte Fremdinszenierung zur Etablierung eines normfokussierenden, über die Zeitgenossen hinaus vitalen Geschichtsbildes kommt im Abschnitt 65 des zweiten Buches deutlich zum Ausdruck.[14] Und genau dieses Urteil des Historikers qualifiziert diesen Thukydides als einen über den reinen Hofhistoriographen hinausgehenden Literaten, da dessen Geschichtswerk zu einer Zeit verfasst wurde, als Athen ressourcenverbraucht unter Oligarchen wie Peisandros, einem der Wortführer des oligarchischen Rates der 400, darbte.

4. Kritik gehört zum Geschäft

Da ist Perikles der erste Mann Athens, der Regent einer Bürgerschaft, die die Worte des Perikles beherzigt. Die nachfolgende Führungskaste zeichnete sich nach den Worten des Thukydides jedoch durch allzu großen Frevel aus hinsichtlich der charakterlichen Schwächen.[15] Offenbar war der Demos nach dem Tod des großen Strategen 429 v. Chr. wenig geneigt oder von limitierter Denkkraft, da die eloquente Kunst der Demagogie die Anfälligkeit für Fehlleistungen potenzierte. Aber waren es nur wirklich die Epigonen wie Diodotos, die das diabolische Schwert der Verführung schwangen? Gilt Perikles nicht als Begründer dieser Saturierungspolitik? Der Geschichtsschreiber berichtet der Nachwelt selbst, wie zu Lebzeiten des Perikles die Pest Athen in ihrem Atem hielt und der ausgemergelte Demos Signale der Verständigung mit den Peloponnesiern forderte.[16] Da lässt er dann seinen Staatsmann in der Gefallenenrede bittere Vorwürfe an die Bürger richten, ihren Wankelmut und ihre Niedergeschlagenheit tadeln. Da lässt Thukydides den Perikles posaunen, sie sollten nicht kleiner sein als die Vorfahren[17], aber wenige Monate zuvor trompetete er martialisch, dass die Vorfahren angesichts des gegenwärtigen Geschlechts zurücktreten.[18] Entweder ist es sprachlich tonierter innerer Wankelmut gewesen oder der Demagoge Perikles richtete sich nach den stimmungsträchtigsten Formulierungen auf der Pnyx. Auch wenn sie die auctoritas eines Perikles nicht gehabt haben, so sind die Epigonen frei von jeder totalen Schuldfrage hinsichtlich der byzantinischen Verhältnisse in der Volksversammlung. Wie formulierte es doch einer der bekannten Gegner des Perikles, Plutarch beim Namen, und in diesem Zitat steckt bereits der Verdacht des dialektischen Demosthenes:

Wenn ich ihn im Ringkampf zu Boden geschleudert habe, streitet er ab, überhaupt gefallen zu sein, und kann dabei erfolgreich sogar die Augenzeugen in ihrer Meinung umstimmen.[19]

Selbst im Kapitel 65 des zweiten Buches mit einer offensichtlichen parteiischen Würdigung des Perikles, kann und muss Thukydides mögliche Verfehlungen und Unpässlichkeiten in der politischen Vita des Perikles aufzeigen. Thukydides hält sich jedoch bedeckt, listet ohne abwägende Argumentation die Malusse auf und begibt sich anschließend mit bedeutend größerem Elan nach Erklärung in die perikleische Koketterie.[20] Hierbei darf man eine kleine Anmerkung in Kapitel 65 nicht überlesen, die von eminenter Bedeutung ist hinsichtlich der perikleischen Akzeptanz im attischen Demos. Perikles wurde trotz der Zermürbungsstrategie der innenpolitischen Gegner am Ende der dreißiger Jahre immer wieder im Strategenamt bestätigt:

Sehr bald danach freilich, wie die Menge pflegt, wählten sie ihn wieder zum Feldherrn und überließen ihm die wichtigsten Entscheidungen, da jeder in seinem häuslichen Kummer nun schon eher abgestumpft war und sie ihn für die Bedürfnisse der gesamten Stadt doch für den fähigsten Mann hielten.[21]

Die Wahl des Strategen war ursprünglich eine phylenweise Kandidatenauswahl, aber Änderungen in den Wahlmodi führten dazu, dass die Kandidaten mit den meisten Stimmen über die Phylengrenzen hinweg in das Strategenkollegium gewählt wurden. Perikles konnte sich also neben seiner Hausmacht auch auf eine überegionale Wählerschaft berufen.[22] Diese Singularität zeichnet dieses Kapitel aus. Es verrät über den Historiker Thukydides mehr persönliches als diesem es weniger beabsichtigt war. Um sich dem Vorwurf des politischen Pamphlets mit transgredienter Denkmalsetzung entziehen zu können, kam es zu unkommentierten Biographieversatzstücken, in denen der aufmerksame Leser aber die Brücken schlagen kann zu einer perikleischen Kritik.

Zwischen dem Ersten Mann im Staat und seinen Polisbürgern müssen eklatante Spannungen existiert haben. Das war das Ergebnis einer Politik, die nur den Demos befriedigen wollte. Nehmen wir die Kleruchienpolitik als veranschaulichtes Mittel der narkotisierenden Massenstimulation, um den negativen Frieden in der Polis Athen nicht ausufern zu lassen. Eine systematische Ansiedlung von Athenern in Poleis der Bundesgenossen war eine dekadente und kurzsichtige Portion des ägäischen Imperialismus und die enaktive Form einer egoistischen Polis namens Athen. Mit Zuckerbrot und Peitsche hantierte der Demagoge offenbar schon in der Antike. Gelegentliche Restriktionen bei Komödienaufführungen zeigten die Ambivalenz in der Amtsführung des griechischen princeps. Dass das mit der Wiedergeburt der Peisistratiden und deren apologetischen Redetitan Perikles sicher überzogen war, bleibt in der Annahme nicht fremd, aber ein Komödieninhalt dient durchaus für Revelationen und für Infantilisierungen des Demos.[23] Zudem müssen grundsätzlich imperialistische Neigungen unterstellt werden, und das gilt unisono für Thukydides und Perikles. Es war selbstverständlich, dass aus der anfänglichen Symmachie mit bilateralem Charakter eine attische Hegemonie wurde. Und ganz nebenbei und abwägungsfrei sprechen deren Befürworter Perikles und Thukydides davon, dass der Hass auf die Athener hingenommen werden müsse als Preis für den ewigen Ruhm.[24]  Unverblümt  demonstriert Perikles einen Stolz für die geographischen Ausläufer des Attisch-Delischen Seebundes.[25]

Daran anschließend kann die von Thukydides vorgetragene Kriegsstrategie[26] des Perikles als bedingt bevölkerungsfreundlich angesehen werden. Militärstrategisch war die perikleische Überlegung den attischen Stärken angepasst: die defensive Ausrichtung des Landheeres musste die Spartaner auf dem Land binden und die Stoßkraft abfedern, wohingegen die athenische Flotte an den peloponnesischen Küstenabschnitten in Partisanenmanier konstante ökonomische Nadelstiche fabrizieren sollte. Notfalls konnten die Ressourcen überseeisch bezogen werden, und der Umschlagsplatz in Piräus oder die Polis Athen waren durch die Langen Mauern geschützt. Die Ermattungsstrategie war durchdacht, aber lediglich einer Blitzkriegstrategie gegenüber affin oder auf die Unfähigkeit einer peloponnesischen Invasionsarmee ausgerichtet. Der spartanische König Archidamos II. erkannte diese verdeckte Achillesferse der Athener und setzte mit seinem Invasionsheer später in der Anfangsphase des Krieges auch dort ressourcenzerstörend an. Lediglich 429 v. Chr. verzichtete der spartanische Feldherr auf eine Invasion, aber da war die Pest in Athen ein unfreiwilliger apokalyptischer Reiter in spartanischem Dienst, dem auch Perikles zum Opfer fiel. Gerade die attische Landbevölkerung und deren Produktionskapazitäten und -möglichkeiten waren bei langer Kriegsdauer der Überforderung ausgesetzt.  Auch die Situation auf den Inselpoleis und die außenpolitischen Bündnismöglichkeiten Spartas waren nicht den langfristigen Planspielen angepasst. Selbst Thukydides weiß von dieser hasardeurischen Strategie[27] zu berichten, favorisiert aber die perikleische Rede mit herrischem Durchhalteparolen für die athenische Landbevölkerung.

5. Perikles … Der Mann wird nicht neu aufgebaut!

Der athenische princeps braucht nicht neu aufgebaut zu werden. Die Aussage ist weniger radikal und von moderatem Ton. Thukydides zeichnet einen Mann, der am Vorabend des Peloponnesischen Krieges trotz Avancen gegenüber einer imperialen Ägäis unter attischer Hegemonie die Volksherrschaft befürwortet, und der Einzelne hat lediglich in der auctoritas nach seinem Verdienst einen höheren Rang, sonst gilt gleiches Recht. Ob seine letzten Jahre als Stratege von saturierender Natur waren zwecks Ämtererhalts, seine innenpolitischen Feinde propagandistische Mittel aller Couleur nutzten zur Diskreditierung seines persönlichen Umfeldes und seiner Person oder Thukydides ambivalent und mit wenig Multiperspektivität ein Periklesbild für die Nachwelt zeichnete, bleiben doch die breite Akzeptanz in der Bevölkerung (natürlich nicht mit durchgehender Bewunderung), dokumentiert über die langjährige Tätigkeit als Stratege und die dem Perikles nachgesagten Worte aus dem Peloponnesischen Krieg, um den princeps des attischen Demos nicht aus der Ruhmeshalle bekannter Staatsmänner zu verfrachten. Das Geschichtswerk des Thukydides war in Methode noch nicht ausgereift für die Multiperspektivität in toto, so dass eine abwägende, diametrale Charakterstudie Grundlage hätte sein können für tragbare und facettenreiche Psychoanalysen.

„Die Verfassung, nach der wir leben, vergleicht sich mit keiner fremden; viel eher sind wir für sonst jemand ein Vorbild als Nachahmer anderer. Mit Namen heißt sie, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf eine größere Zahl gestellt ist, Volksherrschaft.“[28]

 

6. Quellen- und Literaturverzeichnis:

Quellenverzeichnis:

Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges 1, griech. – dt., übersetzt und mit einer Einf. und Erl. vers. v. Georg Peter Landmann, München 1993 (Sammlung Tusculum).

Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges 2, griech. – dt., übersetzt und mit einer Einf. und Erl. vers. v. Georg Peter Landmann, München 1993 (Sammlung Tusculum).

 

Literaturverzeichnis:

Bleckmann, Bruno: Der Peloponnesische Krieg, München 2007.

Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie, Paderborn 1995.

Hornblower, Simon: Art. Thukydides, in: DNP 12 (2002), Sp. 505 – 512.

Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen, München 2008.

Maurer, Reinhart: Platons Staat und die Demokratie, Berlin 1970.

Mittermeier, Karl/Mair, Meinhard: Demokratie. Die Geschichte einer politischen Idee von Platon bis heute, Darmstadt 1995.

Prestel, Georg: Die antidemokratische Strömung im Athen des 5. Jahrhunderts bis zum Tod des Perikles, in: Breslauer Historische Forschungen 12 (1939).

Ruschenbusch, Eberhard: Die Wahl der Strategen im 5. und 4. Jh. v. Chr. in Athen, in: Historia 24.1, S. 112 – 114, URL: http://www.jstor.org/stable/4435429. .

Vogt, Joseph: Das Bild des Perikles bei Thudydikes, in: HZ 182.2 (1956), S. 249 – 266, URL: http://www.jstor.org/stable/27611639.

Wiegand, Wilhelm: Platon´s Werke, Zehn Bücher vom Staate, Buch VIII, Stuttgart 1855.

 

[1] Mittermeier, Karl/Mair, Meinhard: Demokratie. Die Geschichte einer politischen Idee von Platon bis heute, Darmstadt 1995, S. 24.

[2] Wiegand, Wilhelm: Platon´s Werke. Zehn Bücher vom Staate 8, Stuttgart 1855, Pol. 564St 2A (im Folgenden zitiert als: Wiegand, Platon).

[3] Hornblower, Simon: Art. Thukydides, in: DNP 12 (2002), Sp. 505 – 512, Sp. 506.

[4] Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen, München 2008, S. 16 – 17.

[5] Die Athener besiegten in dieser größten innergriechischen Seeschlacht die Spartaner vernichtend in der Endphase des Peloponnesischen Krieges. Ursprünglich hatte der spartanische Nauarch Kallikratidas die athenische Flotte auf Lesbos eingekesselt, doch konnte eine athenische Entsatzflotte an der Inselgruppe der Arginusen die Spartaner vernichtend schlagen unter anderem durch die Mitwirkung des Nauarchen Perikles des Jüngeren, einem Sohn des Staatsmanns Perikles. Die angespannte Situation spiegelte sich jedoch im nachfolgenden Arginusenprozess wieder, als man der Mehrheit der an der Seeschlacht beteiligten Strategen den Vorwurf der unterlassenen Bergung von Toten und Schiffbrüchigen vorwarf.

[6] Wiegand, Platon, Pol. 557 St 2A.

[7] Maurer, Reinhart: Platons Staat und die Demokratie, Berlin 1970, S. 186.

[8] Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie, Paderborn 1995, S. 464.

[9] Bleckmann, Bruno: Der Peloponnesische Krieg, München 2007, S. 13.

[10] Vogt, Joseph: Das Bild des Perikles bei Thudydikes, in: HZ 182.2 (1956), S. 249 – 266, S. 249 – 251, URL: http://www.jstor.org/stable/27611639.

[11] Thuk. II, 41.

[12] Thuk. II, 36.

[13] Thuk. II, 60.

[14] Thuk. II, 65.

[15] Thuk. II, 65.

[16] Thuk. II, 65.

[17] Thuk. II, 62.

[18] Thuk. II, 36.

[19] Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen, München 2008, S. 156.

[20] Thuk. II, 36.

[21] Thuk. II, 36.

[22] Ruschenbusch, Eberhard: Die Wahl der Strategen im 5. und 4. Jh. v. Chr. in Athen, in: Historia 24.1 (1975), S. 112 – 114, URL: http://www.jstor.org/stable/4435429.

[23] Prestel, Georg: Die antidemokratische Strömung im Athen des 5. Jahrhunderts bis zum Tod des Perikles, in: Breslauer Historische Forschungen 12 (1939), S. 53.

[24] Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen, München 2008, S. 273.

[25] Thuk. II, 36.

[26] Thuk. II, 60-64.

[27] Thuk. I, 178.

[28] Thuk. II, 37.

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1:

 https://www.welt.de/geschichte/article159876548/Kleon-hiess-der-Trump-der-Antike.html

Zuletzt abgerufen am 30.03.2081

Abbildung 2:

 https://de.wikipedia.org/wiki/Perikles

Zuletzt abgerufen am 30.03.2018.

Abbildung 3:

 https://de.wikipedia.org/wiki/Thukydides

Zuletzt abgerufen am 30.03.2018.

Abbildung 4:

 https://de.wikipedia.org/wiki/Thukydides

Zuletzt abgerufen am 30.03.2018.

 

Bauprojekte auf dem Marsfeld

Bauprojekte auf dem Marsfeld

Politik und Selbstdarstellung anhand von Gebäuden

in

augusteischer Zeit

 

Abbildung 1: Kaiser Augustus

 

Abbildung 2: Karte militärischer Übungsplatz

Jahrhundertelang diente den Römern ein über 200 Hektar großes tiefebenes Feld zwischen dem Tiber, dem Quirinal und dem Kapitol als militärischer Übungsplatz. Es handelte sich um einen traditionsreichen Ort, da der Überlieferung nach während der Etablierung der römischen Republik (um 509 v. Chr.) die dort betriebene Landwirtschaft des letzten römischen  Königs Tarquinius Superbus zerstört wurde. Das hatte Symbolkraft, und wie bei den Römern üblich, gab es zu Ehren der dann bis 27 v. Chr. existierenden Republik einen Altar gesetzt, hier zu Ehren des

Abbildung 3: Campus Martius

Kriegsgottes Mars. Das einst unbedeutende Acker- und Weidefeld wurde zum Marsfeld, dem Campus Martius. Die siegreichen Soldaten und ihr Feldherr erhielten hier den wohlverdienten Triumphzug, ausländische Gesandtschaften wurden auf dem Feld von Vertretern der römischen Republik empfangen, bei Bedarf liefen gelegentlich Viehherden über dieses republikanische Gemeindeland oder im Circus Flaminus zwischen Tiberinsel und Kapitolhügel veranstaltete man Pferderennen. In der Spätphase der römischen Republik zu Zeiten der römischen Bürgerkriege (133 v. Chr. bis 30 v. Chr.) begann dann die gebäudetechnische Kultivierung des Marsfeldes. Diktatoren wie Sulla und Feldherren wie Pompeius oder Agrippa bauten das Ackerland förmlich zu, zumindest ließen sie es zu. Der freie Blick auf ein republikanisches Stück Land war zerstört. Die Gebäudeansammlungen konnten sich jedoch sehen lassen und verdeutlichten Sendungsbewusstsein und Leistungsstärke der römischen Architektur im 1. Jahrhundert v. Chr. Pompeius,

Abbildung 4: Das erste Steintheater in Rom

Gegenspieler des bekannten Julius Caesar, ließ 55 v. Chr. auf dem Marsfeld das erste Steintheater in Rom einweihen zu Ehren seiner Erfolge gegen Seepiraten und König Mithridates von Pontos. Die dort vorkommende Portikus (Säulengang) war übrigens an den Iden des März 44 v. Chr. Panorama für den Caesarmord durch Cassius und Brutus. Bereits an Pompeius zeigte sich ein typisches Muster architektonischer Ehrerbietung an die militärischen Erfolge der Bauherren. Dieser Baustil wurde wenige Jahre später

Abbildung 5: Portikus Octavia

durch Octavian perfektioniert, den Großneffen Caesars. Jeder kennt diesen Großneffen, denn es war der erste römische Kaiser Augustus. 33 v. Chr. finanzierte Octavian über die Einnahmen aus dem Krieg in Dalmatien (heutiges Kroatien) die Portikus Octavia auf dem Marsfeld,  und nebenbei nahm er mit der Säulengangehrung für seine ältere Schwester Octavia seinen Rivalen  und Schwager Marcus Antonius viel Rückhalt in der römischen Öffentlichkeit. Octavian wusste, dass er Triumphzüge, politische Rivalitäten und persönliche Zielsetzungen an geschichtsträchtigen Orten wie dem Marsfeld propagandistisch und architektonisch am besten fokussieren konnte. Wie er sich direkt sah und die Nachwelt ihn sehen sollte, kam gerade in den von ihm in Auftrag gegebenen Bauwerken nach der Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr. zum Ausdruck, von denen die Aussagekräftigsten ebenfalls auf dem Marsfeld positioniert wurden.

