Das Verborgene in der Geithe- Geht der Bach den Bach runter?

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Mein Name ist Samantha Seithe, gebürtige Westfälin, wohnhaft in Scheidingen im Landkreis Soest. Das Projekt für das Fünfte Abiturfach entspringt einem tiefen Interesse für die Ökologie des Straßenwassernetzes in Westfalen. Die Geithe als Zufluss der Ahse ist dabei dem Regionalpatriotismus geschuldet. Die Länge des Untersuchungszeitraumes für dieses Projekt ist mit etwas mehr als einem Jahr dabei als unfreiwillig anzusehen. Ursprünglich mit Vorstellungen zur geschichtlichen Entwicklung bezüglich des Bachbettverlaufes und der Industrialisierung angetreten, nimmt die Thematik schnell eine Schwerpunktverlagerung. Verschiedene Gewässerkennzahlen, Unklarheiten im Bachbegriff, allerlei Aussagen zur Lokalisation der Bachquelle für die Geithe oder Ausreißer in Messreihen für die elektrische Leitfähigkeit und in der Sauerstoffkonzentration bringen in einer Selbstdynamik die Gedankengänge in eine Richtung, die mit einem teils verrohrten Abwasserkanal nicht nur bildlich festgehalten werden können, sondern die Vermutung offenbaren für eine unökologische Einleitung nach System. Mehr Untersuchungen sind nötig, Wasserproben können über das aufkonzentrierte Wasser besser analysiert werden, und Bodenproben gehören in ein zertifiziertes Labor zur fachmännischen Untersuchung. Es sind klassische Zeiträuber, zumal offenbar in dieser Periode auch ein mit Schwermetallen verseuchter Aushub einen unbekannten Transportweg einschlägt. Hinzu kommt eine unproduktive Korrespondenz in Schrift und Wort mit der zuständigen Behörde vor Ort hinsichtlich der Messergebnisse der Wasser- und Bodenproben. Liegen in meinen Beobachtungen (Aushubwegtransport), in den Messergebnissen (Schwermetalle), dem Verhalten von örtlichen Behördenmitarbeitern (Diskreditierung meiner Proben in der Methodik) oder ganz allgemein in der Verwirrung aus der vielfältigen Korrespondenz (Bachbegriff, Bachquelle oder Einlassstellen) die Elemente für systematisches Verschleiern oder Täuschen? Die Frage kann noch nicht beantwortet werden, denn weitere Untersuchungen sind nötig, um die Bandbreite an Messdaten zu vergrößern. Der tatsächliche Ursprung und das wahre Ausmaß an Schwermetallkonzentrationen gehören auf den Tisch der Zuständigen, damit ein – wenn überhaupt gewollt –  möglicher Maßnahmenkatalog nicht wie das Hornberger Schießen ausgeht. Die konstruktive Korrespondenz mit der Bezirksregierung Arnsberg zeigt aber auch die Nichtpauschalität meiner Beobachtung bezüglich der Kontaktaufnahme zu Behörden. Diese Beobachtung gehört ebenfalls zu meinem Fazit mit Halbzeitpausencharakter. Weiteres bleibt abzuwarten.

 

Inhaltsverzeichnis

Einblick in das Projekt    

Los geht es mit den Infos!

  • Geschichtliches zur Orientierung
  • Die Last mit der Zeche

Eindeutige Mehrdeutigkeiten    

  • Unerwartete Erklärungsmodelle
  • Die Bachquelle … Fortsetzung des Unerwarteten

Alles klar mit dem Geithewasser?          

  • Der Untersuchungsmarathon:

Parameter, Versuche und Laborprobe

  • Volle Konzentration den Schwermetallen

Weckrufe im Boden

Die Geithe … nomen non est omen                                                                                       

Die (un-)bekannten Einleitungsstellen     

Behördenreaktionen … Aufstand der Zuständigen                                                                             

  • Der offizielle Tenor
  • Reaktion in der Amtsstube
  • Musterbeispiel einer aussitzenden Kommunikation
  • Ein kommunikativer Leuchtturm

Schluss, aber nicht aus!  

Anhang

  • Quellenverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
    • Abbildungen
    • Bilder
    • Karten
    • Tabellen
    • Datenmaterial zu den Versuchsreihen
    • Fragenkatalog Herr Cigelski,

Umweltamt Hamm

  • E-Mailkontakte

Einblick in das Projekt

Das Kraftwerk im westfälischen Hamm-Uentrop ragt weithin sichtbar in den Hammer und Werler Raum hinein. Dieses Kraftwerk verursachte bereits in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Schlagzeilen der unklaren, vielleicht auch unvollständigen Art, als Unregelmäßigkeiten im Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor (THTR-300) zur Stilllegung führten, und das Kraftwerkgelände blieb seinem ungehörten Ruf nach langfristiger und unaufgeregter Nützlichkeit treu, als ab 2008 für das zukünftige Kohlekraftwerk ständige Bauunterbrechungen  und Mängel u. a. an den Kesselgerüsten die Mehrkosten nach oben trieben und den Fertigstellungstermin in das Irgendwann verlagerten. Ökologische Fragezeichen und nachdenkliche Beobachtungen kamen bei mir auf, denn …

Das am und durch das Kraftwerksgelände entlanglaufende Gewässer namens Geithe lieferte den bildlichen Anreiz zu diesem Projekt. Alte Bodenreliefkarten aus benachbarten Katasterämtern zeigten einen Bachverlauf der Geithe, der so heute nicht mehr existiert. Nun hat dieser Bach – und zu Beginn hatte ich die Verwendung des Begriffes für dieses fließende Gewässer als zu selbstverständlich erachtet – seinen kartographischen Ursprung auf dem vorgenannten Kraftwerksgelände des Kohlekraftwerks am Datteln-Hamm-Kanal im westfälischen Hamm-Uentrop. Einige Spaziergänge am Kraftwerksgelände der RWE Power AG entlang waren schon nötig, aber die Fragen kamen immer mehr zum Vorschein. Der Anblick des Bachwassers am Kraftwerksgelände motivierte mich zur Entnahme von Wasserproben, denn das mit erstem Blick klare Gewässer ließ die sichtbaren Lebewesen irgendwo im Unklaren. Die Kontaktaufnahme zu Behörden bezüglich der scharfen Abgrenzungen von der Geithe und dem Geithebach brachte Kuriositäten hinsichtlich Kenntnisstand und Zuständigkeit hervor. Die offiziellen Einleitungsstellen in dieses stellenweise nur als Rinnsal zu erkennende Bächlein entsprachen offenbar nicht dem typischen Einlassrhythmus von RWE, zumindest nicht den von mir beobachteten Einlässen. Beobachtungen hinsichtlich der Bachausbaggerungen (in einem angeblich mit Gut zertifizierten Bach?) und angrenzenden Bodenabtragungen (durch RWE ausgeführt auf öffentlichem Land außerhalb des Kraftwerksgelände?) führten zur Entnahme von Bodenproben, deren Ergebnisvorlage bei zuständigen Behörden für Ratlos- und Wegschiebefloskeln oder auch an mich gerichtete Unmutsäußerungen verursachten. Hier krächzte und hustete es mächtig im Gebälk des ökologischen Außenpanoramas. Die Spurensuche nach Zusammenhängen und Erkenntnissen war eröffnet.

Los geht es mit den Infos!                                                      

  • Geschichtliches zur Orientierung

Die Geithe, losgelöst von aller noch zu thematisierenden Sprachverwirrung und abseits der obligatorischen Ökologiebetrachtungen zu Flüssen und Bächen, fand als Verbindungsarm von Lippe und Ahse in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts über das Westfalenland hinaus eine nennenswerte Erwähnung im Zusammenhang mit zwei Ereignissen:

  1. 2Alles begann mit den Erschließungsarbeiten zum Kraftwerksbau Westfalen in Hamm-Uentrop seit Mitte 1960. Ein Teilabschnitt der Geithe floss entlang der in diesem Hammer Bezirk liegenden Gemeinde Schmehausen, und dort hatten so einige Fahrzeuge im Rahmen der Erschließungsarbeiten  auf den angrenzenden Bachwiesen so ihre Probleme mit dem festen Untergrund. Die durchaus malerische Landschaft mit vielen Wirtschaftswegen endete in ihrem Erscheinungsbild mit der Ausrufung zum Industriegebiet. Die Wege wurden eingezogen, um die Geithe zu verlegen.
  2. Im Sommer 1961 kam es eben bei diesen Ausschachtungsarbeiten im Bachbett der Geithe zu paläontologischen Funden aus der letzten Eiszeit, und die Geithe war wieder in aller Munde. Die Paläontologen berücksichtigten dabei das Gesteinsmaterial, nicht so sehr die Tiefe der Funde und erhielten eiszeitliche Auskünfte. In den für die Eiszeit typischen tonigen Sandablagerungen lagen Überreste von eiszeitlichen Großsäugetieren. Skelettreste vom Mammut und Wollnashorn wurden offenbar zusammengeschwemmt. Dieser alte Flussarm der Lippe ― wir nennen ihn einfach die Geithe ―  lässt sich in seinem Verlauf anhand der aufgeschlossenen Sandablagerungen sehr gut nachvollziehen.[1] Über das elektronische wasserwirtschaftliche Verbundsystem Nordrhein-Westfalen (ELWAS) erhielt ich aus der zugehörigen geologischen Karte Zugang zu 3einem für die Geitheumgebung verwendeten Bodenkürzel namens SG 54.[2] Da dieses Kürzel nicht in der Legende erklärt wurde, kontaktierte ich ELWAS, die mich daraufhin an den Geologischen Dienst NRW weiterleiteten. Dort erhielt ich die Auskunft von Herrn Dr. Miara, dass es sich um den Bodentyp Gley/ Pseudogley mit hohem Sandgehalt und einer Mächtigkeit 4 von 10-20 dm handelt[3]. Gleye sind Grundwasser beeinflusste Böden und gerade im Zusammenhang mit hohem Sandgehalt typisch für ein ehemaliges Fluss- oder Bachbett.

Der weitere Verlauf ist schnell beschrieben. Der Bach passiert die Ortschaft Geithe und den Maximilian-Park, einen Eventpark der Stadt Hamm. Der 4Hammer Stadtteil Braam – Ostwennemar gehört ebenfalls zu den Durchfluss- und Angrenzungsgebieten der Geithe. In der Nähe des Burghügels Mark,  wobei die Gräfte des Burghügels vom Geithewasser gespeist wird, erfolgt dann der Einlass in die Ahse. Interessant in der Erwähnung wäre noch der Hochwasserschutz: Die Ahse, etwas  niedriger gelegen als der Geithezufluss, erhält durch einen Schieber die Möglichkeit des Nichtabflusses im Hochwasserfall, da sonst im Volumen beträchtliches Rückflusswasser die Geithe in ihrer Aufnahmefähigkeit überlasten würde. Der Bach selbst verfügt ja ebenfalls über eine beträchtliche Anzahl an kleinen Zuflüssen, am Erlenbach nur exemplarisch veranschaulicht. In Hochwassersituationen würde sich dann notgedrungen das Hammer Stadtgebiet zum Rückflussbecken erklären. Ein Pump- und Schöpfwerk, wenige Meter südlich der Einflussstelle in die Ahse gelegen auf einem Deichbau, kann im Notfall über Schneckenpumpen das Geithewasser in die Ahse heben. Diese Konstruktion geht auf ein Jahrhunderthochwasser der Stadt Hamm im November 1890 zurück, als eben jenes Rückflusswasser durch fehlenden Flutschutz eine Hochwasserkatastrophe verursachte. Dieser Vorfall wurde zu einer Initialzündung für eine dann doch langjährige Beschäftigung der Verantwortlichen vor Ort. Erst 1907 kam es auf Anregung des Stadtbaurates Otto Krafft zu offiziellen Gedankenspielen bezüglich 5der Ahseverlegung. Es kam sogar zu einer Denkschrift im Rahmen des Bauprojektes für den Lippe-Seitenkanal. Der Stadtbaurat wusste mit seinen Argumenten zu überzeugen, denn die Beseitigung der Hochwassergefahr im allgemeinen, eine Schutzmaßnahme gegen die die  Altstadt umgebenden Wasserläufe oder die finanziell merklichen Ausgaben für einen Promenadenbau ließen auch den damaligen Hammer Oberbürgermeister Richard Matthaei an der Sinnhaftigkeit einer Hochwasserschutzeinrichtung nicht zweifeln. Der 24. Juli 1913 war dann der Tag der Einweihungsfeier der Ahse-Umleitung. Hier griff dann Matthaei in seiner Festrede die Argumente des Stadtbaurates noch einmal auf.[4]

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Im Rahmen dieser Baumaßnahme wurde auch die Geithe verlegt, heute fließt sie bei dem Burghügel Mark in den neuen Lauf der Ahse.

  • Die Last mit der Zeche

Das soll es nicht gewesen sein! Leider zog dieses Rinnsal namens Geithe u. a. die Verschmutzung in seinen Bann. Zu verführerisch war dieser Zufluss der Lippe 7positioniert für den Zechenwasserabfluss der um 1900 im Hammer Stadtteil Braam ansässigen Maxhütte aus dem oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg.[5] Der Kohlenzeche Maximilian mit ihrer ökologiefeindlichen Abteufung schrieb man folgende Mentalität zu:

Allerdings erscheint es ohne näher auf alle Folgen einzugehen, für die Zechenverwaltung äusserst bequem, den Wasserausguss in den nächsten, einige Meter abliegenden Privatgraben und dann ohne weitere Fürsorge der Geithe zu übergeben, welche sich nicht viel über den Charakter eines gewöhnlichen Grabens erhebt.[6]

Dass das mit dem schwierigen Umweltschutz – sicher bedingt durch die abfällige Charakterisierung der Geithe von Seiten der Zechenleitung und gepaart mit Bequemlichkeit –  keine Mutmaßung des damaligen Auftraggebers[7] war, zeigen folgende vorgezeichnete Passagen aus dem Gutachten von 1904 auch in ihrer Tragweite deutlich:

8Das Abwasser der Zeche Maximilian enthält aber, wie aus der obigen Analyse hervorgeht, das rund 40 fache dieser für die Vegetation schädlichen Menge an Kochsalz. […] Das vorliegende Abwasser von Zeche Maximilian enthält demnach etwa das Zehnfache des für Tränkzwecke zulässigen Salzgehaltes des Wassers. […] Die vereinigten Wässer I und II, welche am Südrande der unmittelbar westlich der Zechengrundstücke gelegenen ersten Loeb´schen Grundstücke vorbeifliessen, haben noch so einen hohen Gehalt an Chloriden (…), dass sie sowohl für den Boden und die Vegetation als auch für die Viehtränke schädliche Eigenschaften besitzen.“[8]

Das Grubenwasser mit der hohen Salzkonzentration gelang in die Geithe, und damit war ein chloridhaltiger Weg in die Ahse gesetzt, und weiterführend erfolgte damit der Fluss des schadstoffbelasteten Wassers in die Lippe. Dass das einst fischreiche Geithewasser[9] Spiegelbild der Verzechung einer ehemals unberührten Naturlandschaft war, zeigte sich auch in den etwas faden Zechensiedlungen im Hammer Stadtteil Werries. Es waren die typischen Schattenseiten einer ökologiefernen Urbanisierung, und das Ausmaß dieser Verschmutzung fand in der Fachliteratur ausgiebig Erwähnung.[10] Die Schadstoffbelastung der Geithe war nach heutigem Kenntnisstand ausschließlich auf die Zechenwirtschaft zurückzuführen. Nach Einstellung bergbaulicher Aktivitäten am Ende des Wilhelminischen Kaiserreiches erfolgte eine Erholung des Baches. Schmehausener Einwohner berichteten in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts von einer sauberen Geithe.[11] Die Verschmutzung blieb nicht verborgen. Ob die Belastung nun aus ökologischen Erwägungen heraus ein jähes Ende fand oder ökonomische Gesichtspunkte auf Seiten der Maxhütte zur betriebswirtschaftlichen Vernunft führten, sei dahingestellt. Die Informationspolitik funktionierte unabhängig vom politischen Klima.

Ursprünglich waren bei meinen Recherchen historische Exkursionen zur Geithe veranschlagt, insbesondere hinsichtlich  des Grenzverlaufes zwischen den benachbarten Grafschaften in der frühen Neuzeit und zur Sprachgeschichte dieses ursprünglichen Überlaufes der Lippe. Ich blieb in den Ansätzen hängen, denn schon zu Beginn meiner Überlegungen schien bei diesem Projekt nicht die Historie zu alten Bachverläufen von Belang zu sein, sondern die Geschichten über den aktuellen Bachverlauf. Und bereits bei meinen ersten Recherchen bezüglich des Bachverlaufes stieß ich auf Ungereimtheiten. Die Frage nach dem Verborgenen oder dem Widersprüchlichen beließ mich in der Zeitgeschichte. Dazu gibt es aber mehr im nächsten Kapitel!

Eindeutige Mehrdeutigkeiten

  • Unerwartete Erklärungsmodelle

Der Plan war fast gut durchdacht. Vergleichende Analysen geodätischer und historischer Karten des Einzugsgebietes der Ahse, der Geithe und der Lippe sollten einen Zeitleistenquerschnitt der zur Verfügung stehenden Quellen auf das Blatt Papier bringen. Ich will ehrlich sein. Ein glücklicher Umstand führte nach 9kurzer Literaturrecherche in Katasterämtern zu der Einsicht, dass dieses Projekt mit diesem Schwerpunkt unverhältnismäßiger Natur wäre mit retardierendem Charakter bezüglich der vorab erwähnten Informationen. Zumindest für die Lippe hätte es aus Gründen der Vollständigkeit einen Exkurs bis in die Antike zum Kartographen Claudius Ptolemäus gegeben.[12]

Verlockend, wissenschaftsgeschichtlich, aber leider kein Platzhirsch für das Thema! Zunächst ging es natürlich über den klassischen Weg der Literaturrecherche. Einen Zugang zum Lipperaum erhoffte ich über mentalitätsgeschichtliche Betrachtungen in entsprechenden Dissertationen zu finden oder beim Stöbern durch westfälische Historikerinstitutionen wie Johann Dietrich von Steinen.[13] Nach Einblick in das entsprechende alte Kartenmaterial[14] zum Bachverlauf der Geithe motiviert, war mein ursprünglicher Gedanke anschließend eine vergleichende Analyse zu initiieren über die Einsichtnahme der bei TIM-Online hinterlegten Karten.[15] Ich stellte ein Zuordnungsproblem fest. Bezogen sich die dort geführten Bezeichnungen „Geithe-Bach“ und „Geithe“ nun als Synonym auf den vollständigen Nebenarm der Lippe oder standen sie für separate Zuflüsse in Ahse und Lippe? Guter Rat war Recherche! Die Gewässerkennzahlen – ein Nummerierungssystem für Fließgewässer und deren Einzugsgebiete – waren nicht identisch. Die „Geithe“ als westlicher Zufluss in die Ahse mit Gewässerkennzahl 27868 und der „Geithe-Bach“ als östlicher Zufluss in die Lippe mit Gewässerkennzahl 2785916 konnten also als eigenständige Zuflüsse interpretiert werden – von möglichen Flüchtigkeitsfehlern oder Falschbezeichnungen bei der Gewässerkennzeichnung einmal abgesehen.[16] Geschichtlich gäbe es für diesen Widerspruch durchaus ein Erklärungsmodell, nach dem das ehemalige Kernkraftwerk – wie dann auch geschehen – direkt auf einen Geitheabschnitt errichtet worden wäre, und die abgetrennten Bereiche sich namentlich verselbständigten. Nicht alltäglich, aber auch nicht ungewöhnlich in der Akzeptanz! Auf verschiedenen Internetportalen des Landes Nordrhein-Westfalen war zumindest die Trennung ersichtlich.[17] Über HammWiki, einem Infoportal für und über die Stadt Hamm, war ebenfalls eine Trennung in verschiedene Abschnitte herauszulesen, vielmehr kam mit dem „Geithe-Bach“ als Zufluss in die Lippe und dem „Geithebach“ als Zufluss in die Ahse eine Verwirrung (oder Verwechslung?) hinzu. Gehörte der „Geithebach“ nun nach HammWiki zum Zufluss der Ahse[18], floss der „Geithe-Bach“ mit Gewässerkennzahl 2785916 in die Lippe oder war alles einfach nur Geithe?

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Jetzt musste der Kontakt zu den Behörden aufgenommen werden, um das Verborgene in der Verwirrung identifizieren zu können.

  • (Erklärungsmodell 1) Der Mitarbeiter des zuständigen Umweltamtes Hamm 14Herr Dr. Schmidt – Formann gab Mitte Juni 2015 bei einem Gesprächstermin in der Behörde an, die Geithe sei ein Überlauf der Lippe gewesen, und nach dem Bau des Kernkraftwerkes auf einem Teil der Geithe fließe nun der linke Teil in die Ahse, der rechte Abschnitt in die Lippe. Der Artikel auf der Infoplattform HammWiki sei falsch, einen Geithe-Bach gebe es nicht, es sei der Name für die Geithe.
  • (Erklärungsmodell 2) Da der Geithe-Bach offenbar eine Grenzmarke bildet zwischen den Landkreisen Hamm und Soest, gab es meinerseits im Juli 2015 eine Kontaktaufnahme in die Kreisverwaltung Soest/Wasserwirtschaft.[19] Die Mitarbeiterin Frau Kuehlmann sagte, die Geithe oder der Geithebach bilde nicht die Grenze zwischen Hamm und Soest, fließe auch nicht in die Lippe, sondern in die Ahse, und die Ahse fließe in Hamm in die Lippe.

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Die Geithe mit dem Bindestrich war hier offenbar nicht bekannt. Herr Dr. Schmidt-Formann von der Stadt Hamm könne bezüglich der Gewässerunterhaltung weiter helfen. Eine Auskunft von Herrn Dr. Schmidt-Formann erhielt ich ja bereits, aber das mit der vollständigen und eindeutigen Zuordnung…

  • (Erklärungsmodell 3) Ich brauchte Zusatzinformationen. Die Semantik war gefragt. Ich kontaktierte den Germanisten Herrn Professor Albrecht Greule im Juli 2015, Autor des Deutschen Gewässernamenbuches.[20] Er meint, bei der Geithe handele es sich seit jeher um einen einstämmigen Namen, ein Kompositum mit Bach sei sprachlich überflüssig, aber bei Kartographen zur besseren Verständlichkeit gebräuchlich (verdeutlichendes Kompositum). Die Geithe war nun sprachstilistisch auch als Geithe-Bach zu verkaufen. Was denn nun? Verwendeten Kartographen Namen, die die Behörden nie verwendeten oder gar kannten?
  • (Erklärungsmodell 4) Ich musste zu den Gewässerkennzahlen. Das war zunächst eine handfeste Datierung, die Halt gab. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) erklärte, dass ein Fließgewässer eine eindeutige Gewässerkennzahl habe und ein Fließgewässer nicht verschiedene Gewässerkennzahlen habe. Wie hieß es doch des Weiteren klar auf meine Anfrage bezüglich des „Geithe-Baches“:[21]

elwas-gs@lanuv.nrw.de

Sehr geehrte Frau Seithe.

Gemäß Gewässerstationierungskarte und ATKIS-Daten (BASIS-DLM) der Landesvermessungsverwaltung heißt das Gewässer „Geithe-Bach“. Der Verlauf des Gewässers kann ELWAS-WEB (s.u.) entnommen werden. Der „Geithe-Bach“ hat die Gewässerkennzahl 2785916.

Sie können sich den Geithe-Bach in ELWAS-WEB anzeigen lassen, indem Sie in der Karte oben in der Suchleiste die Suche auf „Gewässer“ umstellen (über einen Klick auf das rot markierte Symbol und Eingabe des Gewässernamens oder der Gewässerkennzahl.).

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Maria Carambia

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  • (Erklärungsmodell 5) Es war eine Verwirrung, und die Informationen auf den jeweiligen Internetportalen des Umweltministeriums in Nordrhein-Westfalen (TIM-Online, ELWAS Web, Geo-Portal NRW) waren widersprüchlich, denn der nach Behördenauskunft nichtexistierende Geithe-Bach war dort verzeichnet, jedoch als Geithe oder im Kompositum Geithe-Bach. Eine Kritik wollte ich nicht ansetzen, denn das Verborgene in dieser Angelegenheit war so nicht zu qualifizieren (in fachwissenschaftlicher und psychologischer Deutung).
  • Die Bachquelle … Fortsetzung des Unerwarteten

Vielleicht war die Bachquelle ein Indiz für die Verwirrung, aber schon richtete sich der Blick im automatischen Modus wieder auf die Behördenauskunft vor Ort. Warum?

  • (anvisierter Bachursprung 1)

20Nach Auskunft des Umweltamtes in Hamm war die Bachquelle unter dem alten Kernkraftwerk anzusiedeln, aus Sicht der Behörden auch als kartographische Quelle zu interpretieren. Nun gut.

 

  • (anvisierter Bachursprung 2)

21Die auskunftsfähigen Karten, die auf den jeweiligen Internetportalen abzurufen sind, geben als Bachquelle eine Markierung vor dem Klärschlammbecken auf dem RWE-Gelände an. Auch gut, zumindest kann ich mich nach den vorangegangen Informationen schon auf dem RWE-Gelände aufhalten zur Bachquellenverortung. Der Verortungskreis hatte aber noch nicht seinen endgültigen Durchmesser erreicht!

  • (anvisierter Bachursprung 3)

22Herr Cigelski, Leiter der unteren Wasserbehörde des Umweltamtes Hamm, gab an, dass die Quelle der Geithe hinter dem Düker[22] sei, und die Quelle speise sich aus dem Wasser des benachbarten Waldes, und sowieso seien dort mehrere Quellen. Die Aussage tätigte der Mitarbeiter der Behörde in Anwesenheit meines Betreuers Heinz Kiko. Zumindest war ich nicht die einzige Person, die verunsichert war durch die Überfrachtung                                                                                                    der Meinungsbilder.

  • (anvisierter Bachursprung 4) Die nachfolgende Email irritierte mich auf Anfrage nach einer Besichtigung der Bachquelle:
guido.steffen@rwe.com

Hallo  Frau Seithe,
die Geithe entspringt nicht auf dem Standort (siehe weiter unten). Ein Foto der Quelle kann somit im öffentlichen Verkehrsraum ohne Betreten des Standortes bzw. ein Foto vom Standort gemacht werden. Die Geithe „entspringt“ (oder besser: entsteht) an der Grenze der Stadt Hamm zum Kreis Soest, ungefähr an der Straßenkreuzung Lippestraße / Vellinghauser Straße. Die „Quelle“ ist die Feldentwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Von hier aus fließt der Bach zum Umspannwerk und dann zum KWE.
Der Bach verläuft in Rohren unter dem Kraftwerk und fließt an der Westgrenze (Schmehauser Feld) des KWE wieder in ein offenen Bachlauf.
Gutes  Gelingen, schönes Wochenende und
Mit freundlichen Grüßen, vriendelijke groeten and kind regards
Guido Steffen
RWE Power AG

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Guter Rat waren nun die Überlegung und die Abwägung! Wo – falls überhaupt existent – war die Quelle eines Baches, der offenbar in Abhängigkeit vom Bachabschnitt und  vom Informationsmaterial verschiedenen Bezeichnungen zugeführt werden konnte? Das war ein Verwirrspiel. Zur Absicherung fragte ich beim Geologischen Dienst NRW nach, und die dort getätigten Informationsauskünfte stimmten mit denen des RWE-Mitarbeiters Guido Steffen überein. Die nachfolgende Emailkorrespondenz spiegelt wenigstens auf diesem Gebiet die Orientierung in der Informationsfülle wider:

Von: Stefan.Miara@gd.nrw.de
An: 
samanthaseithe@gmx.de
Cc: 
Ludger.Krahn@gd.nrw.de
Betreff: WG: Anfrage zur Bearbeitung Geithe – Geithe – Bach

Sehr geehrte Frau Seithe,

anbei die Antwortmail auf ihre drei Fragen[23] aus der angehängten Datei;  mein Kollege Hr. Schuster aus der Hydrolgeologie unseres Hauses war so freundlich sie noch vor Weihnachten zu bearbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan Miara

Geologischer Dienst NRW

Bodenkundliche Beratung

Dr. Krahn zgK

Hallo Stefan,

nach hygrisC ist der Ursprung  der Geithe dort, wo Herr Steffen von RWE es beschrieben hat: östlich vom Kraftwerk, ungefähr da, wo die Stadtgrenze Hamm die Lippestraße quert. Legt man die Bodenkarte über die Topografie, erkennt man anhand des Verlaufs des schmalen Pseudogley-Gley-Bereichs den ursprünglichen Verlauf der postglazialen Abflussrinne durch den Bereich, wo heute das Kraftwerk steht. 

Der Geithebach strömt nahe des Ursprunges der Geithe vorbei entlang der Vellinghauser Straße nach Osten/Nordosten zur Lippe.

Zu den Fragen:

  • Zuständig für die Gewässer ist das LANUV NRW, die Darstellungen erfolgen durch Geobasis NRW (früher Landesvermessungsamt).
  • Die Gewässer werden kontrolliert.
  • Wie die Frage gemeint ist, verstehe ich nicht.

Beste Grüße,

Hannsjörg

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Die Ortsbesichtigung war nun unumgänglich. Beschreibung und Auskunft entsprachen den Verhältnissen vor Ort.

26Es gibt eine Verrohrung des Baches auf dem Kraftwerksgelände, und das Rohr ist auch weithin sichtbar am Klärschlammbecken im oberbodigen Verlauf. Ergänzend füge ich noch hinzu, dass ein augenscheinliches Gefälle zum Kraftwerk mit bloßem Auge zu erkennen war, und ein Plastikrohr – aus 27Süden kommend – gehörte mit zum Quellinventar „Feldentwässerung“. Ursprung und weiterer Verlauf dieses Rohres konnte ich nicht ermitteln, die geringen Wassermengen aus dem Rohr schienen von klarer Natur zu sein, und eine stegreifmäßige pH-Wertermittlung mit dem pH-Indikator Bromthymolblau ergab einen neutralen bis schwach alkalischen Bereich (grün-bläuliche Färbung), also alles im ökologischen Bereich bei den Härtegraden des Wassers. Wenige Tage später wiederholte ich diesen Test, aber es ergab sich bei gleicher Farbskalierung kein Indiz auf Nachuntersuchungen. Allerdings konnte ich den Wasserweg dieser minimalen Wassermengen nicht zurückverfolgen.

Was hier in wenigen Zeilen dargestellt wurde, verursachte bei mir und meinem Betreuer Klimmzüge der ausdauernden Art, und die Erkenntnis war trotzdem nur überschaubar. Diese Mammutaufgabe (Bachname, Bachquelle) gehörte sich eigentlich nicht bei diesem bürokratischen Viel auf deutschem Boden…oder gerade deswegen?  Klar war allemal das wenig aussagekräftige, aber ökologisch korrekte Ergebnis meiner pH-Wertmessungen und, dass der Geithe-Bach ein gewässerkennzahlwürdiges Fließgewässer darstellte mit der Kennung 2785916, losgelöst vom Fließgewässer namens Geithe. Zumindest die Gewässerkennzahl blieb nicht verborgen. Punkt!

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Alles klar mit dem Geithewasser?

  • Der Untersuchungsmarathon: Parameter, Versuche und Laborproben

Nach diesem Hin und Her musste ich Wasserproben nehmen. Während meiner Recherchen war die Frage nach dem Verlauf der Geithe noch völlig offen. Ich hatte ohnehin vorgehabt, mit Versuchen Aussagen über den ökologischen Zustand der Geithe zu treffen. Mir kam sofort in den Sinn, dass über die Inhaltsstoffe ein Zugang möglich wäre zur Herkunftsbestimmung des Wassers. Klar war, dass es dann über die Organoleptik[24] ging, also die Beschreibung über die direkt wahrnehmbaren Eigenschaften. Die Messung der physikalischen und chemischen Parameter – zumindest die für den Untersuchungsgegenstand nach meinem Dafürhalten wichtigsten projektbezogenen Bausteine – schloss sich dem nahtlos an.

Wie bereits erwähnt, der Geruch oder  die Farbe waren ein Ansatz. Das Geithewasser hatte – übrigens im gesamten abgelaufenen Bachverlauf –  dem ersten Eindruck nach einen leicht modrigen Geruch, jedoch weitgehend ungetrübt und im laminaren Fluss, also frei von jeglichen sichtbaren Verwirbelungen. An einzelnen Abschnitten meiner Wegstrecke wühlte ich den Bachuntergrund auf, und der für faulige Eier typische Geruch von Schwefelwasserstoffen verursachte eine irritierende Situation der für diesen Umstand verantwortlichen Sinnesorgane. Übrigens kamen mit dem Aufwühlen auch aufsteigende, aus dem Bachbettsediment entsprungene Blasen zu Tage.

28Das PCE-PHD 1 Messgerät[25] gehörte nun in meinen Blickfang. Messreihen zur Temperatur, Leitfähigkeit, Salzgehalt sowie pH-Wert und Sauerstoffkonzentration wurden anvisiert.  Die Parameter waren nicht willkürlich gewählt. Folgende Überlegungen führten zu einem Auswahlsortiment physikalisch-chemischer Parameter, von dem ich mir unverborgene Datensammlungen und zielführende Analysen versprach:

  • (erster Parameter Die Temperatur muss dabei sein. Dieser Messparameterbeeinflusst verschiedene physikalische, aber auch chemische und biochemische Vorgänge im Fließgewässer erheblich. Vor allem hat sie Einfluss auf die Geschwindigkeit der Umsetzungen. So nehmen Abbauvorgänge im Gewässer mit steigender Temperatur exponentiell zu. Es erfolgt dann eine Verdopplung bis Vervierfachung bei einer Temperatursteigerung von 10° C, bekannt auch als van-’t-Hoff’sche Regel[26]. Da der Großteil der Fauna im Fließgewässer wechselwarmer Natur ist, ist er in hohem Maße von der Temperatur abhängig. Da die Stoffwechselvorgänge der Organismen bei höherer Temperatur sehr beschleunigt werden, verbrauchen die Lebewesen dementsprechend viel Sauerstoff, was zu ausgeprägter Sauerstoffzehrung führen kann. Daher ist zwingend der Sauerstoffparameter im Parametersortiment enthalten und erfährt in den nachfolgenden Zeilen eine Beachtung. Für eine Temperaturerhöhung können Faktoren wie Stoffeinträge, mangelnder Lichtschutz durch fehlende Ufervegetation und eine verringerte Fließgeschwindigkeit durch Staumaßnahmen die Ursache sein. Aber nicht zu viel der Spekulation!
  • (zweiter ParameterDie elektrolytische Leitfähigkeitwird von der Menge der gelösten Ionen im Wasser bestimmt, ist somit als Indikator für den Gesamt-Salzgehalt zu interpretieren. Dieser Parameter lässt allerdings keinen Rückschluss zu auf die Art der Ionen. Die Geologie oder die Beschaffenheit der angrenzenden Böden können deterministische Größen sein für den natürlichen Salzgehalt des Wassers. Darüber hinaus sind häusliche und industrielle Salzbelastungen der Gewässer oder Einschwemmungen von Streusalz möglich. Optimale Werte liegen bei 100 bis 300 Mikro-Siemens pro Zentimeter [mS/cm], wobei in Kalkbächen allerdings naturgemäß schon 900 mS/cm erreicht werden können. Gerade in der Region um Hamm sind erhöhte Chlorid-Konzentrationen in Quellen und dem existierenden Bachnetz – schon durch die Geologie bedingt – nicht abwegig. Streusalzkultur und Industrieabwässer verstärken noch die Chlorid-Belastung. Dass das zur Förderung von im Salzwasser lebenden Tieren im Binnenland beiträgt, ist jedoch dem parodierenden Ökologieverständnis zuzuordnen.
  • (dritter ParameterDas Maß für die Konzentration an Wasserstoff-Ionen (H+) ist der pH-Wert. Bei einem pH-Wert von 7.0 herrscht ein Gleichgewichtszustand zwischen Wasserstoff- und Hydroxidionen, und das Wasser reagiert neutral. Wird Säure im Wasser gelöst, überwiegen die H+-Ionen und der pH-Wert sinkt unter 7.0. Dabei zeigt eine Reduktion um 1.0 eine Verzehnfachung der H+-Konzentration an (negativer dekadischer Logarithmus). Wenn Basen im Wasser gelöst werden, steigen die Werte über den pH-Wert 7.0 auf der Skala. Die Skala umfasst dabei 14 Einheiten.

Naturgemäß bewegt sich der pH-Wert im Gewässer meist zwischen 6.5 und 8.0, allerdings sind einige Gewässer schon von Natur aus sauer (Moorbäche) oder basisch (bei kalkhaltigem Untergrund). Erhöhte pH-Werte können infolge von Eutrophierung auftreten; Versauerung durch sauren Regen als Effekt von Luftverschmutzungen. Als kritisch können pH-Werte unter 5,0 oder über 9 gelten. Neben Extremwerten können starke Schwankungen des pH-Wertes als gefährlich angesehen werden. Der pH-Wert beeinflusst die Löslichkeit und die Beständigkeit der verschiedenen Stoffe und die Lebensfähigkeit der Wasserorganismen. Niedrige pH-Werte können beispielsweise dazu führen, dass sich die kalkhaltigen Schalen von Muscheln, Schnecken und Krebstieren auflösen. Eine große Rolle spielt er zum Beispiel für das Verhältnis zwischen Ammonium und Ammoniak, wie im Folgenden deutlich werden wird.

  • (vierter ParameterDer Sauerstoff gelangt durch Diffusion in das Wasser, wird bei der Photosynthese der Wasserpflanzen frei und durch die Atmung der Konsumenten und den Abbau von organischem Material durch die Destruenten verbraucht. Wie aus den vorherigen Erläuterungen ersichtlich wurde, kann es durch anthropogene Einflüsse zu einer verstärkten Konzentration an organischem Material im Gewässer und im Folgenden zu einer Zunahme an Sauerstoff zehrenden Prozessen kommen. Bei Gewässeruntersuchungen wird neben der Sauerstoffkonzentration in mg/l häufig die Sauerstoffsättigung(in Prozent) angegeben. Diese berechnet sich prozentual aus dem Verhältnis des tatsächlich gemessenen Sauerstoffwertes zur theoretisch möglichen maximalen Konzentration gelösten Sauerstoffs bei der jeweiligen Wassertemperatur. Zum Beispiel wäre Wasser mit einer Temperatur von 8° C bei einem Gehalt von 11.5 mg/l mit Sauerstoff gesättigt. Werden 8 mg/l gemessen, so entspricht das einer Sättigung von ca. 70%.
  • (fünfter Parameter) Die Fließgeschwindigkeit und der Wasserpegel sind klare Kriterien für eine organoleptische Prüfung. Die Sauerstoffkonzentration, die Durchmischung und die Bachbettoberflächenstruktur eines Gewässers können durch diese Elemente der Organoleptik zumindest in die Erklärungsunterstützung gelangen. In einem dafür zuständigen Datenmaterial sind statistische Ausreißer besser zu interpretieren, indem keine Überinterpretation erfolgt.

Die untenstehende Tabelle enthält einen Datensatz zu den obligatorischen Physikparametern der Geithe. Die Entnahmestelle – von mir als „Brücke“ bezeichnet und über die GPS-Koordinaten 51.681767, 7.961834 erreichbar – zeigte in ihren Wasserproben weitgehende Normalität in den Konzentrationen. Lediglich die Leitfähigkeit besaß eine Auffälligkeit, denn trotz des konstanten Salzgehaltes gab es eine merkliche Spannweite zwischen 0,648mS/cm und 1,387mS/cm in der Leitfähigkeit.

Es war merkwürdig. Ich würde den chemischen Inhaltsstoffen später noch einmal genauer nachgehen. Die Messwerte zum Salzgehalt befriedigten mich nicht, denn schon die geringe Genauigkeit ließen meiner Vermutung großen Raum zur Nichtbenutzbarkeit der Daten zur Salz-Konzentration. Die recht hohe Wassertemperatur ließ sich aufgrund des warmen Märzwetters erklären.

Geithe Brücke pH Wert Sauerstoff (mg/l) Salz (%) Leitfähigkeit (mS/cm) Temperatur (°C) Wasserstand
08/3    20.30 7,90 7,7 0,05 1,038 13,1 0,30 m
14/3    20.00 8,15 4,8 0,06 0,648 14,0 0,28 m
15/3     19.30 8,12 4,5 0,06 1,387 14,1 0,25 m
16/3    19.30 8,15 3,0 0,06 1,400 13,7 0,27 m

Ich gab mich nicht zufrieden. Der Ort und der überschaubare Zeitraum repräsentierten nicht den aussagekräftigsten Rahmen für belastbare und tragfähige Studien. Eine schon zeitlich und statistisch angenehmere Datenreihe kam durch eine Sechs-Wochen-Untersuchung zum Vorschein.[27] Die nachfolgenden Diagramme veranschaulichen die Auswertungsergebnisse.

30

29

Die Wasser- und Lufttemperatur wurden täglich gegen 19 Uhr gemessen. Im Durchschnitt lagen die Lufttemperaturen an der Geithe in diesem Sechs-Wochen-Zeitraum (Mai bis Juni) bei ca. 18 Grad Celsius. Der Tageszeitpunkt der Messung war dabei ursächlich für die Lufttemperaturen. Anfang Juni gab es eine Phase mit heißem Sommerwetter, und Anfang Juli lagen die Lufttemperaturen bei knapp über 20 Grad Celsius. Der Lufttemperatur nachgelagert war die Entwicklung der Wassertemperatur, und aus diesen ging ein Mittelwert hervor zwischen den Temperaturen am Tag und den kühleren, nicht gemessenen Werten bei Nacht. Intensive Sonneneinstrahlung, geringe Beschattung und die dunklen Bachbettsedimente lassen die vergleichsweise hohen Wassertemperaturen erklären.

31Wie stand es nun um den Niederschlag? Im frühsommerlichen Untersuchungszeitraum gab es grundsätzlich einen geringen Niederschlag, der 4 mm pro Tag nicht überschritt. Allerdings traten Ausreißer auf, die mit bis zu 15 mm pro Tag über starke Regenfälle in das Messprotokoll schlugen. Hier zeigte sich eine Auffälligkeit, die offenbar mit der Abflussmengensteuerung auf dem Industriegelände der RWE Power AG zu tun hatte. In Trockenphasen und bei den Niederschlagsereignissen blieb der Wasserstand konstant bei um die 2,5 dm. Es gab aber Tagesausreißer; namentlich die Beobachtungen am 22. Juni und am 8. Juli.

Im November 2015 und Dezember 2015 konnte ich bei den Temperaturmessungen im Geitheverlauf eine konstante Temperatur von um die 7,3 Grad Celsius beobachten, wohingegen die Luftdurchschnittstemperaturen bei ca. 11 Grad Celsius lagen.[28]

32Am 10. August erfolgte eine ungewöhnliche Beobachtung am Messpunkt. Es gab 12 mm Niederschlagsmenge innerhalb einer Stunde. 21.38 Uhr war ich vor Ort, und der Wasserstand stieg sich innerhalb weniger Minuten von 4 dm auf 4,7 dm, und kurze Zeit danach konnte ich den 5,7 dm-Wasserpegel messen. Tags darauf kam ich zurück.
Der Pegel war bei 3,2 dm angelangt, und die Ablagerungen an Pflanzen ließen erkennen, dass der maximale Wasserstand in der Nacht 7,9 dm betragen haben musste.

Das Gewitter zeigte mir die Grenzen auf bezüglich der Aktivitäten vor Ort, aber die Fließgeschwindigkeit[29] von 0,27 Metern pro Sekunde konnte ich ermitteln. Das war eine Vervierfachung der Fließgeschwindigkeit von ca. 0,06 m pro Sekunde, die ich bei Niedrigwasser beobachtete. Aus der Multiplikation der Geschwindigkeit in dm/s und dem Wasserstand in dm berechnet, ergab sich bei einer Breite des Bachbettes von 18,8 dm ein Abfluss von circa 24,8 Liter pro Sekunde bzw. 89,3 Kubikmeter pro Stunde bei Normalwasserstand, der bei 2,2 dm lag.

Während des Gewitters stieg die Abflussmenge auf 289 Liter pro Sekunde.

g

Das Diagramm zeigt den Profilschnitt des Messpunkts Geithe „Brücke“ zur Ermittlung des durchschnittlichen Wasserstandes.

Die Wassertemperatur spiegelte – eben durch die Nachlagerung –  mit 21 Grad Celsius noch die Lufttemperaturen der vergangenen Tage wider, während die aktuelle Lufttemperatur des Gewitters nur noch 16 Grad Celsius betrug.

Diagramme:

34

Da der pH-Wert im Mai und Juni zwischen 8,0 und 8,3 schwankte – und diese Werte entsprachen nicht dem bedenkenlosen Status eines Oberflächengewässers – entschied ich mich für weitere chemische Untersuchungen. Die Messungen mussten im Juli 2015 aussetzen, da mein Messgerät defekt war. Der 26. Mai 2015 ragte aus den Messungen heraus. Ein ungewöhnlich hoher pH-Wert von 9,04 ging einher mit einer unterdurchschnittlichen Sauerstoffkonzentration von 3,5 mg/l. Gut möglich wäre, dass an besagtem Tag auf dem Industriegelände Einleitungen vollzogen wurden. Unabhängig davon, der pH-Wert verschob sich im Geithelauf um 0,3 Einheiten zum neutralen Bereich hin, da die Zuflüsse durch andere Bäche einen positiven Abschwächungseffekt verursachten, und die verborgene Verschmutzung der Geithe wurde damit immer fassbarer.

35

Starke Schwankungen in der Sauerstoffkonzentration waren zwischen Mai 2015 bis hinein in den Juni 2015 zu beobachten. Werte zwischen 3,0 mg/l bis 9,0 mg/l standen auf dem Messprotokoll, bis Ende Juli bewegten sich die Messungen dann noch einmal im Intervall (5mg/l; 8mg/l). Ich hatte eine Abnahme der Sauerstoffkonzentration bei erhöhter Wassertemperatur erwartet, aber die Messreihen sprachen ganz offen die umgekehrte Korrelation aus. Ich will es ganz offen aussprechen: Die Einleitungen – offen jedweder Couleur – lassen diese Abweichungen von natürlichen Gesetzmäßigkeiten erklären.

Das Ausmaß der Schwankungen in der Sauerstoffkonzentration war im Geithelauf außerhalb des Oberlaufes deutlich geringerer Natur. Kühles Herbstwetter und gleichmäßigere Bedingungen von Durchmischung, Sauerstoffeintrag oder –zehrung mögen hier von Gewicht gewesen sein.

36

Die elektrische Leitfähigkeit lag im Messzeitraum zwischen 1,0 und 1,2 mS/cm. Eine Verbindung zum Wasserstand oder anderen Parametern konnte ich nicht erkennen. Lediglich nach hohem Niederschlag und entsprechendem Wasserstand sank die Leitfähigkeit durch Verdünnung auf 0,4 mS/cm bzw. auf 0,6 mS/cm. Der 22. Juni 2015 und der 29. Juli 2015 waren da von ausschlagender Art in der Messreihe. Die Spannweite von 0,2 mS/cm lag nach meinem Verständnis an den Industrieabwässern und deren Beeinflussung auf die Gewässerchemie. Aber noch will ich die Vermutungen hinten anstellen. Das Maximum an Leitfähigkeit war mit 1,405 mS/cm während des Gewitters. Diese Anomalie ist eigentlich nur durch ein Einflussmechanismus auf Seiten des Industriegeländes zu klären, denn nur durch die erhöhte Konzentration gelöster Stoffe geht auch die Leitfähigkeit trotz der großen Wassermengenzufuhr in die Höhe. Grundsätzlich gab es aber den Verdünnungseffekt. Entweder verringerte sich die Konzentration der gelösten Substanzen durch die Zuflüsse im Geitheverlauf jenseits des Oberlaufes oder nach Regenfällen sank die Leitfähigkeit durch den Verdünnungseffekt des zugeführten Wassers.