 

Abbildung 6: Augustusmausoleum 29 v. Chr.

Ein Monument der familiären Dauerhaftigkeit und ein Selbstbildnis der eigenen Taten oder Verdienste wurden mit dem  Augustusmausoleum 29 v. Chr. hier offiziell eingeweiht. Der zylinderförmige Bau bestand aus Süßwasserkalkstein, dem sogenannten Travertino Romano. Diese frostsichere Fassadenverkleidung kam später auch beim Bau des Kolosseums zum Einsatz. Es ist davon auszugehen, dass sich – wie zu der Zeit in Rom üblich – ein kultivierter Erdhügel über dem zylindrischen Bau erhob.  Der Princeps senatus thronte dabei nach Überlieferung in metallischer Gestalt auf dem Gipfel des

Mausoleums. Oktavian selbst, nachfolgende Verwandte aus der julisch-claudischen Adelsfamilie oder verdiente Römer sollten mit dieser Grabstätte sicht- und spürbare Erinnerungen an die Anfänge des Prinzipats in den zukünftigen Generationen auslösen. Das war eine Legitimation über  den Tod hinaus. Nach dem Tod des Augustus 14 n. Chr. wurden auf dessen testamentarischer Veranlassung hin am Eingang des Mausoleums Bronzetafeln aufgestellt, die das Monumentum Ancyranum enthielten, einen Rechenschaftsbericht und eine Wohltatenbiographie des Kaisers, besser bekannt als Res Gestae Divi Augusti. Und Augustus hatte einiges zu erklären. Das republikanische Rechtsverständnis der Römer war in mehr als vier Jahrhunderten manifestiert. Die Erfahrungen der jahrzehntelangen Bürgerkriege schlossen aber die Alleinherrschaft nicht zwingend aus. Dieser Spagat wurde im Prinzipat überwunden und bedurfte einer Verankerung. Die formale Restitution der Republik wurde ergänzt um die Auctoritas des Primus inter pares, treffend verdeutlich in der Res Gestae:

Post id tempus auctoritate omnibus praestiti, potestatis autem nihilo amplius habui quam ceteri, qui mihi quoque in magistratu conlegae fuerunt.“ Nach dieser Zeit überragte ich an Ansehen alle, an formaler Gewalt besaß ich jedoch nicht mehr als die anderen, die jeweils meine Kollegen im Amt waren.
Augustus: Res gestae 34
Abbildung 7: Pax Romana

Die augusteische Ära brachte eine mehrere Jahrzehnte andauernde Epoche des inneren Friedens. Stabile Verhältnisse in den Provinzen, ein Sicherheitsgefühl, kulturelle Blüte und zumindest eine Wohlstandsmehrung für die römischen Bürger erleichterten in dieser Pax Romana die Legitimationsbedürfnisse des ersten römischen Kaisers. Der 9 v. Chr. eingeweihte Friedensaltar – Ara Pacis Augustae genannt – gedachte den Friedensbemühungen von Augustus.

Abbildung 8: Friedensaltar – Ara Pacis Augustae

Zeitgenossen sollten selbstverständlich als Annahmeerleichterung den Initiator der eingeführten Monarchie mit republikanischen Versatzstücken (z.B. dem Senat) vordergründig mit der Pax Romana in Verbindung bringen, und der Nachwelt musste ein entsprechendes Bauwerk auf dem Marsfeld zur Ausprägung einer zugehörigen Erinnerungskultur präsentiert werden. Die Etablierung und Akzeptanz eines dynastischen Gedankens bedurfte einer Propaganda, und sein  Nachfolger Tiberius hatte somit zumindest theoretisch weniger Legitimationsdruck. Augustus scheute denn auch keine Kosten bei der Entstehung des

Abbildung 9: Carrara-Marmor aus der Toskana

Altars.  Feinster Carrara-Marmor aus der Toskana musste es schon sein. Reliefs mit mythologischen Darstellungen untermauerten das Sendungsbewusstsein oder den Machtanspruch für den Prinzipat. Die Julier um Augustus konnten dabei ihre familiären Wurzeln bis in die Gründungsakte Roms bebildern. Wie das?

 

Abbildung 10: Iulus Alba Longa

Namensgeber der römischen Patrizierfamilie war ein gewisser Iulus, der der Legende nach ein Sohn des Aeneas war. Aeneas war ein trojanischer Adliger von göttlicher Abstammung. Seine Mutter war die Aphrodite, und durch die Wirren des trojanischen Krieges (nach Herodot um 1230 v. Chr.) strandete dieser Halbgott an die italienische Küste bei Latium. Hier gründete eben jener Iulus Alba Longa und war deren erster König. In späterer Zeit saß dann ein Numitor Silvius auf diesem Thron. Das muss für den Zuhörer noch kein

Beweggrund sein für diese Motivwahl des ersten römischen Kaisers, aber die Tochter von Numitor Silvius, die Vestalin Rhea Silvia, gebar unter Mithilfe des römischen Kriegsgottes Mars die allseits dem Namen nach bekannten Zwillinge Romulus und Remus. Der Sage nach wurden diese Zwillinge von einer Wölfin (Lupa Capitolina) in einer Grotte (Lupercal) nahe dem Hügel Palatin gesäugt. Wenige Jahre später sollten sie hier die Stadt Rom gründen (753 v. Chr.). Nun war die Argumentationslinie der gewählten Bildmotive auf den Marmorplatten für

Abbildung 11: Alba Longa

die Nachwelt klar. Augustus konnte sich auf eine göttliche Abstammung berufen  (Aeneasmotiv) und in Alba Longa eine Mutterstadt Roms aufzeigen (Lupercalmotiv). Die Selbstverherrlichung hatte aber auch beim Princeps Grenzen. Er kannte nur allzu gut das brüskierende Auftreten seines Oheims Caesar, der bei jeder Gelegenheit diese königlich-göttliche Abstammung – vorzugsweise bei den republikanischen Senatoren – zur Schau stellte. Als Verantwortlicher der Sittenaufsicht seit 19 v. Chr. (cura morum) hatte er ebenfalls die klassischen römischen Tugenden im Blick, um sich auch persönlich von den Ausartungen der letzten Jahre des Bürgerkrieges zu distanzieren. Einige Szenen thematisierten daher auch respektvolle Opfergänge an die Götter zur Heraushebung der Frömmigkeit. Augustus wollte keine unnötigen Reize setzen bei der Etablierung des eigentlich für die Römer befremdlichen dynastischen Gedankens. Der gesicherte Fortbestand der julisch-claudischen Dynastie wurde in besonderer Weise durch ein Staatskameo eines Steinschleifers  namens Dioskurides zum Ausdruck gebracht, der im

Abbildung 12: Gemma Augustea

Auftrag von Augustus möglicherweise nach den Wirren der militärischen Katastrophe um Varus 9 n. Chr. in Germania magna ein Relief aus einem Schmuckstein herstellte. Dieser geschnittene Schmuckstein aus Sardonyx, einer Varietät des Minerals Quarz, kann heute noch im kunsthistorischen Museum in Wien betrachtet werden. Der Habsburger Rudolf II. hatte diese Gemma Augustea zu Beginn des 17. Jahrhunderts

käuflich erworben. Die Sicherung und Weiterführung der Herrschaft erfolgte bei diesem Kameo über die ikonographische Darstellung der

Abbildung 13: Augustus im Jupitertypus
Abbildung 14: Bisellium

verschiedenen Generationen aus der Kaiserfamilie. Im oberen Bildfeld thront Augustus gottgleich im Jupitertypus als oberste Gottheit in der römischen Mythologie mit der  Dea Roma und seinem Zepter auf einem bankähnlichen Thron (dem Bisellium).  Etwas versteckt hält er in der rechten Hand – aber bei genauerer Sichtung erkennbar – den Lituus. Es handelt sich hierbei um einen

Abbildung 15:  Augurenstab

Augurenstab,

 den der Princeps als Wahrzeichen der höchsten politischen und religiösen Macht trug (seit dem Tod seines alten Kampfgefährten Lepidus war Augustus auch Pontifex maximus). Interessanterweise ergibt sich hieraus auch ein Bezug auf die Anfänge der Stadt Rom. Der bereits

Abbildung 16: Der königliche Vogel des Jupiters

erwähnte Romulus legte der Legende nach mit dem Augurenstab die Stadtbezirke der neugegründeten Stadt Rom fest. Unter dem Thron befindet sich der Adler, der königliche Vogel des Jupiters.

 

Zwischen der Roma und dem Princeps positioniert sich

Abbildung 17:  Geburts-scheibe des ersten römischen Kaisers

offensichtlich eine Art Geburtsscheibe des ersten römischen Kaisers mit dem Steinbocksymbol.  Der sogenannte Capricornus war das Geburtszeichen des Kaisers. Die Gottheiten auf der rechten Seite des oberen Bildteils sind repräsentative Figuren für  die geographische Größe des Römischen Reiches.  Die Oikumene verleiht Augustus den Eichenkranz, offensichtlich die Corona civica (Bürgerkrone). Da Oikumene grundsätzlich für die bewohnten Erdteile stand, sah sich Augustus offenbar in Tradition zu Alexander dem Großen als Herr über die bewohnten Gebiete…imperialistische Züge

Abbildung 18: Oikumene verleiht Augustus den Eichenkranz

des Imperiums.  Der nicht unschwach dargestellte Oceanus symbolisiert

Abbildung 19: Oceanus

dabei als Weltenstrom die Umrahmung der von den römischen Legionen eroberten und erreichten      die        (Küsten-)Gebiete.  Erdgöttin

Abbildung 20: Erdgöttin Terra mater

Terra mater symbolisiert standardmäßig die Fruchtbarkeit und damit sicher auch in Stellvertretung die Wirtschaftlichkeit der eroberten Gebiete. Interessant ist, dass sie in Personalunion mit dem Jupitergestus auch bei den Römern für feierliche Eide stand. Entweder sah sich  Augustus zur ikonographischen Eidaussprechung genötigt durch die militärischen Kraftanstrengungen in Pannonien und Germanien (der am Boden liegende römische Brustpanzer auf dem unteren Bild spricht dafür) oder die Stellung des Princeps war zum Zeitpunkt der Erstellung des Kameos schon sakrosankt.

Abbildung 22: Die Söhne  Agrippa
Abbildung 21: Die Söhne  Agrippa

Augustus hatte die Nachfolgeregelung durch Adoptionen auf eine breitere personelle Basis gestellt. Nachdem die Söhne seines alten Weggefährten Agrippa als mögliche Nachfolgekandidaten ausfielen,  adoptierte Augustus Tiberius, der seinerseits seinen eigenen Neffen Germanicus  adoptieren musste. Dieser Tiberius verlässt gerade am linken oberen Bildrand die Biga, ein Zweiergespann. Die Wagenlenkerin ist die Siegesgöttin Victoria persönlich. Auffallend ist das Zepter, das Tiberius in die Mitregentschaft des Princeps überführt. Hier wird Gleichrangigkeit symbolisiert. Tiberius selbst besaß neben der tribunizischen Amtsgewalt spätestens seit 13 n. Chr. prokonsularische Amtsgewalt. Der Fortbestand der Dynastie und die Reichssicherheit durch die Dynastie waren die zentralen Botschaften des Staatskameos.  Tiberius hatte immerhin im Vorfeld erfolgreich in Pannonien und Dalmatien existenzbedrohende Aufstände niedergeschlagen, und daher konnten die Römer ohne Bedenken dem ankommenden Tiberius die Geschicke des Reiches

Abbildung 23: Aufstellen eines Tropaion

übertragen. Auf dem unteren Bildmotiv ist daher nicht ohne Grund das Aufstellen  eines Tropaion in Szenerie gesetzt, begleitet von den erzwungenen Blicken der Unterworfenen. Ob der Pfosten, an dem erbeutete Waffen angebracht wurden (umgangssprachlich auch als militärische Amüsierstange  bekannt), tatsächlich den militärischen Konflikten im pannonisch-dalmatinischen Raum zwischen 6 n. Chr. und 9 n. Chr. geschuldet ist, wissen wir mit absoluter Sicherheit nicht, könnte aber durch die Germanicusgestalt auf dem Kameo erklärbar sein (Figur vor dem Pferd, links neben Dea Roma). Germanicus war als übernächster Princeps vorgesehen, der Tiberius unterstützte in Pannonien in Feldherrenfunktion  (trägt das Paludamentum als sichtbares Rangabzeichen).

Abbildung 24: Horologium Augusti

Möglicherweise sah Augustus das schon andiskutierte eigene Geburtsdatum (23. September 63 v. Chr.) als Vorherbestimmung an und integrierte es in seine Propagandamaschinerie. Hierzu bediente er sich astronomischer Methoden.  Aus Heliopolis in Unterägypten ließ der Princeps einen mehr als 20 Meter langen Obelisken heranschaffen, der die Funktion eines Schattenzeigers ausübte. Das Horologium Augusti (Sonnenuhr) war so aufgestellt auf dem Marsfeld, das am Geburtstag des Princeps (dem Herbstäquinoktium, Tagundnachtgleiche) die Schattenlinie vom Morgen bis zum Abend durch die Ara Pacis Augustae führte. Das hatte selbstverständlich wieder eine symbolische Bedeutung, denn offenbar stand der Geburtstag des Princeps im direkten Zusammenspiel mit der Pax Romana.

Quellen:

http://www.roma-antiqua.de/antikes_rom/marsfeld/augustusmausoleum

http://www.markaurel.de/mausoleen.htm

http://elearning.unifr.ch/antiquitas/de/noticesimages/198

http://tarquinius-superbus.tiot.de/

http://www.roma-antiqua.de/antikes_rom/marsfeld/pompeius_theater

http://www.mbradtke.de/augustus01.htm

https://en.wikipedia.org/wiki/Porticus_Octaviae

http://www.remote.org/frederik/projects/frau-rom/

https://en.wikipedia.org/wiki/Mark_Antony

http://www.muenzen-ritter.de/wissenswertes/numismatikbibliothek/historia-romana/schlacht_bei_actium

http://www.pascua.de/antike/vergil/arapacis.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Pax_Romana

https://wilsonancientrome.wikispaces.com/Pax+Romana

http://www.learner.org/courses/globalart/work/175/index.html

http://www.laurentianum.de/schrefs/lref4100.htm

http://lexomat.de/uploads/Italien/Toskana/Carrara/463.jpg

Abbildungsnachweis:

Abbildung 1:

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Althistoriker-

Zimmermann-zum-2000-Todestag-des-Kaisers-Augustus-73436.html

abgerufen am 04.02.2017

Abbildung 2:

Karte militärischer Übungsplatz

https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_H%C3%BCgel_Roms

abgerufen am 04.02.2017

Abbildung 3:

 Campus Martius

https://de.wikipedia.org/wiki/Campus_Martius

abgerufen am 05.02.2017

Abbildung 4:

 Das erste Steintheater in Rom

http://khs11cityofrome.weebly.com/pompeys-theatre.html

abgerufen am 02.02.2017

Abbildung 5:

Portikus Octavia

https://en.wikipedia.org/wiki/Porticus_Octaviae

abgerufen am 03.02.2017

Abbildung 6:

Augustusmausoleum 29 v. Chr.

http://www.mbradtke.de/augustus/aug_mausoleum.htm

abgerufen am 02.02.1017

Abbildung 7:

Pax Romana

https://wilsonancientrome.wikispaces.com/Pax+Romana

abgerufen am 03.02.2017

Abbildung 8:

 Friedensaltar – Ara Pacis Augustae

http://www.f1online.de/de/bild-details/3944142.html

abgerufen am 04.02.2017

Abbildung 9:

 Carrara-Marmor aus der Toskana

http://urlaubsfoto.org/archives/98-Der-weisse-Marmor-von-Carrara.html

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 10:

 Iulus Alba Longa

https://en.wikipedia.org/wiki/Latium

abgerufen am 07.02.2017

Abbildung 11:

 Alba Longa

Zonaras: Lavinium and Alba Longa (7.1 Part II)

abgerufen am 04.02.2017

Abbildung 12:

Gemma Augustea

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 13:

 Augustus im Jupitertypus

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 14:

 Bisellium

http://warehouse-13-artifact-database.wikia.com/wiki/Vespasian%27s_Bisellium

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 15:

 Augurenstab

http://museum.zib.de/sgml_internet/sgml.php?seite=5&fld_0=me000741

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 16:

 Der königliche Vogel des Jupiters

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 17:

 Geburtsscheibe des ersten römischen Kaisers

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 18:

 Oikumene verleiht Augustus den Eichenkranz

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 19:

 Oceanus

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 20:

 Erdgöttin Terra mater

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 21:

 Die Söhne  Agrippa

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 22:

 Die Söhne  Agrippa

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 23:

 Aufstellen eines Tropaion

https://www.studyblue.com/notes/note/n/etruscan-and-roman-art/deck/14986222

abgerufen am 06.02.2017

Abbildung 24:

 Horologium Augusti

http://fracademic.com/dic.nsf/frwiki/790535

abgerufen am 08.02.2017

Stupor mundi … Die Obere Wasserbehörde nimmt Stellung zu Schwermetallen!