Die Messergebnisse der Salzkonzentration konnte ich nicht in die belastbare Aussagenkultur über die Gewässerchemie einbauen. Konstante Werte von nahezu 0,06 Prozent waren mit der geringen Messgenauigkeit nicht für Schlussfolgerungen geeignet.

  • Volle Konzentration den Schwermetallen

Chemische Schnelltests standen gleichzeitig mit den ersten physikalischen Messungen an, um die in der Geithe befindlichen Stoffe zu ermitteln und in ihrer Konzentration zu bewerten für den ökologischen Haushalt des Baches. Die nachfolgenden Bemerkungen zu den Parametern verdeutlichen noch einmal die Hintergründe der Auswahl:

  • (erster Parameter) Wenn Gewässerverschmutzungen vorliegen, dann sind Ammonium und Ammoniak genau die richtigen Wegweiser. Kann Ammonium noch als ungiftiger Pflanzennährstoff als neutral angesehen werden, ist bei Ammoniak als farbloses, stechend riechendes Giftgas mehr Vorsicht geboten. Interessant bei beiden Indikatoren der Belastung ist der pH-Wert. Das Verhältnis zwischen Ammonium und Ammoniak gilt als ausgeglichen um den pH-Wert 7.0. Erfolgt eine Verschiebung in das basische Milieu, ist eine Freisetzung des Ammoniaks aus den Ammoniumionen zu beobachten. Das Problem in diesem alkalischen Milieu ist die tödliche Konzentration des freien Ammoniaks für jedwedes Leben im Gewässer.
  • (zweiter Parameter) Die an Häufigkeit auffallendste Stickstoffverbindung ist Nitrat. Während der Nitrifikation, also der bakteriellen Oxidation von Ammoniak (NH3) bzw. AmmoniumIonen (NH4+) zu Nitrat (NO3), setzt sich Ammonium innerhalb des Stickstoffkreislaufes zu Nitrit und später zu Nitrat um. Die Nitratbelastungen der Gewässer rühren vornehmlich aus der landwirtschaftlichen Nutzung her, in der Stickstoffverbindungen als Dünger zum Einsatz kommen. Eine vertretbare Belastung liegt bei Nitratwerten zwischen ca. 2,5 und 5,0 Milligramm pro Liter [mg/l] vor.
  • (dritter Parameter) Die Freisetzung von Phosphat ins Gewässer erfolgt meist durch landwirtschaftliche Düngung oder Einleitung von Abwasser. Unter natürlichen Bedingungen gibt es keine ausufernde Phosphatkonzentration. Die Wachstumsfähigkeit von Pflanzen ist daher begrenzt durch den Wachstumsfaktor namens Phosphat. Das Grundproblem des eigentlichen Wachstumsförderers ist ambivalent. Ein Zuviel an Wachstum durch eine Erhöhung des Phosphatgehaltes führt zu einer Eutrophierung der Gewässer. Der Sauerstoffverbrauch wäre überdurchschnittlich, da ein übersteigertes Pflanzenwachstum eine unnötige Sauerstoffzehrung durch die organische Massezersetzung einleitet. Die Verlagerung des Ammonium-Ammoniakverhältnisses zum Ammoniak hin und die Produktion von giftigem Schwefelwasserstoff tritt ein. Ein übles Resultat ist der berüchtigte Faulschlamm. In der Regel findet man ihn in toten Gewässern mit Phosphat-Werten über 2,0 mg/l.
  • (vierter Parameter) Cyanid ist eine im Goldbergbau oder in der chemischen Industrie verwendete Chemikalie. Durch ihre hohe Giftigkeit gelangte sie in die Liste zur Prüfung als prioritäre Substanz gemäß der Wasserrahmenrichtlinie.
  • (fünfter Parameter) Zink gilt – gemessen an den Trinkwasserverordnungen – als wenig verdächtig. Humantoxikologisch ist dieser Stoff nicht von Interesse. Im Tierreich dagegen ist das Ausmaß an Toxizität z. B. vom Härtegrad des Wassers abhängig.
  • (sechster Parameter) Bor ist notwendig, für Menschen, Tiere und Pflanzen. Milch oder einfach nur Wasser können den Tagesbedarf (um 5 mg) decken. Die Toxizität kann bei größeren Konzentrationen aber im Tierreich vorliegen. Insbesondere bei erhöhten Borkonzentrationen über unsachgemäße Entsorgungen von Waschmittelinhaltsstoffen werden Fischbestände bedroht, und Einlagerungen im Fischgewebe bedeuten den Einstieg in die menschliche Nahrungskette.
  • (siebter Parameter) Gerade Bakterien und Protozoen reagieren sensibel auf Nickel, und die biologische Selbstreinigung erfährt dadurch eine Schieflage. Die Kombination aus Nickel und Kobalt erhöht dabei die toxische Wirksamkeit, was diesen Parameter so gefährlich macht. Bekannt ist auch die durch Nickel-Ionen verursachte Verringerung der Fischeierzahlen.
  • (achter Parameter) Eisen in hoher Konzentration ist ein für die Fauna und Flora besiedlungsungünstiges Element. Die Gefahr liegt in der Minimierung (oder gar Aussetzung) der Selbstreinigungskapazität eines Gewässers, da die für die Selbstreinigung verantwortlichen Aufwuchsorganismen an festen Oberflächen durch das abdeckende Eisen in ihrer Wirkung neutralisiert werden.
  • (neunter Parameter) Kupfer besitzt eine Wesensverwandtschaft zum Nickel. Es ist für die Wasserorganismen bereits in geringen Konzentrationen toxisch. Zudem erhöht sich die Toxizität bei sinkendem Härtegrad des Wassers, und es gibt Synergieeffekte in der Toxizität bei Verbindung mit Zink und Cadmium.[30]

Am 8. März 2015 gab ich mir an der bereits erwähnten „Brückenentnahmestelle“ die Anwesenheit und füllte zwei 1,5-Liter-Flaschen mit dem Geithewasser ab. Zügig wurden innerhalb von drei Stunden die Schnelltests angesetzt. Ich entschied mich für die halbquantitativen Test „Quantofix“ der Firma Macherey-Nagel, da mir diese Testversionen in der Vergangenheit bezüglich anderer Projekte positiv in der Anwendung in Erinnerung blieben.

Die ermittelten Konzentrationen von Ammonium (10 mg/L), Arsen (0,01 mg/L), Cyanid (1 mg/L), Gesamteisen (5 mg/L), Kobalt (10 mg/L), Kupfer (10 mg/L) und 37Nickel (10 mg/L) lagen unterhalb der jeweils in Klammern angegebenen Nachweisgrenze, nur Zink wurde mit 2 – mg pro Liter bestimmt. Der Schnelltest Viscolor ECO von derselben Firma wurde für die folgenden Parameter verwendet: Bei Phosphat (0,2 mg/L) und Sulfid (0,1 mg/L) wurden die in den Klammern angegebenen Messwerte nicht erreicht. Bei Nitrat  wurden ungefähr 20 bis 25 mg/L bestimmt und für Sulfat 100 mg/L bestimmt. Da aber bei den Wasserproben immer wieder extreme Schwankungen und hohe Werte bei der Leitfähigkeit aufgefallen waren, erschien mir die geringe Konzentration von Inhaltsstoffen nicht plausibel.38 Zur Kontrolle führte ich am folgenden Tag qualitative Versuche nach einem Praktikumsskript mit aufkonzentriertem Wasser vom gleichen Probennahmepunkt durch.[31] Zuerst wurden 50 Liter Wasser aus der Geithe solange eingekocht, bis 0,5 l übrig blieben. Dabei hat man einen Reduktionsfaktor von 100. Anschließend wurden verschiedene Versuche durchgeführt:

39Zuerst wurden 100 ml des aufkonzentrierten Wassers komplett verdampft und eine Spatelspitze des  Rückstands mit 3 Tropfen verdünnter Schwefelsäure versetzt und erwärmt. Danach wurde ca. 0,5 ml konzentrierte Schwefelsäure hinzugegeben. Es ließ sich starkes Sprudeln und eine leichte Schaumbildung beobachten. Der Geruch war leicht stechend. Gemäß der Tabelle deutet dies auf Carbonate und Halogenide (Fluoride, Chloride, Bromide, Iodide) hin. 

40

(Erster Versuch: Boraxperle)

41Ein Magnesiastäbchen wurde in der rauschenden Flamme eines Gasbrenners erhitzt, bis keine Verfärbung der Flamme mehr zu beobachten war  und anschließend drückte ich es in das Borax (Natriumtetraborat). 42Danach wurde es solange erhitzt bis sich eine glasklare Perle bildete. Diese Perle wurde dann in den pulverisierten Rückstand gedrückt, sodass ein bisschen davon hängen blieb.  Dieses wurde dann wieder für etwa eine Minute erhitzt. Das Stäbchen bzw. die Boraxperle waren im heißen Zustand gelb und im kalten Zustand braun. Die Färbung deutete auf Eisen hin.

(Zweiter Versuch: Bariumclorid)

43Zuerst wurde das Bariumclorid mit destilliertem Wasser in Lösung gegeben. Gleichzeitig wurde die aufkonzentrierte Probenflüssigkeit  mit Salzsäure vermischt. Die Lösung mit dem Bariumclorid gab ich dann zu der aufkonzentrierten Probenflüssigkeit hinzu. In dieser Probe war deutlich ein weißer Niederschlag zu erkennen.

Ein weißer Niederschlag entsteht, wenn sich Sulfat in der Probe befindet. Da Sulfat in großen Mengen untypisch für Oberflächengewässer dieser Region ist – hier gibt es kein gipshaltiges Gestein an der Erdoberfläche –  entschloss ich mich, meine Analysenergebnisse durch Einschicken von Wasserproben an ein professionelles Labor zu überprüfen.

(Dritter Versuch: Cobaltnitrat)

Ich hatte Cobaltnitrat-Pulver in destilliertes Wasser gegeben. Der pulverisierte Rückstand des Geithewassers wurde auf ein Magnesiastäbchen gegeben. Ein paar Tropfen  der Cobaltnitrat – Lösung wurden auf das Stäbchen gegeben, und anschließend wurde das Stäbchen in der rauschenden Flamme eines Gasbrenners geglüht. An der Färbung des Stäbchens konnte ich erkennen, um welche Substanz es sich handelte. In diesem Fall gab es einerseits eine blaue Färbung, die auf Aluminium hindeutete, und eine grüne Färbung, die Zink in den näheren Fokus rückte.

44               45

 (Vierter Versuch: Vorprobe der Versuch der Boraxperle)

46Die Wasserprobe wurde mit Salzsäure (HCl) angesäuert, um Eisen, das vielleicht an Schwebteilchen gebunden war, wirklich in Lösung zu bringen. Außerdem hatte ich aus pulverförmigem Kaliumhexacyanoferrat mit destilliertem Wasser eine klare Lösung hergestellt. Wenn man die angesäuerte Wasserprobe mit der Nachweislösung (Kaliumhexacyanoferrat + destilliertes Wasser) zusammengoss, entstand ein blauer Farbstoff.  Nun gab es einen Widerspruch: Dieses „Berliner Blau“ wies auf Eisen hin, im Schnelltest dagegen gab es keine Anzeichen für einen Eisenbestandteil. Ich musste Proben einschicken zur fachmännischen Analyse in ein zertifiziertes Labor.

Die Laboranalysen von Wasserproben, die mit Beginn am 15.04.2015 zu verschiedenen Zeiten an unterschiedlichen Stellen der Geithe von mir genommen wurden, ergaben zum Teile hohe Konzentrationen von Schwermetallen. Die Liste chemischer Parameter wird daher ergänzt um:

  • Chrom ist von giftiger Natur für die Wasserlebewesen. Dreiwertiges Chrom (Cr III) und sechswertiges Chrom (Cr VI) gilt es hier zu unterscheiden. Cr VI ist wesentlich giftiger als Cr III. Da die separate Listung von Cr III und Cr VI im Gewässer derzeit nicht unsicherheitsfrei möglich ist, wird aus diesem Grund nach § 7 a WHG der Gesamtchromgehalt begrenzt, auch wenn die meisten toxikologischen Daten in der Literatur sich auf Cr VI beziehen, wohingegen im Gewässer überwiegend Cr III anzutreffen ist.
  • Der ökotoxikologische Charakter von Blei, Cadmium oder Quecksilber ist gut erforscht. Diese Schwermetalle können nicht biologisch abgebaut werden, reichern sich in Nahrungsketten immer weiter an und führen insbesondere bei höher entwickelten Lebewesen zu chronischen Schädigungen des Nervensystems. Diese Gefährlichkeit hat gesetzliche Konzentrationsbegrenzungen und Initiativen zur Konzentrationseinhaltung zur Folge gehabt.[32]
  • Im Oberflächenwasser ist – ähnlich wie Eisen – Aluminium und Mangan in geringer Konzentration zu finden.

Zudem gibt es die aus dem umgebenden Gestein herausgelösten Kationen wie Natrium, Kalium, Calcium oder Magnesium. Barium und Strontium ergänzen die Palette. Diese Substanzen sind sogar notwendig für einige Wasserlebewesen.

  • Auf seltene Elemente wie Beryllium, Bismuth, Gadolinium, Gallium, Palladium, Scandium, Thallium, Uran und Yttrium soll hier nicht weiter eingegangen werden, da sie nur unter besonderen geologischen Bedingungen in größeren Mengen natürlich auftreten oder nur von bestimmten Industriebetrieben aus ins Wasser gelangen.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Messwerte, die vom Labor Inlabo ermittelt wurden. Die kompletten Analyseberichte sind im Anhang zu finden.

Stoff/Datum 25.04. 15

Brücke

22.06.15

Düker

13.07.15

Brücke

13.07.15

Düker

15.08.15

Brücke

13.01.16

Quelle

13.01.16

Südfelde

Aluminium (ug/L) ~7340 ~5550 303 1190 269 5,1 415
Barium (ug/L) 966 1100 42,4 806 60,8 12,4 33,1
Beryllium (ug/L) 1,04 0,52 <0,05 <0,05 <0,05 <0,05 <0,05
Bismuth (ug/L) <10 <10 <10 <10 <10 <10 <10
Blei (ug/L) 170 150 6,0 24,4 5,6 <3 4,0
Cadmium (ug/L) 4,7 7,1 <0,5 1,0 <0,5 <0,5 <0,5
Calcium (mg/L) 245 299 45,8 185 142 44,1 65,1
Chrom (ug/L) 10,4 14,6 1,2 2,5 <1 <1 1,2
Cobalt (ug/L) 13,7 17,2 <1 4,3 <1 <1 <1
Eisen (ug/L) ~19100 ~23800 754 4680 836 17,5 816
Gadolinium (ug/L) n.a. n.a. <0,5 <1 <0,5 <0,5 <0,5
Gallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5 <5 <5
Kalium (mg/L) 6,9 8,2 2,4 7,7 6,5 1,7 4,0
Kupfer (ug/L) 210 180 14,0 159 12,3 10,3 12,4
Lithium (ug/L) 20,6 27,4 8,3 20,9 24,0 0,7 6,8
Magnesium (mg/L) 15,4 11,5 4,8 9,5 18,7 3,4 6,5
Mangan (ug/L) 3600 ~4190 146 1720 411 57,8 182
Natrium (mg/L) 46,2 63,7 18,2 59,0 70,1 3,4 24,4
Nickel (ug/L) 32,8 37,3 3,4 9,5 5,5 2,3 1,6
Palladium (ug/L) <2 <2 <2 <2 <2 <2 <2
Scandium (ug/L) 1,2 1,0 <0,1 <0,1 <0,1 0,2 <0,1
Silber (ug/L) <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5
Strontium (ug/L) 2910 ~2640 851 1850 3300 254 984
Thallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5 <5 <5
Uran (ug/L) n.b. n.a. <5 <7 <5 <5 <5
Yttrium (ug/L) 21,1 22,0 0,9 3,2 0,5 <0,1 0,5
Zink (ug/L) 1570 2050 159 915 72,1 135 64,5
Fluorid (mg/L) 0,17 0,54 0,10 0,06 0,34 0,08 0,16
Chlorid (mg/L) 56,83 98,45 23,13 91,97 81,53 2,45 28,42
Nitrit (mg/L) n.a. n.a. n.a. n.a. 0,06 n.a. n.a.
Bromid (mg/L) 0,06 0,03 0,02 0,02 0,10 0,01 0,03
Nitrat (mg/L) 16,08 12,36 8,57 6,19 5,31 0,98 6,10
o-Phosphat (mg/L) 0,15 0,09 0,21 0,96 0,07 n.a. 0,04
Sulfat (mg/L) 202,94 128,41 79,16 106,32 319,67 33,17 74,66
Summe (mg/L) 276,2 239,9 111,2 205,5 407,1 36,7 109,4

Die Analysen bestätigen mit hohen Konzentrationen von Eisen, Aluminium und Zink meine eigenen qualitativen Versuchsergebnisse. Gerade beim Eisen wird der große Einfluss des ausgewählten Messverfahrens deutlich: Mit dem Schnelltest, der ausschließlich gelöstes Eisen in Form von Eisen-Ionen misst und bei klaren Wasserproben vom 13.07.2015 oder 15.08.2015 bei Inlabo wurden nur geringe Werte bestimmt. In sichtbar getrübtem Wasserproben am 25.04.2015 und 22.06.2015 von Inlabo und mit dem Nachweis über „Berliner Blau“ wurde auch an Schwebstoffe gebundenes Eisen erfasst und die Konzentrationen waren stark erhöht. Durch Schwebstoffe sind also die unterschiedlichen Analyseergebnisse zu erklären. Neben hohen Konzentrationen von Mangan ist auch die Stoffgruppe Calcium, Magnesium, Strontium, Barium und das dominante Anion Sulfat mit hohen Werten vertreten.

Schwermetalle hätten auch ohne Eingriff des Menschen in natürlichen Konzentrationen ihren Weg in die Geithe gefunden. Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber oder Zink sind eben keine unnatürlichen, aus der Retorte erzeugten Produkte. Zählen wir noch das Halbmetall Arsen dazu, können aber ein gutes Stück aus der Angebotspalette der metallischen Stoffe durchaus über Produktionsabfälle oder der entsprechenden Abfallentsorgung in den Naturkreislauf gelangen mit Konzentrationen oberhalb der erlaubten Grenzwerte. Wir denken hier nur – trotz verbesserter Filterungen – an Abwässer jeglicher Art. Die Auswaschungen und Abtragungen natürlich vorkommender Gesteine und Böden oder der Regenabfluss über befestigte Flächen können mit Schwankungen den Schwermetallpegel bei Messungen in den roten Bereich verfrachten; nicht zwingend klassische Fälle von Umweltverschmutzung. Mehr Kritiksubstanz gilt den hausgemachten Situationen wie der Abtragung von schwermetallhaltigen Halden oder dem Grubenschlamm und -wasser in Bergbau- und Hüttenbetriebsgegenden sowie den Produkten bei der Verfeuerung von Kohle und  die Einleitung von Abwässern, die längere Zeit in metallischen Leitungen zirkulieren konnten.

Obwohl der Schädlichkeit überführt und nicht abbaubar, sind diese Schwermetalle erst bei auffallender Konzentration zu kritisieren. Ich verschrieb mich denn auch der Suche nach der erhöhten Konzentration. Jahrelange Überdosierungen führen bekanntlich zu gesundheitlichen Belastungen in Form von chronischen Beschwerden oder irreversiblen Schäden. Cadmium und Quecksilber sind keine Freunde der menschlichen Leber, und das Arsen ist eng verbunden mit dem Krebsausbruch jeglicher Couleur. Die Schwebstoffe sind umso mehr von Interesse, da sich eben jene Schwermetalle an Feststoffteilchen anlagern. Abriebe im Flussbett, Abspülungen von Flächen bei Nassperioden oder chemische und biologische Prozesse (z. B. Algenbildung) liefern dabei das Quellenmaterial für die Entstehung von Schwebstoffen. Nicht unbedeutend für die Schwebstoffkonzentration ist der Wasserstand in Fließgewässern. Bis zu 20 mg Schwebstoffe pro Liter können bei Niedrigwasser erwartet werden, wohingegen bei Hochwasserperioden um die 25 mg Schwebstoffgehalt pro Liter als Durchschnittswert zu vertreten sind. Außer Acht gelassen werden darf auch sicherlich nicht die Neigungsbindung von in Gewässern befindlichen Substanzen, die aber nicht als Hauptverursacher einer Schwermetallüberkonzentration interpretiert werden dürfen. Sie besitzen lediglich Transporteurcharakter.

Die Sechs-Wochen-Untersuchung zeigte, dass die Werte bei der Leitfähigkeit sehr unterschiedlich waren. Keine Mutmaßungen, aber es war nicht unrealistisch, dass der industrielle Betrieb ab und zu Einleitungen mit erhöhter Schwermetallfracht in für mich wenig fassbarer Dimension zuließ (und zulässt?). Das wurde durch die Laboruntersuchungen auch bestätigt. Diese Auswertungen  habe ich dann in Diagramme dargestellt. Die Wasserproben überschritten dabei die Wasserrahmenrichtlinien.[33]

b

Noch war unklar, wo die Geithe nun tatsächlich ihren Lauf hatte, deshalb nahm 61ich erst einmal noch an beiden Bächen – der Geithe und dem Geithe-Bach – Wasserproben, die ich zu Inlabo einschickte. Als ich am 26. Juni 15 eine Wasserprobe an der Geithe und dem Geithe–Bach  machen wollte, sah ich am Umspannwerk, bevor der Geithe–Bach in ein Rohr unter die Straße läuft, einen leichten Ölfilm auf dem Wasser, der sich aufwärts bis zur Pumpstation in Vellinghausen verfolgen ließ. Je mehr ich zur Pumpstation kam, desto stärker war der Ölfilm. Es sah so aus, als wenn der Ölfilm am der Seite zur Pumpstation aus der Erde austrat. Es hatte in den Tagen davor geregnet.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Messwerte, die vom Labor Inlabo ermittelt wurden. Die kompletten Analyseberichte sind im Anhang zu finden.  Tabelle 3

Stoff/Datum 23.05.

15

Rohr

13.07.

15

Rohr

02.08.

15

Pumpwerk

Öl

02.08.

15

Vor der Straße

02.08.

15

Rohr

Aluminium (ug/L) 444 348 1600 20,2 66,6
Barium (ug/L) 735 751 181 45,5 45,4
Beryllium (ug/L) <0,05 <0,05 0,20 <0,05 <0,05
Bismuth (ug/L) <10 <10 <10 <10 <10
Blei (ug/L) 6,3 9,9 37,0 <3 <3
Cadmium (ug/L) <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5
Calcium (mg/L) 139 109 115 89,0 87,0
Chrom (ug/L) <1 <1 2,7 <1 <1
Cobalt (ug/L) <1 <1 2,7 <1 <1
Eisen (ug/L) 1220 2710 5890 133 316
Gadolinium (ug/L) <0,5 <0,5 n.a. <0,5 <0,5
Gallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5
Kalium (mg/L) 12,7 19,1 11,2 14,8 15,5
Kupfer (ug/L) 11,4 13,9 40,0 8,7 8,0
Lithium (ug/L) 8,6 6,9 8,9 6,6 6,6
Magnesium (mg/L) 9,1 7,8 7,0 6,2 6,0
Mangan (ug/L) 244 519 714 13,1 50,5
Natrium (mg/L) 39,9 30,6 30,3 24,6 27,5
Nickel (ug/L) 2,5 2,8 5,9 3,0 2,9
Palladium (ug/L) <2 <2 <2 <2 <2
Scandium (ug/L) <0,1 <0,1 0,1 <0,1 <0,1
Silber (ug/L) <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5
Strontium (ug/L) 1790 1500 1630 1080 1020
Thallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5
Uran (ug/L) <5 <5 <10 <5 <5
Yttrium (ug/L) 1,4 1,5 5,7 <0,1 0,3
Zink (ug/L) 495 609 153 8,0 8,9
Fluorid (mg/L) 0,05 0,08 0,19 0,11 0,12
Chlorid (mg/L) 55,82 44,46 38,89 34,15 38,11
Nitrit (mg/L) 1,52 n.a. 0,09 n.a. n.a.
Bromid (mg/L) 0,07 0,06 0,06 0,04 0,03
Nitrat (mg/L) 7,25 14,49 0,45 2,56 2,20
o-Phosphat (mg/L) 0,77 4,42 0,36 1,71 1,22
Sulfat (mg/L) 72,04 23,51 49,08 51,75 49,04
Summe (mg/L) 137,5 87,0 89,1 90,3 90,7

Das Ergebnis der Laboruntersuchungen ist in der oben stehenden Tabelle dargestellt. Die Werte waren erhöht an dem Tag, an dem die Ölschicht auf dem Wasser war…sicher keine Überraschung. Bei den Laborauswertungen des Geithe – Baches erkennt man, dass am 26. Juni 2015 tatsächlich Verunreinigungen in den Bach gelangten, ansonsten zeigten die Ergebnisse, dass die Konzentration der gelösten Metalle niedriges Niveau erfüllten, wie man es für eine Feldentwässerung erwarten sollte. Erstaunlich ist allerdings, dass es sich auch hier um ein „Gipswassser“ handelte mit Calcium und Sulfat als Hauptbestandteile.
Es gibt drei Erklärungen:

  • Es handelt sich um einen speziellen Boden, von Natur aus sozusagen. Nicht ungewöhnlich, aber sicher auch nicht repräsentativ.
  • Die sulfatreiche Konstellation wurde durch einen speziellen Dünger oder durch untergepflügte Substanzen zu deren Beseitigung erreicht.
  • Die Abgase der Kohlekraftwerke vor allem aus früheren Jahren haben sich mit Regen beziehungsweise Niederschlägen im Allgemeinen vermischt und haben dem Boden Sulfat zugeführt.

Es  wurden von April 2015 bis Januar 2016 Wasserproben von der Geithe und dem Geithe – Bach genommen. Natürlich wäre eine gleichzeitige Probennahme überall schöner gewesen, wobei man dann aber auch die Fließgeschwindigkeit einbeziehen müsste, um zu berechnen, wann „das gleiche Wasser“ die verschiedenen Stellen des Bachverlaufs erreicht, denn sonst könnte es ja auch bei einer plötzlichen Schadstoffeinleitung sein, dass man die Verschmutzung bei Geithe-Brücke misst und 10 Minuten später bei Südfelde nicht.

Davon abgesehen, hatte ich ohnehin nur Stichproben. Für eine wirklich
statistisch belastbare Aussage hätte man viel mehr Messungen über
längere Zeiträume benötigt. Die Frage war, welche Schlussfolgerungen man aus den Messergebnissen ziehen sollte. Am Messpunkt „Geithe-Brücke“ floss ständig die 500- bis 1000-fache Menge Wasser aus der Geithe-Quelle, genauer aus dem 10cm-Drainagerohr, das die Quelle darstellte. Unter der Annahme, dass die gesamte Wassermenge von  Messpunkt „Brücke“ herauskäme, wäre das ein Strahl gewesen, der auf der gegenüberliegenden Seite das Erdreich weggerissen hätte. Dem Bewuchs im Graben nach fällt diese Quelle sogar häufig im Sommer trocken. Es bestand also kein Zweifel, dass auf dem Kraftwerksgelände erhebliche Mengen an Wasser zum „Quellwasser“ dazukommen. Und wenn dieses Kraftwerkswasser völlig rein wäre und alle Inhaltsstoffe aus dem wenigen
Quellwasser kämen an den Tagen, an denen wir nicht gemessen hatten, dann hätten am Rohr dicke Mineralablagerungen beobachtet werden müssen. Das war nicht der Fall! Daher änderte auch eine zeitversetzte oder zeitgleiche Messung der Inhaltsstoffe und Beobachtung der Abflussmengen nichts an der Aussage, dass ein Großteil des Wassers und der Inhaltsstoffe vom Kraftwerksgelände stammen mussten. Selbstverständlich waren die geringeren Konzentrationen in Südfelde allein nicht besonders aussagekräftig, aber es waren ja nicht nur die Mengen anders, sondern auch die Verhältnisse der verschiedenen Substanzen
zueinander. Und dieser „chemische Fingerabdruck“ war bei Geithe-Brücke
und Düker in den zahlreichen Messungen immer sehr ähnlich gewesen, in Südfelde wich er jedoch sofort in der ersten und einzigen Messung deutlich
davon ab. Das ist kein Beweis. Leider gab es auch nicht die Beweise, da mir kein zertifiziertes Labor vor Ort zur Verfügung stand, das genormte Langzeituntersuchungen durchführen konnte. Immerhin konnte ich mit meinen Mitteln aber – und das ist unstrittig – einen deutlichen Hinweis auf die Wasserdurchmischung bringen.

Nun bewege ich mich aber weg von der Wasserdurchmischung, hin zur Gewässerstrukturgüte, der Richtlinie für die ökologische Qualität von Gewässerstrukturen. Die allgemein akzeptierte Bewertungsgrundlage für die Fließgewässerrenaturierungen, für die Gewässerentwicklungsplanungen oder für die gewässerschädlichen Eingriffe orientiert sich stets am gegenwärtigen Kenntnisstand des Fließgewässers hinsichtlich des Ökosystems. Der Natürlichkeitsgrad einer Gewässerstruktur ist dabei das Kriterium für die Gewässerstrukturgütekartierung und –bewertung. Ein für den jeweiligen Fließ- und Auengewässertyp errichtetes Parametersystem erfasst dabei die Strukturelemente. Das Leitbild fungiert hier als archimedischer Punkt. Die vergleichende Analyse von Ist-Zuständen und dem zugehörigen Leitbild ermöglicht konkrete Aussagen zur ökologischen Funktionsfähigkeit des untersuchten Fließgewässerabschnittes. Entweder keine oder nur unwesentliche Beeinträchtigungen bezüglich der natürlichen Dynamik und Struktur des Fließgewässers repräsentieren die Strukturgüteklasse 1.  Dieser zweite archimedische Punkt gilt als Ausgangsbasis für die weiteren Strukturgüteklassen. Sieben Bewertungsstufen liegen vor: naturnah, bedingt naturnah, mäßig und deutlich beeinträchtigt; merklich, stark und übermäßig geschädigt. Es ermöglicht eine Registrierung für Strukturbeeinträchtigungen sowie für die nachgelagerten Strukturverbesserungen. Am 20. Februar 2016 erfolgte die Bestimmung der Gewässerstrukturgüte unter Verwendung eines Erhebungsbogens für Bachpaten und eines Bewertungsbogens der Daten.[34] Die Tabelle mit dem gesamten Daten kann ich Anhang eingesehen werden. [35]

Wie ging ich nun vor? Die Geithe wurde im Hinblick auf die Gewässerstrukturgüte  an den in der Tabelle dargestellten Messpunkten begutachtet. Sie ist überwiegend geradlinig und monoton kanalartig ausgebaut. Nur im Bereich „Brücke“ und „Im Nachtigallental“ verläuft sie geschlängelt. Mauerwerk, Beton und Steinschüttungen wechseln sich mit unverbauten Uferabschnitten ab. Ausschließlich an der Quelle, im Südfelde und an der Soester Straße ist kein Ufergehölz auszufinden, an den anderen Stellen kann man Einzelgehölz oder eine Galerie beobachten. Die Geithe verläuft in einem Bett, das etwa 0,5 m bis 1,5 m in das Gelände eingeschnitten ist, dabei variiert die Breite zwischen 1,8 m und 4,8 m und die Wassertiefe zwischen 0,2 m und 0,73 m. Ausnahmen bilden die Quelle mit 0,01 m Wassertiefe und 0,53 m Profilbreite sowie das Vorbecken des Dükers mit 1,8 m Wassertiefe.

Die Geithe fließt überwiegend durch landwirtschaftlich genutzte Flächen oder an bebauten Gebieten vorbei. Der Gewässerrandstreifen überschreitet dabei selten eine Breite von 5 Metern. Die Ufer sind bei mäßig eingeschnittenem Gewässerquerschnitt vollständig begradigt und überwiegend mit Steinschüttungen befestigt. Dadurch ist die Fließgeschwindigkeit über längere Strecken konstant und die Tiefenvarianz ist gering. Die gleichförmige Gewässersohle ist vollständig verschlammt. Darüber hinaus sind verrohrte Abschnitte im Bereich des Kraftwerks und bei DuPont zu beobachten. Insgesamt ist die Gewässerstrukturgüte anhand der oben genannten Kriterien mit 3,8 als unbefriedigend zu beurteilen.

Bilder zu den Standorten zur Bewertung der Gewässerstrukturgüte

89                                    88  86

85 84 82 81 80                                             79

 Weckrufe im Boden

rDas Sediment musste nun untersucht werden. Die Schadstoffbelastungen in den Schwebstoffen des Geithewassers ließen mir auch wenig Spielraum. Bei meinen Beobachtungen kam folgendes, durchgängiges Grundmuster zum Vorschein: Partielle Steinbefestigungen am Ufer, durchgehende Steinumrandungen an Brücken, geradlinige Ausbaggerungen des Bachbettes und feinsandige, siltige Sedimente in dunkelbrauner bis hellgrauer Farbpigmentierung. Zur weiteren Absicherung meiner Beobachtungen vor Ort wurden Bohrkerne entnommen an den 90Messpunkten „Geithe-Brücke“ und „Gitter“.[36] Hier konnte ich in der tendenziellen Beobachtung auch bei älteren Sedimentschichten feinsandigen und siltigen Charakter feststellen. Kurioserweise waren diese älteren Semester versetzt mit Steinen, die vermutlich durch Baumaßnahmen in das Bachbett gelangten. Darüber hinaus konnten Schnecken- und Muschelschalen identifiziert werden, also es waren in der Tat ältere Schichten, da die Geithe im merklichen Spiel der Wasserlebewesen sehr zurückhaltend agierte bei meinen Bachbettwanderungen. Keine große Verwunderung kam bei mir zum Vorschein bei Sichtung von Eisenkonkretionen und Kohlestücken. Sie waren die Abgesandten der Kohlehalden des benachbarten Kraftwerks. Es verstand sich von selbst, dass eine mikroskopische Untersuchung des Materials aus den Bohrkernen vonnöten war. Die bereits in einem früheren Projekt von mir thematisierten metallischen Kügelchen waren auch diesmal in den Untersuchungsproben. Sie spielten 2011 in einem Projekt die Hauptrolle bezüglich der langfristigen Schädigungen, die vom Störfall des AKW Hamm-Uentrop ausgingen im Umland.[37] Warm- und Kaltlichtspiele in meinem eigenen Labor ermöglichten genauere Darstellungen dieser metallischen Kügelchen.

91          93

95

92           94

Ergänzt wurden die Probenentnahmen am 11. August 2015 durch am Bachbett befindliche Pflanzenteile mit Ablagerungen, die ich in meinem Labor untersuchte. Eben jene Kügelchen waren nicht nur unter dem Mikroskop zu erkennen, sondern konnten mit scharfem Blick über das bloße Hinsehen erkannt werden. Mein Betreuer Herr Kiko und ich sahen etwas konsterniert am Labortisch.

97       98

96

In diesem Projekt standen sie aber von Anfang an restriktiv zum Geithewasser und verdeutlichen jetzt schon einen  Beitrag zur Verschmutzung des Uentroper Umlandes durch die zuständige Kraftwerksgesellschaft.[38]

Wie bereits vermutet, die Kleinstlebewesen waren in der mikroskopischen Sedimentanalyse nicht vorzufinden.

Seit Februar 2015 kam es bei meinen regelmäßigen Untersuchungen vor Ort zu Beobachtungen der besonderen Verdächtigung. Warum? Zwischen den bereits erwähnten Entnahmestellen „Brücke“ und „Gitter“ wurden von der Betreibergesellschaft Ausbaggerungen durchgeführt, und diese Aktivitäten dienten nicht der Begradigung des Bachbettes. Zunächst war der Aushub dieser Ausbaggerungen im Fokus meiner Probenentnahmen. Die Ausschachtungen dauerten bis in den Herbst 2015 hinein. 98Selbst das Vorbecken des Dükers erhielt im November 2015 eine „Befreiung“ von „Unnötigem“. Gerade noch rechtzeitig konnte ich von dort eine Probe entnehmen, denn der Aushub wurde sofort abgefahren. Insgesamt kam ich auf fünf Sedimentprobenentnahmen. Die erste Probe stammte vom 17. Februar 2015, entnommen an der „Brückenstelle“. Die weiteren Bodenproben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Nun gut, weg von den spekulativen Beobachtungen, hin zu den Analysen. Die Sedimentprobenanalysen ergaben eine Auflistung, die in der nachfolgenden Tabelle veranschaulicht wird, und die zugehörigen Berichte sind ebenfalls im Anhangmaterial einzusehen:[39]

Stoffe / Datum 17.02.15

Aushub am Rand

 

12.07.15

Geithe am Gitter Kraftwerk

Schlamm-

probe

 

12.07.15

Geithe

Brücke

Bohrkern

gezogen

war

ausge-

baggert

11.08.15

Geithe

Düker

Schlamm-

probe

ent-

nommen

 

28.11.15

Düker

Aushub

Über dem Norm-wert

mg/ kg Boden

 

Grenz-

wert-

überschreit-

ung

nach

Klärschlamm-

Verordnung

mg/ kg Boden

 

Kupfer

mg/ kg Boden

67,7 52,6 < 2,00 69,5 55,2 50,00 60,00
Zink

mg/ kg Boden

661 465 < 2,00 536 437 100,00 200,00
Blei

mg/ kg Boden

66,9 55,7 45,2 51,4 50,3 30,00 100,00
Chrom

mg/ kg Boden

7,43 6,02 < 2,00 7,75 8,62 20,00 100,00
Cadmium

mg/ kg Boden

5,56 4,01 < 0,0100 29,2 3,46 0,50 1,50
Nickel

mg/ kg Boden

22 21,2 0 20 22,1 40,00 50,00
Quecksilber

mg/ kg Boden

0,0238 0,0229 0,00625 0,0266 0,0646 0,20 1,00
Arsen

mg/ kg Boden

13,3 8,20     17,7 10,00 25,00
Aluminium

mg/ kg Boden

2750 2210     3450 500,00 2500,00
Thallium

mg/ kg Boden

0,576 0,587     0,734 3,00 15,00
Uran

mg/ kg Boden

  0,703 0,357 0,703   4,00 5,00

Man musste nun wahrlich kein Aussagentüftler sein für diese Darstellung, und das Fazit war denn auch unmissverständlich: Die Messwerte überschritten die Grenzwerte der Klärschlammverordnung. Cadmium war sogar der „Anführer der Überschreiter“, und diese Dimensionen gehörten eigentlich schon in den alarmierenden Bereich.[40]

Die zwangsläufige Schlussfolgerung war die Frage nach dem „Wohin mit dem Aushub?“. Es war offensichtlich Sondermüll.

Anschließend ging ich auf Spurensuche bezüglich der Herkunft der Schwermetalle. Der „chemische Fingerabdruck“ erleichtert ungemein die Rückverfolgung möglicher Verunreinigungen oder das Aufdecken eines allgemeinen Systems der unerlaubten Entsorgung. Wie sah die Ausgangssituation für die in den Proben befindlichen  Schwermetalle aus? Mögliche Quellen der Verunreinigung lagen im Grundwasser, in den Steinkohlenüberresten der anliegenden Halden. Die Steinkohlenfeuerung oder eine Rauchgasreinigungsanlage waren ebenfalls nicht abwegig, zumindest konnte man sie nicht kategorisch ausschließen.

117

Im Grundwasserdiagramm lag der Versuch begründet, typische Konzentrationen der Stoffe in verschiedenen Gesteinsformationen zu finden, vor allem für das im Geithebach auffällige Sulfat. Lag in der Geithe die Quelle, mit der die Geithe aus dem tieferen Untergrund gespeist werden würde? Ich hatte die Hoffnung gelegt in den „Fingerabdruck des Quellwassers“, aber es blieb mir verwehrt. Aus der Literatur gab es die typischen Minimal- und Maximalwerte, zusammengestellt und prozentual dargestellt. Dieses hinweisgebende Verfahren entbehrte aber jeglicher Beweisführung. Wenigstens das Muster namens „Max Quartär“ konnte in Verbindung gesetzt werden zum Geithebild. Eisen und Mangan waren enthalten, und die Geithe entspringt ja auch in Quartärschichten, die zwischen den Eiszeiten und der Gegenwart entstanden sind. Zum Beispiel die Ackerböden, aus denen das Wasser durch ein Rohr in den Bachgraben fließt. Die Geitheproblematik ist allerdings dem Umstand geschuldet, dass ein Großteil des Wassers und seiner Inhaltsstoffe vom Kraftwerksgelände stammt.

118

Der Vergleich des Geithewassers mit Abwasser aus der Rauchgasreinigung zeigte, dass das Verhältnis von Clorid zu Sulfat 5:1 betrug. In der Geithe war es jedoch 1:4,5. Außerdem trat in der Geithe ein erheblich höherer Eisenanteil auf, also ließ sich die Herkunft des Geithewassers nicht allein auf die Einleitung von Abwasser aus der Rauchgasreinigung zurückführen.[41]

120

Das Geithewasser zeichnete sich aus durch ein Verhältnis von Blei zu Kupfer von ca 4:5. In Steinkohle, Grobasche, Flugasche, Gips und Abgas sollten die Verhältnisse laut Literaturangaben jedoch größer als 5:1 sein. Selbst im Abwasser betrug das Verhältnis 5:3. Also ließ sich auch hier keine Übereinstimmung zum Geithewasser feststellen.[42]

119

Die verschiedenen Steinkohlesorten (Säulen 1-9 im Diagramm) zeigten ein Verhältnis von Zink zu Blei in der Größenordnung 3:1. Die Geithe war da schon der Ausreißer, denn hier gab es das Verhältnis von 8:1.[43] Das Ergebnis war ernüchternd. Konkrete Informationen zur Rückverfolgung der Schwermetalle lagen nicht vor. Die Erfolglosigkeit hatte ich aber sofort beiseite gelegt. Ich betrachtete es als Nichtinformationszuwachs bezüglich der Urheberschaft.

Die für September 2015 anvisierte Bestimmung der Gewässergüte mithilfe des Saprobienindex konnte nicht umgesetzt werden, da ich einige Wochen außer Gefecht verweilen musste. Dieser Saprobienindex ist nicht von schlechter Schlussfolgerung, besagt er doch etwas über die Nährstoffverfügbarkeit für die Makrozoen, also für die größeren Tiere. Viele verschiedene Arten weisen dabei auf ein stabiles Ökosystem hin, wohingegen wenige Arten ein spezielles und leider oft instabiles Ökosystem repräsentieren. Was kam damit zum Vorschein? 121Eine Gelbrandkäferlarve (Saprobie 2,0), gefunden am Messpunkt „Geithe“, kam als beweglicher Räuber für systematische Analysen nicht in Betracht. Bachabwärts oder bachaufwärts gerichtete Wegstrecken, oder einfach nur ein Zufallsfund aufgrund einer Wegverirrung? Ich kam nicht dahinter. Am 18. Juli 2015 konnte ich am gleichen Messpunkt einige 15 bis 20 cm lange Fische erkennen von nicht näher bestimmender Art. Vielleicht war es ein kleiner Wanderschwarm. Ich sah sie bis heute nicht mehr. Das überschaubare Antreffen von Lebensformen, und das auch nur für die mobile Art mit Saprobie 2,0, verstärkte bei mir den Eindruck der Interpretation eines nährstoffarmen, empfindlichen Ökosystems. Ich denke, dass die Bachbettdurchsuchungen hier mehr gewinnbringende Erkenntnisse hätten eingebracht. Allerdings gab es auch größere Ansammlungen wie am Messpunkt „Ostwennemar Straße“ mit den GPS-Koordinaten 51,678276; 8,875973. Kugelmuscheln mit Saprobie 2,3 fand ich hier vor. Eine Zunahme des Nährstoffgehaltes im Verlauf von Bächen kann nicht ausgeschlossen bleiben, und die Geithelebewesen mit der Saprobienkennzahl ließen Raum für Zuordnungen in die Gewässergüte II bis III, wohlgemerkt im weiteren Verlauf des Baches.

Die Geithe … nomen non est omen!

Bei meinen Standortvarianten zum Ursprung der Geithe kam mir nicht nur die Frage nach dem tatsächlichen Verlauf in den Sinn, sondern die elementare Frage 122nach der Definierbarkeit dieses Gewässers kristallisierte sich heraus.  In all den Monaten stand ich am Bachbett, erinnerte mich an die Veränderungen des natürlichen Bachlaufs, sah die sich verändernden Wassermengen, konnte die Temperaturschwankungen und die beachtliche Spannweite in der Zusammensetzung der Wasserinhaltsstoffe beobachten. War das Gemeinte dem Namen nach noch in Beziehung zu setzen mit dem Beobachteten? Was ist denn nun ein Bach?

Verschiedene Quellrinnsale vereinigen sich zu einem fließenden Gewässer, dem Bach. Es wird ein Oberlauf gebildet. In der Regel sind gleichbleibende Wassertemperaturen von um die 10 Grad Celsius charakteristisch für diesen Oberlauf. Der Bachbettboden sollte zunächst noch mit scharfkantigen Steinen belegt sein, und im weiteren Verlauf kommt es dann zu den typischen runden Kieseln mit den Pionierpflanzen und Flechtenarten. Fische wie Elritze oder Forellen sind klassische Bachbewohner, da die schnellen Sprinter sich den teils starken Strömungen gut anpassen können. Das sauerstoffhaltige Niveau der Bäche kommt dabei den Fischarten zugute für die kraftraubenden Gegenstromwege. Aber woher sollte nach Musterkonstellation das Wasser eigentlich herkommen?

123Das Wasser findet immer eine Flussrichtung, bahnt sich immer seinen Weg. Es tropft und rieselt zwischen Felsspalten oder wasserdurchlässigen Bodenschichten und folgt dem Gefälle der wasserundurchlässigen Bodenschichten. Für Nachschub ist gesorgt! Regenwasser füllt stetig und immer wieder Spalten und Hohlräume. Das Grundwasser staut sich und sucht den Abfluss. Dort, wo Bodenschichten sich nach außen öffnen, tritt es als Quellwasser hervor. Facettenreich sind die Quellformen. Sturz-, Tümpel- oder Sickerquellen gehören dazu. Die meisten Quellen machen sich dabei eine konstante Wassertemperatur zwischen sechs Grad Celsius und zehn Grad Celsius zu Eigen. Die berühmten, in der Alltagssprache häufig genutzten Thermalquellen bringen es bis auf über vierzig Grad Celsius, und hitzebeständige Bakterien sehen darin ein geeignetes Milieu. Das Wasser ist in Quellnähe noch  nährstoff- und sauerstoffarm.[44]  Da die Geithe auf westfälischem Boden beheimatet ist, lassen wir natürlich auch einer nordrhein-westfälischen Broschüre freien Lauf:

Nordrhein-Westfalen ist ein Land der Gewässer. Über 50.000 km Bäche und Flüsse durchziehen unser Land, viele Seen prägen das Bild unserer Landschaft. Unsere Gewässer bieten Tieren und Pflanzen wertvollen Lebensraum und uns Menschen Lebensqualität. Das Grundwasser beeinflusst den Bewuchs und die Nutzung unserer Landschaft. Es bildet die Hauptquelle für unser Trinkwasser. Wasser ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. […] Gewässer entstehen ganz einfach. Versickerndes Wasser wird zu Grundwasser. Grundwasser tritt an die Oberfläche, folgt der Schwerkraft den Berg hinab und bildet schließlich einen kleinen Bach. Kleine Quellbäche vereinen sich zu einem größeren Bach. Viele Bäche bilden einen Fluss, der schließlich ins Meer fließt. Wo es kein Gefälle gibt, entsteht ein See. So einfach – und doch so vielfältig. Denn auf den Fließwegen entstehen Turbulenzen, und abhängig von der Art des Untergrundes und vom Gefälle bildet ein Fließgewässer mehr oder weniger große Schlingen oder es verzweigt sich. Steine und Sand werden bergab transportiert und dort abgesetzt, wo der Bach oder Fluss langsamer fließt. So entstehen Gewässer mit sandigen, kiesigen oder steinigen Betten, und nicht selten werden auch abgebrochene Äste, Holzstücke und andere Pflanzenteile abgelagert. Auch die Wasserbeschaffenheit unterscheidet sich. Die Gewässer in den Moorlandschaften haben durch Huminstoffe braun gefärbtes Wasser, kalkreiche Gewässer eher klares Wasser.[45]

Fragen wir die Fachwissenschaft, um endgültig den Definitionsrahmen zu erhalten:

Bäche sind per Definition kleine natürliche Fließgewässer. Neben dem Hauptmerkmal, klein zu sein (hier gibt es verschiedene Definitionen der Abgrenzung zur nächstgrößeren Kategorie, dem Fluss), gilt das Hauptmerkmal, dass der Bach ein natürliches Fließgewässer ist. Künstliche Fließgewässer sind dagegen Kanäle. Kleine Kanäle können auch Gräben sein, wenn sie der Entwässerung oder der Bewässerung dienen. Darunter fallen auch Straßengräben oder Abwassergräben. Künstliche Abwassergräben sind demnach kein Bach und ein Industriebetrieb ist auch keine Quelle.

Diese plausibel erscheinende Mitteilung gab nach einer Emailanfrage der Institutsleiter Rocco Buchta des Institutes für Fluss- und Auenökologie im brandenburgischen Rathenow wieder.[46] Nach weiterer Informationsbeschaffung zur scharfen Abgrenzung und Eingrenzung des Bachbegriffes – unter anderem gab es hier weiterführende Hyperlinks zum Bachbegriff durch eine zuständige Sachbearbeiterin im nordrhein-westfälischen 27Umweltministerium – konnte jene Aussage aus Rathenow als von Fachleuten unterstützte und über die Literatur abgesicherte Begrifflichkeit zum Bach akzeptiert werden.[47] Ich musste und wollte mich absichern. Was war nun das Fazit dieser Suche? Die Geithe konnte kein Bach sein, denn sie entsprang keiner Quelle. Das Drainagerohr bildet den „Ursprung“, also eine technische Entwässerungsanlage, deren Funktion vermutlich im Sammeln und Abfließen des Wassers aus dem Umspannwerk des Kraftwerks liegt. Wie es weitergeht, liegt auf der Hand. In einem geradlinigen, künstlichen Graben wandert 25das Wasser erneut auf das Kraftwerksgelände, durchquert es unterirdisch in Rohren und tritt auf der Westseite in erheblich sichtbarer Mehrmenge an das Tageslicht. Dass das mit eindeutig anthropogen beeinflussten Inhaltsstoffen kein Zufall ist, liegt dann auch auf der Hand. Ich will keine Prinzipientretetrei betreiben, aber nach meinem Verständnis – wohlgemerkt nach Einholung der notwendigen Informationen – kann die Geithe erst nach dem Düker bis zur Mündung in die Ahse als Bach bezeichnet werden. Der Abschnitt von der kartographischen oder tatsächlichen Quelle zum Düker sieht nicht nach Bach aus. Es ist doch nicht verwunderlich, dass Fragen auftauchen nicht nur zum tatsächlichen Zustand eines Baches, sondern auch zur angeblichen Existenz eines Baches nach der Informationsbeschaffung. In der Geithe steckt offenbar im Namen schon eine Deutung, die aber in eine unerwartete Richtung zu gehen scheint. Zur weiteren Absicherung will ich die Interpretation eines Oberlandesgerichtes hinzufügen, um die Gegensätzlichkeit zwischen Ist- und Seinzustand in der Namensbegrifflichkeit zum Bach zu verdeutlichen:

Bei künstlich eingeleitetem Wasser in ein natürliches Gewässerbett, das kein natürliches Wasser mehr führt, handelt es sich nicht um ein natürliches Wasservorkommen.[48]

Die umgangssprachliche Verwendung des Bachbegriffes musste ich ebenfalls einbeziehen in die Deutung zur Verwendung. Das verlangt die Multiperspektivität. Es war damit nicht so abwegig, den idyllischen und romantisierenden Bach im Gemälde- und Erinnerungsmotiv in die Nähe eines schwermetallbelasteten Abwasserrinnsales zu bringen. Der Germanist Herr Professor Greule brachte es nach der Kontaktaufnahme auf den Punkt:

>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@yahoo.de> 03.07.15 14.57 Uhr >>>

Sehr geehrter Prof. Greule,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Die Frage war auch eigentlich an einen Sprachwissenschaftler gerichtet, ich
untersuche gerade einen „Bach“ der offiziell Bach genannt wird, eigentlich aber
aus Abwässern der Industrie besteht und als Quelle nennt das Umweltamt eine
kartographische Quelle, ein Kraftwerk.

Für mich steht die Frage im Vordergrund:
Was ist ein Bach? Dieses Gewässer ist für mich kein Bach.

Jedoch finde ich keine gesetzlichen Vorgaben, was ist ein Bach.

Liebe Grüße
Samantha Seithe

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de> schrieb am 16:50

Freitag, 3.Juli 2015:

*rgin: 0.0px;<br>}<br>

Liebe Frau Seithe,

dann ist die Sache klar: in Ihren Fall ist der „Name“ Bach ein Euphemismus für

„Abwasser“. Meines Wissens gibt es keine rechtlich abgesicherte Definition für

„Bach“. Diese Lücke nutzt man geschickt aus um ein industrielles Abwasser nicht

als solche bezeichnen zu müssen.

Mit dem Ausdruck ´“kartographische Quelle“ kann ich gar nichts anfangen; ich

halte diese Formulierung für irreführend. Oder man versteht „Quelle“ im

übertragenen Sinn als Informationsquelle.

Sie entdecken da einen interessanten Fall, der mir noch nicht untergekommen

ist. Falls es eine Ausarbeitung Ihrer Recherchen gibt, wäre ich dankbar, wenn

ich sie lesen könnte.

Viele Grüße

Ihr A. Greule

Die Genehmigung, die Aussage von Prof. Greule in meiner Arbeit zu verwenden ist im Anhang E – Mail Kontakte einzusehen

Euphemistisch“ war schon richtig gewählt, aber wasserrechtlich gab es – für mich neu und für den gemeinen Laien auch nicht nachvollziehbar – keine Unterscheidung von „Bach“ und „Abwassergraben“. Die nachfolgende Emailkorrespondenz mit dem Umweltministerium in Düsseldorf verdeutlicht die „täuschungsanfällige“ Besonderheit in der Begriffsverwendung:

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

Ihre erste Mail habe ich nicht erhalten. Ihre Fragen sind so nicht zu beantworten. Um juristische Auskünfte geben zu können, müsste ich den gesamten Sachverhalt kennen. Bei manchen Fragen verstehe ich nicht den Hintergrund. So ist der Ausdruck „Bach“ kein rechtlicher bzw. gesetzlicher [Anmerkung: Markierung durch die Verfasserin der Arbeit]. Vielleicht meinen Sie Gewässer? Ob ein Wasserlauf ein Gewässer oder eine Anlage ist, ist eine schwierige Angelegenheit und lässt sich nur anhand der Gegebenheiten vor Ort entscheiden. Auch die Frage, welche Untersuchungen vorgenommen werden,, lässt sich nur im Einzelfall beantworten.

 Da es also bei solchen Fragen immer vor allen darauf ankommt, dass die Tatsachen alle klar sind, bitte ich Sie, sich an die für diese Gewässer zuständige untere Wasserbehörde zu wenden. Die wird die Situation kennen.

Ich kann leider nicht erkennen, welche das bei Ihnen ist. Wenn Sie in einem Kreis wohnen, müssten Sie auf die Internetseite des Kreises gehen, wenn Sie in einer kreisfreien Stadt wohnen, auf deren Internetseite.

Viele Grüße

Im Auftrag

Sibylle Pawlowski

Dr. Sibylle Pawlowski

Referat IV – 8 Wasserrecht, Abgabenrecht

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,

Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Tel: 0211 4566 385

Fax: 0211 4566 946

sibylle.pawlowski@mkulnv.nrw.de

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 4. Dezember 2015, die wir untenstehend gerne beantworten. Sie haben gegenüber dem Umweltbundesamt (UBA) den folgenden Sachverhalt als Grundlage Ihrer Fragen geschildert:

1.

Es handelt sich um einen Wasserlauf, welcher in früherer Zeit ein Überlauf der Lippe war.

Später wurde auf diesen Bach ein industrieller Betrieb gebaut, der Bach wurde zu einer Seite abgeschnitten und hinter dem Betrieb blieb der alte Wasserlauf erhalten und bekam auch einen Gewässernamen.

Bei meinen Untersuchungen habe ich festgestellt, dass das gesamte Wasser (außer wenn es regnet) Abwasser aus dem industriellen Betrieb ist. Gesetzlich gibt es keine Definition was ein Bach ist nur was ein Gewässer ist. § 3 Wasserhaushaltsgesetz :

Anlagen zur Ableitung von Abwasser und gesammeltem Niederschlagswasser sowie zur Straßenentwässerung gewidmete Seitengräben (Straßenseitengräben) sind nicht Gewässer.

Ist dies ein Gewässer oder  eine Anlage zur Ableitung von Abwasser?

2.

Der „Bach“ ist stark belastet, erst nach ca. 1 km fließen kleine Bäche in den Bach hinein, hier wird das Wasser langsam sauberer. Auf dem ersten Kilometer wird der Bach seitens des Umweltamtes vor Ort nicht kontrolliert, darf das sein?

3.

Ist es nicht eine Bürgertäuschung, solch ein Gewässer als Bach auszuweisen? [Anmerkung: Rotmarkierung durch die Verfasserin der Arbeit]

Zu Frage 1:

Auf Ebene des Bundes finden sich gesetzliche Regelungen und Definitionen zu Gewässern, wie von Ihnen zutreffend erwähnt, im Wasserhaushaltsgesetz (WHG). Bezüglich Ihrer Fragestellung ist zunächst festzuhalten, dass der Begriff „Bach“ im WHG nicht gesondert legal definiert ist, sondern als Fließgewässer einen Unterfall der oberirdischen Gewässer gemäß § 3 Nummer 1 WHG darstellt. Der Begriff „Bach“ ist dementsprechend als reine Flurbezeichnung anzusehen, die für die rechtliche Einordnung des Gewässers ohne Belang ist und keine Aussagen über die Gewässerqualität oder dahin gehende Mindestanforderungen trifft.

Ein oberirdisches Gewässer im Sinne von § 3 Nummer 1 WHG liegt dann vor, wenn es aus ständig oder zeitweilig in Betten fließendem oder stehendem oder aus Quellen wild abfließendem Wasser gebildet wird. Wie Sie selbst schreiben, blieb im konkreten Fall hinter dem Betrieb „der alte Wasserlauf erhalten und bekam auch einen Gewässernamen“. Soweit im Verlauf des Wasserlaufs ein Gewässerbett, also eine äußerlich erkennbare natürliche oder künstliche Begrenzung des Wassers in einer Eintiefung an der Erdoberfläche (die Definition entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts) erkennbar ist oder bleibt, wird ein Bach als oberirdisches Gewässer im Sinne von § 3 Nummer 1 WHG einzuordnen sein, ohne, dass es auf die Wasserqualität ankommt. Der Begriff der oberirdischen Gewässer ist sehr weit gefasst und beinhaltet alle Wasserläufe, die ganz oder teilweise in Beziehung zum natürlichen Wasserkreislauf stehen, sodass auch Verrohrungen, unterirdische Teilstrecken oder eine Doppelfunktion als Wasserlauf, Vorfluter oder eben als Abwasseranlage an der rechtlichen Einordnung als „oberirdisches Gewässer“ nichts ändern.

Die rechtliche Einordnung als oberirdisches Gewässer dient nicht dazu, einem Wasserlauf bzw. seinem Ist-Zustand eine gewisse ökologische Güte zuzusprechen. Vielmehr besteht der Sinn und Zweck der Einordnung als Gewässer darin, dass für nahezu sämtliche Nutzungen – dies können gemäß § 9 WHG u.a. sowohl die Entnahme von Wasser als auch Einleitungen sein – grundsätzlich gemäß § 8 WHG eine wasserbehördliche Erlaubnis erforderlich ist. Mithin können Gewässer im Hinblick auf ihren guten ökologischen Zustand deutlich strenger kontrolliert werden, als dies bei der – aus Ihrer Sicht augenscheinlich in Betracht zu ziehenden – vermeintlich ehrlichen (ausschließlichen) Einordnung als Abwasserbeseitigungsanlage der Fall wäre.

Zu dem Sachverhalt ist insgesamt anzumerken, dass die konkreten örtlichen Verhältnisse beim UBA nicht bekannt sind und wir daher die von Ihnen geschilderte Situation nicht abschließend unter Berücksichtigung der dargestellten wasserhaushaltsrechtlichen Kriterien beurteilen können. Hierfür ist das UBA als eine obere Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums, dem die Erfüllung besonderer Sachaufgaben von bundesweiter Bedeutung obliegt, auch nicht zuständig. Wir können Ihnen daher nur raten, bei der zuständigen Wasserbehörde ggf. konkret die Genehmigungssituation hinsichtlich der Gewässernutzung zu hinterfragen. In Nordrhein-Westfalen sind für den Vollzug des WHG gemäß § 1 Absatz 3 in Verbindung mit Anhang Teil A Zuständigkeitsverordnung Umweltschutz (ZustVU) vom 3. Februar 2015 die Kreise und kreisfreien Städte als untere Wasserbehörden zuständig.

Zu Frage 2:

Gesetzliche Festlegungen, Messpunkte zur Überwachung der Qualität von Oberflächengewässern unmittelbar am Standort von Gewässernutzungen bzw. konkret von Einleitungen vorzunehmen, existieren nicht, da die Beeinflussung der Gewässergüte bereits Bestandteil der wasserrechtlichen Genehmigung für etwaige Einleitungen ist. Vorgaben zur Bestandsaufnahme, zur Einstufung des ökologischen Zustands und des ökologischen Potenzials von Gewässern, die als Grundlage für Maßnahmen dienen, mit denen der gute ökologische und chemische Zustand eines Gewässers erreicht werden kann, finden sich in der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (Oberflächengewässerverordnung – OGewV). Mangels Kenntnis des betreffenden Gewässers vermag das UBA nicht abzuschätzen, ob die zuständige Wasserbehörde die erforderlichen Maßnahmen zum Erreichen des in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vorgegebenen guten Zustands des Gewässers trifft. Das UBA hat überdies angesichts seiner benannten Zuständigkeiten auch keinerlei Befugnisse im Bereich des Vollzugs, insbesondere nicht im Zuständigkeitsbereich der Bundesländer und Kommunen und ist daher nicht befugt, die Praxis der örtlich zuständigen Wasserbehörden zu kommentieren oder zu kontrollieren. […]

So genannte Steckbrief der Planungseinheiten für Teileinzugsgebiete, darunter auch für die Lippe, finden Sie unter http://www.flussgebiete.nrw.de/index.php/Ma%C3%9Fnahmenprogramm/Planungseinheiten#Rhein_Lippe  

Zu Frage 3:

Wie bereits zu Frage 1 dargestellt, ist die Bezeichnung als „Bach“ hinsichtlich des Gewässerzustands ohne rechtliche Bedeutung. [Anmerkung: Rotmarkierung durch die Verfasserin der Arbeit]

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Antwort geholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.  

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Matthias Hacker

Matthias Hacker

Fachgebiet II 2.1 Übergreifende Angelegenheiten Wasser und Boden

Fachgebiet II 3.1 Nationale und internationale Fortentwicklung der Trinkwasserhygiene

Umweltbundesamt

Wörlitzer Platz 1

06844 Dessau-Roßlau  

Telefon: +49 (0)340 2103 3697

matthias.hacker@uba.de

www.umweltbundesamt.de

Der Jurist sieht also nur die Zweiteilung, also ob ein Gewässer als natürlich oder künstlich eingestuft wird. Die Entscheidung darüber liegt bei den Unteren Wasserbehörden der Kreise oder kreisfreien Städte und ist für jeden Fall einzeln zu treffen. Hierbei sieht das Wassergesetz für das Land Nordrhein-Westfalen vor, dass ein natürliches Gewässer auch noch als solches gilt, wenn es künstlich verändert wurde bzw. dass nahezu jedes offene Gewässer dazu zählt, da es in Verbindung zum natürlichen Wasserkreislauf steht.[49]  Dies hat aus Sicht des Umweltschutzes immerhin den Vorteil, dass die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und die jeweils gültigen Wassergesetze anzuwenden sind. Für den Alltag als Spaziergänger oder Anwohner am Gewässer Geithe bis hinter dem Düker bleibt zu überdenken, was mit althergebrachten Begriffen wie „Bach“ oder „Natur“ überhaupt noch anzufangen ist. Mit meinen Beobachtungsergebnissen geht so der Bach allerdings „den Bach runter“…wenn er denn einer ist.

 Die (un-)bekannten Einleitungsstellen

Es ist kein Vorwurf, aber die Geithe erfüllt die Funktion der Aufnahme von Abwasser. Ob Bach oder Abwasserkanal, hier gibt es eine Wesensverwandtschaft zu anderen Wasserstraßen. Neben den typischen Schmutzwassereinheiten wie Haushalts- oder Industrieabwässer gelten auch Niederschlagswassereinheiten als dem Abwasser zugehörig.[50]

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Das soll nicht das Thema sein, aber die Einleitungsstellen bedürfen einer besseren, weil erkenntnisreicheren Aufmerksamkeit.

Wie sieht es nun vor Ort aus? Die Geithe im Unterlauf bei Braam-Ostwennemar übt die Funktion des Vorfluters aus für sechs kommunale Einleitungsstellen. Charakteristisch ist das Mischsystem. Verschieden Arten von Abwasser werden zusammen in eine Kläranlage geführt.[51] Offiziell ist eine Kläranlage an der Mündung des Erlenbaches in die Geithe verzeichnet, sechs Regenüberläufe und –überlaufbecken stehen dem aber de facto gegenüber, was auf Anlagen hindeutet, die bei starken Regenfällen die besagte Kläranlage entlasten sollen oder müssen. Die Einleitung von ungeklärten Abwassermengen ist dabei wahrscheinlich.[52]

Im mittleren Abschnitt des Gewässers sind keine Einleitungsstellen vermerkt. Unter dem Hyperlink http://www.elwasweb.nrw.de kann das auch bestätigt werden:

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Der kommunale Charakter ist dem Unterlauf recht gut verordnet, der Oberlauf jedoch ist durch industrielle Betriebe geprägt. Die Regenrückhaltebecken und die Klärbecken der Firmen Du Pont de Nemours GmbH, Kraftwerk Westfalen und RWE Generation SE sind über die zugehörigen Einleitungsstellen mit der Geithe verbunden. Die vorgenannten Firmen sowie WESTFLEISCH eG und Hochtemperatur Kernkraftwerk GmbH werden als Direkteinleiter geführt.

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Bemerkenswert oder dem Zufall geschuldet, lediglich die RWE Power AG besitzt darüber hinaus eine Einleitungsstelle für den Hausabwasserbereich.

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Die Firma Du Pont stellt an diesem Standort den Kunststoff Polybutylenterephtalat (PBT) her und klärt ihre Abwässer, von denen nach eigenen Angaben immerhin 90% wiederverwertet werden, in einer eigenen Kläranlage.[53] In der Einleitungsgenehmigung berücksichtigte Stoffe umfassen Phosphorverbindungen (Phosphat), adsorbierbare organische Halogenide (AOX) und stickstoffhaltige Verbindungen. Seltsamerweise wird mit dem Vermerk „Fachobjekt liegt direkt an einem OFWK NRW.“ als Einleitungsstelle die Lippe als Oberflächenwasserkörper (OFWK) angegeben, obwohl das Betriebsgelände in der Luftlinie über 2 km von dem angegebenen Einleitungspunkt an der Lippe entfernt liegt, jedoch unmittelbar an die Geithe grenzt.[54] Westfleisch produziert in Hamm-Uentrop im Jahr ca. 200000 t Fleisch. Die Produktionsabwässer des Schlachthofs können laut Einleitungsgenehmigung Phosphor- und Stickstoffverbindungen enthalten. Auch sie werden nach Klärung „direkt“ in die über 1,5 km entfernte Lippe eingeleitet.[55] Auf dem RWE-Gelände befinden sich ein Kohlekraftwerk und das stillgelegte Kernkraftwerk THTR-300 der Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH. Für letztere existiert seltsamerweise eine Genehmigung, „sonstiges Wasser“ von der „Anfallstelle Luftkondensat“ mit Gehalten von Nickel, Cadmium, Chrom, Kupfer, Phosphorverbindungen, Quecksilber, Blei und Vanadium in die Lippe einzuleiten. Diese Substanzen sind allerdings nicht im Klartext erkennbar, sondern müssen erst unter Zuhilfenahme einer Tabelle aus einer Zahlenfolge decodiert werden. Nur nach dem Abtransport der radioaktiven Brennelemente zwischen 1993 und 1995 bis zu dem sogenannten „sicheren Einschluss“ im Jahr 1997 wurden schätzungsweise 900000 Kubikmeter dieses Abwassers der Lippe zugeführt, ansonsten lag die Menge bei Null.[56] Die Wassermenge, die als „häusliches Abwasser“ über die Kläranlage der RWE Power AG in die Geithe geleitet wurde, schwankte stark über die letzten 25 Jahre. Ca. 13000 Kubikmeter pro Jahr als Mittelwert der Jahre 2013 und 2014 ergibt einen Abfluss von weniger als 0,5 Liter pro Sekunde.[57] Dadurch und durch die noch geringere Menge von Quellwasser lässt sich nicht die relativ konstante Abflussmenge von 15-16 Liter pro Sekunde am Messpunkt „Brücke“ erklären, mit der die Geithe das Kraftwerksgelände verlässt. Als weitere Einleitungen wird Niederschlagswasser angegeben, unter anderem aus zwei Kohleabsetzbecken. Inhaltsstoffe werden dafür nicht deklariert, sodass es auch hier Anbetracht der üblicherweise eher schadstoffarmen häuslichen Abwässer, für deren Herkunft der Pförtner der Hochtemperatur-Kernkraftwerksgesellschaft (HKG) und ein Umweltlabor  angegeben werden, und Niederschlagswässer keine Erklärung für die im Laufe dieser Arbeit ermittelte Schwermetallbelastung gibt. Warum? Es ist doch unnötiger Raum für Spekulationen aufbereitet mit diesen Darstellungen. Entweder erfolgt hier eine systematische Verschleierung oder eine unbewusste Inkonsequenz nährt manche Haltlosverschwörung. Zu kritisieren wäre zudem der inkonsequente Umgang mit dem Namen des Gewässers, für das die Einleitungsgenehmigung vorliegt. „Geithe“ und „Geithebach“ sollten nicht synonym verwendet werden, wenn beide Namen für Gewässer auf entgegengesetzten Seiten des Kraftwerksgeländes in Karten zu finden sind.

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Anhand der Koordinaten die in den Einleitungsgenehmigungen zu finden sind, wollte ich feststellen in welchem Bach eingeleitet wird. Da es sich bei den Koordinaten um UTM  – Koordinaten handelt, musste ich diese erst umrechnen.[58]

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Einleitungsgenehmigungen für schwermetall- und sulfathaltige Abwässer fehlen für die Geithe. Es gibt sie hingegen für die Lippe, wonach allein aus der Herkunft durch die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) des Kohlekraftwerks über 113000 Kubikmeter pro Jahr (Mittelwert 2011-2014) dort entsorgt werden.[59] Wenn Einleitungsgenehmigungen für schwermetallhaltige Abwässer fehlen, dann könnte es passieren, dass bei „laienhaften“ und an „Methodik defizitären“ Probenentnahmen entweder keine Schwermetalle oder ziemlich viele Schwermetalle das Tageslicht erblicken. Wer sich von den Hauptakteuren dieses Projektes welcher Tageslichtfraktion zugehörig fühlt, bleibt dem Leser überlassen.

Behördenreaktionen … Aufstand der Zuständigen

  • Was ist der offizielle Tenor?

Die Geithe hat ein offizielles Bild bei den Offiziellen. Das ist wenig kritikwürdig und vereinfacht – so will ich immer noch glauben – die Kommunikation. Es ist ein natürliches Fließgewässer, aus den Niederungen kommend.[60] Das will ich festhalten ohne persönliche Zustimmung. Es ist den Behörden auch bekannt, dass die Gewässerstruktur durch Veränderungen in Verlauf und Bachbett praktisch ein neues Erscheinungsbild erhielt. Auf Grundlage der EU-Wasserrahmenrichtlinie von 2004 möchten die Offiziellen die Fischfauna, die biologische Gewässergüte II (mäßig belastet gemäß Saprobienindex), den Gesamtstickstoffgehalt oder die absorbierbaren organisch gebundenen Halogene (AOX) in die einhundertprozentige Auftragserfüllung bezüglich der gesetzten Qualitätsziele einordnen.[61]

Unabhängig von meinen Probenergebnissen, der Phosphatgehalt und der organische Kohlenstoff wurden entweder nur stichprobenartig oder ausschließlich im oberen Abschnitt bis 2640 m vor der Mündung der Geithe in die Ahse untersucht und mit dem Zufriedenzertifikat versehen. Keine verwertbaren Messreihen stehen dem gegenüber für objektive Nachvollziehbarkeiten, und die Sulfate oder einzelne Metalle wie Chrom, Zink, Cadmium oder Blei zeichnen sich durch Nichterwähnungen aus. Das ist sogar nachvollziehbar, denn offenbar gab es keine (offiziellen) Untersuchungen.[62]

Ein prinzipienfestes Positivbild von der Geithe kann man den zuständigen Behörden nicht in Abrede stellen, denn die schon erwähnten Qualitätsziele für Sulfat oder für die ausgerechnet giftigsten Schwermetalle Cadmium und Quecksilber werden als positiv eingeschätzt.[63] Diese Einschätzung will ich nicht positiv begleiten. Der Grund liegt nicht in meinen eigenen Untersuchungsergebnissen, die zwar eine gegensätzliche Interpretation zulassen, aber selbstverständlich nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Vielmehr verweigere ich mich dieser Einschätzung von Seiten der Behörden, da offensichtlich über unsichtbare Messreihen oder augenscheinliche Betrachtungen von Prüfkommissionen am Bachbett der Geithe Qualitätsaussagen getroffen werden (worden sind).

Zudem scheint die Kenntnis von Einleitungsstellen entweder vollständig oder mit unklarer Verortung und Anzahl der Einlassstellen zu fehlen.[64]

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Die Vorwürfe – wenn die Behördenseite sie denn so interpretiert – müssen aber einer fairen Standpunkteinnahme unterliegen, um mir keine Argumentationslastigkeit vorzuwerfen. Natürlich werden industrielle Direkteinleiter der Firmen Du Pont de Nemours, RWE Power AG Kraftwerk Westfalen, Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH oder WESTFLEISCH eG behördlicherseits erfasst[65], aber – ich verweise hier nur auf das Kapitel mit den Einleitungsstellen – Vollständigkeit und zeitnahe Erfassung unterliegen nicht der Transparenz und lassen einen belastbaren Spielraum für Thesen bezüglich Informationsgewinnung und- verarbeitung.

Warum erfolgen nun Renaturierungsmaßnahmen vor allem in der Ufergestaltung? 2009 wurden erhöhte Zinkkonzentrationen im Bewirtschaftungsplan Nordrhein-Westfalen im Unterlauf der Geithe ausgeschrieben.[66] Unter welchem Blickwinkel muss das Katz- und Mausspiel hinsichtlich des Wegtransportes vom Bachbettaushub interpretiert werden? Der Ist-Zustand ist verbindlich für mich, und die Experteneinschätzungen geben einen guten Zustand preis bezüglich prioritärer Metalle im Unterlauf oder aller Metalle im Oberlauf.[67]

k

Das ist der Tenor, der durch mich keine Beteiligung erfährt.

  • Reaktion in der Amtsstube

Boden- und Wasserprobenanalysen geben Schlussfolgerungen, die nicht im Einklang stehen zu offiziellen Einstufungen. Das ist nicht ungewöhnlich, denn Neujustierungen gehören dazu. Problematisch wird es, wenn diese Schlussfolgerungen ignoriert oder in die Nichtlegitimität eingestuft werden. Fangen wir an!

Am 29. Oktober 2015 übergab ich in Beisein meines Betreuers die Unterlagen zu den Boden- und Wasserproben dem Mitarbeiter Cigelski vom Umweltamt der Stadt Hamm. Bis heute habe ich diese unterschwellige Aggressivität in Erinnerung in seiner Tonart. Ich muss fair bleiben, denn die genaue Ursache ist mir ebenfalls bis heute nicht zuteil geworden. Lagen die Gründe in meiner Person, im sachlichen Auftreten meines Betreuers oder gaben die von uns thematisierten Probenanalysen den Ausschlag? In diesem Gespräch gab Herr Cigelski auch preis, dass er wisse, dass er dumm sei. Das Wissen besitze ich nicht, und es war ja auch – losgelöst vom Wahrheitsgehalt – nicht meine Anfrage. Die Verwunderung darüber blieb denn auch bis heute, so wie ich bis heute keine Erklärung zur Bachdefinition bekam. Jetzt geht es aber nur noch dienstlich voran. Herr Cigelski interpretierte ein Rohr hinter dem Düker als Bachquelle. Was ich von dieser Interpretation fachlich halte, kann den anvisierten Bachursprüngen bei den Eindeutigen Mehrdeutigkeiten entnommen werden. Herr Cigelski ließ auch keinen Zweifel daran, dass das Geithewasser nur Regen- und Oberflächenwasser sei, und das Betriebswasser THTR sei Grundwasser, welches außen am Gebäude des THTR abgepumpt werde. Er zog mit trockenem Unterton auch die Möglichkeit in Betracht, dass er im Bach seine Kinder spielen lassen würde. Wenn er als Vertreter einer Umweltbehörde für Menschen den Ganzkörperkontakt mit Schwermetallen propagiert, dann kann ich dem irgendwann einmal vielleicht eine Nachvollziehbarkeit abringen. Bis dahin möchte ich so etwas von mir weisen. Zum Aushub hatte er klare Kante gezeigt und verwies auf die Stadt Hamm als Initiator und verantwortliches Organ in der Durchführung. Der Abteilungsleiter der unteren Wasserbehörde schien hierbei offenbar auf Kante genäht zu haben mit dieser Aussage, wie sich später noch zeigen wird. Zumindest ließ sich Herr Cigelski zu einem vermutlich verbindlichen Versprechen motivieren, sich ab November 2015 in dieser Angelegenheit zu engagieren, dem Kollegen Herrn Dr. Schmidt-Formann die Unterlagen zu übergeben und zwecks Klärung einzelner Fragen zu melden. Mein Betreuer und ich gaben – und der Eindruck existierte am Ende dieser Amtsstubensitzung – mit reservierter, aber vorliegender Erwartungshaltung die Unterlagen dem Umweltamt der Stadt Hamm zur Einsichtnahme. Ein Fragenkatalog war beigefügt.[68]

Am 3. Dezember 2015 gab es ein weiteres Gespräch im Umweltamt der Stadt Hamm. Die angekündigte Meldung erfolgte nie, und deshalb gab es von mir noch einmal eine elektronische Initiativanfrage meinerseits für ein Treffen im Umweltamt am 23. November 2015. Nach etwas mehr als einer Stunde kam vom Herrn Dr. Schmidt-Formann schon die Information, auf die ich vier Wochen wartete: Er habe die Unterlagen erhalten, angesehen und sei im Gedankenaustausch mit Herrn Cigelski.[69] Kurzerhand wurde der schon erwähnte 3. Dezember 2015 terminiert.  Die Neugier war groß und verflog sofort, offenbarte mir Herr Dr. Schmidt-Formann doch eine gewisse Ahnungslosigkeit bezüglich der Fragen. Ich musste notgedrungen Herrn Dr. Schmidt-Formann, der sich mit professionalisiertem Interesse meiner Anliegen annahm, erneut den inhaltlichen Zugang zum Fragenkatalog skizzieren und sprach auch hier – wie bei Herrn Cigelski – den schwermetallverseuchten Aushub an. „Wollen Sie ein Fass aufmachen?“, kam es dabei mit scharfer Tonart aus dem Mund des Herrn Dr. Schmidt-Formann. Moment! Meinte dieser Mitarbeiter meine Mutter, die bis zu diesem Zeitpunkt die Ruhe in Person war und mich bei diesem Termin begleitete oder warf er mir diese Vorwurfsfrage entgegen, obwohl ich mir von Herrn Dr. Schmidt-Formann Hilfe versprach? Er gab mir den Fragenkatalog zurück. War es Ausdruck seiner Unkenntnis hinsichtlich der Beantwortung der Fragen? Ich fühlte mich unschuldig, suchte nur Hilfe und bekam Ablehnung. Die Verwirrung stand in meinem Gesicht geschrieben. Schließlich äußerte er den Standpunkt, dass der Aushub von RWE aus dem Bachbett ausgebaggert worden wäre. Herr Cigelski war aber anderer Meinung gewesen! Die Reißleine musste gezogen werden. Eine unterschwellige Aggressivität war im Behördenbüro zu spüren. An diesem Tag ging nichts mehr. Ich wollte nicht mit aller Macht eine unproduktive Kommunikation aufrechterhalten. Sachlich erfolgte die Trennung, und auf der Heimfahrt musste ich meine Gedanken ordnen.

Hatte ich mich in der Anschrift geirrt und war fälschlicherweise in die Lobbyistenzentrale für die Kraftwerksindustrie abgebogen? Mitnichten, denn das Umweltamt war in der Gustav-Heinemann-Str. 10 in Hamm angesiedelt und ist es heute noch. Verursachten meine Fragen eine instinktive Abwehrhaltung bei Menschen, die dem Beruf nach eigentlich eine instinktive Angriffshaltung einnehmen müssten? Die gab es auch … allerdings mir gegenüber. Konnte ich nicht mehr Freund von Feind unterscheiden?

  • Musterbeispiel einer aussitzenden Kommunikation

Ich startete einen Neuversuch am 5. Dezember 2015 und forderte Herrn Dr. Schmidt-Formann zur Beantwortung meiner im durchschnittlichen Deutsch formulierten Fragen auf.

Von: samanthaseithe@gmx.de [mailto:samanthaseithe@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 5. Dezember 2015 21:19
An: poststelle@mkulnv.nrw.de; Burgards@t-online.de; Cigelski, Rudolf; Schmidt-Formann Dr., Oliver
Betreff: Antrag auf Stellungnahme zur Geithe
Wichtigkeit: Hoch
Zur Kenntnisnahme an:

Herrn Remmel, Umwelt NRW

Herrn Cigelski, Umweltamt Stadt Hamm

Herrn Burgards, Bündnis 90/GRÜNE

(Unterlagen und Untersuchungsergebnisse können jederzeit angefordert werden)                                                                

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann,

bezugnehmend auf unser Gespräch am 3.12.2015 muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden bin. Am 29.10.15 hat mir Herr Cigelski zugesagt, dass er sich um meine Anliegen kümmern möchte. Sie haben sich, wenigstens freundlich, das Anliegen erneut erklären lassen, jedoch gab es keine Antwort auf meine Fragen. Nun erneut meine Fragen:

1.)

Im März 2015 wurde das Bachbett der Geithe und im November 2015 das Vorbecken des Dükers vor dem Datteln-Hamm-Kanal ausgebaggert. Von mir in Auftrag gegebene Analysen zeigen eine deutliche Schwermetallverseuchung der Sedimente auf. Wie wurde der Aushub jeweils deklariert und wohin wurde er entsorgt? Wie ist das Ausbaggern eines Baches zu erklären, der laut „Lebendige Bördebäche“ in einem ökologisch guten Zustand ist?

2.)

In meinen vorgelegten Unterlagen waren Diagramme zu finden, die eindeutig zeigen, dass die Wasserproben aus der Geithe, die ich auf meine Kosten analysieren ließ, die Grenzwerte von TVO, LAWA und die für diesen Fall relevanten Werte der WRRL deutlich überschritten. Wie wollen Sie in dem Fall der Schwermetallverunreinigung weiter verfahren?

3.)

Abgesehen von Niederschlagsereignissen führt die Geithe in ihrem Oberlauf ausschließlich industrielles Abwasser der Kraftwerksanlagen RWE, dies ist rechnerisch anhand der Einleitungen (ELWAS) zu ermitteln.

4.)

Im November wurde das Vorbecken des Dükers vor dem Datteln-Hamm Kanal ausgebaggert. Eine Bodenanalyse wurde von mir genommen, Ergebnisse von dem Labor liegen noch nicht vor, es gibt jedoch alte Schlammprobenergebnisse von diesem Teilabschnitt, die auch deutlich eine Schwermetallverseuchung des Schlammes aufzeigen.

5.)

Der Verlauf der Geithe wird von RWE wie folgt dargestellt:

 

Steffen, Guido <guido.steffen@rwe.com>

An

samanthaseithe@gmx.de

Dez 4 um 3:21 PM

Hallo Frau Seithe,

 

die Geithe entspringt nicht auf dem Standort (siehe weiter unten). Ein Foto der Quelle kann somit im öffentlichen Verkehrsraum ohne Betreten des Standortes bzw. ein Foto vom Standort gemacht werden.
Die Geithe „entspringt“ (oder besser: entsteht) an der Grenze der Stadt Hamm zum Kreis Soest, ungefähr an der Straßenkreuzung Lippestraße / Vellinghauser Straße. Die „Quelle“ ist die Feldentwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Von hier aus fließt der Bach zum Umspannwerk und dann zum KWE.Der Bach verläuft in Rohren unter dem Kraftwerk und fließt an der Westgrenze (Schmehauser Feld) des KWE wieder in ein offenen Bachlauf.

 

Gutes  Gelingen, schönes Wochenende und

Mit freundlichen Grüßen, vriendelijke groeten and kind regards

Guido Steffen
RWE Power AG
Externe Kommunikation/Pressestelle

Ihrer Aussage nach existiert nur eine kartographische Quelle, Herr Cigelski nannte jedoch ein Rohr hinter dem Duiker als Quelle. Weitere widersprüchliche Angaben zur Quelle und zum Verlauf finden sich bei ELWAS, Tim-online, Geoportal. Ferner unterscheiden mehrere Kartenwerke Geithe und Geithebach, wobei der Geithebach beim Kreis Soest und der Stadt Hamm nicht bekannt ist, obwohl laut ELWAS Einleitungsgenehmigungen auf den Geithebach eingetragen sind. Nur durch Überprüfungen der Koordinaten kann man herausfinden, dass die Geithe gemeint ist. Da es sich um zwei eigenständige Bäche mit zwei unterschiedlichen Gewässerkennzahlen handelt, sollten meiner Meinung nach die Einleitungsgenehmigungen transparenter gemacht werden.

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann, sehr geehrter Herr Cigelski, zweimal war ich zu Besuch im Umweltamt Hamm. Am 29.10.15 waren Sie, Hr. Cigelski, mein Ansprechpartner. Die unterschwellige Aggressivität, die Sie mir entgegenbrachten, und Ihr Ausspruch „ ich weiß, dass ich dumm bin“ ist nicht die Art und Weise, wie man einem Schüler, der wichtige Fragen zu einer Bachuntersuchung stellen möchte, entgegentritt. Sie hatten mir zugesagt, dass Sie, nachdem Sie ein Projekt fertig gestellt haben, sich ab dem 1.11. um meine Fragen und Anliegen kümmern wollten. Am 3.12. hatte ich erneut einen Termin bei Ihnen, Herr Dr. Schmidt-Formann. Ich bin nach Hamm gekommen in der Annahme, dass Herr Cigelski sein Versprechen gehalten hat und ich Antworten bekomme. Stattdessen musste ich Ihnen meine Fragen erneut stellen, da Herr Cigelski Sie nicht informiert hatte. Bei unserem Vorgespräch im August haben Sie mir das Gefühl vermittelt, dass Sie sich für mein Projekt interessieren würden. Ihre Bemerkung im Gespräch am 3.12. „ Wollen Sie ein Fass aufmachen?“ fand ich mehr als unverschämt und unpassend. Meinerseits habe ich vorab das Gespräch mit dem Umweltamt Hamm gesucht, um Lösungen und Antworten auf die Problematik der Geithe zu bekommen. Sie haben mir jedoch das Gefühl vermittelt, dass ich und meine Fragen unerwünscht sind. In den Schulen und vom Staat wird gerade unsere Generation immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig unsere Umwelt und der Umweltschutz sind. Bei mir erweckt es leider mittlerweile den Eindruck, Umweltschutz ist im höchsten Maße von Jugendlichen erwünscht, aber nur so lange wie etwas Positives dabei herauskommt oder wirtschaftliche Interessen gewahrt bleiben. Es soll keine Kritik oder Schelte an Behörden sein, ich möchte nur in meiner Arbeit verbindliche Aussagen verwenden und meine Arbeit wissenschaftlich korrekt beende. Mit den Worten von Dr. Schmidt-Formann: Ich möchte kein Fass aufmachen, sondern nur Antworten. Allerdings stellt sich bei mir nach solch einer Aussage  mittlerweile die Frage:„ ist es ein Fass?“, was soll ich nicht erfahren?

Ich fordere Sie zu einer schriftlichen Stellungnahme zu meinen Fragen bezüglich der Ihnen vorgelegten Unterlagen auf. 

Samantha Seithe

Die eigentlich von mir angestrebte Sachlichkeit im Umgang mit Menschen wurde hier strapaziert mit dieser Emailanfrage. Der Angriffsmodus war aber notwendig geworden. Eine Mixtur aus Desinteresse, Unwissen und respektlosem Verhalten kann das Arbeitsklima erschweren, aber nicht zerstören. Wie reagierte man nun in Hamm?

Gesendet: Donnerstag, 10. Dezember 2015 um 14:43 Uhr
Von: „Schmidt-Formann Dr., Oliver“ <
Schmidtformann@Stadt.Hamm.de>
An: „
samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Cc: „Hanke, Hubertus“ <
Hanke@Stadt.Hamm.de>, „Cigelski, Rudolf“ <Cigelski@Stadt.Hamm.de>, „Lambertz, Reinhild“ <lambertz@Stadt.Hamm.de>, „poststelle@mkulnv.nrw.de“ <poststelle@mkulnv.nrw.de>, „Burgards@t-online.de“ <Burgards@t-online.de>
Betreff: AW: Antrag auf Stellungnahme zur Geithe
Sehr geehrte Frau Seithe,

 in der Anlage übersende ich mein Antwortschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

 i.A.
Dr. Oliver Schmidt-Formann
Stadt Hamm | Umweltamt | Sachgebietsleiter 311.2 Landschaft | stv. AbtL 31.1 und 31.3 Untere Landschafts-  und Wasserbehörde | Projektleitung LIFE+Projekt LippeAue
Technisches Rathaus, A0.078 | Gustav-Heinemann-Straße 10 | 59065 Hamm | Tel.: 0 23 81 / 17-71 37 | Fax: 0 23 81 / 17-29 31 | web:
http://www.life-lippeaue.de | http://www.hamm.de

Sehr geehrte Frau Seithe,

Ihre Email vom 05.12.2015 habe ich erhalten und möchte Ihrer Bitte darauf zu antworten gerne nachkommen. Sie schreiben eine Facharbeit im Rahmen Ihres Schulabschlusses. Dazu hatten sie mich um Unterstützung bei Ihrer Recherche gebeten. Diese Unterstützung hatte ich Ihnen zugesagt und Sie zu einem Gespräch ins Umweltamt eingeladen. Nach einem Einführungsgespräch hatten sich weitere Fragen ergeben, die in einem weiteren Termin diskutiert werden sollten. Krankheitsbedingt hatte hier Hr. Cigelski, Abteilungsleiter der Unteren Wasserbehörde, den Termin wahrgenommen. Nachdem ich Rücksprache mit Herrn Cigelski genommen habe, haben wir einen weiteren Gesprächstermin vereinbart. Schon während der Terminfindung hatte ich Ihnen mitgeteilt, dass ich den von Ihnen vorgelegten Unterlagen keine konkreten Fragen entnehmen konnte, die ich Ihnen hätte beantworten können. Die mitgelieferte Liste war inhaltlich an vielen Stellen zu abstrakt formuliert.1 Entgegen Ihren Darstellungen lagen mir oder Herrn Cigelski also keine konkreten Fragen vor. In diesem Tenor leitete ich dann auch unser zuletzt geführtes Gespräch ein. Dem haben Sie inhaltlich nicht widersprochen. Ich möchte noch meine Verwunderung über die von Ihnen gewählte Vorgehensweise und Ihre E-Mail vom 05.12.2015 zum Ausdruck bringen! Ich habe unser letztes Gespräch als sehr positiv in Erinnerung.2 Sie konnten mir Ihre Fragen erläutern und ich habe versucht Ihnen die Antworten verständlich zu vermitteln. Zugegeben, nicht alles konnte ich mit einfachen und nachvollziehbaren Antworten erläutern – dazu sind die von ihnen gewählten Themen oft komplexer Natur und fachübergreifend geartet. Mit den von Ihnen angesprochenen Themenfeldern zur Gewässerökologie, geschichtliche und sprachwissenschaftliche Entwicklung des Gewässers „Geithe“, der geografischen Klärung des Gewässerverlaufs, den chemisch-physikalischen Gewässeruntersuchungen, den Analysen von Bodenproben, Einleitungen in das Gewässer sowie Aspekte des Wasserrechts haben Sie ein weites Feld verschiedenster Themenfelder eröffnet. Die von Ihnen angegangenen Fragestellungen allein reichen für mehrere Bachelorarbeiten aus, wollen die Fragen, wie es Ihren Ansprüchen entspricht, wissenschaftlich beantwortet werden. Als Naturwissenschaftler weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Wesen einer guten Argumentation eine lückenlose und unzweifelhaft nachvollziehbare Herleitung der gewonnen Daten ist. Dazu gehört selbstverständlich eine nach allgemein anerkannten und oftmals normierten Methodik. Allein bei der Entnahme einer Bodenprobe3 kann durch fehlerhafte Anwendung der Standards eine Analyse völlig wertlos werden, weil beispielsweise die Qualität der gewonnen Daten nicht hinreichend plausibel dargelegt werden kann. Zu Ihren Fragen im Einzelnen: Es entspricht der geordneten Gewässerunterhaltung ausgehobenes Bodenmaterial seitlich neben das Gewässer einzuarbeiten. Entsprechende Bestimmungen finden Sie im Landeswassergesetz und den einschlägigen Richtlinien.4 Arbeiten am „Vorbecken des Dükers“ sind mir nicht bekannt. In unserem Gespräch haben sie diese nicht erwähnt.5 Die Ihnen vorliegenden „alten Schlammprobenergebnisse“ liegen mir nicht vor und sind mir nicht bekannt. Die Geithe ist entgegen Ihrer Behauptung nicht in einem ökologisch guten Zustand. Dies ist die Zielformulierung gemäß Wasserrahmenrichtlinie. Die vorgelegten Daten sollen nach Ihren Angaben Grenzwerte der TVO, LAWA und WRRL überschreiten. Nur nach der Analyse einer Probe die unter normierten Bedingungen genommen wurde lassen sich diese weit reichenden Behauptungen weiter verfolgen. Da mir die Methodik nicht mitgeteilt wurde, muss ich zunächst von methodischen Fehlern ausgehen.6 Insofern sollten Sie in Ihrer Facharbeit diesem Umstand durch Relativierung Rechnung tragen. Aber auf Basis einer vorausgesetzten fachlichen Qualität können Sie die Werte sicherlich diskutieren und Ihre eigenen Einschätzungen ableiten. Hinweise zu einer erhöhten Belastung liegen mir auch nach Abgleich der bisherigen Untersuchungen im Rahmen des Monitorings der WRRL oder eigener Untersuchungen beispielsweise des Makrozoobenthos bzw. chemisch-physikalischer Parameter oder der Fischfauna nicht vor. Diese Einschätzung hatte ich Ihnen ja bereits in unserem Gespräch mitgeteilt. Nach Rücksprache mit der Unteren Bodenschutzbehörde ermöglichen die vorgelegten Analysen der „Boden- bzw. Sedimentproben“ keine wissenschaftliche Auswertung. Um ein Bachsediment fachlich und wissenschaftlich richtig zu bewerten, ist eine normierte Probennahme und anschließende Analytik sowie eine Bewertung im Hinblick auf eine gezielte Fragestellung unabdingbar. Neben der Geithe wird eine Vielzahl an Gewässern in NRW maßgeblich von Einleitungen gespeist. Das gereinigte Abwasser wird i.d.R. auf Basis wasserrechtlicher Erlaubnisse unter definierten Bedingungen und Auflagen eingeleitet. Dieser Umstand ist der hohen Bevölkerungsdichte unserer Region geschuldet, entspricht aber der gängigen Praxis. Trotz dieser anthropogenen Überformung können im Übrigen viele Gewässer in einen guten ökologischen Zustand überführt werden.  Die widersprüchliche Datenlage zum Ursprung der Geithe, dem Umstand, dass es den Bach kartografisch zwei Mal gibt und weitere Unklarheiten sind ein interessantes Ergebnis Ihrer Recherche. Ich warte gespannt auf das Ergebnis Ihrer Arbeit die vielleicht dazu führen wird, dass die Kartografie an diesen Stellen optimiert wird. Auch der Hinweis, die Einleitungsstellen transparent für die Bevölkerung nachvollziehbar zu machen, halte ich für interessant und freue mich auf Ihren Lösungsansatz. Für die weitere Bearbeitung und Ihren bevorstehenden Schulabschluss wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Dr. Schmidt-Formann

Und ich werde jetzt darauf auch gerne antworten.