Im Rahmen des 5. Abiturfaches erfolgte in den Jahren 2015 und 2016 eine besondere Lernleistung von mir hinsichtlich einer Bachuntersuchung des Baches Geithe, in der westfälischen Stadt Hamm gelegen. Unter dem Titel „Die Geithe, ein Altarm der Lippe – eine ökologische Untersuchung vor dem Hintergrund der historischen und aktuellen Situation“ wurden in Wasserproben des Baches Geithe Schwermetalle nachgewiesen, die in der Konzentration mit dem unrühmlichen Prädikat „Stark belastet!“ versehen werden konnten. Seinerzeit wiesen die zuständigen Behörden unter lautsprecherischer Federführung der Stadt Hamm meine Ergebnisse mit dem Totschlagargument zurück, dass die Wasserproben nicht nach standardisierten Messungen mit korrekter Normierung durchgeführt worden wären. Nun musste ich die obere Wasserbehörde in Arnsberg informieren, die eine offizielle oberbehördliche Untersuchung in Gang setzte, die im Ergebnis nun vorliegen. Interessanterweise erhielten meine Ergebnisse – wenn auch nicht deckungsgleich – in starker Tendenz eine amtliche ausgestellte Bestätigung und darüber hinaus weitere eklatante Umweltverschmutzungen. Was war denn nun amtlich registriert oder zugegeben? Nach den Untersuchungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) wurden die Richtwerte für Arsen und Zink deutlich überschritten und die Umweltqualitätsnorm für Blei nicht eingehalten. Diese Aussagen beziehen sich zunächst nur auf die von mir und dem LANUV untersuchten Wasserproben, können aber ohne Bedenken für eine Generalisierung verwendet werden. Natürlich – und es gebietet die wissenschaftliche Zurückhaltung in einem aber demonstrativ geforderten Diskurs – können dogmatische Aussagen über die Giftigkeit der vorgenannten Substanzen nur über weitere Eigenschaften des Wassers auf eine breite Basis gestellt werden.

Besorgniserregend war an den Ergebnissen, dass der Messwert von Benzo(a)pyren im Wasser mit bis zu 0,97 ng/l mehr als das Fünffache des Grenzwerts der Umweltqualitätsnorm betragen hatte. Benzo(a)pyren kommt im Kohlenteer vor, entsteht bei Verbrennungsprozessen von organischen Materialien und zählt zu den am besten untersuchten krebserregenden Stoffen. Daher kann auch deutlich formuliert werden, dass dieser wenig ökologische Stoff bei Schornsteinfegern und Rauchern für das signifikant erhöhte Krebsrisiko Mitverantwortung tragen. Ohne große Verwunderung war dann auch zu beobachten, dass das grundsätzlich schlecht lösliche Benzo(a)pyren erwartungsgemäß auch im Sediment der Geithe zu finden war.  Es ist ein wichtiger Vertreter einer ganzen Gruppe von chemischen Verbindungen, der sogenannten Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Insgesamt wurden 12 dieser PAKs im Schlamm der Geithe nachgewiesen, wobei vier dieser Substanzen einen Grenzwert überschritten, ab dem eine schädliche Wirkung zu erwarten ist. Darunter war das krebserregende, für Wasserorganismen sehr giftige Chrysen, das gewässergefährdende Phenanthren sowie vor allem das giftige Naphtalin, dessen Konzentration mit bis zu 1,5 mg/kg fünfmal höher lag als der oben erwähnte ½-PEC-Grenzwert. Die Messungen des LANUV bestätigten – wie bereits erwähnt –  die von mir ermittelten (eigene Werte in Klammern) Grenzwertüberschreitungen verschiedener Schwermetalle und ergaben in allen Fällen sogar noch höhere Belastungen der Sedimente in der Geithe. Bei Zink wurde beispielsweise mit 890 mg/kg (536 mg/kg) eine Überschreitung des Grenzwerts der Umweltqualitätsnorm festgestellt. Bei dieser Substanz steht vor allem die Giftigkeit für Pflanzen und Wasserpflanzen im Vordergrund. Das gleiche gilt für Nickel, bei dem die Konzentration mit bis zu 48 mg/kg (20 mg/kg) das Doppelte des ½-PEC-Grenzwerts betrug. Darüber hinaus ist Nickel als Kontaktallergen bekannt, das schwere Hautentzündungen hervorrufen kann und als krebserregend gilt, insbesondere, wenn Stäube inhaliert werden. Zynisch formuliert, meine Untersuchungen waren nicht vollständig aufdeckend in der Konzentrationsmessung, also eine negative oder pervertierte Diskreditierung meiner eigenen Untersuchungsergebnisse. Mit diesem Makel kann ich leben! Bei den drei giftigsten Schwermetallen Blei, bis 90 mg/kg (51 mg/kg), Cadmium, 3,4 mg/kg (2,9 mg/kg) und Quecksilber, bis 0,95 mg/kg (0,03 mg/kg) kam es sogar jeweils zur Überschreitung der oben genannten Grenzwerte um ca. 50%. Alle drei Substanzen können sich im Körper anreichern und zu chronischen Vergiftungen mit Schädigung des Nervensystems und verschiedenen Stoffwechselstörungen führen. Sie gehören daher schon seit Jahren zu den sogenannten Prioritären Stoffen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die als besonders gefährlich eingestuft werden und besonderer Beobachtung unterstehen.

Zwingend war daher die Einleitungsgenehmigung zu modifizieren, wobei die diplomatische Wortwahl der tatsächlichen Gefährdungssituation klar nachsteht. Mit behördlicher Genehmigung konnte der Betreiber des Kohlekraftwerks in Hamm-Uentrop die Abwassermengen aus dem Kohleabsetzbecken in die Geithe leiten. Offensichtlich – zumindest bestätigt seit 2011, aber mit sattelfestem Verdacht wohl seit der Inbetriebnahme – waren eklatante Eingriffe in die standardisierte Abwasserbehandlung an der Tagesordnung. Für diese Genehmigung war die Untere Wasserbehörde der Stadt Hamm zuständig, die realiter das Gefährdungspotenzial des Kraftwerkskomplexes ignorierte oder in fachlicher beziehungsweise behördlicher Unkenntnis argumentierte.Hinweise zu einer erhöhten Belastung liegen mir auch nach Abgleich der bisherigen Untersuchungen im Rahmen des Monitorings der WRRL oder eigener Untersuchungen beispielsweise des Makrozoobenthos bzw. chemisch-physikalischer Parameter oder der Fischfauna nicht vor“, kam es souverän aus der Unteren Wasserbehörde, namentlich durch Dr. Schmidt – Formann kolportiert, meinen Ansprechpartner beim Umweltamt Hamm. Diese Aussage verdeutlicht entweder eine dogmatische Inkompetenz oder das unsichtbare Gemüt hinsichtlich eines empathischen Umweltbewusstseins kann hochfrequentiert in der Unteren Wasserbehörde bestaunt werden. Nicht zur fachlichen Nachahmung geeignet oder mit dem satirischen Gütesiegel verwandt waren die Äußerungen des Mitarbeiters Cigelski der Unteren Wasserbehörde, wonach das Geithewasser nur Regen- und Oberflächenwasser sei und er sich auch in der Vorstellung verankert sehe, seine Kinder im Bach spielen zu lassen. Selbstverständlich können Vertreter von Umweltbehörden den Ganzkörperkontakt mit Schwermetallen propagieren, denn ich werde vielleicht irgendwann dem eine Nachvollziehbarkeit abringen. Versprechen kann ich es aber nicht! Durch diese Einleitungsgenehmigungen erhielt der Kraftwerksbetreiber einen Freibrief für die Entsorgung von schädlichen Abwässern. Letzten Endes lässt sich von Glück sagen, dass sich die Obere Wasserbehörde in diesen Fall eingeschaltet und Untersuchungen vorgenommen hat, die das wahre Ausmaß der Umweltschädigung/-belastung zeigen.

[Quellen: Schreiben von Dr. Rosenbaum-Mertens, LANUV; GESTIS-Stoffdatenbank des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), http://gestis.itrust.de; Lenntech Water Treatment Solutions, https://www.lenntech.de; Umweltbundesamt, https://www.umweltbundesamt.de;]

 

 

Die Luftbildarchäologie … Bodenfundtechnik mit kritischem Augenmaß

Die Luftbildarchäologie …  Bodenfundtechnik mit kritischem Augenmaß

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung

Die Interpretation von Luftbildern

Grundlagen der Photogrammetrie

Das Hillefeld

Schlussbetrachtungen

Anhang

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Der Archäologe ist stets auf der Suche nach Verborgenem und Unentdecktem. Ob nun Bibliotheken, Verdecke, Feldfluren, tatsächliche oder angebliche Spuren, so ist doch allen gemein, dass die Zeit die Ausdauer und die Nerven des Archäologen auf die Probe zu stellen sucht. Jede zeitökonomische Strategie zur Auffindung von Überresten ist da willkommen. Und jede Prospektionsmethode untersteht in der Regel einer Budgetlimitierung. Die Luftbildarchäologie kann – der kritischen Interpretationsfähigkeit unter– und oberirdischer Störungen im Bodenrelief befähigt – eine tragende Säule im Kosten- und Zeitmanagement archäologischer Untersuchungen sein. Die Vogelperspektive kann den Luftbildarchäologen dort zu Grabhügeln, alten Wegenetzen oder verdeckten Wüstungen führen, wo der persönliche Boden lediglich Färbungen oder Terrainunebenheiten preisgibt. Der den Überresten zusetzende natürliche Zerfall oder der durch Menschenhand verursachte Terraineingriff erhalten in zügigeren und großflächigeren Bearbeitungen archäologischer Areale ein wirksames Gegengewicht.

LiDAR-Systeme und UAVs[1] bilden die Grundlage für Vermessungen und archäologische Dokumentationen, zumindest erfreuen sie sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit.

  1. Vom LiDAR aus werden Lichtstrahlenbündel Richtungen Erdoberfläche geschickt, deren Echo aufgefangen wird. Wenige Zentimeter Höhenunterschiede können im Gelände dadurch erfasst werden.
    Abbildung 1

    Die Konstruktion eines Punktwolkenbildes mit exakten GPS-Daten ermöglicht die Dokumentation, Vermessung, Kartographierung und Topographierung archäologischer Ausgrabungsstätten. Digitale Oberflächen- und Geländemodelle können erstellt und archäologisch ausgewertet werden. Und der besseren Anschauung ist mit dem LiDAR-System auch Genüge getan.

  2. Die UAVs liefern durch die Orthorektifizierung Orthophotos. Aus dem bildlichen Rohmaterial werden die geometrischen Verzerrungen entfernt.
    Abbildung 2

    Die Photogrammetrie realisiert die Oberflächenbeschaffenheit, und ein bildrealistisches 3D-Modell kann mittels der Texturinformationen erzeugt werden. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber dem LiDAR-Verfahren. Ohne zusätzliche Bildkamera würde das „Überzugmodell“ nicht funktionieren.

Im Anschluss werde ich die Grundlagen der Luftbildinterpretation unter Berücksichtigung eines Regionalbezuges und klassischer Interpretationsfehlerquellen erläutern.  Orthobilder, charakteristische Merkmale von Steinzeitbauten bis zu Gemäuern während der antiken Römerzeit oder ein Exkurs in die Vorteile bei der Auswertung von Satellitenbildern sind thematisch in die Interpretation von Luftbildern eingefügt, damit mehr Plastizität Eingang findet. Grundlegendes zur Photogrammetrie und eine Ackerparzelle namens „Hillefeld“ in der Scheidinger Gemarkung im Landkreis Soest reihen sich thematisch in die Luftbildausarbeitung ein. Gerade das Hillefeld wird sich dabei als Musterspielwiese für den Luftbildarchäologen vorstellen, und mein besonderes Interesse an dieser Parzelle wird der Leser zwischen den Zeilen herausarbeiten können.

Interpretation von Luftbildern

Die Erfahrung und das Fachwissen sind unentbehrliche Faktoren für die Interpretation von Luftbildern. Terrainstörungen sind hinsichtlich der Ursachen vielschichtig. Wetterlagen,

Abbildung 3

Sonnenlichtaktivitäten, Sichtwinkel oder Jahreszeiten können weitreichende visuelle Fehlschlüsse verursachen. Bei schräger Sonneneinstrahlung aus der Luft können Reste von Gräben, Mauern oder Wällen gut erkannt werden. Durch den Schattenwurf der einfallenden Sonnenstrahlen werden Flächen, die den Strahlen mehr zugeneigt sind, stärker als vom Umfeld reflektiert. Geringste Unebenheiten im Bodenrelief sind so erkennbar, auf dem Foto ist ein Reststück einer alten Landwehr in der Werler Vöhde zu erkennen. Im Winter verstärkt sich dieser Effekt durch die starken Kontraste der tiefer stehenden Sonne. Entscheidend bei allen Aufnahmen sind der Aufnahmewinkel und die Aufnahmerichtung. Ebenfalls im Winter zeichnen sich durch

Abbildung 4

gleichmäßige, geschlossene Schneebedeckung die Strukturen im Gelände aus. Die Licht- und Schattenspiele bringen Wälle oder Grabhügel zum Vorschein. In Bodensenken oder auf Wällen bleibt der Schnee länger liegen. Feuchtes Material hält Wärme länger gespeichert. Diese gespeicherte Wärme führt bei beginnendem Frost im Spätherbst dazu, dass auf verfüllten Gräben der Schnee schneller schmilzt und so die Strukturen besser sich aus dem Schneebett herausheben[2].

 

Abbildung 5

Ganz allgemein resultieren Feuchtigkeitsmerkmale aus dem unterschiedlichen Speichervermögen der gestörten Bodenstrukturen. Archäologisch interessante Beobachtungen können nach Niederschlägen wenige Stunden während der Trocknungsphase auf unbebauten/unbewachsenen Flächen gemacht werden[3]. Selbst auf Feldern ohne Bewuchs lassen sich unter besonderen Bedingungen auf einer Ackerfläche Merkmale herauslesen für die Existenz von Überresten. Flächige, bandförmige Farbunterschiede im umgebenden Boden geben ein Indiz für Überreste. Die Pflugvorrichtungen in der Landwirtschaft können verfüllte Gräben und Gruben aufwühlen und so das Füllmaterial an die Oberfläche

Abbildung 6

befördern[4]. Verfärbungen sind jedoch nicht grundsätzlich ein Indiz für Überreste. Die Trennung von belanglosen Schatten und vielversprechenden Erdreichverfärbungen ist nicht einfach und bedarf eines genauen Blickes bei der Bildauswertung. Aber grundsätzlich dienen Verfärbungen auf Bildern zur Kenntlichmachung von Wällen und Grabhügeln. Ein Beispiel für diese Erdreichverfärbungen ist ein Soldatenmassengrab aus dem Siebenjährigen Krieg auf der Flur „Totenkamp“ in meiner Heimatgemeinde Scheidingen.

Auch der Pflanzenwuchs kann als Kriterium herangezogen werden bei der Suche nach archäologischen Strukturen. Raps, Rüben oder Kartoffeln gelten als eher ungeeignet für archäologische Untersuchungen, da die Pflanzenabstände ungenau sind. Günstig sind Getreidesorten mit ihren tiefen Wurzeln, mit denen sie Nahrung aus dem Untergrund aufnehmen. Unter deren Oberflächenbewuchs können verborgene Eintiefungen und Mauerzüge das Wachstum der Feldfrüchte beeinflussen und Auffälligkeiten verursachen im engen Pflanzenteppich. Die Ursache ist eine Veränderung der Feuchte und des Nährstoffhaushaltes im üblicherweise gleichmäßigen Erdreich durch die natürliche oder von Menschenhand getätigte Einfüllung von feinen Oberflächenmaterialien. Nicht unwahrscheinlich ist auch die mechanische Auflockerung von festen Erdschichten, so dass das spätere Wurzelwachstum gefördert wird, dann unmittelbar am kräftigeren Pflanzenbau erkennbar. Stoßen die Wurzeln aber in geringer Tiefe auf einen massiven Mauerzug, so bleibt es nicht ohne negative Auswirkungen auf das

Abbildung 7

Wachstum der Pflanzen. Gerste ist von allen archäologiefreundlichen Getreidesorten die Pflanze mit dem größten Potenzial für die Suche nach Überresten. Auf dem Foto ist negativer Bewuchs zu erkennen, Mauerreste von Gut Auhl befinden sich hier. Die Bildung eines starken Wurzelwerkes über Auffüllungen ist bedingt durch die längere Feuchtigkeitsspeicherung der Gräben, Siedlungs- und Grabgruben. Gut durchgelüftetes, humoses Erdmaterial macht sich eben stets bemerkbar. Hemmende Wachstumsfaktoren verursachen verschiedenfarbige Raster auf den Anbauflächen, je nach Getreidesorte mehr oder weniger feingliedrig. Der Nährstoffgehalt des Erdreiches ist bekanntlich auch über Mauerreste geringer, da das

Abbildung 8

Wasser schneller abfließen kann. Das satte Grün einer reifeintensiven Pflanze ist in der Regel bei solchen Bodenbeschaffenheiten nicht zu beobachten. Matte Farben, geringerer Wuchs und vorgezogener Reifegrad zeichnen diese auf Überresten stehenden Pflanzen aus. Exemplarisch für diesen verringerten Bewuchs steht der Auszug aus der Bergstraßer Weg in Werl. Der negative Bewuchs auf dem Zuckerrübenfeld lässt nicht

 

Abbildung 9

nur Überreste vermuten, sondern hier liegen tatsächlich Mauerreste. Die Gefahr der Fehlinterpretation besteht aber auch hier. Versuchspflanzungen, auf dem Bild zu erkennen, eine Versuchspflanzung auf dem Hilldefeld,  im Feld oder Traktorleitlinienführungen bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung, auf dem Bild vom Aulfeld in Scheidingen, zu erkennen, haben in der Regel keinen archäologischen Hintergrund. Die Bildmotive auf dem Aul- und Hillefeld in

Abbildung 10

der Scheidinger Gemarkung verdeutlichen die unbeabsichtigte Nähe zu vielversprechenden Mustern auf der Suche nach archäologischen Überresten. Durch die Luftbildarchäologie können Bodendenkmäler geschützt werden, sie können genauer und schneller erfasst werden und es können Informationen über sie bekommen werden, ohne Eingriff in das Bodendenkmal. Der Fund kann im Kontex seines Umfeldes betrachtet werden, es 

Abbildung 11

ergeben sich andere Perspektiven im Gesamtbild über seine Ausdehnung, z.B. Gräber, Siedlungen[5].  Auf dem Foto erkennt man Überreste eines alten Bunkers aus dem Dritten Reich bei Werl. Auf sumpfigen Untergrund oder in Überschwemmungsgebieten können Flutmerkmale entstehen[6].

Abbildung 12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um Luftbilder zielführend und –unterstützend einsetzen zu können, müssen diese Objekte der Vogelperspektive zunächst einmal entzerrt werden. Die softwareunterstützten Verfahren wie GIS oder CAD[7] werden hierfür verwendet. In der Regel wird eine Karte als Grundlage genommen, und das entsprechende Luftbild erhält eine Abstimmung mit der Grundlagenkarte. Das Ergebnis ist ein Senkrechtluftbild mit topographischer Karte, wobei das Luftbild auch als Orthofoto[8] Verwendung finden kann. Das Orthofoto ist anschließend nutzbar für weitere Kartenübereinanderlegungen oder dienlich für digitale Geländemodelle. Der Vorteil dieser Orthokarten ist, dass sie als Vermessungskarten – und hier liegt auch die gute Nützlichkeit für den Archäologen – dienen können. Die Zusammenführung und der Vergleich mit anderen Bildern ist problemfrei, so dass spätere Prospektionen zielführend umgesetzt werden können. Es ist also ein wichtiges Element in der Gesamtplanerstellung. Die 3D-Koordinaten beschreiben in GIS die räumliche Form der Erdoberfläche. Über das Laserscanning werden diese Daten zur Verfügung gestellt. Bekanntlich tastet der Laserstrahl mittels Flugzeug oder Satellit die Erdoberfläche ab. Das Verfahren sichert dabei – handwerkliche Laienfehler außen vor – eine Regelgenauigkeit in Höhe und Breite, bei der eine Spannweite von 30 Zentimetern nicht überschritten wird. Die Aussagekraft dieser Laserscanningobjekte hängt aber ganz wesentlich davon ab, ob die Punktwolkenmasse säuberlich differenziert wird nach Boden- und Vegetationspunkten. Sowohl dichte als auch spärliche Vegetation können die zu einem Teilrelief gehörenden Punkte vermengen, also zu Ungenauigkeiten führen. Außerdem finden die digitalen Geländemodelle Anwendung bei Höhenlinienplänen, Quer- und Längsprofilen, Hangneigungen oder 3D-animierten Archäologiefunden. Und die Anschaulichkeit ist dabei bei korrekter Nutzung stets gewährleistet. Aber auch hier muss die Anschaulichkeit kritisch in die Interpretation eingebaut werden. Zum Beispiel führen Agrarspuren häufig – wie bereits erwähnt –  zu Fehlschlüssen. Luftbilder müssen auf Form, Größe oder Topographie hin genau und auch zeitaufwendig interpretiert werden. Die Prospektionsdauer kann den Planungsrahmen sprengen. Funde, die über klassische Parzellierungsgrößen gehen, bedürfen einer größeren Interpretationsdauer zwecks Einbindung in den Gesamtzusammenhang. Als Paradebeispiel für die Prospektionsdauer gilt hinlänglich die Heuneburg in Baden-Württemberg. Das beständige Überfliegen mit einer Vielzahl an Luftbildern führte zur Entdeckung von Grabhügeln, die sich in Beziehung zur Heuneburg setzen ließen.[9] Auch die Form von Fundamentüberresten führt zu verschiedenen Interpretationsansätzen und damit zu einer zielgerichteten Orientierung auf der Zeitleiste. Steinzeitliche Bauten sind u. a. neolithische Langhäuser, in den Individuen der bandkeramischen Kultur wohnten. Die Bauten umfassten dabei eine Länge von 20 bis 40 Metern mit einer Breite von ungefähr sieben Metern. Pfeiler und Pfosten stützten die Langhäuser, so dass in der Regel der Innenraum vierschiffrig unterteilt war. Von der Kupfer- bis zur Eisenzeit waren diese Langhäuser von Palisadenreihen umgeben. Zudem gab es Höhensiedlungen in diesen Kulturepochen. Wer Grabhügel als Überreste entdeckt, kann sich auf der Zeitleiste mit großer Wahrscheinlichkeit bei den Kelten eintragen. Fürstengrabhügel hatten bis zu 100 Meter Durchmesser und sogar eine Höhe von bis zu 14 Metern. In der Endphase der Keltenzeit kommt der markante Murus Gallicus hinzu, der schon im De bello Gallico Erwähnung findet:

Muri autem omnes Gallici hac fere forma sunt. trabes derectae perpetuae in longitudinem paribus intervallis, distantes inter se binos pedes, in solo conlocantur. (7,23,2) hae revinciuntur introrsus et multo aggere vestiuntur, ea autem, quae diximus, intervalla grandibus in fronte saxis effarciuntur. (7,23,3) his conlocatis et coagmentatis alius insuper ordo additur, ut idem illud intervallum servetur, neque inter se contingant trabes, sed paribus intermissae spatiis singulae singulis saxis interiectis arte contineantur. (7,23,4) sic deinceps omne opus contexitur, dum iusta muri altitudo expleatur. (7,23,5) hoc cum in speciem varietatemque opus deforme non est alternis trabibus ac saxis, quae rectis lineis suos ordines servant, tum ad utilitatem et defensionem urbium summam habet opportunitatem, quod et ab incendio lapis et ab ariete materia defendit, quae perpetuis trabibus pedes quadragenos plerumque introrsus revincta neque perrumpi neque distrahi potest.[10]

Auch keltencharakteristisch waren die bis zu 100 Hektar großen Siedlungen, Oppida genannt oder die Vierecksschanzen, die bis zu einem Hektar Fläche einnahmen. Charakteristisch für die Römer ist die Spielkartenform der Marschlager, also rechteckige Formen mit abgerundeten Kanten. Ergänzend wurde eine ca. 1 Meter hohe Palisade um die „Spielkarte“ angelegt, die durch eine Grabenaushebung entstand. Je nach Aufenthaltsdauer, Funktion oder Truppenstärke waren die „Spielkarten“ flächenmäßig zwischen 0,4ha und 3,6ha. Die Siedlungsstruktur im Mittelalter war wesentlich geprägt durch Einzelhöfe, die an Straßen mit anderen Höfen lagen, wobei auch hier pro Hof mehrere Gebäude für verschiedene Nutzungen zur Verfügung standen.  Wenn es der Dringlichkeit bedarf, werden während der Flugbeobachtungen vorkommende verdächtige Spuren in Baustellen unmittelbar nach der Landung durch den Piloten den Außenstellen der archäologischen Denkmalpflege gemeldet. Anschließend werden die notwendigen Schritte zur Nachprüfung am Boden eingeleitet und – wo angebracht oder möglich – die ehrenamtlichen Beauftragten einbezogen. Hochalpine Gebiete besitzen den Nachteil, dass sie weniger intensiv beflogen werden können, da sonst die Bilder zu große Verzerrungen aufweisen. Satellitenbilder dienen hier als wirksame Ergänzung oder gar als Ersatz, um die Suche nach archäologischen Überresten in diesen Höhenlagen durchzuführen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand, denn durch den größeren Abstand zur Erdoberfläche sind die Satellitenbilder – wie bereits erwähnt – weniger verzerrt als Drohnenbilder. Satellitenbilder erhalten sofort eine Georeferenz und Raumverortung. Nachfolgende Bearbeitungen können zeitökonomisch erfolgen. Auch die zu untersuchende Fläche kann entweder mit weniger Bildern erfolgen oder einzelne Bilder decken ein größeres Areal ab. Die 3D-Geländemodelle lassen sich aus diesen Bildern mit Hilfe der Photogrammetrie errechnen, und damit kann die Topographie des Untersuchungsgebietes abgebildet werden. Die Satellitenkameras verfügen über einen Kanal im nahen Infrarotlicht und können daher nicht nur im sichtbaren Licht ablichten. Ein klares Plus gegenüber den konventionellen Luftbildern liegt darin, dass sich im nahen Infrarotlicht die Wachstumsunterschiede in der Vegetation deutlicher abzeichnen als im sichtbaren Licht. Das Internet bietet zudem verschiedenste Bilderdienste an wie Google Earth, TIM-Online oder Bing maps, um Zugang zu den Satellitenbildern zu erhalten. Ausgewertet werden die Satellitenbilder archäologisch, indem visuell die Bilder nach möglichen Befunden abgesucht werden. [11] Der Wissenschaftler Markus Oster hat zudem ein kartographisches Informationssystem entwickelt, welches es dem Archäologen ermöglicht, virtuelle Zeitreisen zu unternehmen. Es dient auch als Kartierwerkzeug. Luftbildpläne können über eine Zoomfunktion in verschiedenen Detailstufen ausgewertet und auf einem geteilten Bildschirm multitemporal verglichen werden.  Über das Internet können mehrere Nutzer diese Kartierungsbank austauschen.[12]

Photogrammetrie

Die Photogrammetrie[13] ist der übergeordnete Sammelbegriff für Messmethoden und Analysefernerkundungen, um aus Fotografien und genauen Messbildern eines Objektes seine räumliche Lage oder dreidimensionale Form zu bestimmen. Im Regelfall werden die Bilder mit speziellen Messkameras aufgenommen. Das Fachgebiet hat seinen Ursprung in der Geodäsie und wird seit etwa zwei Jahrzehnten auch der Fernerkundung zugeordnet. Die Photogrammetrie ein passives Fernerkundungs- und Vermessungsverfahren, da sie die berührungslose Rekonstruktion von räumlichen Objekten aus deren fotografisch festgehaltener Strahlung ermöglicht. Die Objekte werden meist im natürlichen Licht und von mehreren Standpunkten der Kamera aufgenommen. Das vom Objekt in die Messkamera kommende Licht kann reflektierte oder emittierte Strahlung sein, künstliche Beleuchtung wird aber meist nur bei kleinen Objekten verwendet. Das Ziel der Photogrammetrie besteht in der Wiederherstellung der räumlichen Lage von Bildern zueinander, in der sie sich zum Zeitpunkt der Bildaufnahme befunden haben. Die Zentralprojektion unter Einhaltung der Komplanaritätsbedingung ist dabei die Fachgrundlage. Folgender Ablauf hinsichtlich des Rechenvorgangs ist einzuhalten:

  • Absolute Orientierung: Der Modellverbund aus der relativen Orientierung entspricht bereits der Geometrie der Punkte in der Örtlichkeit, allerdings stimmt die räumliche Orientierung des Modellverbundes noch nicht mit der Örtlichkeit überein und der Maßstab ist noch unbekannt. Im Zuge einer dreidimensionalen Helmert-Transformation werden die Modellkoordinaten des Modellverbundes auf die bekannten Passpunkte in der Örtlichkeit transformiert. Die Helmerttransformation passt die Punkte so in das bestehende Punktfeld ein, dass die Restklaffungen in den Koordinaten minimal werden. Bei Verwendung einer Restfehlerinterpolation lassen sich auch diese Klaffungen beseitigen.[14]
  • Relative Orientierung: Hier wird die relative Lage zweier Bilder im Raum zueinander wiederhergestellt und das Modell berechnet.
  • Äußere Orientierung: Die äußere Orientierung ermöglicht die räumlich eindeutige Rekonstruktion der Bildlage bei der Aufnahme. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass man über im Bild sichtbare Passpunkte in der Örtlichkeit verfügt, auf die man die Bildkoordinaten im Zuge eines räumlichen Rückwärtsschnittes iterativ einrechnet.
  • Innere Orientierung: Um innerhalb eines Bildes messen zu können muss bekannt sein, wo sich sein Bildhauptpunkt befindet. Dieser Punkt wird durch den Strahl gebildet, der senkrecht auf der Objektivebene, stehend durch den Brennpunkt in das Bild verläuft. Dieser Punkt, und hinzukommend, auch noch die Kammerkonstante und die Objektivverzeichnung, wird messtechnisch und erlaubt die Transformation eines gemessenen Punktes in das Bildkoordinatensystem.

( x , y , c ) {\displaystyle (x,y,c)} Früher erfolgte die Auswertung zweier Luftbilder in Luftbildauswertegeräten, die die relative und absolute Orientierung durch physische Wiederherstellung der Strahlenbündel erreichte. Heute erfolgt die Auswertung in der Regel in Komparatoren, in denen Bildkoordinaten direkt gemessen werden. Die weiteren Arbeitsschritte sind dann Verfahrensgänge der numerischen Photogrammetrie, wobei Modellblock- und Bündelblockausgleichungsverfahren zum Einsatz kommen. Bei bekannter innerer und äußerer Orientierung und bekannten 3D-Koordinaten der Objektpunkte lassen sich daraus deren Bildkoordinaten berechnen. Das entspricht der fotografischen Abbildung der Objektpunkte bei bekannter Kameraposition. Der Berechnung liegt das Modell einer Lochkamera zugrunde die im Idealfall die technische Umsetzung der Zentralprojektion darstellt. Die mathematische Formulierung der Zentralprojektion sind die sogenannten Kollinearitätsgleichungen[15].

Das Hillefeld … Ein Musterbeispiel für die Luftbildarchäologie 

Im Jahr 2015 machte der LWL eine Ausgrabung in westfälischen Welver-Scheidingen auf dem Hillefeld, etwa 100 Meter vom Salzbach entfernt gelegen. Ich war persönlich vor Ort bei dieser Ausgrabung und nicht nur als Zuschauerin, sondern als aktives Mitglied der Ausgrabungscrew. 2016 erhielt ich dann den Ausgrabungsbericht von der LWL-Mitarbeiterin Dr. Cichy. Die für mich interessanteste Stelle lautete in diesem Bericht wie folgt:

Auffällig sind vor allem zwei größere Gruben mit gräbchenähnlichen Abflüssen. Dienten Sie dazu, Oberflächenwasser unterhalb eines Fußbodens zu sammeln und aus dem Gebäudeinneren abzuleiten, ähnlich wie der Drainagekanal, der sich an der südwestecke des Gebäudes befand? Ähnliche Drainvorrichtungen sind von den ostwestfälischen Steinwerken der Wüstungen Diderikshusen (bei Büren, Kr. Paderborn) und Rozedehusen (Warburg, Kr. Höxter) bekannt.[16]

Abbildung 13

Darum handelte es sich dabei um eine interessante Stelle? Die Gruben mit den dazugehörigen Abflüssen können als Indiz für größere Steinwerke angesehen werden. Unter Verwendung einer Drohne vom Typ DJI Phantom 3 Professional UAV Aerial Quadrocopter mit integrierter 3-Achse Gimbal zur Bildstabilisierung machte ich vom Areal um die Fundstelle mit den GPS-Daten 51,594391 und 7,939498 entsprechende Aufnahmen. Bei der Auswertung meiner Luftbilder fiel mir ein langgezogener kurvolinearer Schatten am Ende des Drainagekanals

Abbildung 14

auf, der für mich nicht erklärbar war. Ich zog an den Stellen des Schattens vor Ort Bohrkerne und stellte fest, dass es sich um aufgefüllten Boden handelte. Was die Drohnenbildaufnahme schon erkennen ließ, konnte auf der Uraufnahme von 1836-1850 bestätigt werden. Die entdeckten Drainvorrichtungen passten nun umso mehr. Unter Verwendung der Urkatasterkarten www.tim-online.nrw.de, die ich am Computer übereinanderlegte, konnte ich feststellen, dass es früher ein anderes Salzbachbett gab in der Form, dass offenbar ein um 80 Meter östlich gelegener Bachlauf im Bereich Hof Stemmerk existierte, also ein dem Salzbachsystem zugehöriger, um einige Meter versetzter Bac

Abbildung 15

habschnitt. Dass das frühere Bachbett so nicht mehr erkennbar ist, kann über das Bodenrelief erklärt werden. Hier befand sich ein Prallhang, der anthropogen – also durch Erosion und Sedimentation – überprägt wurde. Dies ist heute noch als Geländestufe auf Luftbildern zu erkennen. Der Bach floss früher im Übergangsbereich zwischen geneigtem Hang und flacher Talsohle. Es ist davon auszugehen, dass der Bachlauf zwecks Begradigung und Ausdünnung des Salzbachnetzes in der Scheidinger Gemarkung in einen Flutgraben umgeleitet wurde, also das damals vorliegende Kanalsystem – wie

 

Abbildung 16

auch immer in Absicht erstellt –  für die Bachbettbegradigung genutzt wurde. Der Bach floss früher im Übergangsbereich zwischen geneigtem Hang und flacher Talsohle. Die trocken gefallenen Bachbettabschnitte erhielten eine standardmäßige Auffüllung für die landwirtschaftliche Nutzung. Da naturgemäß in Bereichen stärkeren Gefälles auch stärkere Erosion erfolgt, führten zudem natürliche Bodenverlagerungen zur Ausgleichung des Reliefs. Anhand des Stufenmodells lässt sich übrigens erkennen, dass die Höhendifferenz zwischen dem alten Bachbett und der heutigen Geländeoberfläche ca. 5 Meter betragen haben muss. Diese Ausmaße des Prallhangs können aber durchaus erklärt werden über den Zusammenfluss von Salzbach und Mühlenbach nordwestlich des Hofes Stemmerk. Beide Bäche gehören zu einem baumartigen Gewässernetz, das zur allgemeinen Geländeneigung vom Haarstrang im Süden zur Lippe im Norden ausgerichtet ist. Der Mühlenbach aus südlicher Richtung bekommt durch den von Westen zufließenden Salzbach dabei einen Impuls in östliche Richtung. Da genau dort die steilsten Hanggefälle zu finden sind, spricht es für einen früheren Prallhang.

Schlussbetrachtungen

Die bei der Interpretation von Luftbildern verwendeten Beispiele zeigen klar die Vorzüge der Luftbildarchäologie auf, allerdings muss das kritische Auge stets wach bleiben. Die Interpretationsfehlschlüsse sind oft versteckt in Wartestellung. Auch die schwierig abzuschätzende Prospektionsdauer kann gut gemeinte Strategien schlecht aussehen lassen. Die intensive Technik im Photogrammetrieteil vermittelt zudem eine gewisse fachliche Sensibilität im Umgang mit dieser Technik. Das Hillefeld in der Scheidinger Gemarkung ist ein Paradebeispiel für die Vorzüge oder Erkenntnisgewinne, die unter Einsatz einer Luftbildarchäologie erfolgen. Der Salzbach erfährt zahlreiche Nennungen in historischen  Quellen, aber die dort getätigten Erwähnungen haben bei Ortskenntnis wenig mit den heutigen Gegebenheiten zu tun. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Namen und der Verlauf von Gewässern im Salzbach-System im Laufe der Jahrhunderte deutlichen Veränderungen unterworfen waren. Für Bachbegradigungen und -verlegungen lagen die Gründe sicherlich im Bereich des Hochwasserschutzes oder in veränderten Anforderungen bei der Gewässernutzung. Für die Namensänderungen kommen zahlreiche Ursachen in Betracht.