1Es gab also angeblich keine konkreten Fragen. Konkrete Fragen aus dem Fragenkatalog wurden am 29. Oktober 2015 gestellt, Teile davon fragmentarisch beantwortet oder in eine spätere Klärung gelegt. Der Fragenkatalog wurde übergeben in Beisein meines Betreuers. Ob die Formulierungen im Katalog ein Übermaß an Abstraktion abfordern, entzieht sich meiner Kenntnis und Wertung.

2Lag die positive Wahrnehmung in der Nichtbeantwortung der Fragen oder im Abbruch der Kommunikation meinerseits an diesem Tag begründet? Die Frage muss ich offen lassen. Wenn die Email vom 5. Dezember 2015 als Bezugspunkt herangezogen wird, dann enthalte ich mich jetzt der Meinungsbildung.

3Es wurden am 29. Oktober 2015 acht Wasserprobenergebnisse vorgelegt, um genau die Argumentation zu verhindern, die ich dann am 10. Dezember 2015 in der Email von Herrn Dr. Schmidt-Formann nachlesen konnte.

4Die Mitarbeiter des Umweltamtes Hamm sind bezüglich der Verordnungen besser gesattelt als der gemeine Bürger. Das soll und muss auch so sein. Ursprünglich war es eine meiner Motivationen zur Kontaktaufnahme mit der Behörde in Hamm. Das ausgehobene Bodenmaterial wurde jedoch abtransportiert. Das hätte ich auch getan, allerdings wäre mir der heutige Aufbewahrungsort auch nicht entfallen oder wenigstens auf Nachfrage in die Erinnerung zurückkatapultiert. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, kommt mir bei diesen Schwermetallkonzentrationen etwas unverantwortlich über die Lippen, scheint aber eine zulässige Interpretation zu sein. Den Verantwortlichen – Stadt Hamm oder RWE – steht ja der Weg frei zur ökologischen Gegenargumentation. Ich will hier annahmefähig sein.

5Die Arbeiten am Düker wurden am 3. Dezember 2015 angesprochen. Ich hatte noch Ende November 2015 zur besseren Dokumentation Bildmotive von den Arbeiten am Düker erstellt. Die Bodenprobenanalyse vom Düker war zu diesem Zeitpunkt noch in Erstellung im Labor.  Das war aber kein Thema. Ob der Leser aus diesem Umgang mit der Erinnerungskultur Rückschlüsse ziehen mag, obliegt seiner Fantasie.

6Diese Argumentation ist so glänzend, dass das Sichtfeld (und noch mehr?) durch Verblendung ausgeblendet wird. Wenn über Privatinitiativen Boden- und Wasserproben der Analyse zugeführt werden, geht eine Behörde (automatisch!?) von methodischen Fehlern aus. Desinteresse bei Verantwortlichen und Nichtzuhören bei Zuständigen sind auch methodische Defizite, die aber eine starke Nähe zur Absicht  aufweisen. Die Schwermetallkonzentrationen sind so auffällig, dass das mit der Normierung gerne der zuständigen Behörde überlassen bleibt. Dort kann dann mit Vorbildfunktion die blütenweiße Normierung umgesetzt werden…wenn man denn will.

7Das gehört thematisch zum Punkt 6. Es gab insgesamt 4 Bodenproben bis zum Zeitpunkt des Gespräches mit Herrn Dr. Schmidt-Formann, die nach ernsthafter Sichtung der Analysen eigentlich der weiteren Überprüfung bedurft hätten. Die Farbpalette war schon zielgerichtet gesetzt, aber die prinzipielle Sache mit der Methodik. Vielleicht lag es ja an dem vielen Grün, das die Behörden zur Vorfahrt für Althergebrachtes animierte, zur Veranschaulichung noch einmal aus den Weckrufen entnommen:

Stoffe / Datum 17.02.15

Aushub am Rand

 

12.07.15

Geithe am Gitter Kraftwerk

Schlamm-

probe

 

12.07.15

Geithe

Brücke

Bohrkern

gezogen

war

ausge-

baggert

11.08.15

Geithe

Düker

Schlamm-

probe

ent-

nommen

 

Über dem Norm-wert

mg/ kg Boden

 

Grenz-

wert-

überschreit-

ung

nach

Klärschlamm-

Verordnung

mg/ kg Boden

 

Kupfer

mg/ kg Boden

67,7 52,6 < 2,00 69,5 50,00 60,00
Zink

mg/ kg Boden

661 465 < 2,00 536 100,00 200,00
Blei

mg/ kg Boden

66,9 55,7 45,2 51,4 30,00 100,00
Chrom

mg/ kg Boden

7,43 6,02 < 2,00 7,75 20,00 100,00
Cadmium

mg/ kg Boden

5,56 4,01 < 0,0100 29,2 0,50 1,50
Nickel

mg/ kg Boden

22 21,2 0 20 40,00 50,00
Quecksilber

mg/ kg Boden

0,0238 0,0229 0,00625 0,0266 0,20 1,00
Arsen

mg/ kg Boden

13,3 8,20 10,00 25,00
Aluminium

mg/ kg Boden

2750 2210 500,00 2500,00
Thallium

mg/ kg Boden

0,576 0,587 3,00 15,00
Uran

mg/ kg Boden

0,703 0,357 0,703 4,00 5,00

Ich muss irgendetwas in der Kommunikationsaufnahme und –fähigkeit übersehen haben. Oder war es alles belanglos? Mein Betreuer setzte nun ein Initiativzeichen, denn sowohl er als auch ich spürten die Reserviertheit auf Seiten der Behörde. Das restliche Kalenderjahr 2015 war durchzogen mit der Weiterarbeit am Projekt, aber auch mit der leisen Hoffnung auf Rückmeldung von Seiten des Umweltamtes der Stadt Hamm. Initiative war nicht zu erkennen, und bei der uns entgegengebrachten Argumentation im Dezember 2015 konnte auf eine Neuausrichtung in der Bewertungs- und Wahrnehmungsqualität nicht gesetzt werden. Es blieb Ernüchterung im Zwischenfazit hängen, denn die Kontaktaufnahme zur staatlichen Stelle glich in der Außenwirkung der Beschwerde eines Hehlers über die schlechte Zahlungsmoral seiner Kundschaft. Und jetzt argumentierte mein Betreuer Heinz Kiko:

Heinz Kiko                                                                                                                                  Werl, den 11.01.2016

Marien-Gymnasium Werl

Am Breilsgraben 2                                                                                                              Email: kiko@mg-werl.de

59457 Werl                                                                                                                                  Telefon: 02922 6004

 

Stadt Hamm

Umweltamt – Untere Wasserbehörde

Dr. Schmidt-Formann

Technisches Rathaus

Gustav-Heinemann-Straße 10

59065 Hamm

 

Bezug: Ihr Schreiben vom 10.12.2015 an Samantha Seithe, Am Zollbaum 2, 59514 Welver-Scheidingen

 

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann,

 

ich bin Biologie- und Chemie-Lehrer am Marien-Gymnasium in Werl und betreue im Rahmen meiner außerunterrichtlichen Aufgaben seit einigen Jahren auch Samantha Seithe, unter anderem zum Beispiel für Wettbewerbsteilnahmen. Zum großen Teil arbeitet Samantha Seithe bei ihren Projekten sehr selbständig und erschließt sich neue Arbeitsbereiche sowohl autodidaktisch als auch durch den Austausch mit Wissenschaftlern. Wie erfolgreich sie dabei war, mag Ihnen die Kopie eines Artikels aus der Süddeutschen Zeitung – als Anlage beigefügt –  verdeutlichen, mit Randergänzungen zum Hintergrund dieses Artikels. Die darin erwähnten Projekte hat Samantha als 11- und 12-jährige Schülerin bearbeitet. Bald wird sie 15 Jahre alt und im Mai/Juni 2016 sicher erfolgreich die Abiturprüfungen absolvieren. Diese Anmerkungen habe ich voran gestellt, da Ihr Schreiben vom 10.12.15 einige aus meiner Sicht bemerkenswerte Aussagen und Passagen enthält. Und dies sind auch die Gründe für dieses Schreiben.

 Ich selbst war dabei, als Samantha Seithe in Hamm eine umfangreiche Zusammenstellung von Daten und Fakten an Herrn Cigelski übergeben hat, zusammen mit einer Liste von Fragen. Inhaltlich geht es um ein Projekt zur „Geithe“, das Samantha Seithe seit längerer Zeit voran treibt und im Rahmen des „Fünften Abiturfaches“ als schriftliche Ausarbeitung im zurzeit geschätzten Umfang von etwa 100 Seiten (ohne Anhänge wie z.B. Karten, Email-Korrespondenz, Literaturliste) als Abiturleistung einbringen wird. Darüber hinaus wird die Arbeit wahrscheinlich für Wettbewerbe eingereicht und natürlich auch den Behörden zur Verfügung gestellt.

 Ohne auf Details eingehen zu können stehen als besondere Ergebnisse der Probennahmen aus der Geithe fest:

Die Wasserproben enthalten erhöhte, teils sehr hohe Belastungen an Metallen, auch an giftigen Schwermetallen. Dabei gibt es Unterschiede bei  den verschiedenen Probenahmen am gleichen Ort, aber zu verschiedenen Tagen. Zum einen weisen die Belastungen auf einen Zusammenhang mit Bergbau-Tätigkeiten oder mit der Kohlelagerung auf dem angrenzenden Kraftwerksgelände hin. Zum anderen wird deutlich, dass Belastungen auf einen Zusammenhang mit „Verzinkung“ hinweisen, möglicherweise aus den Kesseln eines  noch neuen Kraftwerksblockes, der nach meiner Kenntnis nicht in Betrieb gehen wird. Dies wird besonders deutlich bei den Daten aus Schlamm- und Bodenproben. Hier werden die Grenzwerte der Klärschlammverordnung überschritten.

 Und genau hierzu hat Samantha Seithe eine konkrete Frage gestellt: Die Geithe ist im Nahbereich nach dem Austritt aus dem „Industriebetrieb“ ausgebaggert und das Material zunächst am Rand der Geithe abgelegt worden. Dieser Bodenaushub ist aber nicht auf den Seiten verteilt worden, sondern kurz nach dem Ausheben abgefahren worden. Die berechtigte Frage von Samantha Seithe ist deshalb – wegen der Überschreitung der Grenzwerte zur Klärschlammverordnung – gewesen, wo dieser Bodenaushub nun verblieben ist. Und diese Frage ist bisher nicht beantwortet worden. Vielmehr wurde im Gespräch mit Herrn Cigelski deutlich, dass das Umweltamt der Stadt Hamm nach Aussage von Herrn Cigelski  von diesen Tatsachen gar keine Kenntnis hatte. Inzwischen ist auch im weiteren Verlauf der Geithe ausgebaggert worden, nämlich im Bereich eines Dükers!

 Sie verweisen in Ihrem Schreiben vom 10.12.2015 darauf, dass Probennahmen und Probenanalysen nach vorgegebenen Standards erfolgen (müssen). Mit dieser Aussage wird offenbar die Ernsthaftigkeit der Untersuchungen von Samantha Seithe in Frage gestellt und daraus wird abgeleitet, dass eine Beachtung dieser Daten und Fakten nicht nötig erscheint. Diese Sichtweise ist eine von den bemerkenswerten Aussagen und Passagen, die ich in keiner Weise teilen kann. Ich selbst war bei Probennahmen mit vor Ort und ich hege keinerlei Zweifel an der Verlässlichkeit der Untersuchungen und der Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse zu den Wasser- und Schlamm-/Boden-Proben. In der Geithe gibt es erhebliche Probleme mit Abwässern aus einem großflächigen Industriebereich. Und diese Probleme sind nicht dadurch gelöst, indem man fehlende Standards bei der Probennahme anführt und sich deswegen der Problemlösung offenbar nicht stellen will (oder kann?).

 In einer anderen Passage wird angeführt, dass die von Samantha Seithe angegangenen Fragestellungen in ihrer Bearbeitung den Umfang mehrerer Bachelorarbeiten erreichen. Ich bin ziemlich sicher und zuversichtlich, dass ein großer Teil der Fragen mit der bald fertig gestellten Arbeit von Samantha Seithe eine Antwort finden wird. Und nun komme ich zur einführenden Passage zurück. Für die Untersuchungen des Salzbaches im Bereich von Werl-Scheidingen hat Samantha Seithe auch den Jugend-Umweltpreis der Stadt Werl für das Jahr 2013 erhalten. Herr Lapornik-Jürgens – übrigens Schulleiter eines Gymnasiums der Stadt Hamm – hat als Laudator in seiner Rede sinngemäß formuliert, dass sich die Stadt Werl durch Samanthas Arbeit Kosten für ein Gewässergutachten im hohen vierstelligen, vielleicht sogar fünfstelligen Bereich erspart hat. Viel wichtiger war aber, dass die bereits projektierten Arbeiten zur Renaturierung des Salzbaches sofort nach den ersten Muschelfunden gestoppt wurden und Neuplanungen mussten angestellt werden. Nur dadurch konnten in NRW vom Aussterben bedrohte Arten vor der Vernichtung bewahrt werden! Denn man hatte die Renaturierung auf Basis veralteter Daten zum Salzbach als einem stark verschmutzten Fließgewässer ohne jegliche aktuelle Erhebung durchführen wollen. Inzwischen sind Teile des Salzbaches als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

 Meine Hoffnung geht dahin, dass die Untersuchungen und Ergebnisse aus der „Geithe-Arbeit“ von Samantha Seithe ähnlich positive Auswirkungen haben werden. Und in diesem Fall geht es sogar um deutlich mehr, nämlich den Schutz unserer Fließgewässer vor übermäßigen Belastungen, die zum Beispiel aktuell in Form von Mikro-Kunststoff-Müll im Rhein die Gewinnung von Trinkwasser in den Niederlanden mit neuen Frage- und Aufgabenstellungen beschäftigt. Und die Belastungen der Geithe kommen im Übrigen irgendwann auch in den Niederlanden an.

 Mit freundlichen Grüßen

Heinz Kiko

Am 5. Dezember 2015 erfolgte meine Email an Herrn Dr. Schmidt-Formann in Weiterleitung an den nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzminister Johannes Remmel. Eine Mitarbeiterin antwortete mir darauf am 18. Januar 2016 wie folgt:

Gesendet: Montag, 18. Januar 2016 um 12:06 Uhr
Von: „Bleck, Daniela“ <Daniela.Bleck@mkulnv.nrw.de>
An: „samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Betreff: Ihr Schreiben vom 05.12.2015

Sehr geehrte Frau Seithe,

Herr Minister Remmel hat Ihr Schreiben vom 05.12.2015 mit Interesse gelesen und mich gebeten, Ihnen zu antworten.

In der Zwischenzeit ist mir die Antwort zugegangen, die Sie von Herrn Dr. Schmidt-Formann von der Unteren Wasserbehörde der Stadt Hamm erhalten haben. Ich hoffe, dass Herr Dr. Schmidt-Formann damit die zwischen Ihnen bestehenden Differenzen klären sowie Ihre offenen Fragen hinreichend beantworten konnte. Seiner Einschätzung des Umfangs ihrer Schulabschlussarbeit kann ich mich nur anschließen; da haben Sie sich eine Menge vorgenommen. Für Ihr Interesse und Ihren Einsatz für unsere Gewässer in NRW möchte ich mich bedanken. Dies schließt kritische Nachfragen ausdrücklich mit ein. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Schulabschluss.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Daniela Bleck

———————–
Daniela Bleck
Dipl. Landschaftsökologin

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW Referat IV-6 Flussgebietsmanagement, Gewässerökologie, Hochwasserschutz

Schwannstr. 3
40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/4566-862
Fax: 0211/4566-946
E-Mail: daniela.bleck@mkulnv.nrw.de
Internet: www.umwelt.nrw.de

Ich saß da, verzweifelte und grübelte. Ein Mindestmaß an Selbstkritik wurde sofort herangezogen, um konstruktiv ein Resümee ziehen zu können. Aber wo sollte ich ansetzen? Die sachliche Art und das formgerechte Anfragen meines Betreuers – dokumentiert in seinem Brief vom 11. Januar 2016 – zeigten doch die Vehemenz im Aussitzen und Ignorieren selbst bei klaren Indizienketten. Mir war bewusst, dass ich keinen Alleinvertretungsanspruch in meinen Schlussfolgerungen bezüglich der Geithe einnehmen konnte, aber meine Schlussfolgerungen dienten auch nicht als Angriffsfläche für ein Umweltamt. Und welche Fragen hatte denn nun Herr Dr. Schmidt-Formann beantwortet zu meiner Zufriedenheit? Vielleicht waren die Antworten ja zu abstrakt oder ich hörte nicht zu bei den Rückverfolgungsthesen zu den Transportrouten des schwermetallverseuchten Aushubes. Die Geschichte ist danach schnell erzählt. Vorwürfe musste ich mir nicht machen. Ich war unwillkommen, hatte unbewusst „ein Fass aufgemacht“, stand zu Beginn dem Umweltamt in Hamm vorurteilsfrei gegenüber und zum Schluss in der schwermetallhaltiger Kritik. Am 20. Januar 2016 gab es den Beschwerdebrief an das Umweltministerium. Es war eine Kurzzusammenfassung der Ereignisse rund um die Proben.

[70] Der Erhalt↓ wurde vom Ministerium bestätigt, und der Sachverhalt steht gegenwärtig in Prüfung. Wir warten ab, und wenigstens in diesem Punkt nahm ich eine Bereicherung mit aus dem Amt in Hamm:

 

Gesendet: Donnerstag, 28. Januar 2016 um 10:15 Uhr
Von: „Bleck, Daniela“ <
Daniela.Bleck@mkulnv.nrw.de>
An: „
samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Betreff: AW: Ihr Schreiben vom 05.12.2015
 

Sehr geehrte Frau Seithe,

ich bedanke mich für Ihre weiteren Ausführungen in Ihrem nachstehenden Schreiben vom 20.01.2016. Zur Klärung des dargelegten Sachverhaltes müssen weitere Stellen mit einbezogen werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich bitte Sie daher um etwas Geduld, sobald die Klärung vorliegt, erhalten Sie eine Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Daniela Bleck

———————–
Daniela Bleck
Dipl. Landschaftsökologin

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW Referat IV-6 Flussgebietsmanagement, Gewässerökologie, Hochwasserschutz

Schwannstr. 3
40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/4566-862
Fax: 0211/4566-946
E-Mail: daniela.bleck@mkulnv.nrw.de
Internet: www.umwelt.nrw.de

  • Ein kommunikativer Leuchtturm

Es ging auch anders. Der 5. Dezember 2015 stand nicht nur im Zeichen einer Protestemail an das Umweltamt Hamm, sondern auch im Absenden einer Klärungsemail an die Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Obere Wasserbehörde. Schon am 11. Dezember 2015 erhielt ich von Herrn Müller, dem dortigen Abteilungsleiter, eine Informationsemail, aus der hervorging, dass sich der Sachbearbeiter Herr Immich der Sache annehme und mit Hamm Kontakt aufnehmen werde. Am 14. Januar 2016 gab es einen Zwischenbericht, bei dem um Geduld geworben wurde wegen mangelnden Fachbeitrages eines Kollegen. Ende Januar 2016 nahm sich ein Herr Tripmaker aus Lippstadt dieser Angelegenheit an und informierte mich am 1. Februar 2016 über den Stand der Dinge bezüglich der angesprochenen Themen. Aus dem Lagebericht ging hervor, dass meine Analyseergebnisse noch in Prüfung waren beim LANUV und das Umweltamt der Stadt Hamm angeschrieben wurde zwecks Stellungnahme. Er verblieb mit der Ankündigung auf zeitnahe Meldung. Am 16. Februar 2016 erreichte mich ein Antwortschreiben, das den Eindruck vermittelte, dass Anliegen mit offenen Ohren und unvoreingenommen bearbeitet würden.

  • Das Recht auf Informationszugang wird selbstverständlich von der Bezirksregierung Arnsberg akzeptiert. Ob es sich im Umweltamt der Stadt Hamm bezüglich des noch nicht gesichteten Aushubwegtransportes auch um diese Gesinnung handelt, bleibt abzuwarten. Die Stellungnahme aus Arnsberg war wie folgt: [71]
Jede Umweltbehörde ist nach Maßgabe des Umweltinformationsgesetzes des Bundes bzw. des jeweiligen Landes dazu verpflichtet, Ihnen den freien Zugang zu Umweltinformationen zu verschaffen. Allerdings kann der Anspruch auf Umweltinformationen im Einzelfall nicht oder nur eingeschränkt bestehen
  • Wie war das mit dem Betriebswasser und der Gleichsetzung mit Grundwasser beim THTR? Nach den Aussagen des Herrn Cigelski werde es ja außen am Gebäude abgepumpt und eingeleitet. Lesen wir aus Arnsberg die Sichtweise:
Der Begriff „Betriebswasser“ ist nicht gesetzlich definiert. Er dient oftmals als Oberbegriff für das in einem Betrieb anfallende Abwasser, welches entsorgt werden soll.

Abgepumptes Grundwasser ist nur dann als Betriebswasser anzusehen, wenn es im Betrieb eingesetzt und dadurch in seinen Eigenschaften verändert wird. Gemäß der Definition des § 54 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ist Abwasser u.a. das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften verändertes Wasser sowie das bei Trockenwetter damit zusammen (im Abwasserkanal) abfließendes Wasser.

  • Die Ansicht aus Arnsberg zur Hinweisprüfung fand ich korrekt. Ob sie auch immer korrekt umgesetzt wird? Oder bezogen auf das Umweltamt in Hamm: Kennen alle Ämter diese Haltung (Verpflichtung)?
5. Was hat das Umweltamt zu unternehmen, wenn sie darauf hingewiesen werden, dass Wasserrahmenrichtlinien nicht beachtete werden und Aushub aus dem Bach in die Kategorie Sondermüll fällt(…)?Aufgabe der zuständigen Wasserbehörden ist es, die von Ihnen vorgelegten Hinweise zu prüfen.
  • Zumindest sieht es Arnsberg als notwendig an, die Stadt Hamm dahingehend zu informieren, dass eine Prüfung der Hinweise zu erfolgen hätte. Diese Hinweise, also die Analyseergebnisse meiner Proben – wenn auch unter dem Deckmantel der amateurlastigen Methodik – waren also im Umkehrschluss schon so indizienlastig, dass die Prüfungsnotwendigkeit erkannt wurde.
Aufgrund Ihrer Hinweise und Untersuchungen sowie der v.g. Stellungnahmen werde ich die Stadt Hamm auffordern zu überprüfen, ob die vorgenommenen Unterhaltungsmaßnahmen

(Aushub von Sedimenten) wasser, bodenschutz – und abfallrechtlich ordnungsgemäß waren bzw. was ggf. zu veranlassen ist. Für diese Prüfungen und Bewertungen ist die Stadt zuständig, deshalb kann ich ihrer Bewertung nicht vorgreifen. Dafür bitte ich um Verständnis.

  • Die Sache mit den Einleitungen nimmt sich die Behörde selber an. Vielleicht ist es auch besser, und ohnehin ist es ein Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg.
Für die Einleitungen aus dem Kraftwerksgelände ist die Bezirksregierung als obere Wasserbehörde selber zuständig. Ich habe daher veranlasst, dass diese Einleitungen umfassend überprüft werden.
  • Es war immer meine Absicht, dass mit meinen Hinweisen eine Sache der professionellen Prüfung unterzogen wird, dass Bürgerhinweise mit Ernsthaftigkeit und wenig Aussitzen behandelt werden. Und ein kleiner Dank kam auch über den Schreibstift des Sachbearbeiters Tripmaker. Dafür ein Dankeschön!
Ich begrüße Ihr Engagement für die Umwelt und versichere Ihnen, dass Ihren Hinweisen nachgegangen wird.

Ich will hier nicht von einer Wende sprechen, aber eine adäquate Kommunikationskultur wurde installiert. Ich selbst muss eingestehen, dass ich nicht den Standpunkt einnehmen kann für totalitäre Schlussfolgerungen auf Grundlage meiner Analyseergebnisse. Das war nie die Absicht von mir, aber Behörden können vernünftig damit umgehen oder sich ihrer annehmen. Arnsberg zeigte es doch!

Von ähnlicher Hoffnung bin ich begleitet bei der Bezirksregierung Köln. Da die Bezirksregierung Köln das Vermessungsamt für Karten und die Namensgebung beinhaltet, gab es am 6. Februar 2016 eine Initiativemail von mir, die wenige Tage später beantwortet wurde mit Hinweis auf ein schwebendes Verfahren hinsichtlich des Projektes. Das ist schon einmal vielversprechend.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Samantha Seithe und ich wohne in dem schönen Ort Scheidingen. Im Rahmen meines fünften Abiturfaches und dem Bundesumweltwettbewerb habe ich mich für die Untersuchung der Geithe, Gewässerkennzahl 27868 und Geithe – Bach, Gewässerkennzahl 2785916  in Hamm entschieden.

Im Anhang befindet sich der Teil meiner Arbeit, der sich mit den Widersprüchen der Namensgebung und der widersprüchlichen Datenlage beschäftigt.

Der Lösungsansatz von mir wäre, dem Geithe – Bach einen anderen Namen zu geben, die Karten zu aktualisieren und dem Umwelt Hamm den Hinweis zu geben, bei Einleitungsgenehmigungen für ein stillgelegtes Kernkraftwerk genauer die Bachnamen zu benennen.

In der Hoffnung auf eine Antwort

Samantha Seithe

 Sehr geehrte Frau Seithe,

 Ihre Anfrage vom 06.02.2016 ist aktuell in der Fachabteilung in Bearbeitung.

Wir bitten noch um etwas Geduld.

 Mit freundlichen Grüßen,

Im Auftrag

Olaf Lüders

Bezirksregierung Köln

Dezernat 74 – Geodatenzentrum & Geodateninfrastruktur

50606 Köln

 Dienstgebäude: Muffendorfer Str. 19-21, 53177 Bonn

Telefon: + 49 (0) 221 – 147 – 4500

Telefax: + 49 (0) 221 – 147 – 4874

mailto: olaf.lueders@bezreg-koeln.nrw.de

http: //www.bezreg-koeln.nrw.de

Schluss, aber nicht aus!

Die Geithe scheint – losgelöst von allen Diskussionen um den richtigen Namen, die angebliche Quelle und die tatsächliche Anzahl an Einleitungsstellen – eine zeitlose Ablagerungsstelle. Waren die eiszeitlichen Skelettreste im Bachbett der Geithe noch von paläontologischem Interesse ohne den schadstoffbelasteten Beigeschmack, hatte die Zechenwasserabführungsfunktion der Geithe zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein trauriges Spiegelbild der Industrialisierung hervorgebracht. Ob in ihrem Wesen verankert, sei dahingestellt, aber das Fließgewässer zog die verführerische Aura des Abwasserkanals an. Die Schattenseiten der urbanen Industrialisierung fanden aber in der kritischen Fachliteratur ein geeignetes Begleitmedium. Dieser Synergismus verließ das 20. Jahrhundert nicht. Und das ist im Zwischenfazit das Skandalöse.

Angefangen bei diesem sprachlichen Wirrwarr um dieses Kompositum „Bach“, ergänzt um eine fast eindeutige Zuordnung über die Gewässerkennzahlen, ließen die Bachquellentheorien, auch hier ergänzt um spannweitenersichtliche Statements von Seiten der Behörden, dann endgültig den Würfel fallen für Wasser- und Bodenproben. Es lag beträchtlich viel im Unklaren, um von zufälligen Ansammlungen auszugehen. Die Organoleptik bildete das Startkarree, und das PCE-PHD 1 Messgerät lieferte über die Messung physikalisch-chemischer Parameter Datensätze zu tragbaren Interpretationen. Die Schwankungen und Ausreißer bei den pH-Werten, bei den Sauerstoffkonzentrationen oder den elektrischen Leitfähigkeiten brachten eine wiederkehrende Vermutung, in der stets eine fassbare Nähe zu günstigen Einlassterminen für Industriegewässer auf dem Industriegelände zu beobachten war. Und der „Abwasserkanal“, losgelöst von Verrohrungen und tatsächlichen Verläufen, stand zumindest Pate für den Abfluss. Schon in diesem Stadium der Versuche und Proben zeigte sich eine selbstkritische Komponente bezüglich der eigenen Vorgehensweise. Die Messergebnisse der Salzkonzentration waren in ihrer Messgenauigkeit für belastbare Dialoge ungeeignet und hätten den auf Sand gebauten Thesen Tür und Tor geöffnet.

Die chemischen Schnelltests offenbarten für mich den Charakter der Geithe, denn eben nur so manches schien in Ordnung zu sein. Der halbquantitative Test „Quantofix“ und der Schnelltest „Viscolor ECO“ von der Firma Macherey-Nagel wiesen auf unproblematische Parameterkonzentrationen hin, da unterhalb der Nachweisgrenze liegend. Ich reflektierte, suchte selbstkritisch nach Verfahrensfehlern und blieb bei Widersprüchen hinsichtlich der Ausreißer in den Leitfähigkeitsmessreihen bei den Wasserproben hängen. Es passte irgendetwas nicht. Das aufkonzentrierte Wasser war der Schlüssel, um tiefer in das wahre Ausmaß zu gelangen. Die durchgeführten Versuche (u. a. Boraxperle und Cobaltnitrat) brachten Niederschläge und Färbungen zum Vorschein, die eine Handlungsalternative zum Einsenden in ein zertifiziertes Labor zur fachmännischen Analyse förmlich untersagten. Meine Analyseergebnisse mussten von zweiter Hand getragen sein, um damit nachgelagerten Schlussfolgerungen eine breite Belastung zukommen zu lassen. Die Verwirrung war dabei zügig gelöst. Meine Tests versagten bei den Schwebstoffen, die aber ursächlich waren für die dann gemessenen Konzentrationen an Mangan, Barium oder Sulfat im Labor.

Der Weg zu den Sedimentproben einschließlich des Aushubes war nun vorgezeichnet. Die Messwerte von Aluminium, Zink, Cadmium oder Kupfer überschritten dabei die Grenzwerte der Klärschlammverordnung, wobei nun ausgerechnet Cadmium als problemloser Grenzwertüberspringer herausragte bei den Messreihen. Bei diesen Dimensionen konnte ich aus dem Stegreif die Frage nach dem Aufbewahrungsort des Aushubes stellen. Die Beantwortung erfolgt dabei nur über die Transparenz der Transportrouten für Sondermüll – wenn er denn als solcher charakterisiert ist. Weiteres bleibt zwingend abzuwarten. Die Rückverfolgung der Schwermetalle war nicht möglich oder ließ keine Eindeutigkeiten zu – auch hier auf der Suche nach Quellen außerhalb des Kraftwerksgeländes, obgleich ein Großteil des Wasser und seiner Inhaltsstoffe von diesem Kraftwerksgelände stammt. Der Leser möge sich eine selbst formulierte Schuldzuweisung für die Schwermetallverseuchung herleiten.

Dass es bei dem Bach schon mit der Begrifflichkeit hakte, zeigte sich erst während der Projektbearbeitung. Das war ein typisches Randerscheinungselement mit anfänglich ungewolltem Charakter. Nach jetzigem Erkenntnisstand kann die Geithe kein Bach sein, da die „Quelle“ ein Drainagerohr bildet, in dem sich Wassermengen aus dem Umspannwerk des Kraftwerks sammeln und abfließen. Die genaue Zusammensetzung dieses Abwassers kann nur über konsequente Prüfreihen erfolgen, und dann können auch spannweitenüberschaubare Rückschlüsse gezogen werden zu weiteren Einlassmengen oder zu den Quellen der Verunreinigungen. Ich kann mich darauf selbstkritisch einlassen, und zuständige Stellen können mit qualifizierter Methodik ihren fachwissenschaftlichen Beitrag leisten zu einer adäquaten Abwasseranalyse. Es ist doch für das Gesamtbild bezeichnend, dass wasserrechtlich die Begriffe „Bach“ und „Abwassergraben“ keiner klaren Differenzierung unterliegen oder natürliche Gewässer – unabhängig vom Grad der künstlichen Eingriffe – nach juristischer Argumentation den Begriff „Natürlichkeit“ nicht ablegen müssen. Ob mit diesem unklaren Sprachgebrauch einer Bürgertäuschung Tür und Tor geöffnet werden soll, kann abschließend nur durch eine wahrheitsgetreue Abbildung des Ist-Zustandes erreicht werden. Das gilt auch für die Anzahl der Einleitungsstellen!

Es ist immer einfach, den moralischen Zeigefinger zu betätigen. Das ist nicht die Absicht des Projektes! Von Beginn meiner Untersuchung an verstand ich meine Probenanalysen oder die gewonnenen Erkenntnisse nur als Ausgangspunkte für weiterführende Untersuchungen. Der Kontakt zu dem Umweltamt der Stadt Hamm entsprach dem nicht. Hierfür sehe ich als Begründung die Nichtakzeptanz meiner Person bezüglich der andiskutierten Themen, die prinzipielle Nichtbereitschaft zur Annahme der andiskutierten Themen oder die hintergründige Nichtbereitschaft zur Annahme meiner andiskutierten Themen. Ich will keine Vermutungen auf Papier bringen , und die Beiratsfunktion im Regionalbeirat Nord bei RWE für den Hammer Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann soll ja auch nur die Kooperationsfähigkeit von Wirtschaft und Kommunalpolitik zeigen, aber meine angeblichen Defizite in der Methodik zur Probenentnahme sind im schlimmsten Fall ausschlaggebend für Nuancen in der Interpretation bei Messreihen. Die Überkonzentration an einzelnen Schwermetallen kann mit einer borniert-elitären Kommunikationskultur nicht in den unsichtbaren und fassungsfreien Raum katapultiert werden, oder ich formuliere es mit deutschen Worten: Der tatsächliche Ursprung und das wahre Ausmaß an Schwermetallkonzentrationen gehören auf den Tisch der Zuständigen, damit ein – wenn überhaupt gewollt –  möglicher Maßnahmenkatalog nicht wie das Hornberger Schießen ausgeht. Die konstruktive Korrespondenz mit der Bezirksregierung Arnsberg zeigt aber auch die Nichtpauschalität meiner Beobachtung bezüglich der Kontaktaufnahme zu Behörden. Diese Beobachtung gehört ebenfalls zu meinem Fazit mit Halbzeitpausencharakter.

[1] Vgl. hierzu ausführlich den Beitrag von Dr. Paul Siegfried aus Münster, abrufbar unter http://www.felixbierhaus.de/html/eiszeit.html oder nachzulesen im Heimatkalender des Kreises Soest für den Landkreis Soest, Landkreis Soest (Hrsg.), Jahrgang 36, S. 45ff.

[2] Vgl. hierzu http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf#.

[3] Die Informationsemail stammt vom 16. Juli 2015. Der vollständige Inhalt kann in der Emailsammlung im Anhang eingesehen werden.

[4] Vgl. zur Denkschrift und zur Einweihungsfeier die Informationen unter http://www.verkehrsverein-hamm.de/Files/files/HammMagazin_05-2014_web_61.pdf und https:// www. hamm. de/ kultur / kultureinrichtungen /stadtarchiv/aktuelles/die-spaetere-loesung-der-ahseverlegung.html.

[5] Vgl. hierzu die Informationen unter http://www.albert-gieseler.de/dampf_de/firmen4/firmadet44922.shtml.

[6] Vgl. hierzu das Gutachten vom 9. April 1904 aus Münster von Dr. Bömer betreffend den Einfluss der Abwässer der Zeche Maximilian auf das Wasser des Geithebaches und der Ahse, nachzulesen in den Akten des königlichen Oberbergamts zu Dortmund, Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Oberbergamt Dortmund, Nr. 6753, S. 17.

[7] Der Auftraggeber war ein Rittergutsbesitzer Löb zu Caldenhoff bei Hamm/Westf. Er vermutete schon richtig den schädlichen Einfluss des durch das Zechenwasser zugesetzten Geithewassers auf den Baum- und Pflanzenwuchs. Das Geithewasser wäre so natürlich auch nicht mehr zur Verfügung gestanden für ein Trinkwasserreservoir des dort befindlichen Weideviehs.

[8] Vgl. hierzu Anmerkung 4, S. 8ff.

[9] Schon 1599 war das Fischereirecht im Geithebach bis zum Dorfe Schmehausen belegt. Die zugehörige Motte Mark (Turmhügelburg) – Reste des Burgstalls liegen im heutigen Stadtgebiet von Hamm –  lag in der flachen Niederung der Ahse, nördlich der Einmündung des Geithebaches in die kanalisierte Ahse. Im Rahmen der Umbettung der Ahse vor dem Ersten Weltkrieg – unter Leitung des damaligen Hammer Stadtbaurates Otto Krafft – erfolgte auch in Teilen eine  künstliche Neubettung der Geithe. Vgl. hierzu https://www.hamm.de/de/kultur/kultureinrichtungen/stadtarchiv/aktuelles/die-spaetere-loesung-der-ahseverlegung.html und https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Mark.

[10] Vgl. hierzu die entsprechenden Ausführungen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Maximilian  und Dr. Bömer, Beiträge zur chemischen Wasseruntersuchung, in: v. Buchka, Karl Heinrich (Hrsg.), Zeitschrift für Untersuchung, der Nahrungs- und Genussmittel, sowie der Gebrauchsgegenstände Band 10, 1905, S. 138 oder die vorgenannte Akte des Bergbauamts.

[11] Vgl. hierzu die Ausführungen unter http://www.heimatkunde-uentrop.de/index.php?id=Schmehausen-seite-53.

[12] Vgl. hierzu Dr. Reimann-Gröne, Die Geographie des Ptolemäus für Niederrhein-Westfalen, Essen 1938, S. 6.

[13] Vgl. hierzu Heinzmann, Guido, Gemeinschaft und Identität spätmittelalterlicher Kleinstädte Westfalens, Eine mentalitätsgeschichtliche Untersuchung der Städte Dorsten, Haltern, Hamm, Lünen, Recklinghausen und Werne, Norderstedt: Books on Demand 2006 und v. Steinen, Johann Dietrich, Versuch einer Westphälischen Geschichte, besonders der Grafschaft Mark, Dortmund 1749, als Onlineausgabe abrufbar unter http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/urn/urn:nbn:de:hbz:6:1-2078.

[14] Vgl. hierzu u. a. die historische Karte unter www.heimatkunde-uentrop.de: Heimatkunde Uentrop – Ortsteil Schmehausen: Schmehausen – Haus-Nr. 49.

[15] Vgl. hierzu das entsprechende Kartenmaterial unter  http://www.tim-online.nrw.de.

[16] Vgl. zu den Gewässerkennzahlen in Nordrhein-Westfalen u. a. die Auflistungen unter https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjeuviuvoHKAhWkj3IKHfkODecQFggcMAA&url=http%3A%2F%2Fwww.lanuv.nrw.de%2Ffileadmin%2Flanuv%2Fwasser%2Fpdf%2FGewaesserverzeichnis%2520GSK3C.xls&usg=AFQjCNG1-CRw3e__nmO_PRq1qB6wLtMb_w&bvm=bv.110151844,d.bGQ.

[17] Auf mehreren  Portalen des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, z.B. http://www.tim-online.nrw.de/, http://www.elwasweb.nrw.de/ oder https://www.geoportal.nrw.de/,  wurde der Geithebach als solcher, aber auch als Geithe bezeichnet.

[18] Vgl. hierzu http://www.hammwiki.de/wiki/Geithe_%28Bach%29.

[19] Die entsprechende Emailkorrespondenz kann in der Emailsammlung im Anhang eingesehen werden.

[20] Vgl. hierzu Greule, Albrecht, Deutsches Gewässernamenbuch: Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen, Regensburg 2014.

[21] Die E-Mail stammt aus der Emailkorrespondenz im Juli 2015 mit Vertretern des LANUV.

[22] Der Düker ist der Geitheabschnitt, der unter dem Datteln-Hamm-Kanal durchfließt.

[23] Nun zum Schluss noch drei Fragen:

Meine Frage dazu, wer ist die zuständige Stelle für Änderungen an Kartenwerken des Landesministeriums oder nehmen Sie sich der Sache an?

Muss ein Gewässer mit Gewässerkennzahl kontrolliert werden?

Was ist eine Experteneinschätzung?

[24] Organoleptische Prüfungen sind hilfsmittelfreie Bewertungen von Objekten bezüglich direkt wahrnehmbarer Eigenschaften dieser Objekte. Hierzu zählen Geruch, Geschmack oder Farbe. Sie sind umgangssprachlich auch als „ erkennbare Vorabinformationen“ bekannt.

[25] Das pH-Messgerät PCE-PHD 1 ist ein Multifunktionsgerät zur Überprüfung der Wasserqualität. Das tragbare pH-Messgerät dient zur Kontrolle der Wasserparameter pH-Wert, Redox, Leitfähigkeit, Salzgehalt, Sauerstoff und ist auch zur Temperaturmessung geeignet. Eine 3-Punkt Kalibrierung und eine automatische Temperaturkompensation garantieren eine hohe Genauigkeit auch bei sehr schwankenden Messtemperaturen.

[26] Die van-’t-Hoff’sche Regel  (auch Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel, RGT-Regel) ist eine grobe Abschätzungsregel der chemischen Kinetik und erlaubt die Abschätzung vieler naturwissenschaftlicher Phänomene. Sie besagt, dass chemische Reaktionen bei einer um 10 K erhöhten Temperatur doppelt bis viermal so schnell ablaufen.

[27] Der komplette Datensatz kann im Anhang eingesehen werden.

[28] Vgl. hierzu http://www.wetteronline.de/wetter/hamm.

[29] Wie kam es zur Fließgeschwindigkeit? Ich ließ einfach ein Stück schwimmendes Holz 6 Meter zurücklegen im Bach und stoppte die Zeit. Zur besseren Nivellierung führte ich den Test mehrmals durch. Das war es gewesen!

[30] Vgl. hierzu https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_text_anzeigen?v_id=10000000000000000322.

[31] Vgl. hierzu Rienäcker/Spieß: Qualitatives anorganisches Praktikum für Biologen, LMU München, Rienäcker / Spieß, Fassung: 3. Nov. 1998                 http://www.cup.uni muenchen.de/ac/lorenz/student/pdf/Ql_bio.pd.

[32] Ebenda, an entsprechendem Ort.

[33] Vgl. hierzu JD-UQN laut Abschlussbericht _LAWA_QN-V_100317, Seite 14:
https:// www. google. de/ url?sa =t&rct =j&q =&esrc =s&source= web&cd =1&cad = rja&uact=8&ved= 0ahUKEwjaxJuP1OvKAhVExQ8KHf9cBgkQFggoMAA&url =http%3A%2F%2Fwww. laenderfinanzierungsprogramm. de%2Fcms%2FWaBoAb _prod%2FWaBoAb%2FVorhaben%2FLAWA% 2FVorhaben_des_Ausschusses_ Oberflaechengewaesser_und_Kuestengewaesser_ (AO)%2FO_5.07%2FAbschlussbericht _LAWA_QN-V_100317.pdf&usg= AFQjCNHuzXGvMt4 FqeLu2dDE12mfc0BHFQ&bvm = bv.113943665,d.bGs; https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0ahUKEwjMiYq33OvKAhVCD5oKHXqgDLAQFggoMAA&url=http%3A%2F%2Ftu-dresden.de%2Fdie _tu_dresden%2Ffakultaeten%2Ffakultaet _forst_geo_und_ hydrowissenschaften% 2Ffachrichtung_ wasserwesen%2Fifw%2Flehre%2F Wasserinhaltsstoffe-Schwermetalle _1.pdf&usg =AFQjCNF0sQnRY _VXcXl4vwP2FMS7Psw5fg und JD-UQN laut OgewV:
https: //www. gesetze -im-internet.de/ ogewv/anlage_7.html.

[34] Vgl. hierzu http://www .bachpaten .vg-arzfeld.de /download /info_brief_3.pdf und http://www.vdg-online.de / uploads/media/bd64_bewertungsboegen20050119_01.pdf.

Die vollständingen Erhebungs- und Bewertungsbögen können unter Datenmaterial zu den Versuchsreihen und anderer Schriftverkehr eingesehen werden.

[35] Der komplette Datensatz kann im Anhang eingesehen werden.

[36] Im Anhang Datenmaterial zu den Versuchsreihen und anderer Schriftverkehr kann die komplette Beschreibung eingesehen werden.

[37] Vgl. hierzu mein Projekt „Hat das stillgelegte AKW Hamm seine Umwelt beeinflusst?“. Dieses Projekt ist auf Nachfrage zu beziehen über meine Person. Herrn Achim Hucke gilt mein Dank, er hat mir für die damalige Arbeit Unterlagen zur Verfügung gestellt.

[38] Vgl. hierzu als Einstieg in die Problematik die Äußerungen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Pac-K%C3%BCgelchen.

[39] Rot gibt den Bereich einer Überschreitung nach der Klärschlammverordnung bei den toxischen Elementen wieder. Orange markiert den Bereich über dem Normwert, und das Grün ist erwartungsgemäß der Normalbereich.

[40] Vgl. hierzu https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/abfkl_rv_1992/gesamt.pdf

[41] Vgl. hierzu http://www.berkefeld.com / berkefeld / ressources / documents / 1 / 27868 , VGB-PowerTech-2012-09_Behandlung_A.pdf, S. 125.

[42] Vgl. hierzu http://www. fachdokumente. lubw.baden-wuerttemberg.de / servlet/ is/40162/ pef496001SBer. pdf?command=downloadContent&filename = pef496001SBer.pdf&FIS=203, S. 12.

[43] Vgl. hierzu http://www.oeko.de/oekodoc/107/2003-010-de.pdf Steinkohle.

[44] Vgl. hierzu http://www.planet-wissen.de/natur/fluesse_und_seen/lebensraum_fluss/pwievonderquellebiszurmuendung100.html.

[45] Vgl. hierzu http:// www.flussgebiete .nrw.de / img_auth.php /a/ac/ Broschuere_unser_wasser_web.pdf und http:// www. Flussgebiete .nrw.de /index.php/Meldungen/Eintrag_20150417083921.

[46] Die Emailkorrespondenz kann im Anhang eingesehen werden.

[47] Vgl. hierzu http://www.uni-duesseldorf.de /MathNat / Biologie / Didaktik / WasserSek _I/ glossar.html#Anker550986, http:// files.schulbuchzentrum-online.de/onlineanhaenge/files/978-3-507-10914-8-2-l.pdf oder die im Anhang befindliche Emailkorrespondenz mit der betreffenden Mitarbeiterin des Umweltministeriums in Düsseldorf. Von der Mitarbeiterin namens Fischer stammte auch der Hinweis zur Einsichtnahme in die nordrhein-westfälische Broschüre.

[48] Vgl. hierzu http://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/kuenstliche-einleitung-von-wasser-in-ein-bachbett-ohne-quellen-2-379108.

[49] Vgl. hierzu Wassergesetz für das Land Nordrhein-Westfalen:  https:// www.google. de/url? sa= t&rct= j&q=&esrc =s&source= web&cd=5&ved=0ahUKEwif4uvJmubKAhUECCwKHZagAwIQFgg-MAQ&url=http%3A%2F%2Fwww.muenster.de%2Fstadt%2Fumwelt%2Fpdf%2FLWG_1995.pdf&usg=AFQjCNGhIP 11BCM qk8Gdc Mf V b WKyVB whQ&bvm=bv.113370389,d.bGg.

[50]Vgl. hierzu die Enwässerungssatzung Soest unter https://www.google.de/ url?sa=t&rct=j&q=&esrc =s&source= web&cd=8&ved = 0ahUKEwiJpMSF6OvKAhXFNpoKHUSECnMQFghIMAc&url=http%3A%2F%2Fwww.soest.de%2Fbuergerservice_politik%2Fortsrecht%2F__Entwaesserungssatzung_2014_Veroeffentlichung_.pdf&usg=AFQjCNEa8AywqzP5vWobrZAeCC2xF52M6A, Seite 2.

[51]Ebenda, S. 3.

[52]Vgl. hierzu http://www.elwasweb.nrw.de und https://www.google.de /url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source =web&cd =3&ved= 0ahU KEwi3l6376evKAhXFJ5oKHZQ1AsAQFggyMAI&url=http%3A%2F%2F

www.lanuv.nrw.de%2Ffileadmin%2Flanuv%2Fwasser%2Fabwasser%2Flagebericht%2Fpdf%2FKapitel-4-Abwasserableitung.pdf&usg = AFQjCNGT4UhMP3HM9UWhCTZC4dG0MT_QEA&bvm=bv.113943665,d.bGs, S. 48.

[53] Vgl. hierzu http://lanxess.de/de/corporate/ueber-lanxess/deutsche-standorte/hamm-uentrop/zahlen-fakten/.

[54] Vgl. hierzu http://www.elwasweb.nrw.de.

[55] Vgl. hierzu http://westfleisch.de/unternehmen/standorte.html.

[56] Vgl. hierzu https://www.google.de /url?sa =t&rct=j&q=&esrc= s&source= web&cd=1&cad= rja&uact= 8&ved= 0ahUKE wj7 u Le0wu7KAhVmCZoKHVNYB0sQFggoMAA&url=http%3A%2F%2Fwww.lanuv.nrw.de%2Ffileadmin%2Flanuv%2Fabfall%2Fpdf%2FBenutze rha ndbuch _ADDISweb_V25_Anhang.pdf&usg =AFQjCNFSyTjc4NHyeBGp_mmHQj60zaq7Nw und pbadupws.nrc.gov/ docs/ ML0215/ ML021510148.pdf.

[57] Vgl. hierzu Anmerkung 5.

[58] Vgl. hierzu http://www.deine-berge.de/umrechner_koordinaten.php.

[59] Vgl. hierzu Anmerkung 8.

[60] Vgl. hierzu die Einstufung im Erlebnisbericht zur Lippe, abrufbar unter http:// daten. Flussgebiete .nrw.de/ bestandsaufn/ daten/lippe/index.html, S. 26 und 53.

[61] Ebenda, S. 89.

[62] Ebenda, S. 138f.

[63] Ebenda, S. 344.

[64] Ebenda, S. 168 und S. 345.

[65] Vgl. hierzu die Übersicht der industriellen Direkteinleiter unter https:// www.google.de /url?sa=t&rct=j&q=&esrc =s&source= web&cd=2&ved=0ahUKEwiSsfqY_ujKAhWD1SwKHe3yDucQFgguMAE&url=http%3A%2F%2Fwww.lanuv.nrw.de%2Ffileadmin%2Flanuv%2Fwasser%2Fabwasser%2Flagebericht%2Fpdf%2FAnhang_B.pdf&usg=AFQjCNFtGQJA2pfet63gRLoxMOIxpKI3Ug&bvm=bv.113370389,d.bGs, S. 1003f.

[66] Vgl. hierzu das Ahseprojekt Geithebach unter  https://www.google.de /url?sa =t&rct =j&q =&esrc =s&s ource= web&cd =6&ved=0ahUKEwjj-OD8iOnKAhXJkCwKHTk nBuMQFghBMAU&url= http%3A%2F%2Fwww.kreissoes t.de%2Fumwelt _tourismus%2Fumwel t%2Funterhaltung% 2Fboerde%2FAhse-Projekt __ Lebendige _Boerdebaeche _.php. media%2F89176%2Fahseprojekt _ Geithebach__Ma _nahme _1_ 12.pdf& usg  =  AFQjCNHM  4dg1kWQqlZ9Kebd c2Yhcyl670Q&bvm = bv.113370389,d.bGs und der Bewirtschaftungsplan NRW unter https://www.google.de/url?sa =t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd= 1&ved=0ahUKEwi1sLjRgenKAhWCBywKHY0YD v8QFggoMAA&url= http%3A %2F%2Fwww.flussgebiete.nrw.de%2Fberichte%2 Fsteckbriefe2009%2F091026 _OW_ Steckbrief_PE_LIP_1600.pdf&usg = AFQjCNE1rWyHAOazcXZFyikNHuin _MB0hg&bvm=bv.113370389,d.bGs.

[67] Vgl. hierzu den Bewirtschaftungsplan, a. a. O., S. 13f.

[68] Vgl. hierzu den Fragenkatalog an der entsprechenden Stelle im Anhang.

[69] Vgl. hierzu die entsprechende Email vom 23. November 2015, die im Anhang eingesehen werden kann.

[70] Der Brief kann in seiner Form und in seinem Inhalt im Anhang eingesehen werden.

[71] Das Antwortschreiben aus Arnsberg kann in vollständiger Ausführung im Anhang eingesehen werden.

Materialsammlung nach Kapiteln

Karte 1

Der Verlauf der Geithe vor dem Kraftwerksbau.

Uraufnahme der Geithe 1836 – 1850

Abgerufen am 21. April 2015 unter:

http://www.tim-online.nrw.de/tim-online/initParams.do;jsessionid=AD47EF8F086296D2D320B73277ADB5E4

Karte 2

Bodentyp S-G 54

Anhand des Bodentypes kann man den ehemaligen Verlauf der Geithe erkennen.

Abgerufen am  5. Juli 2015 unter: http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf

E – Mail Kontakt 1

E – Mail Kontakt mit Elwas / LANUV, die mich an den Geologischen Dienst, Dr. Stefan Miara, weiterleiteten

 

Dr. Miara, Geologischer Dienst

Frage:  S-G54

Seite

Von: ELWAS-WEB-APP-SB1 [mailto:elwas@it.nrw.de]
Gesendet: Dienstag, 7. Juli 2015 10:27
An: ELWAS-GS
Betreff: [ELWAS-WEB] Frage zur Bodenkarte

RUECKMELDUNG

NAME: Seithe, Samantha
E-MAIL ADRESSE: samanthaseithe@yahoo.de

Sehr geehrte Damen und Herren,
auf der Website von Elwas finde ich bei der Bodenkarte die Bezeichnung S-G 54.
Nun meine Frage:
Was bedeutet S?
Was bedeutet G?
Was bedeutet 54?
Es wäre nett, wenn Sie mir die Fragen beantworten würden, ich benötige die Auskunft für ein Projekt für mein fünftes Abiturfach.

Danke
Samantha Seithe

Stefan.Miara@gd.nrw.de 

An

samanthaseithe@yahoo.de

CC

elwas-gs@lanuv.nrw.de

16.07.15 um 10:34

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

bei der Legendeneinheit handelt es sich um einen Pseudogley-Gley (S-G) mit der Bodenartengruppe 5 (aus stark lehmigem Sand oder stark sandigem Lehm oder tonigem Sand, siehe unten) in der Mächtigkeit 4 (10-20 dm, siehe unten)

 

4.1.4.2       Bodenartengruppe der obersten Bodenartenschicht

 

Nach der Bodenart, die in den obersten 30 cm des Profils vorherrscht, erfolgt die Zuordnung des Bodens zu einer der 10 Bodenartengruppen:

  • 8 Feinbodenarten-Gruppen des Bodenartendreiecks (Abb. 4)
  • Bodenartengruppe 9 für Grobbodenarten (Grobbodenanteil > 75 Vol.‑%)
  • Bodenartengruppe 0 für Torf und Feinhumus sowie anthropogenes Material, das bodenart­lich nicht sinnvoll beschrieben werden kann (z. B. Müll, Holz).

 

 

 

Abbildung 4:    Bodenartendreieck der Bodenkartierung in Nordrhein-Westfalen

 

4.1.4.3     Mächtigkeit der obersten Bodenartenschicht

 

Die Mächtigkeit der obersten Bodenartenschicht wird im Einheitensymbol der großmaßstäbi­gen Kartierungen als 1. Ziffer angegeben. Die Angabe erfolgt in Stufen nach Tabelle 2.

 

Tabelle 2:     Einstufung der Mächtigkeit der obersten Bodenartenschicht

Stufe Mächtigkeit in cm
1                < 30
2      30 –   < 60
3       60 – < 100
4     100 – < 200
5              ³ 200

 

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Stefan Miara

Geologischer Dienst NRW

Karte 3

Auf dieser Karte erkennt ist zu erkennen, dass die Geithe östlich und westlich vom Kraftwerksgelände eingezeichnet ist.

Abgerufen am 28. April 2015 unter:

https://www.geoportal.nrw.de/application-geoviewer/start/index.php

Karte 4

In dieser Karte ist die Geithe westlich und der Geithe – Bach östlich vom Kraftwerksgelände eingezeichnet.

Abgerufen am 28. April 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf#

Abbildung 1

Die Gewässerstationierungskarte mit den zugehörigen Verzeichnissen bildet die Grundlage für eine bundesweit abgestimmte Systematik für die Zuweisung von Daten und Informationen zu Fließgewässern, stehenden Gewässern und deren Einzugsgebiete.

Die Geithe mit der Gewässerkennzahl 27868 im Gewässerverzeichnis GSK3C 2010

Abbildung 2

Der Geithe – Bach mit der Gewässerkennzahl 2785916

Gewässerkennzahlen in Nordrhein-Westfalen

Abgerufen am 30. April 2015 unter:

http://www.lanuv.nrw.de/umwelt/wasser/oberflaechengewaesserfluesse-und-seen/fliessgewaesser/gewaesser-stationierungskarte/

und

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjeuviuvoHKAhWkj3IKHfkODecQFggcMAA&url=http%3A%2F%2Fwww.lanuv.nrw.de%2Ffileadmin%2Flanuv%2Fwasser%2Fpdf%2FGewaesserverzeichnis%2520GSK3C.xls&usg=AFQjCNG1-CRw3e__nmO_PRq1qB6wLtMb_w&bvm=bv.110151844,d.bGQ.

Karte 5

Bei tim-online.nrw habe ich mit einem Tool eine historische und eine aktuelle Karte übereinandergelegt, es ist zu erkennen, dass das Kernkraftwerk direkt auf die Geithe gebaut wurde.

Abgerufen am 20. Juni 2015 unter:

http://www.tim-online.nrw.de/tim-online/initParams.do;jsessionid=AD9AF591B1C36C30A841F7DB9A9B833B

Karte 6

Östlich vom Kraftwerksgelände ist auf dieser Karte der Geithe – Bach eingezeichnet. Auf dieser Karte ist die Grenzelinie zwischen Hamm und Soest zu erkennen. Der Geithe – Bach verläuft direkt auf der Grenze.

Abgerufen am 20. Juni 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf#

E – Mail Kontakt 2

Kontakt mit dem Kreis Soest, Frau Kuehlmann, Wasserwirtschaft

Frage: Geithe – Bach Zuständigkeit

Von: Samantha Seithe [mailto:samanthaseithe@yahoo.de]
Gesendet: Sonntag, 19. Juli 2015 19:00
An: Kühlmann Annette
Betreff: Fließgewässer Kreis Soest

Hallo Frau Kuehlmann,

bei meinem fünften Abiturfach beschäftigte ich mich mit der Lippe und seine Zuflüsse.

Nun meine Frage:

Der Geithe-Bach stellt die Grenze zwischen dem Kreis Soest und der Stadt Hamm da, entspringt in Eilmsen und fließt in die Lippe.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Geithe – Bach und dem Geithebach  und ist der Geithebach die lange Version von Geithe?

Können Sie mir den genauen Verlauf der/ des Baches mit der genauen amtlichen Bezeichnung nennen?

Liebe Grüße aus Scheidingen

Samantha Seithe

 

Annette.Kuehlmann@Kreis-Soest.de Hallo Frau Seithe, Die Geithe oder der Geithebach bildet nicht die Grenze zwischen Soest und Hamm, fließt auch nicht in die Lippe sondern in die Ahse und die Ahse fließt in Hamm in die Lippe. Die Ge

An

samanthaseithe@yahoo.de

Jul 20

Hallo Frau Seithe,

Die Geithe oder der Geithebach bildet nicht die Grenze zwischen Soest und Hamm, fließt auch nicht in die Lippe sondern in die Ahse und die Ahse fließt in Hamm in die Lippe. Die Gewässerunterhaltung obliegt der Stadt Hamm hier können Ihnen Frau Knoblauch (Tel. 02381/17-7139) oder Herr Dr. Schmidt-Formann weiter helfen. Die Geithe gehört zum Ahse-Prohekt „Lebendige Bördebäche“, weitere Informationen finden Sie auch unter:

 http://www.kreis-soest.de/umwelt_tourismus/umwelt/unterhaltung/boerde/Ahse-Projekt__Lebendige_Boerdebaeche_.php

 Für eventuelle Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 Mit freundlichen Grüßen

i. A.

 Annette Kühlmann

Kreis Soest

Wasserwirtschaft

Hoher Weg 1 – 3   .  59494 Soest

Tel.: 02921 30-2213

Fax: 02921 30-3480

E-Mail: annette.kuehlmann@kreis-soest.de

Internet: www.kreis-soest.de

 

 

 

 

E – Mail Kontakt 3

Kontakt mit dem Germanisten Prof. Dr. Albrecht Greule, Albrecht Greule ist Autor des Buches: Deutsches Gewässernamenbuch: Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen, Regensburg 2014

 

Frage: Sprachwissenschaftlich Geithe / Geithe – Bach

 

Hallo Prof. Greule,

gibt es sprachwissenschaftlich einen Unterschied zwischen Geithebach und Geithe – Bach?

Liebe Grüße aus Westfalen

Samantha Seithe

 

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de>

An

samanthaseithe@yahoo.de

21.07.15 um 17:29

Liebe Frau Seithe,

 

da Geithe ein selbstständiger Flussname ist, ist ein Kompositum (Zusammensetzung) mit Bach sprachlich gesehen überflüssig. Aber die Kartographen versehen den (nur) zweisilbigen Namen gerne mit Bach /-bach oder zusammengeschrieben als Geithebach, um auf der Karte klar zu stellen, dass es sich um einen Bach handelt.

Das kommt oft vor. Man nennt ein solches Kompositum „verdeutlichendes Kompositum“.

 

Die Geithe habe ich etymologisch im Gewässernamenbuch S,170, etymologisch behandelt; aus der Etymologie wird auch deutlich, dass es sich seit jeher um einen einstämmigen Namen handelt.

 

Viele Grüße

Ihr Albrecht Greule

 

E-Mail Kontakt  4

Seite 6

Kontakt mit Elwas / LANUV

Frage: Geithebach / Geithe – Bach

 

Von: Samantha Seithe [mailto:samanthaseithe@yahoo.de]
Gesendet: Sonntag, 19. Juli 2015 19:02
An: ELWAS-GS
Betreff: Zufluss Lippe

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei meinem fünften Abiturfach beschäftigte ich mich mit der Lippe und seine Zuflüsse.

Nun meine Frage:

Der Geithe-Bach stellt die Grenze zwischen dem Kreis Soest und der Stadt Hamm da, entspringt in Eilmsen und fließt in die Lippe.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Geithe – Bach und dem Geithebach  und ist der Geithebach die lange Version von Geithe?

Können Sie mir den genauen Verlauf der/ des Baches mit der genauen amtlichen Bezeichnung nennen?

Liebe Grüße aus Scheidingen

Samantha Seithe

 

elwas-gs@lanuv.nrw.de 

An

samanthaseithe@yahoo.de

20.07.15 um 1:08

Sehr geehrte Frau Seithe.

 

Gemäß Gewässerstationierungskarte und ATKIS-Daten (BASIS-DLM) der Landesvermessungsverwaltung heißt das Gewässer „Geithe-Bach“. Der Verlauf des Gewässers kann ELWAS-WEB (s.u.) entnommen werden. Der „Geithe-Bach“ hat die Gewässerkennzahl 2785916.

Sie können sich den Geithe-Bach in ELWAS-WEB anzeigen lassen, indem Sie in der Karte oben in der Suchleiste die Suche auf „Gewässer“ umstellen (über einen Klick auf das rot markierte Symbol und Eingabe des Gewässernamens oder der Gewässerkennzahl.).

 

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Maria Carambia

 

_____________________________________________

Maria Carambia
Fachbereich 56 – Wasserwirtschaftlicher Datenverbund, ELWAS-Geschäftsstelle
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
Leibnizstraße 10
45659 Recklinghausen

Dienstort: Düsseldorf, Auf dem Draap 25

Tel.: 0211/1590 – 2205
Email: 
elwas-gs@lanuv.nrw.de

 

www.lanuv.nrw.de

 

E-Mail Kontakt  5

Seite 6

 

Juliane.Vierth-Boeke@lanuv.nrw.de 

An

samanthaseithe@yahoo.de

20.07.15 um 2:49

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

vielen Dank für Ihre Anfrage an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). Zur Beantwortung Ihrer Frage zum Geithe-Bach möchte ich Sie auf die Datenbank „ELWAS“ hinweisen, in der alle relevanten Angaben zu dem Geithe-Bach zu finden sind. Sie finden die Datenbank über den beigefügten Link:http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf

 

Um die Informationen zum Geithe-Bach zu ersehen, geben Sie im Adressfeld den Ort Eilmsen ein, wählen auf der linken Seite die Basisdaten aus und in aktivieren in der Werkzeugleiste die Taste „Informationen“. Gerne helfe ich Ihnen auch über das Telefon weiter. Sie erreichen mich während der Dienstzeit von 8-16 Uhr, morgen bin ich Vormittags in einer Besprechung.

 

Mit freundlichen Grüßen

                                                                                                                                                                                          

Juliane Vierth-Böke
Fachliche Öffentlichkeitsarbeit, Verbraucherinformationen / FB36
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
Leibnizstraße 10
45659 Recklinghausen
Dienstort: Essen, Wallneyer Str. 6
Tel.: 0201/7995-1392
Fax: 0201/7995-1641
www.lanuv.nrw.de

 

 

 

 

Karte 7

Östlich vom Kraftwerksgelände ist auf dieser Karte die Geithe eingezeichnet.

Abgerufen am 20. Juni 2015 unter:

www.tim-online.nrw.de/tim-online/initParams.do;jsessionid=AD9AF591B1C36C30A841F7DB9A9B833B

Karte 8

Östlich und westlich vom Kraftwerksgelände ist auf dieser Karte die Geithe eingezeichnet.

Abgerufen am 20. Juni 2015 unter:

https://www.geoportal.nrw.de

Karte 9

Östlich vom Kraftwerksgelände ist auf dieser Karte der Geithe – Bach eingezeichnet.

Abgerufen am 20. Juni 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf#

Karte 10

Die Bachquelle unter dem alten Kernkraftwerk, aus Sicht des Umweltamtes Hamm, auch als kartographische Quelle zu interpretieren.

Abgerufen am 20. Juli 2015 unter:

https://www.geoportal.nrw.de/application-geoviewer/start/index.php

Karte 11

Der Bachursprung der Geithe vor dem Klärschlammbecken auf dem Gelände von RWE.

Abgerufen am 20. Juli 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf#

Karte 12

Abgerufen am 20. Juli 2015 unter:

https://www.geoportal.nrw.de/application-geoviewer/start/index.php

Bild 1

Hier ist das Rohr hinter dem Düker zu sehen, dies bezeichnet Herr Cigelski, Umweltamt Hamm, als Quelle der Geithe

Koordinaten: 51.680890, 7.954054

Datum: 2. August 2015 Uhrzeit: 11.15 Uhr

E-Mail Kontakt 6

Seite 6

 

Kontakt mit RWE

Frage: Anfrage Foto auf dem RWE Gelände Bachquelle

 

Steffen, Guido <guido.steffen@rwe.com>

An

samanthaseithe@yahoo.de

04.12.15 um 3:21

Hallo Frau Seithe,

die Geithe entspringt nicht auf dem Standort (siehe weiter unten). Ein Foto der Quelle kann somit im öffentlichen Verkehrsraum ohne Betreten des Standortes bzw. ein Foto vom Standort gemacht werden.
Die Geithe „entspringt“ (oder besser: entsteht) an der Grenze der Stadt Hamm zum Kreis Soest, ungefähr an der Straßenkreuzung Lippestraße / Vellinghauser Straße.
Die „Quelle“ ist die Feldentwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Von hier aus fließt der Bach zum Umspannwerk und dann zum KWE.
Der Bach verläuft in Rohren unter dem Kraftwerk und fließt an der Westgrenze (Schmehauser Feld) des KWE wieder in ein offenen Bachlauf.

Gutes  Gelingen, schönes Wochenende und

Mit freundlichen Grüßen, vriendelijke groeten and kind regards

Guido Steffen
RWE Power AG
Externe Kommunikation/Pressestelle
Huyssenallee 2
45128 Essen
T +49 (0)201 12 22544
M +49(0) 172 183 2265
Vorschlag: Verzichten Sie doch auf eine Antwort-Mail,
wenn wir die Sache schnell telefonisch klären können.

———————————————————————————–
Irgendwann kommt jeder drauf! WWW.ENERGIEWELT.DE
———————————————————————————–
Vorsitzender des Aufsichtsrates: Dr. Rolf Martin Schmitz
Vorstand: Matthias Hartung (Vorsitzender),
Dr. Ulrich Hartmann, Dr. Frank Weigand
Erwin Winkel

Karte 13

Der Bachursprung der Geithe laut Aussage von RWE.

Abgerufen am 5. Dezember 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf#

E-Mail Kontakt 7

Seite 7

Kontakt mit dem geologischen Dienst, Dr. Stefan Miara, Anfrage Änderung an Kartenwerken, Kontrolle der Bäche

Sehr geehrter Dr. Miara,

im Juli habe ich eine Anfrage wegen der Verbindlichkeit der Gewässernamen an den Geologischen Dienst NRW gestellt und bekam von Ihnen eine Antwort.

Sie teilten mir auch mit, wenn mir Unstimmigkeiten aufgefallen sind, bitten Sie um Nachricht um es an entsprechender Stelle prüfen zu lassen.

Mir sind bei den Kartenwerken von Elwas – Web, Tim – online, NRW Umweltdaten vor Ort und GEO.portal.NRW Unstimmigkeiten aufgefallen.

Es handelt sich um die Gewässer Geithe und Geithe – Bach in Hamm – Uentrop.

Geithe: Gewässerkennzahl: 27868

Geithe – Bach Gewässerkennzahl: 2785916

 

Meine Fragen,

wer ist die zuständige Stelle für Änderungen an Kartenwerken des Landesministeriums oder nehmen Sie sich der Sache an?

Muss ein Gewässer mit Gewässerkennzahl kontrolliert werden?

Was ist eine Experteneinschätzung?

3.1.1 WKG_LIP_1601: Oberes Salzbachsystem und Geithebach (1 von 2)

Herzliche Grüße

Samantha Seithe

 

 

Von: Stefan.Miara@gd.nrw.de
An: samanthaseithe@gmx.de
Cc: Ludger.Krahn@gd.nrw.de
Betreff: WG: Anfrage zur Bearbeitung Geithe – Geithe – Bach

Sehr geehrte Frau Seithe,

anbei die Antwortmail auf ihre drei Fragen[1] aus der angehängten Datei;  mein Kollege Hr. Schuster aus der Hydrolgeologie unseres Hauses war so freundlich sie noch vor Weihnachten zu bearbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan Miara

Geologischer Dienst NRW

Bodenkundliche Beratung

Dr. Krahn zgK

Hallo Stefan,

nach hygrisC ist der Ursprung  der Geithe dort, wo Herr Steffen von RWE es beschrieben hat: östlich vom Kraftwerk, ungefähr da, wo die Stadtgrenze Hamm die Lippestraße quert. Legt man die Bodenkarte über die Topografie, erkennt man anhand des Verlaufs des schmalen Pseudogley-Gley-Bereichs den ursprünglichen Verlauf der postglazialen Abflussrinne durch den Bereich, wo heute das Kraftwerk steht. 

Der Geithebach strömt nahe des Ursprunges der Geithe vorbei entlang der Vellinghauser Straße nach Osten/Nordosten zur Lippe.

Zu den Fragen:

·         Zuständig für die Gewässer ist das LANUV NRW, die Darstellungen erfolgen durch Geobasis NRW (früher Landesvermessungsamt).

·         Die Gewässer werden kontrolliert.

·         Wie die Frage gemeint ist, verstehe ich nicht.

Beste Grüße,

Hannsjörg

 

Bild 2

Die Geithe tritt auf der Westseite hinter dem    Kraftswerksgelände wieder ans Tageslicht

Koordinaten: 51.681289, 7.962677

Datum: 27.12.2015 Uhrzeit: 14.35 Uhr

Bild 3

Bachverlauf der Geithe laut E-Mail,

23.12.2015

Das Gefälle des Baches zum Kraftwerk

Ist klar zu erkennen.

Geologischer Dienst NRW – Landesbetrieb

Hannsjörg Schuster

Dipl.-Geologe, Regierungsangestellter

Fachbereich 33, Hydrogeologische Beratung

Koordinaten: 51.673204, 7.985672

Datum:  27.12.2015 Uhrzeit: 14.30 Uhr

Bild 4

Das Plastikrohr zeigt die Quelle, die vom Vermessungsamt und RWE angegeben wird

Koordinaten: 51.673204, 7.985672

Datum: 27.12.2015 Uhrzeit: 14.35 Uhr

Bild 5

Wasseruntersuchung mit meinem PCE-PHD 1 Messgerät

Koordinaten 51.681767, 7.961834

Datum: 02.05.2015 Uhrzeit: 15.45 Uhr

Tabelle 1

Die unten stehende Tabelle enthält einen Datensatz zu den obligatorischen Physikparametern der Geithe. Die Entnahmestelle – von mir als „Brücke“ bezeichnet und über die GPS-Koordinaten 51.681767, 7.961834 erreichbar – zeigte in ihren Wasserproben weitgehende Normalität in den Konzentrationen

Messwerte Verlauf Geithe

Geithe Brücke pH Wert Sauerstoff (mg/l) Salz (%) Leitfähigkeit (mS/cm) Temperatur (°C) Wasserstand
08/3    20.30 7,90 7,7 0,05 1,038 13,1 0,30 m
14/3    20.00 8,15 4,8 0,06 0,648 14,0 0,28 m
15/3     19.30 8,12 4,5 0,06 1,387 14,1 0,25 m
16/3    19.30 8,15 3,0 0,06 1,400 13,7 0,27 m
Ort/ Datum / Werte ph-Wert Sauerstoff mg/l Salz Leitfähigkeit

mS

Temperatur

Grad

Frielinghauser Straße

28.11.15

8,06 7,8

 

0,04

 

0,802 7,2 Grad
Frielinghauser Straße 29.11. 7,82 7,5 0,04 0,809 7,3
Frielinghauser Straße 5.12. 7,99 7,7 0,04 0,957 7,3
Frielinghauser Straße 6.12. 8,02 8,1 0,04 0,981 7,4
Auf dem Südfelde

28.11.15

8,05 8,0 0,04 0,809 7,3
Auf dem Südfelde 29.11. 7,87 7,6 0,04 0,802 7,3
Auf dem Südfelde 5.12. 8,08 8,2 0,04 0,928 7,3
Auf dem Südfelde 6.12. 7,95 7,5 0,04 0,935 7,2
Im Nachtigallental

28.11.15

7,80

 

8,0 0,04 0,820 7,4
Im Nachtigallental 29.11. 7,90

 

7,9 0,04 0,816 7,3
Im Nachtigallental 5.12. 8,10 8,3 0,04 0,940 7,3
Im Nachtigallental 6.12. 8,01 8,1 0,04 0,952 7,2
In der Geithe

28.11.15

8,20 7,9 0,04 0,818 7,4
In der Geithe 29.11. 7,84 7,6 0,04 0,823 7,3
In der Geithe 5.12. 7,89 7,7 0,04 0,948 7,3
In der Geithe 6.12. 8,06 8,0 0,04 0,962 7,4
Braamer Straße

28.11.15

8,00

 

8,4 0,04 0,822 7,4
Braamer Straße 29.11. 7,83 7,9 0,04 0,827 7,3
Braamer Straße 5.12. 7,90 8,3 0,04 0,958 7,3
Braamer Straße 6.12. 8,12 7,8 0,04 0,969 7,2
Ostwennemarstraße

28.11.15

8,04

 

8,2 0,04 0,810 7,3
Ostwennemarstraße 29.11. 8,10 8,0 0,04 0,819 7,4
Ostwennemarstraße 5.12. 7,99 7,7 0,04 0,939 7,3
Ostwennemarstraße 6.12. 7,87 7,9 0,04 0,947 7,3
Soester Straße

28.11.15

8,12 8,1 0,04 0,814 7,2
Soester Straße 29.11. 8,00 7,8 0,04 0,812 7,3
Soester Straße 5.12. 7,77 7,6 0,04 0,935 7,2
Soester Straße 6.12. 8,00 8,3 0,04 0,942 7,2

Tabelle 2

Datenreihe zur Sechs-Wochen-Untersuchung

Die Messungen für den ph – Wert mussten im Juli 2015 aussetzen, da mein Messgerät defekt war.

Geithe Brücke ph-Wert Sauerstoff mg/l Salz Leitfähigkeit Temperatur Wasserstand
08/5    20.30 7,9 7,7 0,05 1,038 13,1 0,30 m
14/5  20.00 8,15 4,8 0,06 1,102 14 0,28 m
15.05 19.30 8,12 4,5 0,06 1,102 14,1 0,25 m
16.05. 19.30 8,15 3 0,06 1,075 13,7 0,27 m
17.05  13.45 8,02 5,2 0,06 1,117 14,3 0,25 m
18.05  20.45 8,12 4,9 0,05 1,063 13,8 0,24 m
19.05 20.00 8,17 4,5 0,05 1,042 13,4 0,25 m
20.05 19.45 8,09 3,8 0,06 1,105 13,2 0,25 m
21.05. 20.15 8,1 6,1 0,06 1,133 13,5 0,26 m
22.05  19.45 8,06 4,8 0,06 1,057 14 0,25 m
23.05  18.40 8,17 6,1 0,05 1,020 14,4 0,25 m
24.05   13.30 8,31 6,5 0,06 1,146 15,9 0,25 m
25.05.  13.30 8,15 4,1 0,06 1,234 14,9 0,27 m
26.05.  19.30 9,04 3,5 0,06 1,099 13,6 0,24 m
27.05.  20.00 8,24 6,6 0,06 1,069 13,2 0,255 m
28.05.  19.30 8,1 9,1 0,06 1,109 13,7 0,25 m
29.05.  20.30 8,06 6,2 0,06 1,140 13,5 0,22 m
30.05   19.35 8,05 0,05 1,018 13,4 0,24 m
02. Jun 8,05 0,04 14,4 0,24 m
03. Jun 8,18 3,4 0,05 1,063 14,9 0,24 m
04. Jun 8,34 5,9 0,05 1,040 14,6 0,29 m
05. Jun 8,03 4,8 0,06 1,090 15,8 0,24 m
07.06 20.00 8,21 4,3 0,06 1,148 16,8 0,23 m
08. 06  19.30 8,2 6 0,05 1,035 15 0,25 m
11.06.2015 8,25 6,6 0,06 1,173 17,1
12.06.2015 8,11 7,2 0,06 1,145 16,7
14.06.2015 8,22 7,6 0,06 1,185 18,7 0,23 m
16.06.15  22.00 8,15 5,7 0,06 1,165 16,3 0,24 m
17.06.2015 8,27 6,7 0,06 1,218 18,2 0,24 m
18.06.2015
19.06.2015 8,07 6,4 0,06 1,178 15,5 0,25 m
21.06.2015 7,96 5,7 0,05 0,951 15,9 0,23 m
22.06.2015 8,06 7,7 0,03 0,443 14,7 0,33 m
24.06.2015 6,6 0,05 1,030 15,2 0,23 m
29.06.2015 8,2 0,06 1,092 0,23
03.07.2015 5,7 0,06 1,134 21 0,23
08.07.2015 0,37
09.07.2015 5,9 0,05 0,925 27 0,27
18.07.2015 5,1 0,05 1,055 22,1 0,23
20.07.2015 5,5 0,05 0,952 19,9 0,225
29.07.2015 7,4 0,02 0,682 17,4 0,29
30.07.2015 8,57 7,7 0,05 1,095 16,9 0,24
01.08.2015 8,41 6,7 0,05 1,08 16,9 0,23
07.08.2015 8,2 0,05 1,178 19,8 0,23
10.08.2015 8,06 6,8 0,07 1,405 21,6 0,40 um 21.38
0,47 um 21.44
0,05 1,083 0,57 um 22.05

Abbildung 3

Die gemessenen Wasser– und Luftwerte im Zeitraum vom 01.05.15 – 30.07.15 habe ich zur Verdeutlichung in einem Diagramm dargestellt.

Abbildung 4

Die gemessenen Niederschlags– und Wasserstandswerte vom 01.05.15 – 30.07.15 habe ich zur Verdeutlichung in einem Diagramm dargestellt.

Bild 6

Mit einem Zollstock habe ich den Wasserpegel gemessen.

Koordinaten 51.681765, 7.961832

Datum: 09.05.2015 Uhrzeit: 14.30 Uhr

Bild 7

Direkt an der Brücke sind die Ablagerungen an den Pflanzen zu erkennen

Koordinaten 51.681767, 7.961834

Datum: 11.08.2015 Uhrzeit: 9.30 Uhr

Bild 8

Ablagerungen an den Pflanzen lassen erkennen, dass der maximale Wasserstand in der Nacht 7,9 dm betragen haben musste.

Koordinaten 51.681767, 7.961834

Datum: 11.08.2015 Uhrzeit: 9.30 Uhr

Abbildung 5

Das Diagramm zeigt den Profilschnitt des Messpunkts Geithe „Brücke“ zur Ermittlung des durchschnittlichen Wasserstandes.

Abbildung 6

Die gemessenen pH-Werte im Zeitraum vom 01.05.15 – 30.07.15 habe ich zur Verdeutlichung in einem Diagramm dargestellt

Abbildung 7

Die  gemessenen Werte der Sauerstoffkonzentration im Zeitraum vom 01.05.15 – 30.07.15 habe ich zur Verdeutlichung in einem Diagramm dargestellt.

Bild 9

Schnelltest „Quantofix“ der Firma Macherey-Nagel

Zink wurde mit 2 – 5 mg pro Liter bestimmt

Datum: 08.03.15   Uhrzeit: 12.15 Uhr

Bild 10

Ich habe 50 Liter Wasser aus der Geithe solange eingekocht, bis 0,5 l übrig blieben. Anschließend wurden verschiedene Versuche durchgeführt.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 15.30 Uhr

Bild 11

Ca. 0,5 ml konzentrierte Schwefelsäure  wurden dem aufkonzentrierten Wasser hinzugegeben. Es ließ sich starkes Sprudeln und eine leichte Schaumbildung beobachten.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 15.45 Uhr

Abbildung 9

Reaktion mit konz. Schwefelsäure

Qualitatives anorganisches Praktikum für Biologen, LMU München, Rienäcker / Spieß, Fassung: 3. Nov. 1998, http://www.cup.unimuenchen.de/ac/lorenz/student/pdf/Ql_bio.pdf

Bild 12

Ich erhitze das Magnesiastäbchen in der Flamme des Gasbrenners

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 16.00 Uhr

Bild 13

Hier ist zu erkennen, wie ich das Magnesiastäbchen in das Borax (Natriumtetraborat) drückte.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 16.05 Uhr

Bild 14

Der weiße Niederschlag lässt erkennen, dass sich Sulfat in der Probe befindet.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 16.20 Uhr

Bild 15

Die blaue Färbung des Magnesiastäbchens

zeigt, dass es sich um Aluminium handelt.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 16.30 Uhr

Bild 16

Die grüne Färbung des Magnesiastäbchens lässt erkennen, dass sich Zink in der Probe befindet.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 16.40 Uhr

Bild 17

„Berliner Blau“ deutet auf Eisen hin.

Datum: 09.03.15   Uhrzeit: 17.10 Uhr

Tabelle 3

Übersicht über die Messwerte aus der Geithe, die vom Labor Inlabo ermittelt wurden.

Stoff/Datum 25.04. 15

Brücke

22.06.15

Düker

13.07.15

Brücke

13.07.15

Düker

15.08.15

Brücke

13.01.16

Quelle

13.01.16

Südfelde

Aluminium (ug/L) ~7340 ~5550 303 1190 269 5,1 415
Barium (ug/L) 966 1100 42,4 806 60,8 12,4 33,1
Beryllium (ug/L) 1,04 0,52 <0,05 <0,05 <0,05 <0,05 <0,05
Bismuth (ug/L) <10 <10 <10 <10 <10 <10 <10
Blei (ug/L) 170 150 6,0 24,4 5,6 <3 4,0
Cadmium (ug/L) 4,7 7,1 <0,5 1,0 <0,5 <0,5 <0,5
Calcium (mg/L) 245 299 45,8 185 142 44,1 65,1
Chrom (ug/L) 10,4 14,6 1,2 2,5 <1 <1 1,2
Cobalt (ug/L) 13,7 17,2 <1 4,3 <1 <1 <1
Eisen (ug/L) ~19100 ~23800 754 4680 836 17,5 816
Gadolinium (ug/L) n.a. n.a. <0,5 <1 <0,5 <0,5 <0,5
Gallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5 <5 <5
Kalium (mg/L) 6,9 8,2 2,4 7,7 6,5 1,7 4,0
Kupfer (ug/L) 210 180 14,0 159 12,3 10,3 12,4
Lithium (ug/L) 20,6 27,4 8,3 20,9 24,0 0,7 6,8
Magnesium (mg/L) 15,4 11,5 4,8 9,5 18,7 3,4 6,5
Mangan (ug/L) 3600 ~4190 146 1720 411 57,8 182
Natrium (mg/L) 46,2 63,7 18,2 59,0 70,1 3,4 24,4
Nickel (ug/L) 32,8 37,3 3,4 9,5 5,5 2,3 1,6
Palladium (ug/L) <2 <2 <2 <2 <2 <2 <2
Scandium (ug/L) 1,2 1,0 <0,1 <0,1 <0,1 0,2 <0,1
Silber (ug/L) <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5
Strontium (ug/L) 2910 ~2640 851 1850 3300 254 984
Thallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5 <5 <5
Uran (ug/L) n.b. n.a. <5 <7 <5 <5 <5
Yttrium (ug/L) 21,1 22,0 0,9 3,2 0,5 <0,1 0,5
Zink (ug/L) 1570 2050 159 915 72,1 135 64,5
Fluorid (mg/L) 0,17 0,54 0,10 0,06 0,34 0,08 0,16
Chlorid (mg/L) 56,83 98,45 23,13 91,97 81,53 2,45 28,42
Nitrit (mg/L) n.a. n.a. n.a. n.a. 0,06 0,98 n.a.
Bromid (mg/L) 0,06 0,03 0,02 0,02 0,10 0,01 0,03
Nitrat (mg/L) 16,08 12,36 8,57 6,19 5,31 0,98 6,10
o-Phosphat (mg/L) 0,15 0,09 0,21 0,96 0,07 n.a. 0,04
Sulfat (mg/L) 202,94 128,41 79,16 106,32 319,67 33,17 74,66
Summe (mg/L) 276,2 239,9 111,2 205,5 407,1 36,7 109,4

[1] Nun zum Schluss noch drei Fragen:

Meine Frage dazu, wer ist die zuständige Stelle für Änderungen an Kartenwerken des Landesministeriums oder nehmen Sie sich der Sache an?

Muss ein Gewässer mit Gewässerkennzahl kontrolliert werden?

Was ist eine Experteneinschätzung?

Abbildung 10

Alle Wasseranalysen wurde über http://www.inlabo.de/

Es handelt sich um die Firma: InLabo (Analytik Laborgruppe), Lütticherstr. 7. 13353 Berlin

Abbildung 18

Geithe

Datum: 25.04.15 Ort: Brücke Koordinaten 51.681767, 7.961834

47 48

Abbildung 11

Datum: 22.06.15 Ort: Brücke Koordinaten 51.681767, 7.961834

49 50

Abbildung 12

Datum: 13.07.15 Ort: Brücke  Koordinaten 51.681767, 7.961834

51 52

Abbildung 13

Datum: 13.07.15 Ort: Geithe Düker  Koordinaten: 51.681220, 7.954705

53 54

Abbildung 14

Datum: 15.08.15   Ort: Geithe Brücke  Koordinaten 51.681767, 7.961834

55 56

Abbildung 15

Datum: 13.01.16  Ort: Geithe Quelle  Koordinaten: 51.673204, 7.985672

57 58

Abbildung 16

Datum: 13.01.16  Ort: Südfelde  Koordinaten: 51.684615, 7.933449

59 60

Abbildung 17

Das Diagramm verdeutlicht noch einmal die Schwermetallkonzentrationen im Vergleich mit den Grenzwerten, in grün sind die Grenzwerte der Wasserrahmenrichtlinien dargestellt.

Wasserrahmenrichtlinien abgerufen am 11.12.15 unter:

Vgl. hierzu JD-UQN laut Abschlussbericht _LAWA_QN-V_100317, Seite 14:
https:// www. google. de/ url?sa =t&rct =j&q =&esrc =s&source= web&cd =1&cad = rja&uact=8&ved= 0ahUKEwjaxJuP1OvKAhVExQ8KHf9cBgkQFggoMAA&url =http%3A%2F%2Fwww. laenderfinanzierungsprogramm. de%2Fcms%2FWaBoAb _prod%2FWaBoAb%2FVorhaben%2FLAWA% 2FVorhaben_des_Ausschusses_ Oberflaechengewaesser_und_Kuestengewaesser_ (AO)%2FO_5.07%2FAbschlussbericht _LAWA_QN-V_100317.pdf&usg= AFQjCNHuzXGvMt4 FqeLu2dDE12mfc0BHFQ&bvm = bv.113943665,d.bGs;

Bild 18

Auf diesem Foto ist der Ölfilm auf dem Geithe – Bach zu erkennen.

Datum: 2.106.15 Uhrzeit: 15.45 Uhr

Koordinaten: 51.672983, 7.985971

Tabelle 4

Übersicht über die Messwerte aus dem Geithe – Bach, die vom Labor Inlabo ermittelt wurden.

Stoff/Datum 23.05.

15

Rohr

13.07.

15

Rohr

02.08.

15

Pumpwerk

Öl

02.08.

15

Vor der Straße

02.08.