Alte Fluss- und Bachverläufe sind auf Luftbilder zu erkennen, bei der Verortung von Siedlungen, Gebäuden, die in Quellen genannt werden, ist die Luftbildarchäologie wichtig. Natürlich Flüsse und Bäche verändern ständig ihr „Gesicht“, d.h. sie verlagern ihren Lauf und Menschen haben in der Vergangenheit natürliche Flussläufe stark verändert und damit ganze Landschaften umgebaut.

Gerade der auf dem Hillefeld parallel zum Salzbach verlaufende Bachabschnitt zeigt denn auch, dass die über die Bachläufe verursachten Terrainveränderungen durch die Luftbildarchäologie besser lokalisiert werden können. Der Historiker hat dabei die Gefahr oder das Potenzial vor sich, auf der Suche nach Bodenfunden mit oder gegen die gängigen Quellen zu arbeiten. Formulierungen wie „(…) bildete den Salzbach bei Werl die Engern-Westfalen-Grenze (…)“, „(…) wobei das Gebiet bis zum Salzbach in Werl zum Bereich der Westfalen gehört (…)“ oder „(…) Haus Köningen den Salzbach entlang (…)“ können eine geographische Ungenauigkeit von mehreren Kilometern haben.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Becker 1996: H. Becker, Archäologische Prospektion, Luftbildarchäologie und Geophysik (München 1996).

Bérenger 1989: D. Bérenger, Archäologie aus der Luft – Sechs Jahre Luftbildarchäologie in Westfalen (Münster 1989).

Bofinger 2007: J. Bofinger, Flugzeug, Laser, Sonde, Spaten – Fernerkundung und archäologische Feldforschung am Beispiel der frühkeltischen Fürstensitze (Esslingen 2007).

Braasch 2005: O. Braasch, Vom heiteren Himmel …. Luftbildarchäologie (Tübingen 2005).

Christlein/Braasch 1998: R. Christlein/O. Braasch, Unterirdisches Bayern, 7000 Jahre Geschichte und Archäologie im Luftbild 3(Stuttgart 1998).

Fröhlich 1997: S. Fröhlich, Luftbildarchäologie in Sachsen-Anhalt, Begleitband zur Sonderausstellung Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) 15.02.1997 bis 31.12.1997 (Halle (Saale) 1997).

Gensheimer 1984: R. Gensheimer, Luftbildarchäologie im Jahr 1983. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1983 (1984), S.13ff.

Gensheimer 1986: R. Gensheimer, Luftbildarchäologie im Jahr 1985. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1985 (1986), S.13ff.

Kunow 1995: J. Kunow, Luftbildarchäologie in Ost- und Mitteleuropa. Internationales Symposium 26.-30. September 1994, Kleinmachnow, Land Brandenburg. Forsch. Arch. Land Brandenburg 3 (Potsdam 1995).

Maxwell 1983: G.S. Maxwell, The impact of aerial reconnaissance on archaeology. C.B.A. Research Report 49 (London 1983).

Oexle 1997: J. Oexle, Aus der Luft – Bilder unserer Geschichte, Luftbildarchäologie in Zentraleuropa (Dresden 1997).

Plank/Braasch/Oexle/Schlichtherle 1994: D. Plank/O. Braasch/J. Oexle/H. Schlichtherle, Unterirdisches Baden-Württemberg, 250 000 Jahre Geschichte und Archäologie im Luftbild (Stuttgart 1994).

Schwarz 2003: R. Schwarz, Pilotstudien. Zwölf Jahre Luftbildarchäologie in Sachsen-Anhalt (Halle (Saale) 2003).

https://www.google.de/maps/place/Scheidingen,+59514+Welver/@51.5941659,7.9338727,1514m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x47b97aa09af85afb:0xa27f283ca0a8590!8m2!3d51.6010251!4d7.9309552 (zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

http://hellereck.lima-city.de/4_Digitale_Gelaendemodelle.PDF                  

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

http://www.stremke-archaeology.net/Leistungen.htm

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen-2002/msg00057.html

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

https://www.uni-konstanz.de/mmsp/pubsys/publishedFiles/LaZi2012.pdf

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

https://uha.univie.ac.at/einrichtungen/luftbildarchiv/

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

http://www.geodesy.tu-darmstadt.de/geodaesiestudium/geodaesiegeoinformation/was_ist_das/photogrammetriefernerkundungkartographie/photogrammetrie/index.de.jsp

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

http://www.photogeo.de/neu/orthofotoerstellung.html

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

http://hellereck.lima-city.de/61_Uni_BO_LubiArch.PDF

(zuletzt aufgerufen am 30.05.2017)

[1] LiDAR (Abkürzung für engl. Light detection and ranging), auch LaDAR (Laser detection and ranging), ist eine radarähnliche Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung sowie zur Fernmessung atmosphärischer Parameter. Statt der Radiowellen beim Radar werden Laserstrahlen verwendet. Vgl. hierzu ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Lidar vom 12. Mai 2017. Ein unbemanntes Luftfahrzeug (englisch unmanned aerial vehicle, UAV, bzw. neuer unmanned aircraft, UA, oder Unmanned Aircraft System, UAS) ist ein Luftfahrzeug, das ohne konventionelle Besatzung autark durch einen Computer oder vom Boden über eine Fernsteuerung betrieben und navigiert werden kann. Vgl. hierzu ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Unbemanntes_Luftfahrzeug vom 12. Mai 2017.

[2] http://www.landesarchaeologen.de/fileadmin/Dokumente/Dokumente_Kommissionen/

Dokumente_Grabungstechniker/Grabungstechnikerhandbuch/26_3_Archaeologische_Flugprospektion.pdf vom 14. Mai 2017

[3] http://www.archaeopro.de/archaeopro/LBA-1x.htm vom 11. Mai 2017

[4] http://www.archaeopro.de/archaeopro/LBA-1x.htm vom 17. Mai 2017

[5] http://www.zeit.de/2015/09/archaeologie-einfuehrung-wissenschaft vom 16. Mai 2017

[6] http://www.airtv.at/luftbildarchaeologie/ vom 12. Mai 2017

[7] Geoinformationssysteme, Geographische Informationssysteme (GIS) oder Räumliche Informationssysteme (RIS) sind Informationssysteme zur Erfassung, Bearbeitung, Organisation, Analyse und Präsentation räumlicher Daten. CAD (von engl. computer-aided ,zu Deutsch rechnerunterstütztes Konstruieren, bezeichnet die Unterstützung von konstruktiven Aufgaben mittels EDV zur Herstellung eines Produkts.

[8] Ein Orthofoto ist eine verzerrungsfreie und maßstabsgetreue Abbildung der Erdoberfläche, die durch photogrammetrische Verfahren aus Luft- oder Satellitenbildern abgeleitet wird. Bei einer Luftbildaufnahme entstehen Verzerrungen einer fotografischen Zentralprojektion sowie Verzerrungen durch Höhenunterschiede des Geländes und bei Satellitenbildern Verzerrungen durch die Erdkrümmung. Analoge Bilder lassen sich durch optische Projektionsmethoden orthorektifizieren. Digitalaufnahmen werden anhand von digitalen Geländemodellen neu berechnet und anhand von Punkten mit bekannten Koordinaten georeferenziert. Vgl. hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/Orthofoto vom 14. Mai 2017

[9] Die Heuneburg ist eine vor- und frühgeschichtliche Höhensiedlung am Oberlauf der Donau im Ortsteil Hundersingen der Gemeinde Herbertingen zwischen Ulm und Sigmaringen im Landkreis Sigmaringen. Die befestigte Kernanlage des frühkeltischen Fürstensitzes aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. ist etwa 300 Meter lang und bis zu 150 Meter breit. Sie ist eine der bekanntesten Fundstellen aus keltischer Zeit in Mitteleuropa. Vgl. hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/Heuneburg vom 16. Mai 2017.

[10] Vgl. hierzuhttp://www.gottwein.de/Lat/caes/bg7014.php#Caes.Gall.7,22 vom 18. Mai 2017

[11] Vgl. hierzu https://www.uni-konstanz.de/mmsp/pubsys/publishedFiles/LaZi2012.pdf. vom 13. Mai 2017

[12] Vgl. hierzu http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen-2002/msg00057.html. vom 14. Mai 2017

[13] Vgl. hierzu ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Photogrammetrie#Kamerakalibrierung vom 13. Mai 2017

[14] Die Helmert-Transformation (nach Friedrich Robert Helmert, 1843–1917), auch 7-Parameter-Transformation genannt, ist eine Koordinatentransformation für dreidimensionale kartesische Koordinaten, die in der Geodäsie häufig zur verzerrungsfreien Umrechnung von einem in ein anderes, ebenfalls dreidimensionales System genutzt wird. Vgl. hierzu ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Helmert-Transformation.

[15] Die Kollinearitätsgleichung hat die kollinearen Abbildung als Grundlage. Ein typisches Beispiel für eine kollineare Abbildung ist die Zentralprojektion. Dabei werden Geraden wieder auf Geraden abgebildet, und die Teilungsverhältnisse bleiben erhalten. Vgl. hierzu ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Kollinearit%C3%A4tsgleichung vom 11. Mai 2017

[16] Vgl. hierzu den Grabungsbericht von Dr. Cichy in Archäologie in Westfalen-Lippe 2015, S. 136ff.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: http://blog.aurorasolar.com/how-lidar-is-transforming-remote-solar-system-design/
Abbildung 2: https://ghana.maptogis.com/en/africa/drones-mobility-ghana.html
Abbildung 3: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Die Schattenbildung lässt eine alte Landwehr bei Werl erkennen.

 

Abbildung 4:
  1. Plank/O. Braasch/J. Oexle/H. Schlichtherle,
  2. Unterirdisches Baden-Württemberg,
  3. 250 000 Jahre Geschichte und Archäologie im Luftbild (Stuttgart 1994), S.129.

Hügelgräber in Biltz

 

Abbildung 5: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Wurde die Bodenstruktur gestört, können sich feuchte Stellen bilden.

Abbildung 6: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Soldatenmassengrab aus dem Siebenjährigen Krieg

auf der Flur „Totenkamp“ in meiner Heimatgemeinde Scheidingen.

Abbildung 7: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Mauerreste liegen unter der Grasnarbe, es ist ein negativer Bewuchs festzustellen.

Abbildung 8: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Auf dieser Flur an der Bergstraßer Weg ist

negativer Bewuchs zu erkennen, auch hier befinden sich Mauerreste.

 

Abbildung 9: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Eine Versuchspflanzung auf dem Hillefeld bei Scheidingen.

 Abbildung 10: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Traktorspuren.

 Abbildung 11: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Ein alter Bunker auf dem ehemaligen Militärgelände in Werl ist zu erkennen.

Abbildung 12: http://hellereck.lima-city.de/61_Uni_BO_LubiArch.PDF

 

Kontrastreich und scharf umrissen zeichnen Wasserlinie klare Abgrenzungen

Abbildung 13: Dieses Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

Bäche und Flüsse verändern in Jahrhunderten ihren Lauf.

Will man Gebäude, Siedlungen etc. anhand von historischen Quellen verorten.

Vgl. hierzu mein Projekt „Drum prüfe wer verorten will in historischen Quellen“.

 

 

Abbildung 14: https://www.tim-online.nrw.de/tim-online/initParams.do

Der heutige und frühere Salzbachverlauf. Beide Bachläufe

sind mit Punkten verzeichnet.

Abbildung 15: https://www.tim-online.nrw.de/tim-online/initParams.do

Der Prallhang ist heute noch als Geländestufe auf Luftbildern zu erkennen.

Abbildung 16:  https://www.tim-online.nrw.de/tim-online/initParams.do

Auf dem Luftbild ist die Geländestufe zu erkennen.

Chronologie der Scheidinger Schulgeschichte 1658 – 1968

Chronologie

der

Scheidinger Schulgeschichte

1658 – 1968

 

Abb. 1: Alte Schule in Scheidingen

Teil 5: 

1946 – 1968

Abbildung 2: Schulklasse mit Lehrer Esser

Die Nachkriegsjahre sind wenig dokumentiert, da die Menschen – und es soll nicht abwertend klingen – mit dem täglichen (Über-)Leben beschäftigt waren für die familiäre und berufliche Neuordnung. Lehrer Esser überstand relativ unbeschadet die Entnazifizierung, da er einhellig als unbedeutender Mitläufer charakterisiert wurde. Er war eine unproblematische Personalie für den Neuanfang, obwohl Esser schon im Nationalsozialismus als Hauptlehrer an der Scheidinger Schule tätig war.

Abbildung 3: Zeitungsartikel

Er und seine Schützlinge – wie hier 1948 mit einer Mädchenklasse – hatten bis zu Beginn der fünfziger Jahre mehr oder weniger den Unterrichtsalltag zu meistern gewusst. Wie man berichtete, entstanden in diesen Jahren – bedingt durch die angespannte Lebensmittelversorgung – Brieffreundschaften und Helferaktionen im Rahmen von Hamsterfahrten an den Wochenenden. Parallel zu dieser solidarischen Aktivität brachte sich Esser ein bezüglich eines Schulneubaus. Das waren Tätigkeiten, die in die Nähe von Herkules und Sisyphus zugleich gelegt werden mussten, da die Einwohnerzahl nach dem Krieg systematisch zurückging. 1950 waren 105 Schulkinder gemeldet, davon 97 Katholiken. 3 Lehrer organisierten den Schulalltag. Die Einwohnerzahl ging verständlicherweise zurück, da die Gemeinde die dort eingewiesenen Ostvertriebenen nicht mit den notwendigen Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten versorgen konnte. Als die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Wohnraumsituation in den Ruhrgebietsstädten eine Erholung verzeichneten, kam es naturgemäß zu einer Ab- und Rückwanderung. Esser sah seine vordergründige Aufgabe auch darin, konstante Schülerzahlen zu sichern für einen Bestandsschutz der Scheidinger Schule. Am 23. April 1955 konnte der Werler Anzeiger dann auch offiziell die Planungen für den schulischen Neubau in Scheidingen herausgeben. Seit Sommer 1955 wurden konkrete Maßnahmen umgesetzt, um den Schulneubau zu realisieren, und das Vorhaben musste aus organisatorischen Gründen vor dem Wintereinbruch umgesetzt sein. Interessant war, dass an den Bauarbeiten auf dem Schulgelände auch Strafgefangene der Werler Justizvollzugsanstalt Verwendung fanden und Fahrzeuge aus dem Bestand des Bürgermeisters zum Einsatz kamen. Die Strafgefangenen mussten wenige Zentimeter an Mutterboden auf dem Schulgelände entfernen, da für die dreiklassige Schule ein Ausheben einer Baugrube nicht erforderlich war wegen der Nichtunterkellerung. Übrigens, bei der Entfernung des Mutterbodens war der eigentliche Hausbau noch gar nicht an eine Firma vergeben. Das lässt nur den Schluss zu, dass der damalige Werler Amtsdirektor Hiltenkamp die möglichen Kandidaten auch nachträglich ohne Bedenken mit dem entsprechenden Bauauftrag versehen konnte oder die Scheidinger Fraktion hatte die sprichwörtlichen Hummeln im Gesäß und startete in Eigeninitiative und vorauseilend die Bautätigkeiten, was dann aber auf eine Gefahr im Verzug vermuten ließ. Der nachfolgende Zeitungsartikel informiert über den Beginn der Baumaßnahmen aus jener Zeit.

Abbildung 4: Zeitungsartikel
Abbildung 5: Zeitungsartikel

Noch während der Bauarbeiten ging eine Ordnungs- und Reinlichkeitsinstanz in den Ruhestand. Alfred Hansel, der über dreißig Jahre den Hausmeister der Schule abgab, im Winter für die korrekte Funktion der Öfen Verantwortung trug und den Schulhof sauber hielt, verabschiedete sich aus familiären Gründen aus dem Schuldienst. Wie schon erwähnt, die Bauarbeiten mussten zügig vollzogen werden, denn der Winter 1955/56 nahte. Im Werler Anzeiger vom 16. November 1955 berichtete man dann nicht ohne Stolz von mammutösen Arbeitsaktionen wie Dachkonstruktion in einem Tag oder Es wird so lange wie möglich gearbeitet. 1956 war es dann endlich gerichtet. Die nachfolgenden Zeitungsartikel geben einen Eindruck wieder, nach dem offenbar die neue Schule wie ein besonderes Ereignis in Entstehung und Aura zelebriert worden war.

Abbildung 6: Zeitungsartikel

Was Wortelkamp dazu meint, lässt den aufmerksamen Leser dazu verleiten, dass offenbar nicht nur in diesem gereimten Festbericht zur Einweihung der Scheidinger Schule platt geschrieben, sondern tatsächlich im schulischen Umfeld auch so kommuniziert wurde. Die Vermutung ist nicht nur richtig, sondern es gab auch tatsächlich einen bildungspolitischen Erlass für nordrhein-westfälische Volksschulen aus jener Zeit, wie aus nachfolgendem Zeitungsbericht zu entnehmen:

Abbildung 7: Zeitungsartikel
Abbildung 8: Zeitungsartikel

Am 1. April 1957 wurde passend zur neuen Schule ein Jubiläum einer pädagogischen Institution gefeiert. 25 Jahre fungierte Lehrer Esser als Schulleiter der Scheidinger Schule. Der allseits beliebte Lehrer hatte bereits den Sechzigsten überschritten und war seit dem 19. Februar 1914 im Schuldienst tätig. 1951 erfolgte dann im Rahmen der Einführung der Dreiklassigkeit in Scheidingen die Berufung zum Hauptlehrer. In der öffentlichen Danksagung honorierten und hofierten die Dorfältesten dann auch die Leistungen des Dienstjubilars. Zwei Jahre streifte Esser noch durch das neue Gebäude, dann senkte sich am 31. März 1959 sein Kopf bei der nach Zeugenaussagen emotional ergreifenden Abschiedsvorstellung und Lehrer Esser ging in den Ruhestand. Monsieur Esser, merci pour votre soutien. Am 20. August 1959 übernahm Lehrer Hötte das le sceptre éducatife.