15

Rohr

Aluminium (ug/L) 444 348 1600 20,2 66,6
Barium (ug/L) 735 751 181 45,5 45,4
Beryllium (ug/L) <0,05 <0,05 0,20 <0,05 <0,05
Bismuth (ug/L) <10 <10 <10 <10 <10
Blei (ug/L) 6,3 9,9 37,0 <3 <3
Cadmium (ug/L) <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5
Calcium (mg/L) 139 109 115 89,0 87,0
Chrom (ug/L) <1 <1 2,7 <1 <1
Cobalt (ug/L) <1 <1 2,7 <1 <1
Eisen (ug/L) 1220 2710 5890 133 316
Gadolinium (ug/L) <0,5 <0,5 n.a. <0,5 <0,5
Gallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5
Kalium (mg/L) 12,7 19,1 11,2 14,8 15,5
Kupfer (ug/L) 11,4 13,9 40,0 8,7 8,0
Lithium (ug/L) 8,6 6,9 8,9 6,6 6,6
Magnesium (mg/L) 9,1 7,8 7,0 6,2 6,0
Mangan (ug/L) 244 519 714 13,1 50,5
Natrium (mg/L) 39,9 30,6 30,3 24,6 27,5
Nickel (ug/L) 2,5 2,8 5,9 3,0 2,9
Palladium (ug/L) <2 <2 <2 <2 <2
Scandium (ug/L) <0,1 <0,1 0,1 <0,1 <0,1
Silber (ug/L) <0,5 <0,5 <0,5 <0,5 <0,5
Strontium (ug/L) 1790 1500 1630 1080 1020
Thallium (ug/L) <5 <5 <5 <5 <5
Uran (ug/L) <5 <5 <10 <5 <5
Yttrium (ug/L) 1,4 1,5 5,7 <0,1 0,3
Zink (ug/L) 495 609 153 8,0 8,9
Fluorid (mg/L) 0,05 0,08 0,19 0,11 0,12
Chlorid (mg/L) 55,82 44,46 38,89 34,15 38,11
Nitrit (mg/L) 1,52 n.a. 0,09 n.a. n.a.
Bromid (mg/L) 0,07 0,06 0,06 0,04 0,03
Nitrat (mg/L) 7,25 14,49 0,45 2,56 2,20
o-Phosphat (mg/L) 0,77 4,42 0,36 1,71 1,22
Sulfat (mg/L) 72,04 23,51 49,08 51,75 49,04
Summe (mg/L) 137,5 87,0 89,1 90,3 90,7

Abbildung 18

Geithe – Bach  Datum: 23.05.15   Ort: Rohr  Koordinaten: 51.672872, 7.988494

62 63

Abbildung 19

Geithe – Bach  Datum:13.07.15  Ort: Rohr  Koordinaten: 51.672872, 7.988494

64 65

Abbildung 20

Geithe – Bach  Datum: 02.08.15   Ort: Öl, Straße am Pumpwerk

Koordinaten: 51.669056, 7.983880

66 67

Abbildung 21

Geithe – Bach  Datum:  Ort: 02.08.15 Vor der Straße  Koordinaten: 51.672976, 7.985996

68 69

 

Abbildung 22

Geithe – Bach  Datum: 02.08.15  Ort: Rohr Koordinaten: 51.672872, 7.988494

70 71

Abbildung 23

Erhebungsbogen für Bachpaten

Abgerufen am 18. Februar 2016 unter:

72 73 74 75 76 77 78

http://www .bachpaten .vg-arzfeld.de /download /info_brief_3.pdf

Bild 19

Quelle der Geithe

Koordinaten: 51.673204, 7.985672

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 10.30 Uhr

Bild 20

An der Brücke westlich vom Kraftwerk

Koordinaten: 51.681767, 7.961834

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 10.35 Uhr

Bild 21

Am Düker

Koordinaten: 51.681219, 7.954670

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 10.39 Uhr

Bild 22

Im Südfelde

Koordinaten: 51.684517 ; 7.933554

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 10.43 Uhr

Bild 23

Im Nachtigallental

Koordinaten: 51.685326 ; 7.925724

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 10.50 Uhr

Bild 24

In der Geithe

Koordinaten: 51.685226 ; 7.912280

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 10.56 Uhr

Bild 25

Braamer Str.

Koordinaten: 51.679705 ; 7.892684

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 11.03 Uhr

Bild 26

Braamer Str.

Koordinaten: 51.679705 ; 7.892684

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 11.08 Uhr

Bild 27

Ostwennemarstr.

Koordinaten: 51.678276 ; 7.875973

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 11.25 Uhr

Bild 28

Ostwennemarstr.

Koordinaten: 51.678276 ; 7.875973

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 11.30 Uhr

Bild 29

Soester Str.

Koordinaten: 51.679844 ; 7.852475

Datum:  20.02.16 Uhrzeit: 11.37 Uhr

Bild 30

Diesen Bohrkern habe ich vor dem Gitter zum Kraftwerksgelände gezogen.

Datum: 14.05.15 Uhrzeit 15.45 Uhr

Koordinaten: 51.681248, 7.962736

Tabelle 6

Datenmaterial zur Untersuchung der Bohrkerne

Bohrkerne
Kern 1

Geithe Brücke

Länge: 30 cm

Kern 2

Geithe Gitter BK

Länge: 27 cm

Schicht 1 0-10 cm

– dunkelbraun

– durchwurzelt

– fest

– sandig – feinsandig

– Kluftfüllung Quarz  kaum gerundet

 

0-10 cm

0-2 cm:

– Feinsand, siltig mit Wurzeln

– dunkelbraun bis 3 cm

– Kunststofffolie

– stark durchwurzelt

– einzelne Kieselsteine ca. 5 mm Durchmesser

– Schneckenhaus

– überall helle Körner (kleiner als 1 mm)

2-4 cm:

wie oben

4-6 cm:

Steine bis 2 cm  schwarz

Kiesel, gerundet

(Schlacke)

6-8:

wie 4-6

8-10 cm:

wie 4-6 und Steinkohle

Schicht 2 10-15 cm

– wie oben

– weniger Wurzeln

– mehr Steine

– sandig

 

10-16 cm

10-12 cm:

–          Silex

–          Kieselsteine

12-14 cm:

Kunststofffolie

Ansonsten wie 10-12 cm

14-16 cm:

–          siltiger

–          fester

–          dunkelgraue Bereiche

–          weniger Steine

–          Übergang zu fest und Silt

Schicht 3 : 15-30 cm

– tonige Konkretion

– fest

– heller (grau)

– Muschelschale in 20 cm

– Steine

– sandig

– Eisenkonkretionen werden seltener

 

16-27 cm

16-18 cm:

–          fest

–          siltig

–          dunkelgrau im Wechsel mit braunen Bereichen

–          Schottersteine

18-20 cm:

–          Kohle

–          Moderiger Geruch

–          Ansonsten: wie oben

20-22 cm:

wie 18-20 cm

22-24 cm:

wie oben und mit Pflanzenmaterial

24-27 cm:

wie oben

Vgl. hierzu mein Projekt aus dem Jahr 2011 „Hat das stillgelegte AKW Hamm seine Umwelt beeinflusst?“. Dieses Projekt ist auf Nachfrage zu beziehen über meine Person. Herrn Achim Hucke gilt mein Dank, er hat mir für die damalige Arbeit Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Bild 31 – 40

Mikroskopische Bilder von den metallischen Kügelchen in einer Größe bis zu 0,3 mm.

Datum: 14.05.15 Uhrzeit 17.10 Uhr

Koordinaten: 51.681248, 7.962736

Bild 41

Das Vorbecken des Dükers wurde ausgebaggert. Gerade noch rechtzeitig konnte ich von dort eine Probe entnehmen, denn der Aushub wurde sofort abgefahren.

Datum: 28.11.15 Uhrzeit: 14.53 Uhr

Koordinaten: 51.681155, 7.955188

Tabelle 7

In dieser Tabelle sind die Daten der Bodenproben dargestellt.

Abbildung 25

Alle Bodenproben wurde über http://www.bodenanalyse-zentrum.de bestellt

Es handelt sich um die Firma: Reblu GmbH, Hohe Str. 74, 70794 Filderstadt

Bodenanalyse vom 17.02.15 Aushub am Rand Koordinaten: 51.681671, 7.961978

99 100 101 102

Abbildung 27

Bodenanalyse vom 12.07.15 Geithe Brücke Bohrkern, gezogen dort war ausgebaggert zu Seite 37: Koordinaten 51.681767, 7.961834

103 104 105 106

Abbildung 28

Bodenanalyse vom 11.08.15 Geithe Düker Schlammprobe entnommen zu Seite 37:

Koordinaten: 51.681255, 7.954470

107 108 109

Abbildung 29

Bodenanalyse vom 28.11.15 Geithe Düker Aushub

Koordinaten: 51.681155, 7.955188

110 111 112

113 114 115 116

Abbildung 30

Im Grundwasserdiagramm lag der Versuch begründet, typische Konzentrationen der Stoffe in verschiedenen Gesteinsformationen zu finden.

Das Muster namens „Max Quartär“ konnte in Verbindung gesetzt werden zum Geithebild. Eisen und Mangan waren enthalten, und die Geithe entspringt ja auch in Quartärschichten, die zwischen den Eiszeiten und der Gegenwart entstanden sind.

Abgerufen am 19. Dezember 2015 unter: http://www.laenderfinanzierungsprogramm.de/cms/WaBoAb_prod/WaBoAb/Vorhaben/LAWA/Vorhaben_des_Ausschusses_Grundwasser_und_Wasserversorgung_(AG)/G_3.02/endbericht_g_302.pdf

Abbildung 31

Der Vergleich des Geithewassers mit Abwasser aus der Rauchgasreinigung zeigte, dass das Verhältnis von Clorid zu Sulfat 5:1 betrug. In der Geithe war es jedoch 1:4,5. Außerdem trat in der Geithe ein erheblich höherer Eisenanteil auf, also ließ sich die Herkunft des Geithewassers nicht allein auf die Einleitung von Abwasser aus der Rauchgasreinigung zurückführen.

Abgerufen am 19. Dezember 2015 unter:

http://www.berkefeld.com / berkefeld / ressources / documents / 1 / 27868 , VGB-PowerTech-2012-09_Behandlung_A.pdf, S. 125.

Abbildung 32

Die verschiedenen Steinkohlesorten (Säulen 1-9 im Diagramm) zeigten ein Verhältnis von Zink zu Blei in der Größenordnung 3:1. Die Geithe war da schon der Ausreißer, denn hier gab es das Verhältnis von 8:1

Abgerufen am 19. Dezember 2015 unter:

http://www.berkefeld.com / berkefeld / ressources / documents / 1 / 27868 , VGB-PowerTech-2012-09_Behandlung_A.pdf, S. 125.

Abbildung 33

Das Geithewasser zeichnete sich aus durch ein Verhältnis von Blei zu Kupfer von ca 4:5. In Steinkohle, Grobasche, Flugasche, Gips und Abgas sollten die Verhältnisse laut Literaturangaben jedoch größer als 5:1 sein. Selbst im Abwasser betrug das Verhältnis 5:3. Also ließ sich auch hier keine Übereinstimmung zum Geithewasser feststellen

Abgerufen am 19. Dezember 2015 unter:

http://www.berkefeld.com / berkefeld / ressources / documents / 1 / 27868 , VGB-PowerTech-2012-09_Behandlung_A.pdf, S. 125.

Bild 42

Eine Gelbrandkäferlarve konnte ich im Sediment an der Geithe – Brücke finden.

Koordinaten 51.681767, 7.961834

Datum: 07.01.16  Datum: 16.10 Uhr

Bild 43

Das Bachbett der Geithe

Datum: 02.05.2015 Uhrzeit: 15.45 Uhr

Koordinaten: 51.681784, 7.961730

Abbildung 34

Entstehung der Gewässer

Abgerufen am 15. März 2015

http://www.rhein-lahn-kreis.de/html/cs_7321.html?PHPSESSID=alcj9gnc6mt6brnh15acjknoakn1h162

E-Mail Kontakt 8

NABU, Institutsleiter Rocco Buchta

Rocco Buchta <rocco.buchta@nabu.de>

An        ‚Samantha Seithe‘ 12.11.15 um 14:04

Liebe Samantha Seithe,

leider fehlt uns die Zeit für Auskünfte dieser Art. Ich bitte daher darum einschlägige Literatur für die Beantwortung der Fragen heranzuziehen.

In allerkürzester Form werde ich hier eine Ausnahme machen:

Bäche sind per Definition kleine natürliche Fließgewässer. Neben dem Hauptmerkmal, klein zu sein (hier gibt es verschiedene Definitionen der Abgrenzung zur nächstgrößeren Kategorie, dem Fluss), gilt das Hauptmerkmal, dass der Bach ein natürliches Fließgewässer ist. Künstliche Fließgewässer sind dagegen Kanäle. Kleine Kanäle können auch Gräben sein, wenn sie der Entwässerung oder der Bewässerung dienen. Darunter fallen auch Straßen-gräben oder Abwassergräben. Künstliche Abwassergräben sind demnach kein Bach und ein Industriebetrieb ist auch keine Quelle.

Gruß, Rocco Buchta

Rocco Buchta

Institutsleiter

 

NABU Institut für Fluss- und Auenökologie

Ferdinand-Lassalle-Str. 10

14712 Rathenow

Tel.: +49 (3385) 5200017

Fax: +49 (3385) 5200087

Mobil: +49 (172) 9193680

Email: rocco.buchta@NABU.de

Internet: www.NABU.de

E-Mail Kontakt 9

Frage was ist ein Bach an das Umweltministerium

Fischer, Annett

An

samanthaseithe@yahoo.de

CC

Vietoris, Friederike

Jul 7

Sehr geehrte Frau Seithe,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Auf der  Internetseite

http://www.flussgebiete.nrw.de/index.php/Meldungen/Eintrag_20150417083921

finden Sie wertvolle Informationen zur Beantwortung Ihrer Fragen. In der Broschüre „Unser Wasser, unsere Gewässer in NRW. Schon alles gut?“ informiert das
MKULNV über den Zustand der NRW-Gewässer und des Grundwassers.
Die Publikation ist als Download verfügbar sowie online kostenlos bestellbar über das Bestellsystem des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW.

Außerdem möchte ich Sie beispielhaft auf diesen LINK aufmerksam machen, der Ihnen wichtige Hinweise liefert:
http://files.schulbuchzentrum-online.de/onlineanhaenge/files/978-3-507-10914-8-2-l.pdf

Unter den Stichworten:
Längszonierung der Fließgewässer
biozönotische Gliederung eines Fließgewässers
finden Sie sicher noch weitere interessante Erläuterungen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und gutes Gelingen!

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Annett Fischer

Referat IV-5
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
Schwannstraße 3
40476 Düsseldorf
Tel.0211-4566-664
Fax:0211-4566-946
annett.fischer@mkulnv.nrw.de

E – Mail Kontakt 10

Prof. Greule

Liebe Frau Seithe,

meine Auskunft dürfen Sie gerne in Ihrer Arbeit verwenden, die Sie mir bitte,
wenn sie fertig ist, zuschicken.

Ebenso interessiert mich, welche Rolle die Orts- und Flurnamen für Heinrichs
Vogelherd spielen. Wir sind hier im Rahmen der Forschergruppe Namen der
Universität Regensburg ebenso wie in der Deutschen Gesellschaft für
Namenforschung (Leipzig) immer daran interessiert zu erfahren, was sich im
Bereich der Namenforschung Neues tut.

Meine Privatanschrift: Hangstraße 30, 93173 Wenzenbach-Grünthal

Viel Erfolg bei Ihren Forschungen und beste Grüße
Ihr Albrecht Greule

>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@yahoo.de> 03.07.15 17.51 Uhr >>>

Sehr geehrter Prof. Greule,

gerne schicke ich Ihnen die Ausarbeitung meiner Arbeit, es wird  jedoch noch
bis Dez. 15 – Jan 16 dauern.

Vielen Dank für Ihre Auskunft, darf ich Aussagen in meiner Arbeit verwenden.

Auf Ihrer Homepage der Universität Regensburg habe ich gelesen, dass Sie sich
auch mit Orts- und Flurnamen beschäftigen.

Im den vergangenen Jahren habe ich mich mit „Der Legende von Heinrichs
Vogelherd“ auseinandergesetzt und konnte nach

langen Forschungen aufgrund von Orts- und Flurnamen, Urkunden und
Überlieferungen tatsächlich ein unbekanntes, altes Gebäude in einem Wald
finden.

Der LWL will dort im Sommer ausgraben. Wenn Sie Archäologie und Geschichte
interessant finden, schicke ich Ihnen gerne ein Exemplar der Arbeit zu.

Liebe Grüße

Samantha Seithe

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de> schrieb am 16:50
Freitag, 3.Juli 2015:

Liebe Frau Seithe,

dann ist die Sache klar: in Ihren Fall ist der „Name“ Bach ein Euphemismus für
„Abwasser“. Meines Wissens gibt es keine rechtlich abgesicherte Definition für
„Bach“. Diese Lücke nutzt man geschickt aus um ein industrielles Abwasser nicht
als solche bezeichnen zu müssen.

Mit dem Ausdruck ´“kartographische Quelle“ kann ich gar nichts anfangen; ich
halte diese Formulierung für irreführend. Oder man versteht „Quelle“ im
übertragenen Sinn als Informationsquelle.

Sie entdecken da einen interessanten Fall, der mir noch nicht untergekommen
ist. Falls es eine Ausarbeitung Ihrer Recherchen gibt, wäre ich dankbar, wenn
ich sie lesen könnte.

Viele Grüße
Ihr A. Greule

>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@yahoo.de> 03.07.15 14.57 Uhr >>>

Sehr geehrter Prof. Greule,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Die Frage war auch eigentlich an einen Sprachwissenschaftler gerichtet, ich
untersuche gerade einen „Bach“ der offiziell Bach genannt wird, eigentlich aber
aus Abwässern der Industrie besteht und als Quelle nennt das Umweltamt eine
kartographische Quelle, ein Kraftwerk.

Für mich steht die Frage im Vordergrund:

Was ist ein Bach? Dieses Gewässer ist für mich kein Bach.

Jedoch finde ich keine gesetzlichen Vorgaben, was ist ein Bach.

Liebe Grüße

Samantha Seithe

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de> schrieb am 14:45
Freitag, 3.Juli 2015:

Sehr geehrte Frau Seithe,

vielen Dank für Ihre Fragen, über die ich mich zwar freue, weil sie sich aus
der Lektüre des DGNB ergeben, die sich aber in erster Linie an Geographen
richten. Ein solcher bin ich leider nicht .

Frage Nr.1 kann ich nicht generell beantworten; es gibt aber durchaus Flüsse,
die nicht aus einer Quelle, sondern aus dem Zusammenfluss mehrerer Bäche
entstehen.
Zu 2: In meiner Vorstellung ist es so, dass ein Bach normalerweise aus einer
Quelle entspringt (und in ein anderes Gewässer mündet). Auch können Flüsse ohne
Quelle im klassischen Sinn in Norddeutschland durch den Gezeiten-Rückstau bei
Flut entstehen.
Zu 3+4: Obwohl mir der Ausdruck nicht bekannt ist, interpretiere ich ihn als
eine auf einer Karte verzeichnete Quelle.
Zu 5: Ein Bach ist ein Fließgewässer, das kleiner ist als ein Fluss und
größer/bedeutender als ein Graben; vergleichen Sie bitte dazu die
Einleitung zum DGNB.

Viel Erfolg bei Ihren Plänen im Fach Biologie. Wenn Sie weitere Fragen haben,
stehe ich Ihnen gern zur Verfügung, bitte aber zu bedenken, dass ich nur
Sprachwissenschaftler bin.

Viele Grüße
Ihr Albrecht Greule
>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@yahoo.de> 03.07.15 11.48 Uhr >>>

Sehr geehrter Prof. Greule,

meine Name ist Samantha Seithe und ich wohne im schönen Westfalenland.

Mit großen Interesse habe ich Ihr Buch „Deutsches Gewässernamenbuch:

Etymologie der Gewässernamen und der zugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und
Flurnamen“

gelesen.

Für mein fünftes Abiturfach (Biologie) möchte ich mich mit einem Bach
beschäftigten.

Nun meine Fragen:

1. Gibt es Bäche ohne Quelle?

2. Wenn bei der Beschreibung eines Baches steht „er entspringt“ heißt es dann
grundsätzlich dass er einer Quelle entspringt?

3. Was würden Sie unter einer kartographischen Quelle verstehen? Ist es eine
Quelle oder der Beginn des Baches (Oberlauf)?

4. Haben Sie das Wort „kartographischen Quelle“ schon einmal gehört?

5. Was verstehen Sie unter dem Begriff „Bach“?

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir die Fragen beantworten könnten.

Liebe Grüße

Samantha Seithe

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de> schrieb am 14:45
Freitag, 3.Juli 2015:

Sehr geehrte Frau Seithe,

vielen Dank für Ihre Fragen, über die ich mich zwar freue, weil sie sich aus
der Lektüre des DGNB ergeben, die sich aber in erster Linie an Geographen
richten. Ein solcher bin ich leider nicht .

Frage Nr.1 kann ich nicht generell beantworten; es gibt aber durchaus Flüsse,
die nicht aus einer Quelle, sondern aus dem Zusammenfluss mehrerer Bäche
entstehen.
Zu 2: In meiner Vorstellung ist es so, dass ein Bach normalerweise aus einer
Quelle entspringt (und in ein anderes Gewässer mündet). Auch können Flüsse ohne
Quelle im klassischen Sinn in Norddeutschland durch den Gezeiten-Rückstau bei
Flut entstehen.
Zu 3+4: Obwohl mir der Ausdruck nicht bekannt ist, interpretiere ich ihn als
eine auf einer Karte verzeichnete Quelle.
Zu 5: Ein Bach ist ein Fließgewässer, das kleiner ist als ein Fluss und
größer/bedeutender als ein Graben; vergleichen Sie bitte dazu die
Einleitung zum DGNB.

Viel Erfolg bei Ihren Plänen im Fach Biologie. Wenn Sie weitere Fragen haben,
stehe ich Ihnen gern zur Verfügung, bitte aber zu bedenken, dass ich nur
Sprachwissenschaftler bin.

Viele Grüße
Ihr Albrecht Greule

>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@yahoo.de> 03.07.15 14.57 Uhr >>>

Sehr geehrter Prof. Greule,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Die Frage war auch eigentlich an einen Sprachwissenschaftler gerichtet, ich
untersuche gerade einen „Bach“ der offiziell Bach genannt wird, eigentlich aber
aus Abwässern der Industrie besteht und als Quelle nennt das Umweltamt eine
kartographische Quelle, ein Kraftwerk.

Für mich steht die Frage im Vordergrund:

Was ist ein Bach? Dieses Gewässer ist für mich kein Bach.

Jedoch finde ich keine gesetzlichen Vorgaben, was ist ein Bach.

Liebe Grüße

Samantha Seithe

Liebe Frau Seithe,

meine Auskunft dürfen Sie gerne in Ihrer Arbeit verwenden, die Sie mir bitte,
wenn sie fertig ist, zuschicken.

Ebenso interessiert mich, welche Rolle die Orts- und Flurnamen für Heinrichs
Vogelherd spielen. Wir sind hier im Rahmen der Forschergruppe Namen der
Universität Regensburg ebenso wie in der Deutschen Gesellschaft für
Namenforschung (Leipzig) immer daran interessiert zu erfahren, was sich im
Bereich der Namenforschung Neues tut.

Meine Privatanschrift: Hangstraße 30, 93173 Wenzenbach-Grünthal

Viel Erfolg bei Ihren Forschungen und beste Grüße
Ihr Albrecht Greule

>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@yahoo.de> 03.07.15 17.51 Uhr >>>

Sehr geehrter Prof. Greule,

gerne schicke ich Ihnen die Ausarbeitung meiner Arbeit, es wird  jedoch noch
bis Dez. 15 – Jan 16 dauern.

Vielen Dank für Ihre Auskunft, darf ich Aussagen in meiner Arbeit verwenden.

Auf Ihrer Homepage der Universität Regensburg habe ich gelesen, dass Sie sich
auch mit Orts- und Flurnamen beschäftigen.

Im den vergangenen Jahren habe ich mich mit „Der Legende von Heinrichs
Vogelherd“ auseinandergesetzt und konnte nach

langen Forschungen aufgrund von Orts- und Flurnamen, Urkunden und
Überlieferungen tatsächlich ein unbekanntes, altes Gebäude in einem Wald
finden.

Der LWL will dort im Sommer ausgraben. Wenn Sie Archäologie und Geschichte
interessant finden, schicke ich Ihnen gerne ein Exemplar der Arbeit zu.

Liebe Grüße

Samantha Seithe

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de> schrieb am 16:50
Freitag, 3.Juli 2015:

Liebe Frau Seithe,

dann ist die Sache klar: in Ihren Fall ist der „Name“ Bach ein Euphemismus für
„Abwasser“. Meines Wissens gibt es keine rechtlich abgesicherte Definition für
„Bach“. Diese Lücke nutzt man geschickt aus um ein industrielles Abwasser nicht
als solche bezeichnen zu müssen.

Mit dem Ausdruck ´“kartographische Quelle“ kann ich gar nichts anfangen; ich
halte diese Formulierung für irreführend. Oder man versteht „Quelle“ im
übertragenen Sinn als Informationsquelle.

Sie entdecken da einen interessanten Fall, der mir noch nicht untergekommen
ist. Falls es eine Ausarbeitung Ihrer Recherchen gibt, wäre ich dankbar, wenn
ich sie lesen könnte.

Viele Grüße
Ihr A. Greule

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de>

An

samanthaseithe@yahoo.de

04.07.15 um 10:59

Liebe Frau Seithe,

meine Auskunft dürfen Sie gerne in Ihrer Arbeit verwenden, die Sie mir bitte,
wenn sie fertig ist, zuschicken.

Ebenso interessiert mich, welche Rolle die Orts- und Flurnamen für Heinrichs
Vogelherd spielen. Wir sind hier im Rahmen der Forschergruppe Namen der
Universität Regensburg ebenso wie in der Deutschen Gesellschaft für
Namenforschung (Leipzig) immer daran interessiert zu erfahren, was sich im
Bereich der Namenforschung Neues tut.

Meine Privatanschrift: Hangstraße 30, 93173 Wenzenbach-Grünthal

Viel Erfolg bei Ihren Forschungen und beste Grüße
Ihr Albrecht Greule

E –Mail Kontakt 11

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,

Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Sehr geehrte Frau Seithe,

Ihre erste Mail habe ich nicht erhalten. Ihre Fragen sind so nicht zu beantworten. Um juristische Auskünfte geben zu können, müsste ich den gesamten Sachverhalt kennen. Bei manchen Fragen verstehe ich nicht den Hintergrund. So ist der Ausdruck „Bach“ kein rechtlicher bzw. gesetzlicher. Vielleicht meinen Sie Gewässer? Ob ein Wasserlauf ein Gewässer oder eine Anlage ist, ist eine schwierige Angelegenheit und lässt sich nur anhand der Gegebenheiten vor Ort entscheiden. Auch die Frage, welche Untersuchungen vorgenommen werden,, lässt sich nur im Einzelfall beantworten.

Da es also bei solchen Fragen immer vor allen darauf ankommt, dass die Tatsachen alle klar sind, bitte ich Sie, sich an die für diese Gewässer zuständige untere Wasserbehörde zu wenden. Die wird die Situation kennen.

Ich kann leider nicht erkennen, welche das bei Ihnen ist. Wenn Sie in einem Kreis wohnen, müssten Sie auf die Internetseite des Kreises gehen, wenn Sie in einer kreisfreien Stadt wohnen, auf deren Internetseite.

Viele Grüße

Im Auftrag

Sibylle Pawlowski

Dr. Sibylle Pawlowski

Referat IV – 8 Wasserrecht, Abgabenrecht

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,

Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Tel: 0211 4566 385

Fax: 0211 4566 946

sibylle.pawlowski@mkulnv.nrw.de

E –Mail Kontakt 12

Umweltbundesamt

Sehr geehrte Frau Seithe,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 4. Dezember 2015, die wir untenstehend gerne beantworten. Sie haben gegenüber dem Umweltbundesamt (UBA) den folgenden Sachverhalt als Grundlage Ihrer Fragen geschildert:

1.

Es handelt sich um einen Wasserlauf, welcher in früherer Zeit ein Überlauf der Lippe war.

Später wurde auf diesen Bach ein industrieller Betrieb gebaut, der Bach wurde zu einer Seite abgeschnitten und hinter dem Betrieb blieb der alte Wasserlauf erhalten und bekam auch einen Gewässernamen.

Bei meinen Untersuchungen habe ich festgestellt, dass das gesamte Wasser (außer wenn es regnet) Abwasser aus dem industriellen Betrieb ist. Gesetzlich gibt es keine Definition was ein Bach ist nur was ein Gewässer ist. § 3 Wasserhaushaltsgesetz :

Anlagen zur Ableitung von Abwasser und gesammeltem Niederschlagswasser sowie zur Straßenentwässerung gewidmete Seitengräben (Straßenseitengräben) sind nicht Gewässer.

Ist dies ein Gewässer oder  eine Anlage zur Ableitung von Abwasser?

2.

Der „Bach“ ist stark belastet, erst nach ca. 1 km fließen kleine Bäche in den Bach hinein, hier wird das Wasser langsam sauberer. Auf dem ersten Kilometer wird der Bach seitens des Umweltamtes vor Ort nicht kontrolliert, darf das sein?

3.

Ist es nicht eine Bürgertäuschung, solch ein Gewässer als Bach auszuweisen? [Anmerkung: Rotmarkierung durch die Verfasserin der Arbeit]

 

Zu Frage 1:

Auf Ebene des Bundes finden sich gesetzliche Regelungen und Definitionen zu Gewässern, wie von Ihnen zutreffend erwähnt, im Wasserhaushaltsgesetz (WHG). Bezüglich Ihrer Fragestellung ist zunächst festzuhalten, dass der Begriff „Bach“ im WHG nicht gesondert legal definiert ist, sondern als Fließgewässer einen Unterfall der oberirdischen Gewässer gemäß § 3 Nummer 1 WHG darstellt. Der Begriff „Bach“ ist dementsprechend als reine Flurbezeichnung anzusehen, die für die rechtliche Einordnung des Gewässers ohne Belang ist und keine Aussagen über die Gewässerqualität oder dahin gehende Mindestanforderungen trifft.

Ein oberirdisches Gewässer im Sinne von § 3 Nummer 1 WHG liegt dann vor, wenn es aus ständig oder zeitweilig in Betten fließendem oder stehendem oder aus Quellen wild abfließendem Wasser gebildet wird. Wie Sie selbst schreiben, blieb im konkreten Fall hinter dem Betrieb „der alte Wasserlauf erhalten und bekam auch einen Gewässernamen“. Soweit im Verlauf des Wasserlaufs ein Gewässerbett, also eine äußerlich erkennbare natürliche oder künstliche Begrenzung des Wassers in einer Eintiefung an der Erdoberfläche (die Definition entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts) erkennbar ist oder bleibt, wird ein Bach als oberirdisches Gewässer im Sinne von § 3 Nummer 1 WHG einzuordnen sein, ohne, dass es auf die Wasserqualität ankommt. Der Begriff der oberirdischen Gewässer ist sehr weit gefasst und beinhaltet alle Wasserläufe, die ganz oder teilweise in Beziehung zum natürlichen Wasserkreislauf stehen, sodass auch Verrohrungen, unterirdische Teilstrecken oder eine Doppelfunktion als Wasserlauf, Vorfluter oder eben als Abwasseranlage an der rechtlichen Einordnung als „oberirdisches Gewässer“ nichts ändern.

Die rechtliche Einordnung als oberirdisches Gewässer dient nicht dazu, einem Wasserlauf bzw. seinem Ist-Zustand eine gewisse ökologische Güte zuzusprechen. Vielmehr besteht der Sinn und Zweck der Einordnung als Gewässer darin, dass für nahezu sämtliche Nutzungen – dies können gemäß § 9 WHG u.a. sowohl die Entnahme von Wasser als auch Einleitungen sein – grundsätzlich gemäß § 8 WHG eine wasserbehördliche Erlaubnis erforderlich ist. Mithin können Gewässer im Hinblick auf ihren guten ökologischen Zustand deutlich strenger kontrolliert werden, als dies bei der – aus Ihrer Sicht augenscheinlich in Betracht zu ziehenden – vermeintlich ehrlichen (ausschließlichen) Einordnung als Abwasserbeseitigungsanlage der Fall wäre.

Zu dem Sachverhalt ist insgesamt anzumerken, dass die konkreten örtlichen Verhältnisse beim UBA nicht bekannt sind und wir daher die von Ihnen geschilderte Situation nicht abschließend unter Berücksichtigung der dargestellten wasserhaushaltsrechtlichen Kriterien beurteilen können. Hierfür ist das UBA als eine obere Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums, dem die Erfüllung besonderer Sachaufgaben von bundesweiter Bedeutung obliegt, auch nicht zuständig. Wir können Ihnen daher nur raten, bei der zuständigen Wasserbehörde ggf. konkret die Genehmigungssituation hinsichtlich der Gewässernutzung zu hinterfragen. In Nordrhein-Westfalen sind für den Vollzug des WHG gemäß § 1 Absatz 3 in Verbindung mit Anhang Teil A Zuständigkeitsverordnung Umweltschutz (ZustVU) vom 3. Februar 2015 die Kreise und kreisfreien Städte als untere Wasserbehörden zuständig.

Zu Frage 2:

Gesetzliche Festlegungen, Messpunkte zur Überwachung der Qualität von Oberflächengewässern unmittelbar am Standort von Gewässernutzungen bzw. konkret von Einleitungen vorzunehmen, existieren nicht, da die Beeinflussung der Gewässergüte bereits Bestandteil der wasserrechtlichen Genehmigung für etwaige Einleitungen ist. Vorgaben zur Bestandsaufnahme, zur Einstufung des ökologischen Zustands und des ökologischen Potenzials von Gewässern, die als Grundlage für Maßnahmen dienen, mit denen der gute ökologische und chemische Zustand eines Gewässers erreicht werden kann, finden sich in der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (Oberflächengewässerverordnung – OGewV). Mangels Kenntnis des betreffenden Gewässers vermag das UBA nicht abzuschätzen, ob die zuständige Wasserbehörde die erforderlichen Maßnahmen zum Erreichen des in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vorgegebenen guten Zustands des Gewässers trifft. Das UBA hat überdies angesichts seiner benannten Zuständigkeiten auch keinerlei Befugnisse im Bereich des Vollzugs, insbesondere nicht im Zuständigkeitsbereich der Bundesländer und Kommunen und ist daher nicht befugt, die Praxis der örtlich zuständigen Wasserbehörden zu kommentieren oder zu kontrollieren. […]

So genannte Steckbrief der Planungseinheiten für Teileinzugsgebiete, darunter auch für die Lippe, finden Sie unter http://www.flussgebiete.nrw.de/index.php/Ma%C3%9Fnahmenprogramm/Planungseinheiten#Rhein_Lippe.  

Zu Frage 3:

Wie bereits zu Frage 1 dargestellt, ist die Bezeichnung als „Bach“ hinsichtlich des Gewässerzustands ohne rechtliche Bedeutung

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Antwort geholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Matthias Hacker

Matthias Hacker

Fachgebiet II 2.1 Übergreifende Angelegenheiten Wasser und Boden

Fachgebiet II 3.1 Nationale und internationale Fortentwicklung der Trinkwasserhygiene

Umweltbundesamt

Wörlitzer Platz 1

06844 Dessau-Roßlau

 

Telefon: +49 (0)340 2103 3697

matthias.hacker@uba.de

www.umweltbundesamt.de

Karte 14

Auf dieser Karte sind die kommunalen Einleitungsstellen in die Geithe zu erkennen.

Abgerufen am 29. Mai 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf

Karte 15

Auf dieser Karte sind direkt einleitende Betriebe zu erkennen.

Abgerufen am 29. Mai 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de/elwas-web/index.jsf

Abbildung 35

Die vorgenannten Firmen sowie WESTFLEISCH eG und Hochtemperatur Kernkraftwerk GmbH werden als Direkteinleiter geführt.

Abgerufen am 29. Mai 2015

http://www.elwasweb.nrw.de

Abbildung 36

RWE Power AG besitzt darüber hinaus eine Einleitungsstelle für den Hausabwasserbereich.

Abgerufen am 29. Mai 2015 unter:

http://www.elwasweb.nrw.de

Abbildung 37

Beide Namen für Gewässer auf entgegengesetzten Seiten des Kraftwerksgeländes sind in Einleitungsgenehmigung  zu finden sind.

Abgerufen am 29. Mai 2015

http://www.elwasweb.nrw.de

Karte 16

Da es sich bei den Koordinaten um UTM  – Koordinaten handelt, musste ich diese erst umrechnen.

Abgerufen am 30. Mai 2015 unter:

http://www.deine-berge.de/umrechner_koordinaten.php.

Abbildung 38

Es scheint die Kenntnis von Einleitungsstellen entweder vollständig oder mit unklarer Verortung und Anzahl der Einlassstellen zu fehlen.

Abgerufen am 30. Mai 2015 unter :

http:// daten. Flussgebiete .nrw.de/ bestandsaufn/ daten/lippe/index.html

Abbildung 39

Experteneinschätzungen geben laut Experteneinschätzung einen guten Zustand preis.

Abgerufen am 30. Mai 2015

http:// daten. Flussgebiete .nrw.de/ bestandsaufn/ daten/lippe/index.html

Datenmaterial 1

Fragenkatalog Herr Cigelski, übergeben am 29.Oktober 2015 in Anwesenheit von Herrn Kiko

Fragen zur Geithe und zum Geithebach

1. Geithe / Geithebach

1.1 Welche Version von Name, Quelle, Verlauf der Geithe / Geithebach ist verbindlich? Kreis Soest / Stadt Hamm kennen keine Geithebach, geo – portal, tim- online und Elwas unterscheiden Geithe und Geithebach mit verschiedenen Gewässerkennzahlen

Von: Samantha Seithe [mailto:samanthaseithe@yahoo.de]
Gesendet: Sonntag, 19. Juli 2015 19:00
An: Kühlmann Annette
Betreff: Fließgewässer Kreis Soest

 

Hallo Frau Kuehlmann, 

bei meinem fünften Abiturfach beschäftigte ich mich mit der Lippe und seine Zuflüsse.

Nun meine Frage:

Der Geithe-Bach stellt die Grenze zwischen dem Kreis Soest und der Stadt Hamm da, entspringt in Eilmsen und fließt in die Lippe.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Geithe – Bach und dem Geithebach  und ist der Geithebach die lange Version von Geithe?

Können Sie mir den genauen Verlauf der/ des Baches mit der genauen amtlichen Bezeichnung nennen?

Liebe Grüße aus Scheidingen

Samantha Seit

Annette.Kuehlmann@Kreis-Soest.de

An

samanthaseithe@yahoo.de

Jul 20 um 9:14 AM

Hallo Frau Seithe,

Die Geithe oder der Geithebach bildet nicht die Grenze zwischen Soest und Hamm, fließt auch nicht in die Lippe sondern in die Ahse und die Ahse fließt in Hamm in die Lippe.

Die Gewässerunterhaltung obliegt der Stadt Hamm hier können Ihnen Frau Knoblauch (Tel. 02381/17-7139) oder Herr Dr. Schmidt-Formann weiter helfen.

 

Die Geithe gehört zum Ahse-Prohekt „Lebendige Bördebäche“, weitere Informationen finden Sie auch unter:

 

http://www.kreis-soest.de/umwelt_tourismus/umwelt/unterhaltung/boerde/Ahse-Projekt__Lebendige_Boerdebaeche_.php

 

Für eventuelle Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

i. A.

 

Annette Kühlmann

Kreis Soest

Wasserwirtschaft

Hoher Weg 1 – 3   .  59494 Soest

Tel.: 02921 30-2213

Fax: 02921 30-3480

E-Mail: annette.kuehlmann@kreis-soest.de

Internet: www.kreis-soest.de

 

1.2 Warum wird der Geithebach nicht kontrolliert, obwohle er eine Gewässerkennzahl hat ( 2785916)?

1.3 Warum ist bei tim-online.nrw.de, elwasweb.nrw.de, geoportal.nrw.de bei den Karten nicht klar ersichtlich welches die Geithe und der Geithebach sind. Die Bezeichnungen der Bäche sind verwirrend.(Karten auf dem USB – Stick)

1.4 Einleitungsgenehmigungen vom industriellen Betrieb sind verwirrend, es wird in die Geithe und den Geithebach eingeleitet, erst durch eine Berechnung der Koordinaten kann man feststellen in welchen Bach eingeleitet wird.

1.5 Wo ist der richtige Verlauf der Geithe? Eine neue Variante des industriellen Betriebes oder wie zuverlässig sind unsere Behörden?

Steffen, Guido <guido.steffen@rwe.com>

An

samanthaseithe@yahoo.de

Heute um 12:00 PM

Liebe Frau Seithe,

tut mir leid, aber Sie irren sich. Die erneute Nachfrage am Standort ergibt, dass sich der Ursprung der Geithe außerhalb des Werksgeländes befindet, wie unten angegeben. Was im Wiki zur Quelle der Geithe/des Geithebachs steht, ist nicht richtig.

Gruß, Guido Steffen

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Steffen, Guido
Gesendet: Freitag, 4. Dezember 2015 15:21
An: ‚samanthaseithe@yahoo.de
Betreff: Quelle der Geithe

Hallo Frau Seithe,

die Geithe entspringt nicht auf dem Standort (siehe weiter unten). Ein Foto der Quelle kann somit im öffentlichen Verkehrsraum ohne Betreten des Standortes bzw. ein Foto vom Standort gemacht werden.
Die Geithe „entspringt“ (oder besser: entsteht) an der Grenze der Stadt Hamm zum Kreis Soest, ungefähr an der Straßenkreuzung Lippestraße / Vellinghauser Straße.
Die „Quelle“ ist die Feldentwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Von hier aus fließt der Bach zum Umspannwerk und dann zum KWE.
Der Bach verläuft in Rohren unter dem Kraftwerk und fließt an der Westgrenze (Schmehauser Feld) des KWE wieder in ein offenen Bachlauf.

Gutes  Gelingen, schönes Wochenende und

Mit freundlichen Grüßen, vriendelijke groeten and kind regards

Guido Steffen
RWE Power AG
Externe Kommunikation/Pressestelle
Huyssenallee 2
45128 Essen

 

2. Wasserproben

2.1 Grenzwerte werden überschritten

2.2. Warum wird die Geithe vom Kraftwerk bis zum Duiker nicht von der Stadt Hamm kontrolliert.

2.3 Temperaturen sind viel zu hoch, vor allem im Winter

2.4 Verschiedene Werte der Wasserproben legen dar, dass die Geithe zu verschiedenen Zeitpunkten durch Einleitungen belastet wurde. Stichproben reichen nicht. Wie zuverlässig sind die Messdaten / Angaben vom industriellen Betrieb. (Elwass)

2.5 Bei Gewitter kontrollierte Einleitung? Flutwelle von ca. 34cm

Gemäß der Niederschlagsmenge möglich? Leitfähigkeit 1,405 Milli Sievert /cm, Regenwasser?

Was ist passiert?

 

3. Quelle

3.1  Kann es eine kartographische Quelle geben?

3.2 Kann es einen Bach ohne Quelle geben?

3.3 Kann ein industrieller Betrieb als Quelle bezeichnet werden?

 

4. Bodenproben / Ausbaggern

4.1 Wie ist das Ausbaggern eines Baches zu erklären, der laut „Lebendige Bördebäche“ in einem ökologisch guten Zustand ist?

4.2 Wie wurde der Aushub entsorgt? Laut meiner Bodenprobe handelte es sich um Sondermüll.

4.3 Bekomme ich Auskunft darüber, wie der Boden entsorgt wurde?

 

5. Einleitungen

5.1 Warum werden Einleitungsmengen in Höhe von 245.000 m³

geschätzt? Warum leitet ein stillgelegtes Kernkraftwerk überhaupt soviel Wasser ein?

Antwort von Herr Cigelski, Leiter Untere Wasserbehörde Hamm:

Außen am Kernkraftwerk wird Grundwasser abgepumpt, aber in mehreren Jahren 0 m³ und in einem Jahr 245000 m³. Vorher behauptete Herr Cigelski, das Wasser in der Geithe sei lediglich Niederschlagswasser, die Wasserverschmutzungen kommen durch die Kohlehalden und die Straßen,

erst als ich ihn auf die Einleitungsgenehmigungen hinwies, sprach er von geringen Einleitungen.

5.2 Besteht die Möglichkeit, eine detaillierte Auflistung von Wassermengen, Inhaltsstoffen getrennt nach Herkunft auf dem Industriegelände zu bekommen?

5.3 Rechnerisch sind die Einleitungsmengen vom industriellen Betrieb die Wassermenge die sich in der Geithe befindet, im trockenen Sommer??

5.4 Warum die Einleitungen des stillgelegten Kernkraftwerkes durch die Stadt Hamm genehmigt und die der Kohlekraftwerke von der bezirksregierung?

 

6. Was ist ein Bach? Was ist ein Gewässer

6.1 Was versteht der Bürger unter der Bezeichnung Bach? Darf ein Abwasserkanal eines industriellen Betriebes als Bach / Gewässer bezeichnet werden?

6.2 Gibt es einen Bach / Gewässer ohne Quelle?

 

7. Beurteilung öffentliche Stellen über die Geithe

7.1 Es gibt Beurteilungen die Metalle in der Geithe als „gut, bezeichnen “laut Experteneinschätzung“, wie kann man so etwas einschätzen?

7.2 Es wurde immer wieder auf erhöhte Zinkkonzentrationen hingewiesen, warum wurde nichts unternommen?

7.3 Die Geithe wird vom Kraftwerk bis zum Duiker als „natürlich“ eingestuft, ist das korrekt?

7.4 Gewässergüte die in amtlichen Berichten dargelegt werden, stimmen nicht mit der tatsächlichen Situation überein

Mehrmals in Gewässergüteberichten:

Bei den Metalluntersuchungen wurde nur in der Geithe eine erhöhte Zink-Konzentration gemessen.

Auch hinsichtlich der erhöhten Zinkkonzentration in der Geithe und den nachgewiesenen Pflanzenschutzmitteln im Mündungsbereich der Ahse werden weitergehende Kontrollen und Untersuchungen klären, wo sinnvolle Maßnahmen einsetzen können.

Geithe und Kützelbach sind zusätzliche Untersuchungen erforderlich, um die Ursachen für die nur mäßige Gewässergüte zu finden.

Demnach sind vor allem die Flüsse Lippe und Ahse sowie der Lausbach, Mesenbach, Ennigerbach, Salzbach/Unterlauf Bewerbach, die Geithe und der Oberlauf der Geinegge sowie einige kleinere Bäche und Bachabschnitte nur mäßig belastet und erreichen damit die Zielvorgaben der Allgemeinen Güteanforderungen für Fließgewässer, AGA.

Gab es Untersuchungen??

 

E – Mail Kontakt 13

E- Mail Kontakt zwecks Termin und Rückgabe der Unterlagen mit Dr. Schmitt – Formann

Von: samanthaseithe@gmx.de [mailto:samanthaseithe@gmx.de]
Gesendet: Montag, 23. November 2015 08:07
An: Schmidt-Formann Dr., Oliver; kiko@mg-werl.de
Betreff: Geithe

Guten Morgen Dr. Schmidt – Formann,

schade, dass Sie am 29.10.15 krank waren, gerne hätte ich die Untersuchungen sachlich mit Ihnen besprochen.

Sicherlich konnten Sie die Unterlagen mittlerweile einsehen und sich ein Bild von meinen Untersuchungen machen und sich ein Urteil über die Untersuchungen bilden.

Ab dem 1. Nov. 15 wollte sich Ihr Kollege mit Ihnen um die Angelegenheit kümmern und sich dann bei mir

zwecks Klärung meiner Fragen melden.

Haben Sie schon Informationen für mich z.B. wie der Aushub entsorgt wurde, Klärung Geithe – Geithebach etc. ?

Wer ist bezüglich der Geithe nun mein direkter Ansprechpartner, Sie oder ihr Kollege?

Liebe Grüße aus Scheidingen

Samantha

Gesendet: Montag, 23. November 2015 um 09:10 Uhr
Von: „Schmidt-Formann Dr., Oliver“ <Schmidtformann@Stadt.Hamm.de>
An: „samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Cc: „Cigelski, Rudolf“ <Cigelski@Stadt.Hamm.de>
Betreff: AW: Geithe

Hallo Frau Seithe,

 

Danke für die Unterlagen.

Ich habe sie mir angesehen und mich mit dem Kollegen ausgetauscht.

Am besten wir telefonieren dazu noch einmal oder Sie kommen erneut zu mir ins Büro (die Unterlagen müssen ja auch zurück)?

 

Gruß

 

i.A. 
Dr. Oliver Schmidt-Formann
Stadt Hamm | Umweltamt | Sachgebietsleiter 311.2 Landschaft | stv. AbtL 31.1 und 31.3 Untere Landschafts-  und Wasserbehörde | Projektleitung LIFE+Projekt LippeAue
Technisches Rathaus, A0.078 | Gustav-Heinemann-Straße 10 | 59065 Hamm | Tel.: 0 23 81 / 17-71 37 | Fax: 0 23 81 / 17-29 31 | web: 
http://www.life-lippeaue.de |http://www.hamm.de

E – Mail Kontakt 14

Neuversuch am 5. Dezember 2015, Aufforderung Herrn Dr. Schmidt-Formann zur Beantwortung meiner Fragen auf

Von: samanthaseithe@gmx.de [mailto:samanthaseithe@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 5. Dezember 2015 21:19
An: poststelle@mkulnv.nrw.de; Burgards@t-online.de; Cigelski, Rudolf; Schmidt-Formann Dr., Oliver
Betreff: Antrag auf Stellungnahme zur Geithe
Wichtigkeit: Hoch

Zur Kenntnisnahme an:

Herrn Remmel, Umwelt NRW

Herrn Cigelski, Umweltamt Stadt Hamm

Herrn Burgards, Bündnis 90/GRÜNE

(Unterlagen und Untersuchungsergebnisse können jederzeit angefordert werden)                                                                

 

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann,

bezugnehmend auf unser Gespräch am 3.12.2015 muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden bin. Am 29.10.15 hat mir Herr Cigelski zugesagt, dass er sich um meine Anliegen kümmern möchte. Sie haben sich, wenigstens freundlich, das Anliegen erneut erklären lassen, jedoch gab es keine Antwort auf meine Fragen. Nun erneut meine Fragen:

1.)

Im März 2015 wurde das Bachbett der Geithe und im November 2015 das Vorbecken des Dükers vor dem Datteln-Hamm-Kanal ausgebaggert. Von mir in Auftrag gegebene Analysen zeigen eine deutliche Schwermetallverseuchung der Sedimente auf. Wie wurde der Aushub jeweils deklariert und wohin wurde er entsorgt? Wie ist das Ausbaggern eines Baches zu erklären, der laut „Lebendige Bördebäche“ in einem ökologisch guten Zustand ist?

2.)

In meinen vorgelegten Unterlagen waren Diagramme zu finden, die eindeutig zeigen, dass die Wasserproben aus der Geithe, die ich auf meine Kosten analysieren ließ, die Grenzwerte von TVO, LAWA und die für diesen Fall relevanten Werte der WRRL deutlich überschritten. Wie wollen Sie in dem Fall der Schwermetallverunreinigung weiter verfahren?

3.)

Abgesehen von Niederschlagsereignissen führt die Geithe in ihrem Oberlauf ausschließlich industrielles Abwasser der Kraftwerksanlagen RWE, dies ist rechnerisch anhand der Einleitungen (ELWAS) zu ermitteln.

4.)

Im November wurde das Vorbecken des Dükers vor dem Datteln-Hamm Kanal ausgebaggert. Eine Bodenanalyse wurde von mir genommen, Ergebnisse von dem Labor liegen noch nicht vor, es gibt jedoch alte Schlammprobenergebnisse von diesem Teilabschnitt, die auch deutlich eine Schwermetallverseuchung des Schlammes aufzeigen.

5.)

Der Verlauf der Geithe wird von RWE wie folgt dargestellt:

 

Steffen, Guido <guido.steffen@rwe.com>

An

samanthaseithe@gmx.de

Dez 4 um 3:21 PM

Hallo Frau Seithe,

 

die Geithe entspringt nicht auf dem Standort (siehe weiter unten). Ein Foto der Quelle kann somit im öffentlichen Verkehrsraum ohne Betreten des Standortes bzw. ein Foto vom Standort gemacht werden.
Die Geithe „entspringt“ (oder besser: entsteht) an der Grenze der Stadt Hamm zum Kreis Soest, ungefähr an der Straßenkreuzung Lippestraße / Vellinghauser Straße. Die „Quelle“ ist die Feldentwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Von hier aus fließt der Bach zum Umspannwerk und dann zum KWE.Der Bach verläuft in Rohren unter dem Kraftwerk und fließt an der Westgrenze (Schmehauser Feld) des KWE wieder in ein offenen Bachlauf.

Gutes  Gelingen, schönes Wochenende und

Mit freundlichen Grüßen, vriendelijke groeten and kind regards

Guido Steffen
RWE Power AG
Externe Kommunikation/Pressestelle

Ihrer Aussage nach existiert nur eine kartographische Quelle, Herr Cigelski nannte jedoch ein Rohr hinter dem Duiker als Quelle. Weitere widersprüchliche Angaben zur Quelle und zum Verlauf finden sich bei ELWAS, Tim-online, Geoportal. Ferner unterscheiden mehrere Kartenwerke Geithe und Geithebach, wobei der Geithebach beim Kreis Soest und der Stadt Hamm nicht bekannt ist, obwohl laut ELWAS Einleitungsgenehmigungen auf den Geithebach eingetragen sind. Nur durch Überprüfungen der Koordinaten kann man herausfinden, dass die Geithe gemeint ist. Da es sich um zwei eigenständige Bäche mit zwei unterschiedlichen Gewässerkennzahlen handelt, sollten meiner Meinung nach die Einleitungsgenehmigungen transparenter gemacht werden.

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann, sehr geehrter Herr Cigelski, zweimal war ich zu Besuch im Umweltamt Hamm. Am 29.10.15 waren Sie, Hr. Cigelski, mein Ansprechpartner. Die unterschwellige Aggressivität, die Sie mir entgegenbrachten, und Ihr Ausspruch „ ich weiß, dass ich dumm bin“ ist nicht die Art und Weise, wie man einem Schüler, der wichtige Fragen zu einer Bachuntersuchung stellen möchte, entgegentritt. Sie hatten mir zugesagt, dass Sie, nachdem Sie ein Projekt fertig gestellt haben, sich ab dem 1.11. um meine Fragen und Anliegen kümmern wollten. Am 3.12. hatte ich erneut einen Termin bei Ihnen, Herr Dr. Schmidt-Formann. Ich bin nach Hamm gekommen in der Annahme, dass Herr Cigelski sein Versprechen gehalten hat und ich Antworten bekomme. Stattdessen musste ich Ihnen meine Fragen erneut stellen, da Herr Cigelski Sie nicht informiert hatte. Bei unserem Vorgespräch im August haben Sie mir das Gefühl vermittelt, dass Sie sich für mein Projekt interessieren würden. Ihre Bemerkung im Gespräch am 3.12. „ Wollen Sie ein Fass aufmachen?“ fand ich mehr als unverschämt und unpassend. Meinerseits habe ich vorab das Gespräch mit dem Umweltamt Hamm gesucht, um Lösungen und Antworten auf die Problematik der Geithe zu bekommen. Sie haben mir jedoch das Gefühl vermittelt, dass ich und meine Fragen unerwünscht sind. In den Schulen und vom Staat wird gerade unsere Generation immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig unsere Umwelt und der Umweltschutz sind. Bei mir erweckt es leider mittlerweile den Eindruck, Umweltschutz ist im höchsten Maße von Jugendlichen erwünscht, aber nur so lange wie etwas Positives dabei herauskommt oder wirtschaftliche Interessen gewahrt bleiben. Es soll keine Kritik oder Schelte an Behörden sein, ich möchte nur in meiner Arbeit verbindliche Aussagen verwenden und meine Arbeit wissenschaftlich korrekt beende. Mit den Worten von Dr. Schmidt-Formann: Ich möchte kein Fass aufmachen, sondern nur Antworten. Allerdings stellt sich bei mir nach solch einer Aussage  mittlerweile die Frage:„ ist es ein Fass?“, was soll ich nicht erfahren?

Ich fordere Sie zu einer schriftlichen Stellungnahme zu meinen Fragen bezüglich der Ihnen vorgelegten Unterlagen auf.

 

Samantha Seithe

 

E Mail Kontakt 15

Gesendet: Donnerstag, 10. Dezember 2015 um 14:43 Uhr
Von: „Schmidt-Formann Dr., Oliver“ <
Schmidtformann@Stadt.Hamm.de>
An: „
samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Cc: „Hanke, Hubertus“ <
Hanke@Stadt.Hamm.de>, „Cigelski, Rudolf“ <Cigelski@Stadt.Hamm.de>, „Lambertz, Reinhild“ <lambertz@Stadt.Hamm.de>, „poststelle@mkulnv.nrw.de“ <poststelle@mkulnv.nrw.de>, „Burgards@t-online.de“ <Burgards@t-online.de>
Betreff: AW: Antrag auf Stellungnahme zur Geithe
Sehr geehrte Frau Seithe,

 in der Anlage übersende ich mein Antwortschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

 i.A.
Dr. Oliver Schmidt-Formann
Stadt Hamm | Umweltamt | Sachgebietsleiter 311.2 Landschaft | stv. AbtL 31.1 und 31.3 Untere Landschafts-  und Wasserbehörde | Projektleitung LIFE+Projekt LippeAue
Technisches Rathaus, A0.078 | Gustav-Heinemann-Straße 10 | 59065 Hamm | Tel.: 0 23 81 / 17-71 37 | Fax: 0 23 81 / 17-29 31 | web:
http://www.life-lippeaue.de | http://www.hamm.de

Sehr geehrte Frau Seithe,

Ihre Email vom 05.12.2015 habe ich erhalten und möchte Ihrer Bitte darauf zu antworten gerne nachkommen. Sie schreiben eine Facharbeit im Rahmen Ihres Schulabschlusses. Dazu hatten sie mich um Unterstützung bei Ihrer Recherche gebeten. Diese Unterstützung hatte ich Ihnen zugesagt und Sie zu einem Gespräch ins Umweltamt eingeladen. Nach einem Einführungsgespräch hatten sich weitere Fragen ergeben, die in einem weiteren Termin diskutiert werden sollten. Krankheitsbedingt hatte hier Hr. Cigelski, Abteilungsleiter der Unteren Wasserbehörde, den Termin wahrgenommen. Nachdem ich Rücksprache mit Herrn Cigelski genommen habe, haben wir einen weiteren Gesprächstermin vereinbart. Schon während der Terminfindung hatte ich Ihnen mitgeteilt, dass ich den von Ihnen vorgelegten Unterlagen keine konkreten Fragen entnehmen konnte, die ich Ihnen hätte beantworten können. Die mitgelieferte Liste war inhaltlich an vielen Stellen zu abstrakt formuliert.1 Entgegen Ihren Darstellungen lagen mir oder Herrn Cigelski also keine konkreten Fragen vor. In diesem Tenor leitete ich dann auch unser zuletzt geführtes Gespräch ein. Dem haben Sie inhaltlich nicht widersprochen. Ich möchte noch meine Verwunderung über die von Ihnen gewählte Vorgehensweise und Ihre E-Mail vom 05.12.2015 zum Ausdruck bringen! Ich habe unser letztes Gespräch als sehr positiv in Erinnerung.2 Sie konnten mir Ihre Fragen erläutern und ich habe versucht Ihnen die Antworten verständlich zu vermitteln. Zugegeben, nicht alles konnte ich mit einfachen und nachvollziehbaren Antworten erläutern – dazu sind die von ihnen gewählten Themen oft komplexer Natur und fachübergreifend geartet. Mit den von Ihnen angesprochenen Themenfeldern zur Gewässerökologie, geschichtliche und sprachwissenschaftliche Entwicklung des Gewässers „Geithe“, der geografischen Klärung des Gewässerverlaufs, den chemisch-physikalischen Gewässeruntersuchungen, den Analysen von Bodenproben, Einleitungen in das Gewässer sowie Aspekte des Wasserrechts haben Sie ein weites Feld verschiedenster Themenfelder eröffnet. Die von Ihnen angegangenen Fragestellungen allein reichen für mehrere Bachelorarbeiten aus, wollen die Fragen, wie es Ihren Ansprüchen entspricht, wissenschaftlich beantwortet werden. Als Naturwissenschaftler weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Wesen einer Umweltamt Untere Wasserbehörde Technisches Rathaus Gustav-Heinemann-Straße 10 59065 Hamm Ansprechpartner: Herr Dr. Schmidt-Formann Zimmer-Nummer: A0.102 Tel. 02381 / 17-7137 Fax 02381 / 17-2931 Schmidtformann@stadt.hamm.de Seite 2 / 3 guten Argumentation eine lückenlose und unzweifelhaft nachvollziehbare Herleitung der gewonnen Daten ist. Dazu gehört selbstverständlich eine nach allgemein anerkannten und oftmals normierten Methodik. Allein bei der Entnahme einer Bodenprobe3 kann durch fehlerhafte Anwendung der Standards eine Analyse völlig wertlos werden, weil beispielsweise die Qualität der gewonnen Daten nicht hinreichend plausibel dargelegt werden kann. Zu Ihren Fragen im Einzelnen: Es entspricht der geordneten Gewässerunterhaltung ausgehobenes Bodenmaterial seitlich neben das Gewässer einzuarbeiten. Entsprechende Bestimmungen finden Sie im Landeswassergesetz und den einschlägigen Richtlinien.4 Arbeiten am „Vorbecken des Dükers“ sind mir nicht bekannt. In unserem Gespräch haben sie diese nicht erwähnt.5 Die Ihnen vorliegenden „alten Schlammprobenergebnisse“ liegen mir nicht vor und sind mir nicht bekannt. Die Geithe ist entgegen Ihrer Behauptung nicht in einem ökologisch guten Zustand. Dies ist die Zielformulierung gemäß Wasserrahmenrichtlinie. Die vorgelegten Daten sollen nach Ihren Angaben Grenzwerte der TVO, LAWA und WRRL überschreiten. Nur nach der Analyse einer Probe die unter normierten Bedingungen genommen wurde lassen sich diese weit reichenden Behauptungen weiter verfolgen. Da mir die Methodik nicht mitgeteilt wurde, muss ich zunächst von methodischen Fehlern ausgehen.6 Insofern sollten Sie in Ihrer Facharbeit diesem Umstand durch Relativierung Rechnung tragen. Aber auf Basis einer vorausgesetzten fachlichen Qualität können Sie die Werte sicherlich diskutieren und Ihre eigenen Einschätzungen ableiten. Hinweise zu einer erhöhten Belastung liegen mir auch nach Abgleich der bisherigen Untersuchungen im Rahmen des Monitorings der WRRL oder eigener Untersuchungen beispielsweise des Makrozoobenthos bzw. chemisch-physikalischer Parameter oder der Fischfauna nicht vor. Diese Einschätzung hatte ich Ihnen ja bereits in unserem Gespräch mitgeteilt. Nach Rücksprache mit der Unteren Bodenschutzbehörde ermöglichen die vorgelegten Analysen der „Boden- bzw. Sedimentproben“ keine wissenschaftliche Auswertung. Um ein Bachsediment fachlich und wissenschaftlich richtig zu bewerten, ist eine normierte Probennahme und anschließende Analytik sowie eine Bewertung im Hinblick auf eine gezielte Fragestellung unabdingbar. Neben der Geithe wird eine Vielzahl an Gewässern in NRW maßgeblich von Einleitungen gespeist. Das gereinigte Abwasser wird i.d.R. auf Basis wasserrechtlicher Erlaubnisse unter definierten Bedingungen und Auflagen eingeleitet. Dieser Umstand ist der hohen Bevölkerungsdichte unserer Region geschuldet, entspricht aber der gängigen Praxis. Trotz dieser anthropogenen Überformung können im Übrigen viele Gewässer in einen guten ökologischen Zustand überführt werden. Seite 3 / 3 Die widersprüchliche Datenlage zum Ursprung der Geithe, dem Umstand, dass es den Bach kartografisch zwei Mal gibt und weitere Unklarheiten sind ein interessantes Ergebnis Ihrer Recherche. Ich warte gespannt auf das Ergebnis Ihrer Arbeit die vielleicht dazu führen wird, dass die Kartografie an diesen Stellen optimiert wird. Auch der Hinweis, die Einleitungsstellen transparent für die Bevölkerung nachvollziehbar zu machen, halte ich für interessant und freue mich auf Ihren Lösungsansatz. Für die weitere Bearbeitung und Ihren bevorstehenden Schulabschluss wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Dr. Schmidt-Formann

E – Mail Kontakt 16

Mein Betreuer Herr Kiko schreibt einen Brief an das Umweltamt Hamm

Heinz Kiko                                                                                                   Werl, den 11.01.2016

Marien-Gymnasium Werl

Am Breilsgraben 2                                                                                   Email: kiko@mg-werl.de

59457 Werl                                                                                                Telefon: 02922 6004

 

Stadt Hamm

Umweltamt – Untere Wasserbehörde

Dr. Schmidt-Formann

Technisches Rathaus

Gustav-Heinemann-Straße 10

59065 Hamm

 

Bezug: Ihr Schreiben vom 10.12.2015 an Samantha Seithe, Am Zollbaum 2, 59514 Welver-Scheidingen

 

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann,

 

ich bin Biologie- und Chemie-Lehrer am Marien-Gymnasium in Werl und betreue im Rahmen meiner außerunterrichtlichen Aufgaben seit einigen Jahren auch Samantha Seithe, unter anderem zum Beispiel für Wettbewerbsteilnahmen. Zum großen Teil arbeitet Samantha Seithe bei ihren Projekten sehr selbständig und erschließt sich neue Arbeitsbereiche sowohl autodidaktisch als auch durch den Austausch mit Wissenschaftlern. Wie erfolgreich sie dabei war, mag Ihnen die Kopie eines Artikels aus der Süddeutschen Zeitung – als Anlage beigefügt –  verdeutlichen, mit Randergänzungen zum Hintergrund dieses Artikels. Die darin erwähnten Projekte hat Samantha als 11- und 12-jährige Schülerin bearbeitet. Bald wird sie 15 Jahre alt und im Mai/Juni 2016 sicher erfolgreich die Abiturprüfungen absolvieren. Diese Anmerkungen habe ich voran gestellt, da Ihr Schreiben vom 10.12.15 einige aus meiner Sicht bemerkenswerte Aussagen und Passagen enthält. Und dies sind auch die Gründe für dieses Schreiben.

 

Ich selbst war dabei, als Samantha Seithe in Hamm eine umfangreiche Zusammenstellung von Daten und Fakten an Herrn Cigelski übergeben hat, zusammen mit einer Liste von Fragen. Inhaltlich geht es um ein Projekt zur „Geithe“, das Samantha Seithe seit längerer Zeit voran treibt und im Rahmen des „Fünften Abiturfaches“ als schriftliche Ausarbeitung im zurzeit geschätzten Umfang von etwa 100 Seiten (ohne Anhänge wie z.B. Karten, Email-Korrespondenz, Literaturliste) als Abiturleistung einbringen wird. Darüber hinaus wird die Arbeit wahrscheinlich für Wettbewerbe eingereicht und natürlich auch den Behörden zur Verfügung gestellt.

 

Ohne auf Details eingehen zu können stehen als besondere Ergebnisse der Probennahmen aus der Geithe fest:

Die Wasserproben enthalten erhöhte, teils sehr hohe Belastungen an Metallen, auch an giftigen Schwermetallen. Dabei gibt es Unterschiede bei  den verschiedenen Probenahmen am gleichen Ort, aber zu verschiedenen Tagen. Zum einen weisen die Belastungen auf einen Zusammenhang mit Bergbau-Tätigkeiten oder mit der Kohlelagerung auf dem angrenzenden Kraftwerksgelände hin. Zum anderen wird deutlich, dass Belastungen auf einen Zusammenhang mit „Verzinkung“ hinweisen, möglicherweise aus den Kesseln eines  noch neuen Kraftwerksblockes, der nach meiner Kenntnis nicht in Betrieb gehen wird. Dies wird besonders deutlich bei den Daten aus Schlamm- und Bodenproben. Hier werden die Grenzwerte der Klärschlammverordnung überschritten.

 

Und genau hierzu hat Samantha Seithe eine konkrete Frage gestellt: Die Geithe ist im Nahbereich nach dem Austritt aus dem „Industriebetrieb“ ausgebaggert und das Material zunächst am Rand der Geithe abgelegt worden. Dieser Bodenaushub ist aber nicht auf den Seiten verteilt worden, sondern kurz nach dem Ausheben abgefahren worden. Die berechtigte Frage von Samantha Seithe ist deshalb – wegen der Überschreitung der Grenzwerte zur Klärschlammverordnung – gewesen, wo dieser Bodenaushub nun verblieben ist. Und diese Frage ist bisher nicht beantwortet worden. Vielmehr wurde im Gespräch mit Herrn Cigelski deutlich, dass das Umweltamt der Stadt Hamm nach Aussage von Herrn Cigelski  von diesen Tatsachen gar keine Kenntnis hatte. Inzwischen ist auch im weiteren Verlauf der Geithe ausgebaggert worden, nämlich im Bereich eines Dükers!

 

Sie verweisen in Ihrem Schreiben vom 10.12.2015 darauf, dass Probennahmen und Probenanalysen nach vorgegebenen Standards erfolgen (müssen). Mit dieser Aussage wird offenbar die Ernsthaftigkeit der Untersuchungen von Samantha Seithe in Frage gestellt und daraus wird abgeleitet, dass eine Beachtung dieser Daten und Fakten nicht nötig erscheint. Diese Sichtweise ist eine von den bemerkenswerten Aussagen und Passagen, die ich in keiner Weise teilen kann. Ich selbst war bei Probennahmen mit vor Ort und ich hege keinerlei Zweifel an der Verlässlichkeit der Untersuchungen und der Aussagekraft der Untersuchungsergebnisse zu den Wasser- und Schlamm-/Boden-Proben. In der Geithe gibt es erhebliche Probleme mit Abwässern aus einem großflächigen Industriebereich. Und diese Probleme sind nicht dadurch gelöst, indem man fehlende Standards bei der Probennahme anführt und sich deswegen der Problemlösung offenbar nicht stellen will (oder kann?).

 

In einer anderen Passage wird angeführt, dass die von Samantha Seithe angegangenen Fragestellungen in ihrer Bearbeitung den Umfang mehrerer Bachelorarbeiten erreichen. Ich bin ziemlich sicher und zuversichtlich, dass ein großer Teil der Fragen mit der bald fertig gestellten Arbeit von Samantha Seithe eine Antwort finden wird. Und nun komme ich zur einführenden Passage zurück. Für die Untersuchungen des Salzbaches im Bereich von Werl-Scheidingen hat Samantha Seithe auch den Jugend-Umweltpreis der Stadt Werl für das Jahr 2013 erhalten. Herr Lapornik-Jürgens – übrigens Schulleiter eines Gymnasiums der Stadt Hamm – hat als Laudator in seiner Rede sinngemäß formuliert, dass sich die Stadt Werl durch Samanthas Arbeit Kosten für ein Gewässergutachten im hohen vierstelligen, vielleicht sogar fünfstelligen Bereich erspart hat. Viel wichtiger war aber, dass die bereits projektierten Arbeiten zur Renaturierung des Salzbaches sofort nach den ersten Muschelfunden gestoppt wurden und Neuplanungen mussten angestellt werden. Nur dadurch konnten in NRW vom Aussterben bedrohte Arten vor der Vernichtung bewahrt werden! Denn man hatte die Renaturierung auf Basis veralteter Daten zum Salzbach als einem stark verschmutzten Fließgewässer ohne jegliche aktuelle Erhebung durchführen wollen. Inzwischen sind Teile des Salzbaches als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

 

Meine Hoffnung geht dahin, dass die Untersuchungen und Ergebnisse aus der „Geithe-Arbeit“ von Samantha Seithe ähnlich positive Auswirkungen haben werden. Und in diesem Fall geht es sogar um deutlich mehr, nämlich den Schutz unserer Fließgewässer vor übermäßigen Belastungen, die zum Beispiel aktuell in Form von Mikro-Kunststoff-Müll im Rhein die Gewinnung von Trinkwasser in den Niederlanden mit neuen Frage- und Aufgabenstellungen beschäftigt. Und die Belastungen der Geithe kommen im Übrigen irgendwann auch in den Niederlanden an.

 

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Kiko

 

E – Mail Kontakt 17

Weiterleitung meines Briefes, den ich an das Umweltamt Hamm, Dr. Schmidt – Formann, am 5. Dezember 2015 geschickt habe,  an den nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzminister Johannes Remmel

Von: samanthaseithe@gmx.de [mailto:samanthaseithe@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 5. Dezember 2015 21:19
An: poststelle@mkulnv.nrw.de; Burgards@t-online.de; Cigelski, Rudolf; Schmidt-Formann Dr., Oliver
Betreff: Antrag auf Stellungnahme zur Geithe
Wichtigkeit: Hoch

Zur Kenntnisnahme an:

Herrn Remmel, Umwelt NRW

Herrn Cigelski, Umweltamt Stadt Hamm

Herrn Burgards, Bündnis 90/GRÜNE

(Unterlagen und Untersuchungsergebnisse können jederzeit angefordert werden)

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann,

bezugnehmend auf unser Gespräch am 3.12.2015 muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden bin. Am 29.10.15 hat mir Herr Cigelski zugesagt, dass er sich um meine Anliegen kümmern möchte. Sie haben sich, wenigstens freundlich, das Anliegen erneut erklären lassen, jedoch gab es keine Antwort auf meine Fragen. Nun erneut meine Fragen:

1.) Im März 2015 wurde das Bachbett der Geithe und im November 2015 das Vorbecken des Dükers vor dem Datteln-Hamm-Kanal ausgebaggert. Von mir in Auftrag gegebene Analysen zeigen eine deutliche Schwermetallverseuchung der Sedimente auf. Wie wurde der Aushub jeweils deklariert und wohin wurde er entsorgt? Wie ist das Ausbaggern eines Baches zu erklären, der laut „Lebendige Bördebäche“ in einem ökologisch guten Zustand ist?

2.) In meinen vorgelegten Unterlagen waren Diagramme zu finden, die eindeutig zeigen, dass die Wasserproben aus der Geithe, die ich auf meine Kosten analysieren ließ, die Grenzwerte von TVO, LAWA und die für diesen Fall relevanten Werte der WRRL deutlich überschritten. Wie wollen Sie in dem Fall der Schwermetallverunreinigung weiter verfahren?

3.) Abgesehen von Niederschlagsereignissen führt die Geithe in ihrem Oberlauf ausschließlich industrielles Abwasser der Kraftwerksanlagen RWE, dies ist rechnerisch anhand der Einleitungen (ELWAS) zu ermitteln.

4.) Im November wurde das Vorbecken des Dükers vor dem Datteln-Hamm Kanal ausgebaggert. Eine Bodenanalyse wurde von mir genommen, Ergebnisse von dem Labor liegen noch nicht vor, es gibt jedoch alte Schlammprobenergebnisse von diesem Teilabschnitt, die auch deutlich eine Schwermetallverseuchung des Schlammes aufzeigen.

5.) Der Verlauf der Geithe wird von RWE wie folgt dargestellt:

Steffen, Guido <guido.steffen@rwe.com>

An

samanthaseithe@gmx.de

Dez 4 um 3:21 PM

Hallo Frau Seithe,

die Geithe entspringt nicht auf dem Standort (siehe weiter unten). Ein Foto der Quelle kann somit im öffentlichen Verkehrsraum ohne Betreten des Standortes bzw. ein Foto vom Standort gemacht werden.
Die Geithe „entspringt“ (oder besser: entsteht) an der Grenze der Stadt Hamm zum Kreis Soest, ungefähr an der Straßenkreuzung Lippestraße / Vellinghauser Straße.
Die „Quelle“ ist die Feldentwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Von hier aus fließt der Bach zum Umspannwerk und dann zum KWE.
Der Bach verläuft in Rohren unter dem Kraftwerk und fließt an der Westgrenze (Schmehauser Feld) des KWE wieder in ein offenen Bachlauf.

Gutes  Gelingen, schönes Wochenende und

Mit freundlichen Grüßen, vriendelijke groeten and kind regards

Guido Steffen
RWE Power AG
Externe Kommunikation/Pressestelle
Ihrer Aussage nach existiert nur eine kartographische Quelle, Herr Cigelski nannte jedoch ein Rohr hinter dem Duiker als Quelle. Weitere widersprüchliche Angaben zur Quelle und zum Verlauf finden sich bei ELWAS, Tim-online, Geoportal. Ferner unterscheiden mehrere Kartenwerke Geithe und Geithebach, wobei der Geithebach beim Kreis Soest und der Stadt Hamm nicht bekannt ist, obwohl laut ELWAS Einleitungsgenehmigungen auf den Geithebach eingetragen sind. Nur durch Überprüfungen der Koordinaten kann man herausfinden, dass die Geithe gemeint ist. Da es sich um zwei eigenständige Bäche mit zwei unterschiedlichen Gewässerkennzahlen handelt, sollten meiner Meinung nach die Einleitungsgenehmigungen transparenter gemacht werden.

Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Formann, sehr geehrter Herr Cigelski, zweimal war ich zu Besuch im Umweltamt Hamm. Am 29.10.15 waren Sie, Hr. Cigelski, mein Ansprechpartner. Die unterschwellige Aggressivität, die Sie mir entgegenbrachten, und Ihr Ausspruch „ ich weiß, dass ich dumm bin“ ist nicht die Art und Weise, wie man einem Schüler, der wichtige Fragen zu einer Bachuntersuchung stellen möchte, entgegentritt. Sie hatten mir zugesagt, dass Sie, nachdem Sie ein Projekt fertig gestellt haben, sich ab dem 1.11. um meine Fragen und Anliegen kümmern wollten. Am 3.12. hatte ich erneut einen Termin bei Ihnen, Herr Dr. Schmidt-Formann. Ich bin nach Hamm gekommen in der Annahme, dass Herr Cigelski sein Versprechen gehalten hat und ich Antworten bekomme. Stattdessen musste ich Ihnen meine Fragen erneut stellen, da Herr Cigelski Sie nicht informiert hatte. Bei unserem Vorgespräch im August haben Sie mir das Gefühl vermittelt, dass Sie sich für mein Projekt interessieren würden. Ihre Bemerkung im Gespräch am 3.12. „ Wollen Sie ein Fass aufmachen?“ fand ich mehr als unverschämt und unpassend. Meinerseits habe ich vorab das Gespräch mit dem Umweltamt Hamm gesucht, um Lösungen und Antworten auf die Problematik der Geithe zu bekommen. Sie haben mir jedoch das Gefühl vermittelt, dass ich und meine Fragen unerwünscht sind. In den Schulen und vom Staat wird gerade unsere Generation immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig unsere Umwelt und der Umweltschutz sind. Bei mir erweckt es leider mittlerweile den Eindruck, Umweltschutz ist im höchsten Maße von Jugendlichen erwünscht, aber nur so lange wie etwas Positives dabei herauskommt oder wirtschaftliche Interessen gewahrt bleiben. Es soll keine Kritik oder Schelte an Behörden sein, ich möchte nur in meiner Arbeit verbindliche Aussagen verwenden und meine Arbeit wissenschaftlich korrekt beende. Mit den Worten von Dr. Schmidt-Formann: Ich möchte kein Fass aufmachen, sondern nur Antworten. Allerdings stellt sich bei mir nach solch einer Aussage  mittlerweile die Frage:„ist es ein Fass?“, was soll ich nicht erfahren?

Ich fordere Sie zu einer schriftlichen Stellungnahme zu meinen Fragen bezüglich der Ihnen vorgelegten Unterlagen auf.

Herzliche Grüße

Samantha Seithe

 

 

 

E – MaIL Kontakt 18

Antwort von Frau Bleck für Herrn Remmel

Gesendet: Montag, 18. Januar 2016 um 12:06 Uhr
Von: „Bleck, Daniela“ <Daniela.Bleck@mkulnv.nrw.de>
An: „samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Betreff: Ihr Schreiben vom 05.12.2015
Sehr geehrte Frau Seithe,

Herr Minister Remmel hat Ihr Schreiben vom 05.12.2015 mit Interesse gelesen und mich gebeten, Ihnen zu antworten.

In der Zwischenzeit ist mir die Antwort zugegangen, die Sie von Herrn Dr. Schmidt-Formann von der Unteren Wasserbehörde der Stadt Hamm erhalten haben. Ich hoffe, dass Herr Dr. Schmidt-Formann damit die zwischen Ihnen bestehenden Differenzen klären sowie Ihre offenen Fragen hinreichend beantworten konnte. Seiner Einschätzung des Umfangs ihrer Schulabschlussarbeit kann ich mich nur anschließen; da haben Sie sich eine Menge vorgenommen. Für Ihr Interesse und Ihren Einsatz für unsere Gewässer in NRW möchte ich mich bedanken. Dies schließt kritische Nachfragen ausdrücklich mit ein. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Schulabschluss.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Daniela Bleck

———————–
Daniela Bleck
Dipl. Landschaftsökologin

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW Referat IV-6 Flussgebietsmanagement, Gewässerökologie, Hochwasserschutz

Schwannstr. 3
40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/4566-862
Fax: 0211/4566-946
E-Mail: daniela.bleck@mkulnv.nrw.de
Internet: www.umwelt.nrw.de

  

E – Mail Kontakt 19

Beschwerdebrief von 20. Januar 2015 an das Umweltministerium 

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: samanthaseithe@gmx.de [mailto:samanthaseithe@gmx.de]
Gesendet: Mittwoch, 20. Januar 2016 17:56
An: Bleck, Daniela
Betreff: Aw: Ihr Schreiben vom 05.12.2015Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Samantha Seithe. Ich bin eine fünfzehnjährige Schülerin, wohnhaft in Scheidingen/Westf. und gegenwärtig eingebunden in die Endphase zur Abiturvorbereitung 2016. Dass das eigentlich schon zeitfüllend ist, versteht sich von selbst. Aber im Rahmen einer Leistungserbringung über ein fünftes Abiturfach – das Bundesland Nordrhein-Westfalen sieht diese Möglichkeiten vor – möchte ich mich mit einem ökologischen Thema zum Bach Geithe einbringen. Natürlich will ich damit auch gut punkten beim Abitur, und mein Schulbetreuer Heinz Kiko wird mir dabei selbstverständlich den vernünftigsten Weg aufzeigen. So weit, so gut. Und eine Kritik gibt es hier auch nicht. Das Thema muss nun aber mit kritikwürdigem Inhalt gefüllt werden, denn…

Vermutungen kamen mir schon zu Beginn meiner Untersuchungen am Bachlauf der Geithe in den Kopf, aber ich musste Wasserproben in ein unabhängiges Labor schicken, da die stellenweise Verrohrung des Bachverlaufes auf einem Industriegelände, widersprüchliche Bachquellenangaben und unklare Einlassstellenverortungen zu viele Verdachtsmomente produzierten. Die Analyse ergab eine massive Überschreitung zulässiger Grenzwerte für einzelne Schwermetalle (Laborauswertungen im Anhang). Zudem beobachtete ich in den letzten Monaten des Kalenderjahres 2015 Entschlammungen des Bachbettes. Der Aushub wurde an einem mir nicht bekannten Ort verfrachtet. Glücklicherweise konnte ich vor dem Aushub noch Bodenproben nehmen, die ebenfalls in einem unabhängigen Labor analysiert wurden. Das Ergebnis war – unverblümt formuliert – ein klassischer Sondermüll ( Laboruntersuchungen im Anhang).

Das für diese Problematik zuständige Umweltamt in Hamm/Westf. wurde kontaktiert, namentlich in den Personen Cigelski und Dr. Schmidt-Formann. Die Reaktion war ungewöhnlich, denn der Mitarbeiter Dr. Schmidt-Formann fragte mich bei einem angesetzten Termin in der Behörde, ob ich dort „ein Fass aufmachen wolle“. Ich konnte diese Äußerung nicht einordnen, zumal meine Anliegen oder Anfragen mit der typischen Unverblümtheit einer Vierzehnjährigen vorgetragen wurden, selbstverständlich unter Einhaltung der üblichen Höflichkeitselemente. Ich hatte den nötigen Respekt gegenüber den volljährigen Behördenmitarbeitern. In einem Schreiben vom 10. Dezember 2015 gab der Behördenmitarbeiter Dr. Schmidt-Formann nachfolgende Äußerungen von sich:

„Es entspricht der geordneten Gewässerunterhaltung ausgehobenes Bodenmaterial seitlich neben das Gewässer einzuarbeiten. Entsprechende Bestimmungen finden Sie im Landeswassergesetz und den einschlägigen Richtlinien. (…) Arbeiten am ´Vorbecken des Dükers´ sind mir nicht bekannt. In unserem Gespräch haben sie diese nicht erwähnt. Die Ihnen vorliegenden ´alten Schlammprobenergebnisse´ liegen mir nicht vor und sind mir nicht bekannt.“

Der Aushub wurde abgefahren. Es gibt für diesen Aushubtransport Zeugen. Die Schlammprobenergebnisse wurden unter Anwesenheit meines Betreuers Heinz Kiko dem Behördenmitarbeiter Cigelski übergeben am 29. Oktober 2015. Herr Cigelski sagte deutlich darauf, dass er sich in dieser Angelegenheit mit Dr. Schmidt-Formann beratschlagen werde. Zumindest lagen meine Unterlagen sechs Wochen im Amt, das kann ich mit Sicherheit sagen. Zusätzlich hat mir Dr. Schmidt – Formann per E-Mail geschrieben , dass er die Unterlagen vorliegen hat. In dem Schreiben vom 10. Dezember 2015 heißt es weiter:

„Die vorgelegten Daten sollen nach Ihren Angaben Grenzwerte der TVO, LAWA und WRRL überschreiten. Nur nach der Analyse einer Probe die unter normierten Bedingungen genommen wurde lassen sich diese weit reichenden Behauptungen weiter verfolgen. Da mir die Methodik nicht mitgeteilt wurde, muss ich zunächst von methodischen Fehlern ausgehen. Insofern sollten Sie in Ihrer Facharbeit diesem Umstand durch Relativierung Rechnung tragen. Aber auf Basis einer vorausgesetzten fachlichen Qualität können Sie die Werte sicherlich diskutieren und Ihre eigenen Einschätzungen ableiten. Hinweise zu einer erhöhten Belastung liegen mir auch nach Abgleich der bisherigen Untersuchungen im Rahmen des Monitorings der WRRL oder eigener Untersuchungen beispielsweise des Makrozoobenthos bzw. chemisch-physikalischer Parameter oder der Fischfauna nicht vor. Diese Einschätzung hatte ich Ihnen ja bereits in unserem Gespräch mitgeteilt.“

Ich bin keine Fachwissenschaftlerin auf diesem Gebiet. Es gibt auch nicht das Auftreten meinerseits. Die Wasser- und Bodenproben wurden sicherlich auch nicht nach theoretisch-normierten Experimentalbedingungen am Deutschen Institut für Normung in Berlin durchgeführt. Es wurden aber Wasser- und Bodenproben von legitimierten Laboren untersucht mit zum Teil haarsträubenden Grenzwertüberschreitungen im Analyseergebnis. Gegenwärtig erscheint mir das Verhalten der zuständigen Behörde als klassisches Aussitzen. Es gibt keine Informationen zu dem unsichtbaren Sondermüll namens Aushub, meine Unterlagen werden pauschal abqualifiziert und meine Person hat vermutlich keinen ernsthaften Stellenwert in der betreffenden Behörde. Ich möchte bei diesen Beobachtungen gerne eine Klärung.

Mit freundlichen Grüßen

Samantha Seithe

 E – Mail Kontakt 20

Eingangsbestätigung vom Umweltministerium

Gesendet: Donnerstag, 28. Januar 2016 um 10:15 Uhr
Von: „Bleck, Daniela“ <
Daniela.Bleck@mkulnv.nrw.de>
An: „
samanthaseithe@gmx.de“ <samanthaseithe@gmx.de>
Betreff: AW: Ihr Schreiben vom 05.12.2015
 

Sehr geehrte Frau Seithe,

ich bedanke mich für Ihre weiteren Ausführungen in Ihrem nachstehenden Schreiben vom 20.01.2016. Zur Klärung des dargelegten Sachverhaltes müssen weitere Stellen mit einbezogen werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich bitte Sie daher um etwas Geduld, sobald die Klärung vorliegt, erhalten Sie eine Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Daniela Bleck

———————–
Daniela Bleck
Dipl. Landschaftsökologin

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW Referat IV-6 Flussgebietsmanagement, Gewässerökologie, Hochwasserschutz

Schwannstr. 3
40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/4566-862
Fax: 0211/4566-946
E-Mail: daniela.bleck@mkulnv.nrw.de
Internet:
www.umwelt.nrw.de

E – Mail Kontakt 21

Fragen an die Bezirksregierung Arnsberg

Von: samanthaseithe@gmx.de [mailto:samanthaseithe@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 5. Dezember 2015 12:40
An: Müller, Bernd; kiko@mg-werl.de
Betreff: Fragen zu einem Bach

Sehr geehrter Herr Müller,
bei meinem fünften Abiturfach beschäftige ich mich mit der Ökologie von einem Bach.
Bei meinen Untersuchungen sind mir unerklärliche Dinge aufgefallen:
1.
Es handelt sich um einen Wasserlauf, welcher in früherer Zeit ein Überlauf der Lippe war.
Später wurde auf diesen Bach ein industrieller Betrieb gebaut, der Bach wurde zu einer Seite abgeschnitten und hinter dem Betrieb blieb der alte Wasserlauf erhalten und bekam auch einen Gewässernamen.
Bei meinen Untersuchungen habe ich festgestellt, dass das gesamte Wasser (außer wenn es regnet) Abwasser aus dem industriellen Betrieb ist. Gesetzlich gibt es keine Definition was ein Bach ist nur was ein Gewässer ist. § 3 Wasserhaushaltsgesetz:
Anlagen zur Ableitung von Abwasser und gesammeltem Niederschlagswasser sowie zur Straßenentwässerung gewidmete Seitengräben (Straßenseitengräben) sind nicht Gewässer.
Ist dies ein Gewässer oder  eine Anlage zur Ableitung von Abwasser?
2.
Der „Bach“ ist stark belastet, erst nach ca. 1 km fließen kleine Bäche in den Bach hinein, hier wird das Wasser langsam sauberer. Auf dem ersten Kilometer wird der Bach seitens des Umweltamtes vor Ort nicht kontrolliert, darf das sein?

Ist das Umweltamt verpflichtet Verunreinigungen nachzugehen?

Ist das Umweltamt verpflichtet, mir Informationen darüber zu geben, wenn sie dem nachgegangen sind?
3.
Ist es nicht eine Bürgertäuschung, solch ein Gewässer als Bach auszuweisen? Ich weiß, dass ein Bach nicht gesetzlich definiert ist, nur ein Gewässer.
4.
Was ist bei einer Einleitungsgenehmigung unter Betriebswasser zu verstehen?
Ist es Betriebswasser, wenn außen an dem Betrieb Grundwasser abgepumpt wird und in einen Bach geleitet wird?
Wo kann ich einsehen oder bekomme ich eine Auskunft, was in diesem Fall unter Betriebswasser genau zu verstehen ist?
Das Umweltamt Hamm kann mir dazu keine Auskunft geben und Herr Dresbach von der Bezirksregierung verweist mich an das Umweltamt Hamm.

Nach zwei erfolglosen Gesprächen beim Umweltamt, unzählige E-Mails an LANUV, Elwas, geologischer Dienst habe ich Hilfe bei Prof. Coldewey, Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Geologie und Paläontologie gesucht, er hat mich an Sie verwiesen und mir Ihre E-Mail Adresse weitergeleitet.

5. Was hat das Umweltamt zu unternehmen, wenn sie darauf hingewiesen werden, dass Wasserrahmenrichtlinien nicht beachtet werden und Aushub aus dem Bach in die Kategorie Sondermüll fällt (Analyseberichte von Laboren wurden von mir selbst in Auftrag gegeben und liegen vor)

6. Wie beurteilen Sie folgenden Sachverhalt:

Als ich dem Umweltamt Hamm im Oktober meine Ergebnisse vorgestellt habe, begegnete mir Herr Cigelski mit einem sehr aggressiven Verhalten, er gab mir nachweislich falsche Antworten

und blockte fast alle Untersuchungen ab. Er sagte sogar im Gespräch wörtlich zu mir „ich weiß, dass ich dumm bin“, darauf sagte meine Mutter zu ihm, dass sich solche ein Verhalten und solch ein Ausspruch nicht gehören. Erst dann wurde er etwas freundlicher, meine Betreuungslehrer war bei diesem Gespräch anwesend.

Herr Cigelski sicherte mir zu, dass er sich meine Untersuchungen und Unterlagen mit Dr. Schmidt – Formann ansehen werde und sie auswerten werde. Dann wollte er mich informieren.

Nachdem ich Anfang Dezember noch keine Antwort bekommen hatte, schrieb ich Dr. Schmidt – Formann an, ihn hatte ich bei einem Gespräch im Umweltamt im September kennengelernt, er war sehr freundlich gewesen. Am 3. Dezember wurde ein Termin vereinbart, ich dachte, nun bekomme ich klare Antworten, doch Dr. Schmidt – Formann ließ sich meine Untersuchungen nochmals erklären, obwohl alle meine Unterlagen im Umweltamt zur Einsicht geblieben sind. Antworten bekam ich nicht, nur, wir müssen überprüfen wohin der Sondermüll gekommen ist. Die Antwort gab mir Herr Cigelski schon einen Monat vorher.

Als ich ihn fragte, ob ich über das Ergebnis informiert werde, sagte er wörtlich zu mir „ wollen sie hier ein Fass aufmachen?“

Diese Antwort fand ich mehr als unverschämt.

In den Schulen und vom Staat wird gerade unsere Generation immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig unsere Umwelt und der Umweltschutz sind. Bei mir erweckt es leider mittlerweile den Eindruck, Umweltschutz ist im höchsten Maße von Jugendlichen erwünscht, aber nur so lange wie etwas Positives dabei herauskommt oder wirtschaftliche Interessen gewahrt bleiben. Also entschied ich mich, Professoren an Universitäten anzuschreiben, um endlich Antworten auf meine Fragen zu bekommen.
Es soll keine Kritik oder Schelte an Behörden sein, ich möchte nur in meiner Arbeit verbindliche Aussagen verwende und meine Arbeit wissenschaftlich korrekt beenden, mit den Worten von Dr. Schmidt – Formann: ich möchte kein Fass aufmachen, sondern nur Antworten. Allerdings stellt sich bei mir nach solch einer Aussage  mittlerweile die Frage „ist es ein Fass“, was soll ich nicht erfahren. Zur Bestätigung meiner Aussagen finden Sie im Anhang drei von insgesamt 12 Laborberichten und ein Diagramm mit den Auswertungen von einigen Wasseranalysen.

Über ein persönliches Gespräch würde ich mich freuen, dann könnte ich Ihnen meine Untersuchungsergebnisse vorlegen, ich glaube Sie wären erstaunt, leider kann ich es Ihnen nicht per E-Mail schicken, da es sich mittlerweile um 5 GB Daten handelt.
Herzliche Grüße
Samantha Seithe

 

 

 E – Mail Kontakt 22

Antwort der Bezirksregierung Arnsberg

11.12.15

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

mein Abteilungsleiter Herr Müller hat mir Ihre E-Mail am Montag nebst Anlage zugeleitet.

Er hat mich darum gebeten, mich der Sache anzunehmen und Ihnen zu antworten.

 

Unser Dezernat ist wegen der Komplexität der Wasserwirtschaft in verschiedene Fachbereiche aufgeteilt (z.B. „Abwasser“, „Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie“, etc.). 

Zwischenzeitlich habe ich daher in dieser Woche mit verschiedenen Kollegen in unterschiedlichen Fachbereichen und Dienstorten (Lippstadt, Arnsberg und Dortmund) in Ihrer Sache Kontakt aufgenommen.