Abbildung 9: Frl. Cäcilia Scholz

Darüber hinaus muss eine Lehrerpersonalie zwingend Erwähnung finden, da seit den fünfziger Jahren die Scheidinger Schule in Fräulein Cäcilie Scholz eine Pädagogin das Regiment führte, bei der Außenstehende mindestens eine Besinnungspause nach der persönlichen Bekanntschaft mit dieser pädagogischen femme fatale einlegen mussten. Unter Umständen war auch nach der zweiten Besinnungspause noch ein unklares Fragezeichen in den Gesichtern der Zurückgebliebenen, weil diese schwierige Person ein konkurrenzloses Selbstbewusstsein an den Tag legte und mit dem pädagogischen Zeigefinger gerne die Richtung anzeigte. Möglicherweise gab es nur bösen Zungen, die die liebe Cäcilie Scholz als verbitterte Frau charakterisierten und ihre Sympathiewerte in den Nanobereich einlagerten. Und der pädagogische Züchtigungsstab hatte nicht nur eine grammatikalische Bedeutung für diese Vollblutfrau. Ob es an der Ausbildung bei den Nationalsozialisten lag oder sie von Natur aus den herrischen Sergeant mimte, blieb ihr bis zum Schluss vorbehalten. Aber sie blieb auch eine prägende Institution.

Abbildung 10: Personalkarte Cäcilia Scholz

Diese Personalie soll aber nichts Unnötiges dramatisieren und den negativen Teil demonstrieren. Auch eine Frau Scholz brachte sich mit Leib und Seele in den Unterrichtsalltag ein. Jeder sitzt im Glashaus und braucht daher nicht mit (unnötigen) Steinen zu werfen. Und die letzten Jahre fungierte die nette Cäcilie mit Anstand und Würde als Schulleiterin bei der Abwicklung der Dorfschule.

Abbildung 11: Schulklasse mit Frl. Scholz
Abbildung 12: Zeitungsartikel

Die sechziger Jahre läuteten dann die Endphase der Dorfschule ein. Der Hintergrund war die abnehmende Schülerzahl. Es gab natürlich Diskussionen, besonders mit Blick auf die mammutösen und von der Gemeinschaft getragenen Baumaßnahmen zur Realisierung der neuen Schule, deren Grundsteinlegung noch nicht einmal 10 Jahre alt war. Es half aber nichts. Und die Hoffnung auf unverhältnismäßigen Schülerzuwachs konnte nur in Verbindung mit der Mär von den Störchen einhergehen. Nur noch gelegentlich gab es Berichte, die sich mit der Ausstattung der Schule beschäftigten, so wie 1962 die Lieferung von neuen Kachelöfen oder eine neue Dachwetterfahne, die vom Goldschmiedemeister Lahme aus Geseke angefertigt werden sollte. Das Ende der Schule wurde für den Abschluss des Schuljahres 1967/68 beschlossen. Naturgemäß ging es nicht ohne hitzige Debatten vor Ort, wie der nachfolgende Zeitungsartikel vom März 1968 zu berichten wusste. Seit Sommer 1966 hatten ohnehin schon die oberen Jahrgänge die Volksschule in Welver besucht. Es ging nur noch um das ebenfalls emotional belastete schwierige Thema der Schulzuweisung der Scheidinger Schüler. Welver war durch den Ortsverband Welver-Scheidingen verwaltungsschlussfolgern die Hauptanlaufstelle, aber Werl vereinnahmte die historisch gewachsene Verbindung mit Scheidingen, da Scheidingen stets im „Norden von Werl“ angesiedelt war seit dem Mittelalter.

Abbildung 13: Zeitungsartikel
Abbildung 14: Zeitungsartikel
Abbildung 15: Letzte Scheidinger Schulklasse
Abbildung 16: Zeitungsartikel

Mit Wehmut ist das letzte Klassenbild einer Scheidinger Klasse zu betrachten aus dem Jahr 1968. Auch Fräulein Scholz war mit auf dem Bild. Die Entscheidung war jedoch gefallen. Und ungenutzt blieb die Schule nicht, denn hier wurde dann der katholische Kindergarten einquartiert. Es war eine vernünftige Ressourcenbindung –weiternutzung. Viel blieb aber auch von der Schulgeschichte nicht mehr übrig. Hors de vue, hors d´esprit, sagen die Franzosen. Und mit dem verwaltungstechnischen Abschluss ist oft – und auch – irgendwann ein gedanklicher Abschluss vollzogen. Heute existiert noch der Kindergarten, und das alte Schulgebäude war noch einmal ein Thema Ende der achtziger Jahre wegen Renovierungsarbeiten und deren anhängenden Kosten. Heute dient das Gebäude als Mietshaus.

Abbildung 17: Bild Umbau Schule

 

 

 

 

 

 

 

Resümee

Die Chronologie einer Dorfschule ist als enzyklopädische Darstellung nicht möglich. Das ist kein Eingeständnis eines gescheiterten Versuches, sondern liegt in der Natur einer schulischen Institution, die erst mit der Frühen Neuzeit über ein ausreichendes Niveau an schriftlichen Quellen verfügte über sich etablierende Dokumentationen und trotzdem größere Lücken auf der Zeitleiste aufweisen kann. Neben diesen technischen Problemen und der oft vergeblichen Suche nach altem Bild- und Kartenmaterial für eine Dorfschule zeigt sich noch problematischer die Wertigkeit der Auswahl von Alltäglichem für eine Darstellung. Das ohnehin rare Quellenmaterial – und je weiter man auf der Zeitleiste zurückgeht, desto rarer wird der Status quo der Dokumentation – erhält durch die Notwendigkeit einer Auswahl weiterhin eine Verringerung der Basis am Darzustellenden. Das Banale, das Redundante, die verstärkte Gefahr einer einseitigen Bewertung von Lehrkörpern oder auch die Vernachlässigung der Würdigung – bis hin zur unberechtigten Nichtbeachtung der Zeitzeugen –  von Außenstehenden bei der Darstellung von schulischen Aktivitäten erschwert eine populärwissenschaftliche Darstellung für den direkten und breiten Zugang zu der Materie. Ich will es an zwei Beispielen aus der punktuellen Schulchronologie hervorheben:

  • Die nachträgliche Bewertung von Lehrkräften aus der Scheidinger Schulgeschichte, sofern keine offiziellen Bewertungsbögen auf amtlicher Seite existieren, ist eine Gratwanderung. Ein einseitiger Tenor ist darzustellen bei Vorliegen von einseitigen Zeitzeugenaussagen. Diese Einstufung muss aber nur ein Teil des Ganzen widerspiegeln und ist es auch in der Regel. Der Historiker ist zur Multiperspektivität verpflichtet. Aber wie ist es um den Historiker geschehen bei lückenhafter Darstellung von Psychogrammen? Es ist eine unmögliche Mission, die im realen Versuch nur eine auf Sand gebaute These hervorbringen kann. Das ist der Preis dieser Darstellungen. Lehrer Esser war unwiderruflich beliebt bei den Scheidingern. Und seine Tätigkeit als Lehrer im Nationalsozialismus? Die Nationalsozialisten hatten zumindest ein Grundvertrauen in der Umsetzung seines Sozialisationsauftrages in der Schule, und viele Lehrplanthemen waren von undemokratischem und rassischem Gedankengut. Und die armen Fräuleins Beine und Scholz werden mit leichtem oder auch direktem Unterton in dieser Darstellung in die negative Aura katapultiert. Zumindest bei Fräulein Scholz gehört nachträglich eine positive Ergänzung postuliert, da sie in den letzten Jahren der Existenz der Scheidinger Volksschule mit Fach- und Verwaltungskompetenz die Schule führte.
  • Die Gemeindemitglieder, der Gemeinderat, die Stadtoberen aus Werl und die Vertreter der Schulbehörden hatten das notwendige Engagement gezeigt bei der Planung und Durchführung des Schulneubaus in Scheidingen. Die detaillierte Schilderung der Handlungsabläufe und –personen würde den Rahmen sprengen oder das Desinteresse beim Leser forcieren. Dieses unbeachtete Wissen – unabhängig vom realen Vorliegen dieser Wissenselemente – nähert sich ungewollt dem vergessenen Wissen. Und das ist verlorenes Wissen, zumal mit dieser Alltagsgeschichte oft im Nachhinein die Funktionsweise und das soziale Klima in (Dorf-)Gemeinschaften erschlossen werden können. Ein unentbehrlicher Fundus geht für Wirtschafts- und Sozialhistoriker sehenden Auges in die Verbannung. Unabhängig davon, das soziale Engagement Einzelner kann so nicht voll in der Würdigung ausgeschöpft werden.

Die Chronologie trägt einen ambivalenten Charakter in sich. Der Historiker kann seinen methodischen Werkzeugkasten weder voll ausschöpfen noch darf er es. Un dilemme technique! Vielmehr gehört eine Chronologie stets auf den Prüfstand, denn stets zeigen sich neue Überreste, die Aufklärendes, Erhellendes oder Ergänzendes beitragen können. Die Scheidinger Schulgeschichte ist nicht komplett, das Komplette wurde auch nicht eingebaut und die Sammlung von neuen Überresten ist ein fortlaufender Prozess. Die vorliegende Chronologie will und kann nur eine Momentaufnahme in Aufarbeitung und Dokumentation sein.

 

Abbildungsnachweis:

  • Abbildung 1: 

Bild der alten Schule

  • Abbildung 2:

Schulklasse mit Lehrer Esser. Das Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 3:

Zeitungsartikel.  Werler Anzeiger, 23. April 1955. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 4:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 14. November 1955. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 5:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 16. November 1955. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 6:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 05.Oktober 1956. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 7:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 01. Oktober 1955. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 8:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 31. März 1959. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 9:

Frl. Cäcilia Scholz. Das Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 10:

Personalkarte Cäcilia Scholz

http://archivdatenbank.bbf.dipf.de/actaproweb/archive.xhtml?id=Vz++++++7dcefeec-4209-4a56-8261-282f4cd44479&parent_id=#Vz______7dcefeec-4209-4a56-8261-282f4cd44479, abgerufen am 17. 04.2016.

  • Abbildung 11:

Schulklasse mit Fr. Scholz. Das Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 12:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 03. März 1962. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 13:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger, 13. März 1968. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 14:

Zeitungsartikel, Werler Anzeiger. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 15:

Letzte Schulklasse.

https://scheidingen.de/letzte-scheidinger-schule-1968/, abgerufen am 17.08.2016

  • Abbildung 16:

Zeitungsartikel. Werler Anzeiger. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 81:

Umbau der alten Schule. Das Foto befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chronologie der Scheidinger Schulgeschichte

Chronologie

der

Scheidinger Schulgeschichte

1648 – 1968

 

Abb. 1: Alte Schule in Scheidingen

Teil 3: 

1925 – 1945

Im Jahr 1925 wurde endgültig eine kulturelle und verwaltungstechnische Symbiose in Scheidingen zum Schlussakkord angesetzt. Die Trennung der Küster- und Schulstelle wurde von Amts wegen eingeleitet. Das ging naturgemäß nicht reibungslos, da die Gemeinde Illingen offenbar noch aus dem Dotationsvermögen der zu trennenden Stelle Ansprüche erhob, die aber logisch schlüssig abgewiesen wurden im September 1925 von der zuständigen Abteilung in Arnsberg. Die dortige Argumentation gegen die Sicht der Illinger Gemeinde kann aus der betreffenden Stellungsnahme vom 17. September 1925 herausgelesen werden:

Regierung, Abteilung für Kirchen und Schulwesen, II 8 Nr. 1034

Kasten 216

Auf das dortige Schreiben vom 21. Mai 1925 betreffend Trennung des vereinigten Schul,- und Kirchenamtes erwidern wir ergebenst. Wir haben keinen Anlass gefunden, die Gemeindevertretung von Scheidingen in der Trennungsangelegenheit nicht als selbstständig vertretungsberechtigt anzusehen. 

Der angeführte Abs. 1 des § 47 des V.U.G. sagt, dass der Schulverband in Landgemeinden, welche einen eigenen Schulverband bilden, für die Verwaltung der Angelegenheiten der Volksschule ausschliesslich der im § 46 Abs. 1 bezeichneten einzusetzen ist. Absatz 1 § 46 bestimmt, dass die vermögensrechtliche Vertretung nach aussen durch die verfassungsmässigen Organe der Gemeinde d.i. Gemeindevertretung zu erfolgen hat.

Scheidingen und Illingen bilden je einen selbstständigen Schulverband. Die combinierte Lehrstelle, um die es sich handelt, gehört dem Schulverband Scheidingen, nicht Illingen an. Dementsprechend ist die Gemeindevertretung Scheidingen über das Dotationsvermögen in der trennungsfrage verfügungsberechtigt. Zwischen den Schulverbänden Scheidingen und Illingen hat s. Zt. Eine Auseinandersetzung stattgefunden, bei der Illingen abgefunden wurde, und bei der das Dotationsvermögen der vereinigten Stelle verblieb, die wie gesagt nach der Abtretung, was den Zusammenhang mit der Schulstelle angeht, lediglich mehr dem Schulverband Scheidingen angehört. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die politische Gemeinde Illingen noch Ansprüche auf das Dotationsvermögen der vereinigten Stelle im Schulverband Scheidingen haben soll.

Es trifft zwar zu, dass das Pfarrgebäude und das Küstereigebäude gemeinschaftliches Eigentum der Politischen Gemeinde Scheidingen und Illingen sind, doch sind diese Gebäude nicht dem Dotationsvermögen der in Frage stehenden vereinigten Stelle zuzurechnen.

(siehe auch § 6 Ziffer 3 des alten Lehrerbesoldungsgesetzes)

Wohl erstreckt sich die Kirchengemeinde über den Bereich desjenigen Schulverbandes hinaus, dessen Schulamt mit ihr verbunden ist. Die daraus für die Einwohner von Illingen entsprechenden Rechte und Pflichten bleiben durch die vorstehenden Ausführungen unberührt. Insoweit werden die Rechte der Illinger Einwohner durch ihre Vertretung im Kirchenvorstande gewahrt.

Wir können deshalb die Ungültigkeit des beanstandeten Beschlusses der Gemeindevertretung von Scheidingen nicht anerkennen.

Falls Seitens der Kirchengemeinde sonst keine Bedenken in der Sache selbst vorliegen, kann das Trennungsverfahren seinen Fortgang nehmen.

Der Bedeutung dieses Ereignisses Rechnung getragen, hier ein Auszug aus dem Protokoll des Kirchenvorstandes von Scheidingen hinsichtlich der Verhandlung der Trennung des Dotationsvermögens vom 14. Februar 1926:

Der Kirchenvorstand besteht aus dem Pfarrer als Vorsitzender und zehn gewählten Mitgliedern. Gegenwärtig waren unter dem Vorsitze des Pfarrers Ortner

  1. A. Ammermann stellvert. Vorsitzender
  2. J. Bettermann
  3. J. Stratmann
  4. F. Lutter
  5. C. Sauer
  6. Heinrich Vickermann.

Die Gemeindevertretung von Scheingen als Vertreterin der Schulgemeinde besteht aus dem Gemeindevorsteher und sechs gewählten Mitgliedern.

Es waren anwesend

  1. B. Hagemann stellvert. Vorsitzender
  2. J. Schulte – Bisping
  3. Wilhelm Schulte Euler
  4. Paul Sürig

Die Gemeindevertretung von Illingen als Vertreter der Schulgemeinde  die mit der Gemeindevertretung von Scheidingen das Kirchenspiel Scheidingen / Illingen vertritt, besteht aus dem Gemeindevorsteher und sechs gewählten Mitgliedern.

Es waren anwesend unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Fr. Foschepoth

  1. Theodor Wilm
  2. Heinrich Deitel
  3. Theodor Notz
  4. Franz Hagedorn

In der heutigen gemeinsamen Sitzung des Kirchenvorstandes des katholischen Schulverbandes von Scheidingen vertreten durch die Gemeindevertretung von Scheidingen / Illingen wozu die Mitglieder unter Mitteilung der Tagesordnung vorschriftsmäßig eingeladen und in beschlußfähiger Anzahl erschienen waren, wurde über die Trennung des Vermögens der kombinierten Küster und Lehrerstelle vorbehaltlich der Genehmigung der kirchlichen und staatlichen Aufsichtsbehörden folgendes verhandelt und beschlossen.

1.) Der Beschluß der Gemeindevertretung Scheidingen vom 14. März 1924 wonach 2/3 der Ländereien der Küsterei und 1/3 der katholischen Schulgemeinde zufallen sollen, unter der Bedingung dass, das an dem Schulplatz grenzende, der Küsterei gehörende Gärtchen Flur 3, Nr. 698/298, 3 ar 17 qm groß der Schulgemeinde zu erkannt werde, wird als undurchführbar zurückgenommen.

2.) Das unter No. 1 genannte Gärtchen, dass nach dem Grundbuch Eigentum der Küsterei ist, verbleibt bei der Küsterei, weil es zu dieser gehört, nicht an den Schulplatz, sondern an die Küsterei gehörende Düngestätte grenzt und beim eventuellen Neubau des Küstereigebäudes nicht entbehrt werden kann.

3.) Die katholische Schulgemeinde Scheidingen zerfällt zu alleinigen Besitze:

a.) Den ganzen Raum zwischen der Schule und dem Küstereigebäude: Flur 3 N Nr. 601/296 3 ar 8 qm groß, Flur 3 Nr. 602/296 19 qm groß, Flur 3 No. 603/296, 38 qm groß. Die auf den beiden ersten Parzellen, die nach dem Grundbuch Eigentum der Schule sind, eingetragene Erbpacht von jährlich 12 Mark wird gelöscht, die letzte Parzelle ist nach dem Grundbuch Eigentum der Küsterei.

6.) Nach dem Abbruch des Küstereigebäudes Flur 3, No. 604/297 — 605/297 2 ar 57 qm des Eigentum der Kirchspielgemeinde Scheidingen / Illingen ist, zur Erweiterung und Gradelegung des Schulplatzes der Stücke bis zum westlichen Posten des Scheunentores ( 2m75 cm breit) der Küsterei von der Kirchstrasse bis zum Patoratgarten, das nach der Kirchstrasse hin sich etwas erbreitert und am Pastoratgarten mit dem westlichen Ecke des Küstereigebäudes abschliesst.

Ca 40 – 50 qm) Vgl. zeichung

c.) den Garten Flur 3 No. 215, 4 ar 75 qm groß und No. 216, 6 ar 30 qm groß, damit die Lehrperson einen Garten Dorfe haben. Der Garten ist nach dem Grundbuch Eigentum der Küsterei und Schule.

4.) Die katholische Kirchengemeinde erhält:

a.) ¾ der übrig bleibenden Ländereien des kombinierten Vermögens nämlich der Parzellen, die nach dem Grundbuch Eigentum der Küsterei und Schule sind.

Flur 2 No. 179. 17 ar 32 q, No. 183. 11 ar 66 qm, No. 210 14 ar 9qm

Flur 3 No. 200. 39 ar 87 qm, No. 902/328 18 ar 83 qm

Flur 3 No. 373/11 97 ar 84 qm, No. 329/124 11 ar 58 qm

Diese Forderung ist abgesehen von dem unter No. 3 gebotenen Entgegenkommen der katholischen Kirchengemeinde durchaus berechtigt, denn:

1.) die hiesige Schule ist nach ihrer historischen Entwicklung zweifellos eine sogenannte Küsterschule, weßhalb auch der Inhaber der kombinierten Ämter bis auf Herrn Lehrer Ammermann, nicht Lehrer sondern Köster, Küster genannt wurden, das Stellenvermögen also nicht Schulvermögen sondern Kirchenvermögen. Vgl. Reichsgerichtsentscheidung vom 13. Juni 1888.

In der Kommissionsberatungen des Abgeordnetenhauses zum V:U:G: ist von einem Vertreter der Unterrichtsverwaltung ausdrücklich anerkannt worden dass das gegenwärtige Vermögen solcher Stellen zum größten teil aus kirchlichen Quellen herrühre.

Die Regierung zu Arnsberg hat diese auch schon anerkannt, da sie dem zwischen einem Vertretung der Regierung, dem Herrn Lehrer Ricke und Herrn Pfarrer Ortner getroffenen Uebereinkommen, wonach Herr Lehrer Ricke von dem 330 Mark jährliche Zinsen seinem Stellvertreter als Küster pro Jahr 300 Mark vom 1. Dezember 1923 an jährlich auszuzahlen muß, zugestimmt hat.

b.) Das Grundstück Flur 2 No. 4 der Gemeinde Werl 46 ar 96 qm groß, das irrtümlich im Grundbuch auf den Namen der Schulgemeinde Scheidingen eingetragen ist, wofür diese aber keinen Erwerbstitelaufweisen kann, da dasselbe am 20. August 1751 der Kirche für die Unterweisung armer Schulkinder vermacht und nie von der Schulgemeinde, sondern von Herrn Küster Lehrer Ammermann und dessen Vorgängern stets selbst bewirtschaftet ist.

Der Gemeindebezirk Scheidingen gehörte bekanntlich zum alten Herzogtum Westfalen, welches bis 1803 zum Erzbistum Köln und von da an zum Großherzogtum Hessen gehörte und erst 1814 bezw. 1816 zur Krone Preußens kam.

Durch patent vom 2. Juni 1825 ist der A.B.R. eingeführt und erst von dieser Zeit an von einer Schulgemeinde im Sinne 7/2 Tittel 12 die Rede sein, die aber erst 1829 mit Marogorativen Rechten gebildet ist. Nach kanonischen Rechte welches bis 1803 unzweifelhaft Anwendung fand, waren die niederen Schulen rein kirchliche Institute. Das fragliche Grundstück ist hiernach zweifellos Kircheneigentum. Vgl. Entscheidung des Reichsgerichts V Zivilsenat vom 26.6.1924 V. 909/23. Eine Verjährung liegt nicht vor, weil die Kirchen und Schulgemeinden durch die Küster und Lehrer in einer Person das Grundstück genutzt hat.

c.) Das Grundstück Flur 1 No. 36 im Elsbruch, Gemeinde Sönnern, 12 ar 96 qm groß, dass im Grundbuch erst im Jahre 1917 irrtümlich auf den Namen der Schule eingetragen ist, aus dem unter 4b angegebenen Grunde, weil nämlich das Grundstück schon im 18 Jahrhundert der katholischen Kirchengemeinde Scheidingen gehörte und daher stets vom Herrn Küster und Lehrer Ammermann und dessen Vorgängern, aber nie, von der katholischen Schulgemeinde bewirtschaftet wurde.

5.) Die Tilgung der Grundstücke soll nach den von der Generalkommision für die Separation von Scheidingen fest gesetzten Bonitierungsweite erfolgen.

6.) Das Küstereigebäude soll auf Abbruch verkauft und den Erlös für den Neubau des Küstereigebäudes verzinslich angelegt werden.

7.) Der Organistendienst der nicht fundiert ist, sondern stets aus der Kirchenkasse bezahlt wurde, soll mit der Lehrstelle organisch verbunden bleiben.

Der Kirchenvorstand

Gez. Ortner Pfr.

  1. Ammermann

Bettermann

Weißmann

Franz Lutter

  1. Palz

Stratmann

Die Gemeindevertretung von Scheidingen

Gez. Kaiser Vorsteher

Schulte – Bisping

Hagemann

Paul Sürig

Wilh. Schulte

Den unter 3b gefassten Beschlüsse dem zufolge nach Abbruch des Küstereigebäudes das genannte Stück zum Schulplatz kommen soll, stimmen wir unter der Bedingung zu, dass die katholische Kirchengemeinde die unter 4 a und b und c genannten Grundstücke erhält.

Die Gemeindevertretung von Illingen  gez. Foschepoth, Vorsteher, Heinrich Deitel, Theodor Wilm, Franz Hagedorn, Theodor Notz

In fidem Scheidingen, den 17. Februar 1926

Gez. Ortner Pfarrer

Abbildung 2: Zeitungsartikel Versteigerung Abriss Küstereigebäude

Der Trennungsakt war dann doch zähflüssiger als gedacht. Das Küstereigebäude wurde auf einer öffentlichen Auktion im Oktober 1926 veräußert. Und noch 1928 wies man in einem Schreiben an die Amtskasse in Werl auf die Auseinandersetzung zwischen Kirchen- und Schulgemeinde hin bezüglich der weiterzuleitenden Pachterträge:

Abbildung 3: Pachtvertrag
Abbildung 4: Schulklasse 1925

Die Schule in Scheidingen hatte in den zwanziger Jahren eine hohe Fluktuation an Lehrern. Besonders prägend waren offenbar nach Überlieferung die Lehrer Ricke, Langenhorst und Pfaffhausen, die mit Disziplin und Menschlichkeit die Kinder zu nehmen wussten. Gerade Ricke (hier auf einem Bild von 1925) hatte einen Wandlungsprozess hingelegt vom Mauerblümchen im Schatten des großen Ammermann hin zu einem selbstbewussten, auf Neuanfang setzenden Junglehrers. Gerade die Streitigkeiten mit der Wohnsituation im Lehrerhaus zu Beginn der zwanziger Jahre polarisierte die Schulgemeinschaft. Aber Ricke konnte verlorenen Kredit zurückerobern mit seinem Einsatz für die Pflege des Schulaußengeländes und bei schulisch organisierten Freizeitaktivitäten für die Kinder. Distanzierter, aber stets mit seinem non multa, sed multum im Sprachgepäck, agierte Lehrer Pfaffhausen (hier auf einem Bild von 1927) geradlinig. Er redete stets Fraktur und konnte so seinen Schützlingen ein wahrhaftes Vorbild in Ehrlichkeit und Anstand geben. Legendären Status erarbeitete sich aber – wobei die Leistungen und der Leumund für die beiden Vorgenannten in keiner Weise                                                                                                          Abbildung 5: Schulklasse 1927

Abbildung 6: Schulklasse 1929

traktiert werden sollen – Lehrer Langenhorst, der 1929 mit seinen Sieben- und Achtklässlern – wie hier auf dem Bild –  den Schulalltag bereicherte und den  Laissez-Faire-Erziehungsstil vorlebte, jedoch im Mathematikunterricht klar das quod erat demonstrandum am Ende einer Herleitung sehen wollte. Wenigstens hier wollte er seine Passivität aufgeben und die Initiative übernehmen. Seine Schüler dankten es ihm aber. Ob dieser Dank heute von Schülern ausgestellt wird, bleibt dem Leser überlassen. Als Langenhorst 1930 versetzt wurde, waren die Schüler mit einer Traurigkeit ausgestattet. Zahlreiche Hilfslehrer waren bis zum Ende der Weimarer Republik zeitlich befristet in Scheidingen aktiv. Lediglich ein Joseph Esser konnte sich langfristig etablieren und blieb bis 1952. Wie übrigens zu jener Zeit ein probléme urgent in der Scheidinger Lehrerwohnung bearbeitet wurde, geht aus einem Erlass vom 31. Mai 1931 hervor:

Amt Werl J.Nr. 2888

Werl, den 30. Mai 1931

Einmaligen Ergänzungszuschuss den Schulverband Scheidingen

Ohne Verfügung

Die Lehrer – Dienstwohnung in Scheidingen hat keine Abortanlage. Die beiden Wohnungsinhaber ( 1 Lehrer und 1 Lehrerin) müssen, um zu der Klosettanlage zu gelangen, dass für die Schulkinder geltende Abortgebäude aufsuchen. Dieses Gebäude ist etwa 20 Meter vom Eingange der Lehrerdienstwohnung entfernt. Das Fehlen einer Abortanlage in der eigentlichen Dienstwohnung wird von den Wohnungsinhabern hart empfunden, insbesondere in Krankheitsfällen. Dabei trägt dieser Übelstand in gesundheitlicher und hyginischer Hinsicht  schwerwiegende Bedenken in sich.

Weiter hat der Schulhof, der auch als Spielplatz der Kinder dient, keine Einfriedigung. Auch ist das Schulgrundstück nächst der nachbargrenze nicht eingefriedigt.

Der Schulhof liegt an einer sehr verkehrsreichen Straße (Kreisstraße) die insbesondere viel von Autos befahren wird, sodass die Nichteinfriedigung eine direkte Gefahr für die Kinder bedeutet.

Der Schulvorstand bezw. die Gemeindevertretung hat sich, trotz der wirtschaftlichen Nöten der Steuerzahler der Notwendigkeit nicht verschließen können, beide Übelständen abzuhelfen und die Ausführung einer Abortanlage in der Lehrer Dienstwohnung, sowie die Einfriedigung des Schulplatzes beschlossen. Wie aus den Anlagen hervorgeht, belaufen sich die gesamtkosten auf 2545.—Reichsmark. Der Schulverband ist ausserstande, diese Kosten aus eigenen Mitteln voll aufzubringen-

Die Schulverbandsmitglieder betreiben vorwiegend Ackerbau und sind, abgesehen von der wirtschaftlichen Notlage im allgemeinen, durchweg erheblich verschuldet. Ein kleiner Teil gehört dem Arbeiterstande an. Neben der sehr erheblichen gemeindlichen Belastung sind noch rund 40.000 Reichsmark Separationskosten zu verzinsen bezw. zu decken.

Ich überreiche hierbei:

  1. a) 2 Kostenanschläge
  2. b) 2 Zeichnungen über die beabsichtigten baulichen Anlagen
  3. c) die Beschlüsse der zuständigen Körperschaften

mit der Bitte, einen einmaligen Ergänzungszuschuss zu gewähren.

Der Bürgermeister

Abbildung 7: Propagandaplakat Hitlerjugend

Schon vor der Machtübernahme 1933 gab es wie andernorts auch die Hitlerjugend in Scheidingen. Alle wurden uniformiert, militärisch eingeteilt und im Dienst soldatisch ausgebildet. Die ganze Art und Weise der Bestätigung dieser Organisation wies darauf hin, dass man über kurz oder lang mit einem Krieg rechnete. Auch die Jugend – und Volksfeste erhielten einen militärischen Charakter mit Umzügen und Paraden. Hinter dem sogenannten Dienst musste alles andere wie Schule, Elternhaus, Religion und Kirche zurückstehen. Ein Zeitzeuge berichtete, dass es der Hitlerjugend Spaß machte, vor der Wallfahrtskirche zu singen, besonders das Lied:

Auf seinen Säcken Goldes sitzt,

der vollgefressene Jud.

Doch wenn das Blut vom Messer spritzt,

doch wenn das Blut vom Messer spritzt,

dann geht’s nochmal so gut.

Hängt die Juden, hängt die Juden! Stellt die Pfaffen an die Wand.

Abbildung 8: Bund deutscher Mädel

Vordergründig sah man in der Schule – und Werl stand dem in nichts nahtlos zur Verfügung – den Vermittlungsort für die Rassenideologie und als Vorstufe für die Wehrmacht. Die Bildungsideale wie Mündigkeit, Kritikfähigkeit und Selbständigkeit gehörten nicht in den Zielkatalog der Nationalsozialisten, sondern die Erziehung zu fanatischen Nationalsozialisten. Hier wollte man aus Sicht der Staatsführung so früh wie möglich beginnen. Die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel lieferten den Organisationsrahmen für die Gleichschaltung und den vormilitärischen Drill. Bereits im Frühjahr 1933 mussten die ersten Lehrer aus dem Staatsdienst, denn durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom April 1933 befreite sich die neue Führung von den pazifistischen und kommunistischen Gruppierungen unter den Lehrern. So wurde nach Verabschiedung des »Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums « im Regierungsbezirk Köln im Frühjahr 1933 ein Ausschuss von »Vertrauensmännern« damit beauftragt, die politische Zuverlässigkeit aller Lehrkräfte zu überprüfen.

Abbildung 9: Das neue Schulgesetz

In den folgenden Monaten wurden nicht nur die jüdischen und kommunistischen Lehrer entlassen, sondern zahlreiche politisch missliebige Pädagogen versetzt oder vorzeitig pensioniert. Bis Ende 1933 waren hiervon an den Kölner städtischen höheren Schulen und Berufsschulen rund zehn Prozent des Lehrpersonals betroffen. Allerdings verfügte das NS-Regime in der Lehrerschaft über erheblichen Rückhalt, und der größte Teil auch jener, die ihm nicht nahestanden, passte sich ohne größere Widerstände der neuen Situation an. Tatsächlich lässt sich in den Kölner Schulen Gegenwehr gegen Forderungen nationalsozialistischer Schulpolitik kaum nachweisen. Innerhalb kurzer Zeit änderten sich die Lerninhalte, wobei die NS-Ideologie nicht zu einem eigenen Fach, sondern zum Unterrichtsprinzip für alle Fächer wurde. Vermittlung von »Rassenkunde«, besondere Gewichtung des Sportunterrichts, spezifische Mädchenausbildung zur Hausfrau und Mutter sowie vormilitärische Erziehung der Jungen wurden so auch Kennzeichen nationalsozialistisch geprägter schulischer Ausbildung. »Weltanschauliche« Schulungen, Schulfeiern mit eindeutig politisch-ideologischem Hintergrund –

Abbildung 10: Propagandaplakat

etwa die Feiern zum »Geburtstag des Führers« oder zum »Tag der nationalen Arbeit« – und Rituale wie das morgendliche Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Schulhof prägten bald den schulischen Alltag. Nationalsozialistische Wertesysteme und Symbole wurden damit auch jenseits von HJ und BDM im Bewusstsein der Jugendlichen verankert, traditionelle, insbesondere christliche Werte dagegen verdrängt. Gerade die Sozialisation von Kindern war den Nationalsozialisten eine Herzensangelegenheit. Je früher ein Gedankengut im Denken und Handeln Platz fand, umso größere Erfolgsaussichten waren zu erwarten hinsichtlich einer gleichgeschalteten Bevölkerung. Besonders die Kinder konnten sich dieser Perfidie nicht entziehen. Ein trauriges und entlarvendes Beispiel dieser pervertierten Auffassung von Wissensvermittlung stellte der Giftpilz dar, der hetzerisch im Kinderbuchformat Stimmung gegen die zusatzbürgerlichen Juden machte. Oft war den Lesern, also den kleinen Jungbürgern mit Arierausweis, nicht bewusst,

Abbildung 11: Erziehung in der Schule

wie sie durch die Hintertür zu im Unterbewusstsein gefügigen Nationalsozialisten wurden. Das Kinderbuch war dabei ein starkes Instrument. Nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 war es den Nationalsozialisten ein Anliegen, deren von Feindbildern durchsetzte Weltanschauung jeder Bevölkerungsgruppe anzutragen. Der Giftpilz von 1938, von Ernst Hiemer geschrieben, listete „Merkmale“ auf zur Erkennung von Juden. Natürlich wurde hier der Jude als Faktotum des Schlechten, Bösen und Unreinen verunglimpft, womit tiefenpsychologisch auch ein Greuel und eine Antipathie bei den Lesern hervorgerufen werden sollte. Der Verunglimpfungskatalog beinhaltete krumme Nasen, aufgeblasene Lippen, dicke und fleischige Augenbrauen, kurze Beine, Plattfüße und eine schräge Stirn. Das entsprach ganz und gar der Kriminellentypisierung der Nationalsozialisten, die auch am Berufsverbrecher eine schräge Stirn erkannt haben wollten. Beleidigungen, der Vorwurf der notorischen Lügerei und die Nähe zum Brigantentum werden unter Einsatz bunter Bildmotive im Giftpilz als Selbstverständlichkeit in der Darstellung und als Warnsignal für die arischen Kinder angeboten. Böses Ungeziefer galt es auszumerzen und dieses deutsche Unglück über den Jordan zu hieven. Jede Boshaftigkeit wurde im Giftpilz den Juden unterstellt. Jüdische Ärzte wurden diskreditiert und pauschal die jüdische Bevölkerung in die Nähe der Tierquälerei gesetzt.

Abbildung 12: Auszüge aus dem Buch: „Der Giftpilz“.

Im Schlussakkord wurden dann die kleinen Leser fast prophetisch in die alltägliche Judenhetze entlassen:

„Die Welt erwacht in Juda`s Ketten
Deutschland alleine kann sie retten.
Deutsches Denken und Deutsch sein
Wird einst die ganze Welt befreien.
SIEG HEIL!“

Abbildung 13: Auszug aus dem Buch: „Der Giftpilz“.

Ergänzt wurde diese Leitfibel noch durch eine Aussage Hitlers in seinem geistreichen Müllkippenkonglomerat namens „Mein Kampf“, in dem er unverblümt das Verständnis der nationalsozialistischen Erziehung formuliert:

„Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einimpfen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten.“

Abbildung 14: Zeitungsartikel Schrift in den Schulen

Im katholischen Scheidingen waren die jüdischen Kinder zu der Zeit schon nicht mehr präsent. Näheres ist zu ihnen aber nicht überliefert. Wie andernorts auch, in Scheidingen galt es mit Beginn des Schuljahres 1934/35 auf die einheitliche, der Sütterlinschrift verwandte Verkehrsschrift zu wechseln. Der erste Jahrgang in Gleichschaltung hatte sich 1934 zum Schuljahresbeginn noch vor der Scheidinger Kirche unbekümmert positioniert, aber die unbekümmerten Bildungsideale waren bereits unwissentlich verkümmert.

Natürlich hatte Lehrer Esser ein Erscheinungsbild, das eine gewisse Ähnlichkeit zum Führer Adolf Hitler aufwies. Nach Zeitzeugenaussagen war der Herr Esser aber kein vorbildlicher NS-Pädagoge gewesen, sondern beschränkte sich auf die Pädagogik mit zwischenmenschlichem Augenmaß und einer merklichen Portion Toleranz gegenüber den Mitmenschen. Die Schüler seiner Abschlussklasse dankten es ihm gebührend und gaben ihm – von ungewollter Vorahnung behaftet – viel Kraft und Durchhaltevermögen mit auf den Weg, der immer mehr von nationalsozialistischen Attitüden zugeparkt wurde.

Abbildung 15: Lehrer Esser mit Abschlussklasse

1935 trat eine Aushilfslehrerin namens Blawath den Schuldienst in Scheidingen an. 1936 stießen noch die Lehrerinnen Klawathaus, Rosenthal und Lehmkuhl dazu. Allen vorgenannten Pädagoginnen konnte man das notwendige Engagement nicht abstreiten, aber sie trugen durch ihre Tätigkeiten zur Verankerung der nationalsozialistischen Erziehungsideale bei. Es soll aber keine unsachliche Kritik geäußert werden, denn sie verhielten sich dem Zeitgeist entsprechend mit den dazugehörigen Werten und Normen. Und dafür brauchen die nachfolgenden Generationen kein „Säbelrasseln“ oder martialische Sprüche wie „Hier wird kein Pardon gegeben“ an die Wertung zu heften.

Abbildung 16: Propagandaplakat

Die Nationalsozialisten mussten für einen generationenübergreifenden und langlebigen Wertewandel auf die Jugend zurückgreifen. Die Erziehung war der archimedische Punkt. Wichtig für die wachsende Bedeutung der Hitler-Jugend (HJ) war auch, dass sie in kürzester Zeit innerhalb des Schulwesens eine starke Machtposition aufbauen und aggressiv ihre Interessen durchsetzen konnte. So wurden Lehrer und Schulbehörden nachdrücklich aufgefordert, die Mitgliedschaft in den NS-Jugendorganisationen zu fördern. Zudem erhielten HJ-Veranstaltungen vielfach Vorrang gegenüber schulischen Belangen.   „Nationalsozialismus ist organisierter Jugendwille“ hieß eine verbreitete Losung der Zeit. Nachdem schon im Kinderzimmer die Indoktrination durch das auf die Ideologie des NS-Regimes ausgerichtete Spielzeug begonnen hatte, sollte anschließend die HJ Standesunterschiede beseitigen und die nationalsozialistische Gesinnung fördern. Die anfangs noch formell freiwillige Mitgliedschaft wurde am 1. Dezember 1936 durch das „Gesetz über die Hitler-Jugend“ zur Zwangsmitgliedschaft. Die HJ – neben Familie und Schule für die

Abbildung 17: Lehrerin Blawath mit einer Schulklasse

Mehrheit der Heranwachsenden die wichtigste Sozialisationsinstanz – stützte sich jedoch nicht nur auf Zwang, sondern vor allem auf attraktive Freizeitangebote. Mit Feldausflügen – wie hier auf dem Ausflugsfoto in der Scheidinger Gemarkung mit Lehrerin Blawath 1935, mit Geländespielen, Zeltlagern, Radtouren oder durch das ansonsten privilegierte Segelfliegen und Reiten wurde das Interesse der jungen Menschen geweckt. Daneben gehörten Sammelaktionen für das Winterhilfswerk sowie mühsame Ernteeinsätze in der Landwirtschaft

Abbildung 18: Propagandaplakat für den Eintritt in die Hitlerjugend

zu den unumgänglichen Pflichten in der Hitler-Jugend. Der HJ schloss sich ab 1935 für männliche Jugendliche der halbjährige Reichsarbeitsdienst  (RAD) an. Ursprünglich diente er der Bewältigung der Arbeitslosigkeit, ab 1936 aber vornehmlich der vormilitärischen Erziehung und körperlichen Ertüchtigung. Das „Heranzüchten kerngesunder Körper“ und die sogenannte Volksgesundheit waren Leitbilder der Nationalsozialisten sowie Bestandteile ihrer Rassentheorien. Körperliche Ausbildung und Körperkult wurden in NS-Organisationen, Schulen und den rund 43.000 ab 1934 im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL) gleichgeschalteten Sportvereinen umgesetzt.

Abbildung 19: Schulsport

Pädagogisch korrekt waren die 1936 anwesenden Lehrer Lehmkuhl und Michels, die trotz rigider Umsetzung der Lehrpläne die notwendige Nähe zur Schülererreichung und das pädagogische Maß an Toleranz mitbrachten. Das war eine Gratwanderung, denn die klassischen nationalsozialistischen Themen verlangten eine Positionierung abseits von Menschlichkeit und Toleranz. Hier war zum einen der nationalsozialistische Körperkult eine Barriere auf den Weg zur Verständigung. Wohlwissend, dass das mit der Körperlichkeit eine facettenreiche Individualeigenschaft des Menschen ist, sahen sich auch die Scheidinger Pädagogen in der Körperkulturistik vor einem Dilemma, da eben nicht alle Schüer die notwendige physische Belastbarkeit an den Tag legten. Im Sportunterricht konnten die Lehrer aber

Abbildung 21: Lehrer Michels

noch gut kaschieren. Gerade Lehrer Michels ließ sich einiges einfallen, um nicht die Unterschiede zwischen den Deutschen derart zu veranschaulichen, dass daraus möglicherweise Ausgrenzungstendenzen hätten sich entwickeln können. Schwieriger war es da schon mit der Rassenlehre als nationalsozialistisches Steckenpferd. Die Nationalsozialisten verfolgten eine radikale Rassenlehre. Hinter dieser steckte die Annahme, die in Deutschland lebenden Menschen gehörten verschiedenen Rassen an, veranschaulicht auf Rassetafeln. Die Nazis unterschieden hierbei zwei Rassen: die Arier und die Juden. Die Arier erklärten sie zum menschlichen Ideal und zur Herrschaft über die anderen Rassen bestimmt. Ihre Qualität sahen die Nazis jedoch durch unvorteilhafte Einflüsse gefährdet. Dazu zählten ihrer Meinung nach vor allem die Juden. Der Bevölkerung verkauften sie diese Idee als eine endgültige, wissenschaftliche Wahrheit, auch als Pseudowissenschaft abgestempelt. Die Nationalsozialisten leiteten ihre Rassenlehre aus zwei Pseudowissenschaften ab: der Rassentheorie und der Rassenhygiene. Beide entwickelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aus der Rassentheorie übernahmen die Nazis die Vorstellung, die Menschheit ließe sich in verschiedene Rassen einteilen. Sie setzten jedoch den Begriff der Rasse mit dem des Volkes gleich. Das deutsche Volk erklärten sie zu einem Vertreter der sogenannten arischen Rasse. In der Rassentheorie galt diese als vollkommen: Als Urrasse sei sie allen anderen Rassen überlegen und daher zum Herrschen über diese bestimmt. Der Rassenhygiene entlehnten die Nazis die Idee der sogenannten Rassenpflege. Dahinter steckte die Auffassung, die arische Rasse müsse ihre Reinheit und Qualität erhalten. Nur so könne sich die Menschheit zu Höherem entwickeln. Es war klar, dass die mit dem notwendigen Maß an Menschlichkeit ausgestatteten Pädagogen wie Michels in Scheidingen – diese Charakterisierung gilt übrigens auch allgemein und andernorts – hier im Zugzwang waren. Nach Zeitzeugenaussagen wurde mancher Unfug aus dieser Pseudowissenschaft süffisant im Nebensatz ohne Betonung erwähnt … eben für das vorschriftsmäßige Protokoll. Nicht zwingend eine standfeste Form des passiven Widerstandes, aber dieser Unterrichtsstil von Esser oder Michels war in Scheidingen nicht verpönt. Auch die ikonische Heranführung an die Euthanasie gehört zur schwarzen Pädagogik auf deutschem Boden, denn bei solchen „Arierdiagrammen“ aus den „Arierprogrammen“ wie dem Qualitativen Bevölkerungsabstieg… war die blanc de chaux des homo necans in der nationalsozialistischen Sinfonie nicht mehr zu verniedlichen.

Abbildung 22: Entwicklung der Bevölkerung
Abbildung 23: Das Buch vom Mann

Die Juden stellten für die Nazis den Hauptfeind der arischen Rasse dar. Sie erklärten diese zu einer eigenen Rasse und unterstellten ihr, einen schädlichen Einfluss auf die Qualität der arischen Rasse zu haben. Daher müsse sie vernichtet werden. Für die Nazis galt es zuerst, auch das deutsche Volk von einer angeblichen Bedrohung durch die Juden zu überzeugen. Dazu betrieben sie eine gezielte Propaganda. Diese war von einer radikalen Gegenüberstellung geprägt: Auf der einen Seite stand der Arier. Für die Nazis war er der Prototyp der arischen Rasse und das Idealbild. Sie beschrieben ihn als blond, blauäugig, tatkräftig und treu. Im Standardwerk „Das Buch vom Mann“, verfasst von Dr. Hermann Paull, konnte auch im Schulunterricht das Idealbild des Ariers nachgelesen werden. Als sein bedrohliches Gegenbild entwarfen sie den Juden. Er war nach Ansicht der Nazis all das, was der Arier nicht war: dunkelhaarig, dunkle Augen, faul und hinterlistig. Zahlreiche Propagandaplakate lebten von dem Gedankenkonstrukt „Arier gegen Jude“. Die Nationalsozialisten verteilten unter anderem Faltblätter, auf denen sie zwölf Gebote zur Rassenreinhaltung auflisteten. Eines davon hieß: „Halte das deutsche Blut rein.“ Durch die Gebote sollte die nationalsozialistische Rassenlehre einen religiösen Status erreichen. Auch im Schulunterricht propagierten die Nazis ihr jüdisches Feindbild. In jeder Schule gab es einen sogenannten Rasseatlas. Dieser enthielt 30 großformatige Bildtafeln mit bildlichen Gegenüberstellungen von Ariern und Juden. Darunter standen Sätze wie „Aus diesem Gesicht spricht die Seele der Rasse.“ Am Ende der Schulzeit sollte jeder Schüler glauben, die Juden stellten eine Bedrohung für das deutsche Volk dar. Wie weit die nationalsozialistische Schallplatte die Köpfe der Heranwachsenden zum Musizieren anregte, zeigt ein Schülerbrief an das Hetzpamphlet Der Stürmer:

Abbildung 24: : Zeitschrift der Stürmer

„Lieber Stürmer!

Gauleiter Streicher hat uns so viel von den Juden erzählt, daß wir sie ganz gehörig hassen. Wir haben in der Schule einen Aufsatz geschrieben unter dem Titel: „Die Juden sind unser Unglück“. Ich möchte bitten, meinen Aufsatz in Abdruck zu bringen. Die Juden sind unser Unglück. Leider sagen heute noch viele: „Die Juden sind auch Geschöpfe Gottes. Darum müßt Ihr sie auch achten.“ Wir aber sagen: „Ungeziefer sind auch Tiere, und trotzdem vernichten wir es.“ Der Jude ist ein Mischling. Er hat Erbanlagen von Ariern, Asiaten, Negern und Mongolen. Bei einem Mischling herrscht das Böse vor. Das einzige Gute, das er hat, ist die weiße Farbe. Ein Sprichwort der Bewohner der Südseeinseln lautet: „Der Weiße ist von Gott, und der Schwarze ist von Gott. Der Mischling aber ist vom Teufel.“ Jesus sagte einmal zu ihnen: „Ihr habt zum Vater nicht Gott, sondern den Teufel.“

Die Juden haben ein böses Gesetzbuch. Das ist der Talmud. Auch sehen die Juden in uns das Tier und behandeln uns danach. Geld und Gut nehmen sie uns mit aller List weg. Auch schon am Hofe Karls des Franken regierten Juden. Deshalb wurde das römische Recht eingeführt. Dieses paßte aber nicht für den deutschen Bauern: es war aber auch kein Gesetz für den römischen Ackerbürger, sondern es war ein jüdisches Händlergesetz. Sicherlich sind die Juden auch Schuld an dem Mord Karls des Franken. In Gelsenkirchen hat der Jude Grüneberg Aas an uns verkauft. Das darf er nach seinem Gesetzbuch. Aufstände haben die Juden angezettelt und zum Krieg haben sie gehetzt. Rußland haben sie ins Elend geführt. In Deutschland gaben sie der KPD Geld und bezahlten die Mordbuben. Wir standen am Rande des Grabes. Da kam Adolf Hitler. Jetzt sind die Juden im Auslande und hetzen gegen uns. Aber wir lassen uns nicht beirren und folgen dem Führer. Wir kaufen nichts beim Juden. Jeder Pfennig, den wir Ihnen geben, tötet einen unserer Angehörigen. Heil Hitler!“[1]

Abbildung 25: Horst- Wessel- Lied

Auch die schulischen Traditionen – und so wurde es in Scheidingen umgesetzt – zeigten eine tiefe Verwurzelung mit dem Regime, denn es gab ein besonderes Zeremoniel von 1939 – 1944 zu Ferienbeginn und -ende in den Werler Volksschulen und  bei der Oberschule für Jungen. An diesen Tagen traten Lehrer und Schüler geschlossen auf den Schulhöfen an, um nach einem Dreifachen „Sieg Heil“ das Deutschlandlied und das Horst- Wessel –Lied zu singen. Während der ganzen Zeit musste die rechte Hand zum Gruß gehoben werden. Die Cantate des Horst Wessels hatte sich aber 1945 zum musikalischen Totemrequiem gemausert, so dass nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 der nationalsozialistische Geist aus den Schulen – zumindest offiziell – verbannt wurde.

[1] http://www.gelsenzentrum.de/stuermer.htm

Abbildungsnachweis:

  • Abbildung 1:

Alte Schule in Scheidingen.

  • Abbildung 2:

Zeitungsartikel Versteigerung Küstereigebäude. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 3:

Pachtvertrag. Die Kopie befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 4:

Schulklasse 1925. Das Bild befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 5:

Schulklasse 1927. Das Bild befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 6:

Schulklasse 1929. Die Kopie befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 7:

Hitlerjugend.

http://www.deafkids.de/blogs/wp-content/uploads/2007/01/hj.jpg.

abgerufen am 27.07.2015

  • Abbildung 8:

Bund deutscher Mädel

  • Abbildung 9:

Das neue Schulgesetz.

http://pressechronik1933.dpmu.de/2013/04/27/pressechronik-27-4-1933/, abgerufen am 27.07.2015

  • Abbildung 10:

Erziehung der Jugend.

http://www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de/schule-im-ns-regime-i-hitlerjugend-reichsarbeitsdienst-sa-oder-ss-wehrmacht-adolf-hitler-und-sie-werden-nicht-mehr-frei-ihr-ganzes-leben/, abgerufen am 27.05.2015

  • Abbildung 11:

Sozialisation.

https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/default.aspx?s=386. abgerufen am 06.06.2015

  • Abbildung 12:

Der Giftpilz.

http://dingedeswihttp://nsl-archive.tv/Buecher/Bis-1945/Hiemer,%20Ernst%20-%20Der%20Giftpilz%20(1938,%2057%20S.,%20Fraktur).pdfssens.de/ddw/de/projects/sammlungspanorama/kinderbuecher/giftpilz/, abgerufen am 11 05.2015

  • Abbildung 13:

Der Giftpilz.

http://dingedeswissens.de/ddw/de/projects/sammlungspanorama/kinderbuecher/giftpilz/http://nsl-archive.tv/Buecher/Bis-1945/Hiemer,%20Ernst%20-%20Der%20Giftpilz%20(1938,%2057%20S.,%20Fraktur).pdf, abgerufen am 11.05.2015

  • Abbildung 14:

Zeitungsartikel. Der Zeitungsartikel befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 15:

Lehrer Esser mit Abschlussklasse. Das Bild befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

  • Abbildung 16:

Propagandaplakat

http://www.museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/pages/medien/abb/386/4256_6207.jpg, abgerufen am 09.05.2015

  • Abbildung 17:

Lehrerin Blawath mit einer Schulklasse. Das Bild befindet sich im Privatbesitz von Samantha

  • Abbildung 18:
  • Propagandaplakat für den Eintritt in die Hitlerjugend

https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/bdm-werbeplakat-um-1939.html, abgerufen am 11.05.2

  • Abbildung 19:

Schulsport

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/alltagsleben/schule.html, abgerufen am 27.05.2015.

  • Abbildung 20:

Rassetafel

https://prezi.com/tdockleo6soc/200-000/, abgerufen am 27.05.2015.

  • Abbildung 21:

Lehrer Michels. Das Bild befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe.

 

  • Abbildung 22:

Entwicklung der Bevölkerung

http://www.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/zeitgeschichte/ns/grafeneck/b1.jpg, abgerufen am 27.05.2015.

  • Abbildung 23:

Das Buch vom Mann

https://www.buchfreund.de/Das-Buch-vom-Mann-Medizin-Biologie-Mann-1938-Anatomie-Koerper-Dr-med-Paull-Hermann,68335662-buch, abgerufen am 28.05.2015.

  • Abbildung 264

Zeitschrift der Stürmer

http://www.gelsenzentrum.de/stuermer.htm, abgerufen am 30.05.2015.

  • Abbildung 25:

Horst- Wessel- Lied

http://www.ma-shops.de/futter/item.php5?id=1008, abgerufen am 30.05.2015.