Es zeichnet sich jedoch heute schon ab, dass ich Ihnen vor dem Jahreswechsel noch keine abschließenden Informationen zur Verfügung stellen kann.

Schließlich geht es hier nicht allein um die Klärung von Zuständigkeitsfragen.

Die Beantwortung Ihrer weitergehende Fragestellungen wird Zeit in Anspruch nehmen.

Gerade in der Zeit vor Weihnachten sind wir jedoch aufgrund der Verlängerung von Erlaubnissen und Genehmigungen stark ausgelastet.

Daneben haben wir auch Kolleginnen und Kollegen zur Unterstützung des Flüchtlingsbereiches an ein anderes Dezernat abgegeben.

Eine schnellere Antwort ist uns daher leider nicht möglich. Ich möchte Sie dafür um Verständnis bitten.

 

Sie sprechen in Ihrer E-Mail an Herrn Müller von einer „Arbeit“ für die Schule. Vermutlich verfassen Sie eine Hausarbeit.

Falls es diesbezüglich ein Abgabedatum geben sollte, bis wann bräuchten Sie zur Fristwahrung spätestens die angeforderten Informationen?

 

Wenn es mir möglich ist, nehme ich in der nächsten Woche auch noch Kontakt mit dem Umweltamt der Stadt Hamm auf.

Haben Sie von der Seite aus im Nachgang Ihrer E-Mail an Herr Müller schon weitere Informationen bekommen?

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

 

Dr. Till Immich

 

Bezirksregierung Arnsberg

Dezernat 54

Seibertzstr. 1

59821 Arnsberg

Telefon: +49 2931 82 2676

Telefax: +49 2931 82 2859

Mail to: till.immich@bezreg-arnsberg.nrw.de

 

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

ich nehme Bezug auf meine E-Mail vom 11. Dezember 2015.

In Ihrer Sache warte ich noch auf den Beitrag eines technischen Kollegen.

Sobald mir dieser vorliegt, werde ich Ihre E-Mail inhaltlich beantworten können.

Ich bitte vielmals um Ihr Verständnis.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

 

Dr. Till Immich

 

Bezirksregierung Arnsberg

Dezernat 54

Seibertzstr. 1

59821 Arnsberg

Telefon: +49 2931 82 2676

Telefax: +49 2931 82 2859

Mail to: till.immich@bezreg-arnsberg.nrw.de

 

Sehr geehrte Frau Seithe,

ich nehme Bezug auf meine E-Mails vom 11. Dezember 2015 und 14. Januar 2016.

Meine dienstliche Verwendung wird sich kurzfristig ändern. Künftig werde ich meinen Dienst in Düsseldorf versehen.
Daher stehe ich ab sofort nicht mehr als Ansprechpartner in der Wasserwirtschaft (Dezernat 54) zur Verfügung.
Ich habe Ihre Anfrage daher an meinen Kollegen Herrn Tripmaker am Standort Lippstadt übergeben.
Wir hatten gestern auch noch kurz die Gelegenheit, über Ihre Anfrage inhaltlich zu sprechen.

Sie können Herrn Tripmaker unter der E-Mail Adresse frank.tripmaker@bezreg-arnsberg.nrw.de erreichen.
Die Rufnummer von Herrn Tripmaker lautet: 02931/82-5820.

Da mir nach wie vor nicht alle relevanten Informationen vorliegen, bedaure ich es sehr, dass ich Ihnen keine abschließende Beantwortung mehr habe senden können.
Gleichwohl bitte ich um Ihr Verständnis.
Ich wünsche Ihnen für Ihre Hausarbeit und die nahende Abiturprüfung viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Dr. Till Immich

Bezirksregierung Arnsberg
Dezernat 54
Seibertzstr. 1
59821 Arnsberg
Telefon: +49 2931 82 2676
Telefax: +49 2931 82 2859
Mail to: till.immich@bezreg-arnsberg.nrw.de

 

 E – Mail Kontakt 23

Bericht über Stand der Dinge von Herrn Tripmaker

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

nachdem ich den Vorgang Ende der vergangenen Woche übernommen habe, habe ich einen Chemiker vom LANUV NRW (Landesamt für Natur, Umwelt, und Verbraucherschutz) um eine Einschätzung zu den von Ihnen gelieferten Analyseergebnissen gebeten. Weiterhin habe ich das Umweltamt der Stadt Hamm um eine Stellungnahme unter Bezugnahme auf die von Ihnen gestellten Fragen gebeten. Sobald ich diese vorliegen habe, werde ich alles zusammentragen und Ihnen eine Antwort zukommen lassen.

 

Ich hoffe, dass dies zeitnah geschehen wird, damit Sie nicht unnötig in Zeitnot geraten.

Bei Fragen oder Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Im Auftrag

 

Frank Tripmaker

Bezirksregierung Arnsberg

Dezernat 54

EG-Wasserrahmenrichtlinie

Geschäftsstelle Lippe | Gewässergüte

Lipperoder Straße 8
59555 Lippstadt

Fon: 029 31 – 82 58 20
Fax:  029 31 – 82 40 49 0    

E-Mail: Frank.Tripmaker@bra.nrw.de           

 

E – Mail Kontakt 24

Arnsberg 001

Arnsberg 002

Arnsberg 003

Arnsberg 005

Arnsberg 006

E – Mail Kontakt 25

Vorschlag an die Bezirksregierung Köln, Vermessungsamt, Widersprüche zu beseitigen

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Samantha Seithe und ich wohne in dem schönen Ort Scheidingen. Im Rahmen meines fünften Abiturfaches und dem Bundesumweltwettbewerb habe ich mich für die Untersuchung der Geithe, Gewässerkennzahl 27868 und Geithe – Bach, Gewässerkennzahl 2785916  in Hamm entschieden.

Im Anhang befindet sich der Teil meiner Arbeit, der sich mit den Widersprüchen der Namensgebung und der widersprüchlichen Datenlage beschäftigt.

Der Lösungsansatz von mir wäre, dem Geithe – Bach einen anderen Namen zu geben, die Karten zu aktualisieren und dem Umwelt Hamm den Hinweis zu geben, bei Einleitungsgenehmigungen für ein stillgelegtes Kernkraftwerk genauer die Bachnamen zu benennen.

In der Hoffnung auf eine Antwort

Samantha Seithe

 

 

 

 

 

 

E – Mail Kontakt 26

Eingangsbestätigung Bezirksregierung Köln

 

Sehr geehrte Frau Seithe,

 

Ihre Anfrage vom 06.02.2016 ist aktuell in der Fachabteilung in Bearbeitung.

Wir bitten noch um etwas Geduld.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Im Auftrag

Olaf Lüders

Bezirksregierung Köln

Dezernat 74 – Geodatenzentrum & Geodateninfrastruktur

50606 Köln

 

Dienstgebäude: Muffendorfer Str. 19-21, 53177 Bonn

Telefon: + 49 (0) 221 – 147 – 4500

Telefax: + 49 (0) 221 – 147 – 4874

mailto: olaf.lueders@bezreg-koeln.nrw.de

http: //www.bezreg-koeln.nrw.de

 

 

E – Mail Kontakt 27

Positive Resonanz von Prof. Greule

 

>>> Samantha Seithe <samanthaseithe@gmx.de> 25.02.16 12.45 Uhr >>>
Originalnachricht ausblenden

Sehr geehrter Herr Prof. Greule,

meine Arbeit über die Geithe ist endlich fertig. Ich schicke Ihnen, wie versprochen, ein Exemplar zu.

Viel Spaß beim Lesen

Liebe Grüße

Samantha Seithe

 

Albrecht Greule <Albrecht.Greule@sprachlit.uni-regensburg.de>

An

samanthaseithe@gmx.de

Mrz 1 um 10:28 AM

Liebe Frau Seithe,

 

endlich komme ich (nach überstandener Grippe) dazu, Ihnen für die Zusendung Ihrer Facharbeit zur Geithe zu danken und Ihnen für diese Meisterleistung zu gratulieren. Auch für die Sprachwissenschaft erbringt Ihre Untersuchung einen Gewinn, nämlich deshalb weil Sie resümieren: „…dass wasserrechtlich die Begriffe Bach und Abwassergraben keiner klaren Differenzierung unterliegen oder natürliche Gewässer….den Begriff Natürlichkeit nicht ablegen müssen. Zudem könnte man auf der Grundalge Ihrer Arbeit die Hypothese aufstellen, dass niederdeutsche Geithe, Gete usw. ursprünglich Gattungswörter – wie oberdeutsch Gießen – für einen „Altarm“ (oder ein Abwasser) waren. Insofern ziehe selbst ich als Nicht-Naturwissenschaftler aus Ihrer akribischen Untersuchung einen Gewinn.

 

Dafür danke ich Ihnen

und wünsche weiterhin viel Erfolg

 

Mit lieben Grüßen

Ihr Albrecht Greule

 

Liberator Germaniae

                                     Liberator Germaniae

a

Entstehung und Rezeption des Hermannsdenkmals im Hinblick auf die deutsche nationale Frage

Inhaltsverzeichnis

Einleitung                                                         

Hauptteil                                                         

  • Mitte August 1875 … Einweihung mit Rückblenden
  • Hermann im Wilhelminischen Kaiserreich
  • Hermann in Weimar und bei den Nationalsozialisten

Schlussbetrachtungen                                       

Anhang                                                           

  • Abbildungsverzeichnis und verwendete Literatur

Einleitung

Seit 1875 ragt im Lippischen ein Denkmal über den Teutoburger Wald in Westfalen, das Jahr für Jahr Tausende von Besuchern anzieht. Es verkündet einen Meilenstein in der Deutschwerdung. Die rechtsrheinischen Germanenstämme unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius konnten in einer mehrtägigen Schlacht im Jahre 9 unserer Zeit nicht nur die römischen Legionen unter dem Oberbefehl des Feldherrn Varus vernichtend schlagen, sondern sich auch der romanischen Sprachgruppe weitgehend entziehen. Die Hermannsschlacht war ein Symbol für die Abwehr feindlicher, hier römischer Truppen. Gerade im 19. Jahrhundert  konnte im Rahmen der nationalstaatlichen Euphorie die Geburtsstunde der Kulturnation mit Verehrung und Verklärung in Kunst und Kultur Einzug halten.

Der Bildhauer Ernst von Bandel setzte auf dem Teutberg bei Detmold dem Helden der Deutschen ein imposantes Landschaftsdenkmal. Ob mit dieser Standortwahl der historische Schlachtenort tatsächlich widergespiegelt wird, lässt sich bis heute nicht endgültig klären. Die vorliegende Hausarbeit will sich dem nicht verschreiben, sondern den Blick richten auf die Motivation zur Grundsteinlegung und den Bedeutungswandel in Grundzügen bis 1945 skizzieren. Ein Denkmal von überregionaler Bedeutung ist Spiegelbild einer Gesellschaft, zumindest in großen Teilen. Hermann wurde epochenübergreifend vereinnahmt. Die Kolossalstatue von der Grotenburg konnte demnach durch Transformation einen Zugang erhalten für den jeweils aktuellen Zeitgeist, und das war immer auch ein Stück Identitätsbildung und Nationalgeschichte.

Die nachfolgenden Aufzeichnungen thematisieren diese strapazierfähige Interpretationsplattform in Auszügen ohne ausländisches Presseecho[1] und die Kompatibilität des antiken Helden für das deutsche Nationalbewusstsein.

Hauptteil

  • Mitte August 1875 … Einweihung mit Rückblenden

Am 16. August 1875 blickte Joseph Ernst von Bandel auf das vor ihm stehende Hermannsdenkmal in der Grotenburg auf dem Teutberg bei Detmold im Teutoburger Wald. Nach siebenunddreißig langen Jahren stand das Ergebnis seines Geistes und seiner bildhauerischen Aktivitäten vor ihm als etwas mehr als 50 Meter hohe Kolossalstatue aus Sandstein und Kupferplatten, in romanischen und gotischen Stilelementen gehalten.  Die Arbeit an diesem Nationaldenkmal war aufopferungsvoll, von Unterbrechungen gekennzeichnet, in der Finanzierung oft schwierig, und nun stand der „Alte vom Berge“ auf dder Kaisertribüne Hand in Hand mit Kaiser Wilhelm I.[2] Sein Lebenswerk war vollendet, der Kaiser persönlich ehrte ihn und führte von Bandel an die Brüstung der Tribüne, akustisch begleitet von einem vielstimmigen Jubelorkan. Der Befreier Germaniens als Versinnbildlichung deutscher Kraft wurde daraufhin ganz offiziell dem deutschen Volk übergeben. Trotz aller gutgemeinten Ehrbekundungen, es war zu viel für den alten Künstler. Er musste zur Ruhe kommen, also war der Gang zu seiner altgedienten Waldhütte unvermeidlich:

Bandel wurde überschüttet mit Glückwünschen, so dass es ihm zu viel des Lärmes ward und er sich in sein verschlossenes Häuschen zurückzog.[3]

War es noch sein Hermann? Ja, denn aller Anfang nationaler Einheit lag im Teutoburger Wald. Die ersten skizzierten Gedankengänge stammten aus den Jahren nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Das Symbol einer wiederkehrenden nationalen Einheit war zwar in Leipzig 1813 veranschaulicht, aber dieses etwas verklärende Symbol nahm seinen Anfang im Teutoburger Wald mit Hermann.  Bandels monumentales Denkmal bekannte sich zur freiheitlichen Ordnung und zur nationalen Einheit. Das restaurative Klima nach 1815 und die Metternichschen Repressionen spielten den Cheruskerfürsten Hermann den Vertretern des „Jungen Deutschlands“ in die Hände als Gallionsfigur eines demokratischen Grundgedankens. Unvermeidlich, blieb doch eben mit dieser liberalen Presse seine Baustelle in aller Munde. Heinrich Heine betätigte 1844 die literarische Werbetrommel im Wintermärchen:

„Das ist der Teutoburger Wald,

Den Tacitus beschrieben

Das ist der klassische Morast,

Wo Varus steckengeblieben.

 

Hier schlug ihn der Cheruskerfürst,

Der Hermann, der edle Recke;

Die deutsche Nationalität,

Sie siegte in diesem Drecke. […]

Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht,

Die Römer wurden vertrieben,

Varus mit seinen Legionen erlag,

Und wir sind Deutsche geblieben! […]

 

O Hermann, dir verdanken wir das!

Drum wird dir, wie sich gebühret,

Zu Detmold ein Denkmal gesetzt;

Hab selber subskribieret.“

Roth, Ursula (Hrsg.), Heinrich Heine, Deutschland: ein Wintermärchen, Stuttgart 1995, S. 82.

Bandel wollte sich dem auch nicht entziehen, und 1838 wurden die Grundsteinlegung und der Sockelaufbau durchgeführt. Auch 1841 konnte sich Bandel der demokratischen Sinnstiftung seiner Lebenswerkbaustelle sicher sein, indem der Festredner, Kanzleirat Petri, dem Hermann das Potenzial für die Völkerverständigung zusprach:

Das Denkmal wird fragen, ob die Nachfahren neben der Achtung fremder Sitte, fremden Rechtes, fremder Freiheit ungekränkt zu bewahren und zu schützen wissen die eigene Sitte, das eigene Recht, die eigene Freiheit.[4]

Geldmangel, Ärger mit dem Detmolder Förderverein und die wechselhaften politischen Ereignisse zerrten das Kräftereservoir des „Alten vom Berge“ auf. Im Argwohn blickte der greise Künstler zurück auf den jahrelangen Baustillstand am Teutberg oder die unzähligen Warteeinheiten in der hannoverschen Hermannswerkstatt. Treffend formulierte es 1867 nun ausgerechnet Karl Marx in einem Brief an Friedrich Engels in seiner Feststellung, dass „das Zeug ebenso langsam fertig werden würde wie Deutschland“.[5]

bErnst von Bandel konnte zufrieden sein an diesem 16. August 1875. Der Hermann war eine Identifikationsfigur für alle Bevölkerungsschichten. Hier gab es etwas für das Volk, und zu einem guten Stück wurde es auch vom Volk finanziert. Befürchtungen hinsichtlich eines Bedeutungswandels blieben aber auch Bandel nicht verborgen, als er wohlweislich schon 1874 an den damaligen Detmolder Bürgermeister Dr. Heldmann schrieb:

Ich schlage vor: in guter Jahreszeit – nicht an einem Tage irgendeines Sieges über Fremde, werde eine ganze oder halbe Woche festgesetzt als Zeit, in der das vollendete Denkmal dem Deutschen Volke übergeben werde, es möge es dann selbst übernehmen und die Übernahme durch selbstgewählte Handlungen beurkunden.[6]

  • Hermann im Wilhelminischen Kaiserreich

Der Geheime Justizrat Otto Preuß ließ in der Einweihungsrede bereits die Verlagerung hin zum Kriegerdenkmal mit antifranzösischer Ausrichtung erkennen:

In jubelnder Begeisterung hat zur Abwehr seines übermütigen Erbfeindes[7] das deutsche Volk wie ein Mann sich erhoben. Ein Heldengreis[8] unter seinen Fürsten, aus jenem Herrschergeschlechte, das stets, auch in trübster Zeit, das Banner der deutschen Ehre hochgehalten, hat die Wehrkraft des gesammten Vaterlandes aufgeboten, jugendmutig selbst sich an die Spitze gestellt, in beispiellosem Siegszuge durch des Feindes Land dessen Heeresmacht niedergeworfen, noch auf der Kampfesstätte, folgend dem einmütigen Rufe der deutschen Fürsten und freien Städte, unter dem Zujauchzen Alldeutschlands, die Kaiserkrone aufgesetzt[9] und dann, nach Wiedereinfügung einst schmählich uns entrissener Provinzen[10], ein Kaiserreich deutscher Nation wiederaufgerichtet, mächtiger und herrlicher, als je die Geschichte es gekannt hat.[11]

Die nationaldemokratische Grundausrichtung mit durchaus unpersönlichem Ermahnen an die französischen Befreiungskriege erhielt eine nationalpatriotische Begleitmusik mit den typischen Sprachnoten. Ernst von Bandel konnte sich jedoch nicht distanzieren von dieser antifranzösischen Ausrichtung, denn aus seinen Bildhauerhänden entsprangen in der letzten Bauphase eben jene aggressiven Untertöne, die dem völkerverbindenden Grundtenor bei der Grundsteinlegung widersprachen.

Blick und Schwertarm sind nach Westen gerichtet als wachsame Momente vor dem Erzfeind Frankreich, die Schwertinschrift „Deutsche Einigkeit meine Stärke. Meine Stärke Deutschlands Macht“ setzt den jungen Nationalstaat schlagkräftig in Szene und mit „Treufest“ als Schilderaufschrift wird symbolisch diese Interpretationsausrichtung verankert. Nachfolgende Nischensprüche des Denkmals in Auswahl bedürfen aber keiner Interpretation mehr, da sie den französischen Erbfeind in die Tradition der römischen Besatzer zu Zeiten des Cheruskersprößlings Arminius setzen:

Der lang getrennte Staemme vereint mit starker Hand,

Der welsche[12] Macht und Tücke siegreich überwandt,

Der längst verlorne Söhne heimführt zum Deutschen Reich,

Armin, dem Retter ist er gleich.

Am 17. Juli 1870 erklaerte Frankreichs Kaiser, Louis Napoleon, Preuszen Krieg, da erstunden alle mit Preuszen verbündeten deutschen Volksstaemme und züchtigten vom August 1870 bis Januar 1871 im[m]er siegreich franzoesischen Uibermuth unter Führung des Koenigs Wilhelm von Preuszen, den am 18. Januar Deutsches Volk zu seinem Kaiser erhob.

Arminius liberator haud dubie Germaniae et qui non primordia populi romani, sicut alii reges ducesque, sed florentissimum imperium lacessierit: proeliis ambiguus, bello non victus.

Ganz nebenbei, aber sicher auch nicht unwillkommen, ergab sich doch über den Nationalhelden Hermann die Möglichkeit zur Huldigung der kaiserlichen Monarchie. Diese „Hintertürpropaganda“ war der Preis, den Ernst von Bandel zu zahlen hatte. Es war gerade der „Kartätschenprinz“ Wilhelm[13], der nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 auch mit Privatvermögen den finanziellen Spielraum für die Endfertigung des Kupferplattenhelden auf dem Teutberg realisierte.

Der ausgrenzende und abwehrende Charakter machte in Zeiten des Kulturkampfes auch vor den „inneren Feinden“ der Kulturnation im Fürstenbund nicht Halt. So wie der Cherusker 9 unserer Zeitrechnung Rom auf urgermanischem Boden besiegte, sollte das Denkmal am Ausgangspunkt der Deutschwerdung als Symbol dienen im Kampf gegen die Ultramontanen.[14] Die Einweihungsfeier im August 1875 war denn auch nicht gänzlich frei von antikatholischen Gesängen. Der lippische Generalsuperintendent Adolf Koppen interpretierte offen auf diesem völkischen Einweihungsfest in der Grotenburg den katholischen Glauben als religiösen Vaterlandsverrat. Sicher nicht in Unkenntnis der aktuellen Tagespolitik, ließ der schon erwähnte Rudolf Scipio seinem Augenzeugenbericht ausdrücklich einen protestantischen Kampfchoral hinzufügen.[15]

ff

Stellvertretend für den etwas verdeckten Kulturkampf bei der Einweihungsfeier veröffentlichte im August 1875 der Kladderadatsch eine Darstellung zur Enthüllungsfeier, in der der antike Hermann als Sieger gegen das antike Rom neben dem protestantischen Reformator Martin Luther gleichrangig abgebildet wurde. Beide verdecken den in Nebelschwaden verhüllten Petersdom, und damit verkündet auch der Protestantismus seinen Sieg über den römischen Katholizismus aus dem nun neuzeitlichen Rom.[16]

Grundsätzlich vermochte und ermöglichte das Nationaldenkmal im Wilhelminischen ggKaiserreich latente Ausgrenzungen gegenüber religiösen und politischen Gruppierungen. Das Hermannsdenkmal hatte keine klare politische Ausrichtung und konnte dem Zeitgeist entsprechend vereinnahmt werden. Die Sedanfeier am 2. September hatte stets und gern den Hermann als Panorama, schon vor der Einweihungsfeier am 16. August 1875. Hermann war kompatibel, und so war es denn auch nicht verwunderlich, dass dann wiederum zur 1900jährigen Wiederkehr des Schreckgespenstes der römischen Legionen im August 1909 eher eine unpolitische Germanentümmelei mit Volksfesttenor zu beobachten war. Der Hauptredner Hans Delbrück warf versöhnliche Worte in die Zuschauermenge, Fürst Leopold IV. zur Lippe weihte das Bandeldenkmal ohne Anwesenheit von Politikgrößen aus Berlin ein, und die Besucher nahmen regen Anteil an den Hühnenring-Festspielen und flankierten die romantisch verklärten  Festzüge.

  • Hermann in Weimar und bei den Nationalsozialisten

Die Weimarer Republik war eine ungeliebte Republik. Die militärische Niederlage im 1. Weltkrieg, das Politikergebaren am 9. November 1918, die Dolchstoßlegende und das Ergebnispaket des Versailler Friedensvertrags programmierten die Vereinnahmung des Hermannsdenkmals auf den Geschichtsrevisionismus. Paramilitärs, Reaktionäre, Revanchisten oder Monarchietreue setzten dem Hermannsdenkmal den vielinterpretierbaren und epochenübergreifenden Stempel der Befreiung auf. Der antidemokratische Zeitgeist jener Tage, getragen von breiten Bevölkerungsschichten der Weimarer Gesellschaft, kam nun zum 50jährigen Bestehen des Hermannsdenkmals im August 1925 zum Vorschein, in Auszügen im Rundbrief des Stahlhelms anlässlich der Feierlichkeiten verdeutlicht:

50 Jahre hält Hermann, der Cherusker, dort oben auf der Grotenburg mit dem drohend nach Westen in die Luft gestreckten Schwert die Wacht. […] Deutschland hat unter ihm, dem greisen Held auf deutschem Kaiserthron, auf der höchsten Stufe seiner Entwicklung, seines Glanzes, seiner Macht gestanden. Verbrecherische Volksverführer haben unser Vaterland am 9. November 1918 in ein Chaos verwandelt, (…). […] So entstand der Stahlhelm. Mehr als zwei Millionen Männer haben sich im Laufe der Jahre zusammengetan, um in unserer Arbeit an der Erneuerung und Wiedergeburt des Vaterlandes unter der alten ruhmvollen Flagge Schwarz-Weiß-Rot zu wirken. Und nun, Kameraden, der heutige Tag erinnert uns an die von unseren Altvorderen erlittene Schmach, Versklavung und Unterdrückung, ähnlich der unseren in der Gegenwart, erinnert uns aber auch an die Erhebung des Vaterlandes und die Vernichtung der eingebrochenen Unterdrücker durch unsere Urahnen, deren erster Held Hermann, der Cheruskerfürst, war. Das gibt uns die Gewissheit, dass auch wir uns befreien werden aus fremder Knechtschaft, dass auch wir wieder den Grund legen werden zu deutscher Wiedererweckung, zu selbstbewusster Kraft und Macht. […][17]

Ludwig Fahrenkrog, Gründer der neopaganen Germanischen Glaubens-Gemeinschaft, nnsetzte um 1925 mit dem Gemälde „Germania, es kommt dein Tag“ bildlich die Erwartungshaltung und den Weimarer Geist gekonnt unter Hermanns Mithilfe um.

Im Nationalsozialismus hatte Hermann eine ambivalente Stellung im Weltbild und der Werbekulisse. Umgangssprachlich waren die Germanen schlichtweg Deutsche. In der Arierforschung kam den Germanen eine Schlüsselfunktion zu, denn die Rassenkundler sahen im Zeitalter der Germanen die Hochphase der nordischen Rasse, der Herrenmenschen. Das nationalsozialistische Weltbild war daher bis zu einem bestimmten Punkt auch eine germanische Weltanschauung mit den klassischen Beschäftigungsfeldern wie der Führerfigur und dem Gefolge, der Mannentreue, der Familie und der Stammeszugehörigkeit. Hermann war als germanischer Heerführer eine Leitfigur der nationalsozialistischen Chefideologen auf Identitätssuche. Die schriftlose Kultur der Germanen konnte nur über jene römischen Autoren wie Tacitus kompensiert werden, die sich in ihren Werken wie der Germania auch zu den rechtsrheinischen Vorfahren äußerten. Die Römer waren in Personalunion Besatzer und Wegbereiter zur Bereitstellung schriftlicher Quellen für die Germanenkunde. kkDieser Konflikt konnte nur durch die geographische Erweiterung des Arierbegriffes ermöglicht werden, und der Römer war so mit seinen alten Quellen schnell zum alten Arier ernannt.  Die außenpolitische Rücksichtnahme machte so auch vor Hermann nicht Halt. Benito Mussolini stand bei offiziellen Besuchsprogrammen nie auf dem Teutberg, obwohl gerade in den dreißiger Jahren die Besucherzahlen um ein Vielfaches höher waren als noch zu Zeiten des alten Kaisers Wilhelm. Die Brüskierung musste vermieden werden, und der Ruf nach einer nationalen Wallfahrtsstätte, besonders von der lippischen NS-Prominenz gewünscht, kam nie über eine einmalige Antragsablehnung hinaus. Hermann in Ehren, und als Führergestalt durchaus eine Legitimationsbasis für den Führerkult, aber das politische Tagesgeschäft über die Achse Berlin-Rom hatte Vorrang. Hermann war vordergründig Mittel zum Zweck.[18]

Schlussbetrachtungen

Dem Hermann auf dem Teutberg darf der Besucher vor Ort einen im Liberalismus innewohnenden demokratischen Grundgedanken zusprechen, aber die Identifikation ist nicht darauf beschränkt. Sie war es von der Enthüllungsfeier im August 1875 an nicht. Ob als Mahnmal für die nationale Einheit, die vereinte Menschheit oder als Ikone mit antifranzösischer Attitüde, zu gleicher Zeit konnten an Festtagen und zu Jubiläen die grundlegenden geistig-politischen Strömungen des 19. Jahrhunderts, die Subkulturen in der Weimarer Republik und die Germanenkunde bei den Nationalsozialisten am Hermannpanorama laben.

Ernst von Bandel verwirklichte seinen Lebenstraum mit großem Einsatz über einen längeren Zeitraum. Er hatte eine Idee, dafür gekämpft und stand am 16. August 1875 auf der Festtribüne neben Kaiser Wilhelm. Eine respektable Leistung, die aber einen Preis verlangte. Die Grundkonzeption und die Bauphasen durchliefen vom Befreiungsklima gegen Napoleon bis zur Kaiserproklamation im Januar 1871 zu viele Politikstationen, um eine einheitliche Ideologie oder eine begrenzte Themenbesetzung auf der Grotenburg zu ermöglichen. Der Katholikenabstinenzler im Kulturkampf, die Monarchisten, Anhänger einer wilhelminischen Jubelsäule,  der völkische Patriot mit Hang zum Herrenmenschentum oder die unpolitischen Romantiker auf den Germanenfestumzügen zur 1900jährigen Wiederkehr der Varusschlacht standen mit mehr oder weniger vernünftigen Argumenten im Stillgestanden vor dem Kupferplattenbefreier Germaniens.

Ist das Fehlen einer eindeutigen politischen Aussage nun ein unbewusster Konstruktionsfehler unserer Landsleute aus dem 19. Jahrhundert? Nein, denn alleine die Finanzierung durch Spenden, an denen breite Bevölkerungsschichten partizipierten, verdeutlichte den Grundgedanken eines nationalen Denkmals. Vielmehr sollte der Hermann als urdeutsches Freiheitssymbol jeder Couleur die Möglichkeit über seine Vereinnahmung aufzeigen und zu mahnen, sich mit kritischem Abstand der eigenen Geschichte bewusst zu werden.

Anhang

Die Bandelhütte. Die Abbildung kann unter http://www.google.de/imgres?imgurl = http%3A%2F%2F static3. akpool.de%2F images%2Fcards%2F14%2F147201.jpg& imgrefurl = http%3A%2F%2F www.akpool.de%2 Fansichtskarten%2F147393-ansichtskarte-postkarte-hiddesen-detmold-hermannsdenkmal-bandelhuette&h = 377&w=580&tbnid=lMCdEbfMVD_ rIM%3A&zoom=1&docid = 8HRh3URqCg_ezM&ei = 8igEVbywI4mrPJjJgLAE&tbm =isch&iact=rc&uact =3&dur=463&page=1&start = 0&ndsp = 19&ved=0CDMQrQMwBg abgerufen werden.

Barmeyer, Heide, Denkmalbau und Nationalbewegung, Das Beispiel des Hermannsdenkmals, in: Baltrusch, E., Meyer, Michael u. a. (Hrsg.), 2000 Jahre Varusschlacht, Berlin 2012, S. 301. Die Online-Ausgabe des Buches kann unter https:// books.google.de/ books? id=E5NlTrjl73IC&pg =PA287&lpg=PA287&dq=Barmeyer ,+Heide,+ Denkmalbau+und+ Nationalbewegung&source = bl&ots = Sk70Yb2dVL&sig = KSKTxfz THuKfnGKDXCKtywHDBbQ&hl=de&sa=X&ei=zOcDVbXjBsvcPdHQgKAG&ved = 0CDEQ6AE wAg#v= onepage&q = Barmeyer % 2 C% 20 Heide%2C%20Denkmalbau%20und %20 Nationalbewegung &f=false abgerufen werden.

Dohm, Ernst (Hrsg.), Kladderadatsch Jg. 28 (1875) Nr. 37/38, S. 152. Die Abbildung kann unter http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1875/0478 eingesehen werden.

Fahrenkrog, Ludwig, „Germania, es kommt dein Tag!“. Die Abbildung kann unter http://www. delcampe.net/items? language=E&catLists%5B0%5D=14727 abgerufen werden.

Hakenkreuz und Hermann. Das Bildmotiv kann unter http://www.google.de /imgres?imgurl=http%3A%2F %2Fwww.lwl.org% 2Fwestfaelische-geschichte%2Fmed%2F thumb%2Fmed1113.jpg&imgrefurl = http%3A%2F%2Fwww.lwl.org%2 F westfaelische-geschichte %2Fportal%2F Internet%2Finput _felder%2 FlangDatensatz_ebene4.php% 3FurlID%3D846%26ur l_tabelle%3Dtab_websegmente&h =127&w=80&tbnid =FtDruGT vqhwymM%3A&zoom= 1&docid=P21RPOQ5MxO4eM&ei = dTAEVbHUIYXDO um9gfAH&tbm = isch&iact = rc&uact=3&dur=1074&page=1&start=0&ndsp=27&ved=0CCQQrQMwAQ abgerufen werden.

Koselleck, Reinhard, Ein Jahrhundert Hermannsdenkmal, in: Günther, Engelbert (Hrsg.), Lippische Mitteilungen, Band 45, Detmold 1976. Der Literaturhinweis kann unter http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/input_felder/seite1_westf_bild.php?urlID=1731 abgerufen werden.

Lendzian, Hans-Jürgen (Hrsg.), Zeiten und Menschen, Geschichte, Einführungsphase Oberstufe Nordrhein-Westfalen, Paderborn 2014.

Schmidt, Hans, Das Hermannsdenkmal im Spiegel der Welt, 1838 · 1875 · 1975, Detmold o. J.

Schmidt, Hermann, Ernst von Bandel: Ein deutscher Mann und Künstler, Hannover 1892. Die Onlineausgabe des Buches kann unter http://s2w.hbz-nrw.de/llb/content/structure/658466 eingesehen werden. Aus dieser Ausgabe stammt auch die Abbildung (Seite 199).

Rudolf Scipio, Der Ehrentag des Teutoburger Waldes, in: Keil, Ernst (Hrsg.), Die Gartenlaube Heft 38, 1875, S. 637. Die Abbildung von Knut Ekwall kann unter http:// de.wikisource.org /wiki/ Der_ Ehrentag_ des_Teutoburger_ Waldes eingesehen werden.

Roth, Ursula (Hrsg.), Heinrich Heine, Deutschland: ein Wintermärchen, Stuttgart 1995.

Wir sind Europa! Und was man von Maria lernen kann!

           Wir sind Europa!

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      Und was man von Maria lernen kann!

 

Inhaltsverzeichnis

  • Von Laurentius nach Maria
  • Die Mutter Europas
  • Schattenwürfe einer Lichtgestalt
  • Meine Stellungnahme für Europa
  • Quellenverzeichnis 1
  • Von Laurentius nach Maria

Im September 2015 besuchte ich verschiedene Kirchenschauplätze im heimischen Westfalen. Ob die Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung in Werl, die Wallfahrtskirche St. Ida in Herzfeld oder die Pfarrkirche St. Laurentius im sauerländischen Enkhausen, allen Standortaufsuchungen war der regionalkirchliche und heimatgeschichtliche Charakter zu eigen, vielmehr deren ausschließliche Motivation. In Enkhausen begann mein persönliches Europa. Der neugotische Baustil mit den Maßwerkfenstern, adem spitzhelmigen Westturm oder den Rippengewölben auf Rundpfeilern hinterließ bei mir aber schon einen architektonischen Eindruck. Der berühmteste Enkhausener, kein geringerer als Bundespräsident Heinrich Lübke, soll der Legende nach in jungen Jahren ehrfurchtsvoll als gläubiger Katholik vor den Heiligenfiguren im Inneren der Kirche seine Gebete gehalten haben. Schon beim Eintritt in die Kirche wahrgenommen, fiel mir im Außengelände der Kirche ein Marienaltar auf, der meine Konzentration in Anspruch nahm.

Es ist nicht so, dass Maria für mich neu war. Sie verkörpert die Friedenskönigin. Ich identifizierte die Gottesmutter stets mit der Schlange und der Weltkugel als sikonographische Heiligenattribute zur Lossagung jedweder Sünde. Aber diese markante Anzahl an Sternen, die…

Entsprach die Wahrnehmung wirklich meiner bewussten Beobachtung? Der Sternenkranz zählte 12 Sterne. Dieses erstmalige bewusste Nachzählen setzte sofort die Johannesoffenbarung 12, 1 frei, aber diese Apokalypse war eine prophetische Hoffnungsschrift. Und hatte der Belgier Paul Lévy[1] dem Generalsekretär des Europarats Graf Benvenuti nicht in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts diese 12 Sterne als Motivvorschlag für die Europaflagge vorgelegt? Stand ich dem europäischen Gedanken näher als es mir bisher bewusst war? Eine Klärung der unerwarteten Verbindung musste her!

  • Die Mutter Europas

Der Legende nach ging eben jener vorgenannte Paul Lévy bei strahlend blauem Himmel als Mitarbeiter des Europarates 1955 an einer Maria Immaculata vorbei, deren Sternenkranz im Sonnenschein funkelte. Ob Lévy persönliche Motive dem Grafen Benvenuti vorlegte, wissen wir nicht, aber die Geburtsstunde für eine der bekanntesten Flaggen war gesetzt, und dieses Flaggenmotiv wurde in späterer Zeit dann auch von der Europäischen Gemeinschaft übernommen. Die Flagge selbst war dabei nicht der Auslöser für diesen Wettbewerbsbeitrag, sondern die Maria, bei deren Anblick offenbar gelegentlich Menschen – und ich muss eingestehen, dass ich erst nach dem zweiten Blick zu diesen Menschen gehörte – Verbindungssterne setzten zu transnationalen Projekten und Visionen. Lag der Kern des europäischen Wesens – bisher von mir nicht wahrgenommen – unter der sakrosankten Aura der Maria Immaculata? Es war gut möglich, dass dann doch mehr Europa in mir steckte als bisher angenommen. Nimmt man die Ansichten von Lévy als Maßstab, gab die Madonna dem Belgier die Initialzündung für das Zustandekommen eines bildlichen Symboles der Vereinigung und Vollkommenheit zumindest auf kontinentaleuropäischer Ebene.[2] Die zwölf Sterne standen dabei Pate für den vollkommenen Abschluss wie die zwölf Tierkreiszeichen, die zwölf Kalendermonate, die zwölf Tafeln des kodifizierten römischen Rechts, die Zwölfgötter aus der griechischen Mythologie, die zwölf Stämme Israels oder die zwölf Apostel. Nimmt man zusätzlich noch die zahlreichen Marientitel der Mutter Jesu in die Diskussion um religiös durchsetzte Fundamente einer transnationalen Organisation, dann verlangen die christlichen Grundpfeiler des Abendlandes zwingend die friedensnahe Ausrichtung der Europäischen Union, zumindest die garantierte Austarierung zwischen negativem und positivem Frieden. Ist der europäische Gedanke damit per se ein pazifistischer Gedanke? Ja, denn die Grundsatzdebatten zur Transnationalität wurden im direkten Nachklang des Zweiten Weltkrieges gelegt. Ob die Mutter Jesu damit als die Mutter Europas vereinnahmt werden kann, obliegt dem Gläubigen und europäisch Ausgerichteten, aber die Verbindungsknüpfung bedarf keiner Entschuldigung. Wenn der Karolinger Karl der Große im renommierten Karlspreis auf Europaebene wirkt, dann kann Maria ungefragt nur allzu gut die werteausstrahlende Gallionsfigur im Hinterzimmer des Brüsseler Europaparlaments spielen. Dieser Blickwinkel kann jedoch zu einem europäischen Nationalismus führen und soll als heikles Szenario mit tagespolitischem Zusatz im nächsten Kapitel präsentiert werden. Nun steht jedoch die Europawerbung mit der Maria auf der Argumentationsleiste:

Der religiöse Bezug auf Maria war deutlich in der EU zu spüren, da lediglich der pure Zufall die zwölf Mitgliedsstaaten 1986 als ursächlich für die zwölf Sterne auf der Europaflagge ausschrieb. Die Sterne hatten in Brüssel nie etwas mit der Anzahl der Mitgliedsstaaten zu tun. Die EU-Osterweiterung vollzog sich nie mit der Mehrung der Sterne auf der blauen Flagge, sondern mit der ideellen Werteerweiterung. Nicht ohne Grund wurde am 8. Dezember 1955, dem Festtag der unbefleckten Empfängnis Marias, die sternenbesetzte, blaue Flagge als Brüsseler Wimpel zugelassen. Dass das mit der Sündenfreiheit auch bei der EU nicht so lupenrein ist, soll hier nicht vorwurfsvoll – und damit sicherlich überzogen –  thematisiert werden, aber der religiöse Zusatz im abendländischen Gebot der Trennung von Kirche und Staat lässt zumindest ein ehernes Moralgerüst in der Theorie erkennen. Und die Sterne auf den Euromünzen sorgen zudem als ständiger Begleiter in den Geldbörsen für ein vermutlich immer noch für viele Bürger undeutliches Verbreiten der europäischen Gemeinschaft und für eine alltägliche „Konfrontation“ mit dem „religiösen Europa“.

  • Schattenwürfe einer Lichtgestalt

Ich verbinde mit Maria Hoffnung, Vollkommenheit, Wegweisung, Idealisierung oder zumindest stützende Begleitung. Die Lichtfigur bringt Licht, und ich verbinde mit der Mutter Gottes den jahrzehntelangen Frieden innerhalb der Europäischen Union. Der glänzende Heiligenschein funktioniert aber auch hier nicht. Die allzu Euphorischen dürfen nicht vergessen, dass die Unterstützerin der Christen ihren Rückhalt im Abendland besonders aus der Anrufung zum Kampf gegen die Osmanen gewann, und damit können ausgrenzende Tendenzen in das Marienbild hineininterpretiert werden. Zuviel Kritik ist jedoch auf dieser Schiene unangemessen. Natürlich kam im Namen Marias 1683 der polnische König  Johannes III. Sobieski  den Wienern erfolgreich zu Hilfe oder zahlreiche Mariensäulen im bayerisch-österreichischen Raum zeigen die Gottesmutter mit dem Halbmond zu ihren Füßen. Das war aber der religiös tief verwurzelten Zeit geschuldet und muss heute nicht mehr kontraproduktiv in die Europadebatte eingebracht werden. Karl der Große als männliches Pendant der Maria ist im Karlspreis verewigt für Verdienste im zeitgeschichtlichen Europa. Der Karolinger selbst war jedoch lediglich geographisch auf europäischem Status, dagegen das Wertesystem trotz karolingischer Renaissance wenig europaorientiert. Die Sachsen an jenem „Verdener Blutgericht“ stehen symbolisch für eine radikale Christianisierung. Und aktuell kann das Geschiebe in der Flüchtlingsproblematik nicht über einzelne Marientitel wie „Mutter der Barmherzigkeit“, „Mutter von der immerwährenden Hilfe“ oder „Mutter vom guten Rat“ begründet werden. Aber vielleicht sieht die Europäische Union das Mariabildnis nicht als Grundlage des eigenen Handelns, sondern strebt zur „Mutter ohne Makel“ in einem Lern- und Entwicklungsprozess? Zu wünschen wäre es diesem transnationalen (Kontinental-)Staat, schon mit Blick auf unnötige Geschichtskontroversen und verbesserungswürdigen Außendarstellungen in der jüngeren Vergangenheit. Jetzt heißt es aber für mich persönlich goldene Farbe bekennen auf blaugefärbtem Hintergrund. Die Sterne haben eben nicht nur symbolisch wegweisende Bedeutung für die Positionierung in oder für Europa. Und letztlich zählt ohnehin nur die Parteinahme für eine Gesinnung.

  • Meine Stellungnahme für Europa

Zunächst losgelöst von Maria, ich kann alleine durch die Farbkombination der Europaflagge meine westfälische Heimatverbundenheit mit dem Europagedanken bedenkenlos verknüpfen. Die blaue Farbe ist eine charakterstarke Farbe. Könige und Kaiser trugen sie voller Stolz, und der Europabezug stand stets in Begleitung zu Personen und Beweggründen. Schon Kaiser Heinrich II. (1014-1024) wurde – dort noch im Kampf gegen die Byzantiner in Süditalien – mit einem blauen Sternenmantel  beschenkt , der heute noch im Bamberger Kirchenmuseum zu besichtigen ist. Die darauf abgebildeten Sternenmotive verdeutlichen einen universellen Anspruch oder eben eine Verantwortung über die nationalen Grenzen hinaus. Nicht ohne Hintergedanken betitelten die Zeitgenossen den letzten Ottonen als „decus Europae“, als Glanz Europas. Das kann problemlos in die heutige Zeitgeschichte übertragen werden. Die unpersönliche und durchaus mächtige Institution hat ihren Sitz in Brüssel und unter dem Sternenhimmel strebt man dem ewigen Frieden (zumindest hat man mit der Gründung Europas einen jahrzehntelangen Frieden vorzuweisen) und dem wahrhaftigen Vertrauen (auch wenn die Bilanzdaten der Griechen vor einigen Jahren eher ungünstiger Natur waren) entgegen. Ein festes, orientierendes Umfeld, friedfertige, heitere Gelassenheit, Kommunikationsfähigkeit oder ganzheitliche Verbundenheit stehen in der klassischen Farbenlehre für das Blau, und diese Charaktereigenschaften treffen für die EU als Leitkriterien zu…trotz notwendiger Schönheitskorrekturen in der Tagespolitik. Der heimatlich Verwurzelte muss zwischen gkonstruktiver Systemkritik und dem polemischen Regionalpatriotismus (z. B. dem der Freistaatlichen aus Bayern) unterscheiden, sonst wird er dem notwendigen Realbezug nicht gerecht.

Brüssel wählte Blau, und Maria trug Blau. Eigentlich war dieses Kleidermotiv ja durch den kostspieligen Farbton gewählt (Ultramarinblau kostet mehrere tausend Euro in der Herstellung), aber damit wird natürlich nur die sakrosankte Stellung der Himmelskönigin verdeutlicht. Blau ist in der katholischen Farbensymbolik eine himmlische Farbe, die den Himmel und die Erde verbindet. Nähe und Ferne, Göttliches und Irdisches erhalten über die Gottesmutter eine Assoziierung. Wenn man nun noch über den blauen Farbton in der katholischen Kirche eine Brücke schlagen kann zu nachvollziehbaren und klaren Gedankengängen (dafür steht dieser Farbton in der Kirche), dann liegen weder persönlich noch religiös motivierte Antipathien vor bei mir. Das ist der europäische Gedanke, mein Gedanke, und dieser Gedanke orientiert sich an Maria. Maria ist die Brücke zur europäischen Wertegemeinschaft, und das transnationale Denken hat sich jetzt schon ausgezahlt. Die eigene Herkunft hat hier nur die Funktion eines einzelnen Bausteines für die Identitätsbildung. Mir selbst war dieser Europabezug in der Vergangenheit nicht bewusst, da das „Bindeglied“ Maria anfänglich manches bedecken und nicht entdecken ließ.  Die wertereichen Sachen gehören entwickelt und nicht beseitigt oder verunglimpft. Das will letzlich die Europäische Union, und diesen schlafenden Willen trug ich bereits in mir. Maria entzündete es. Das friedliche Miteinander unter den EU-Kernländern war zur Selbstverständlichkeit geworden, bedarf aber der Weiterentwicklung, um den Status quo zu erhalten. Der Frieden ist das Ergebnis eines Kampfes, eines immerwährenden Kampfes.

  • Quellenverzeichnis

* Das Bild kann unter https://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empf%C3%A4ngnis#/media/File:0_L%27Immacul%C3%A9e_Conception_-_P.P._Rubens_-_Prado_-_P1627_-_%282%29.JPG abgerufen werden.

** Das Bild kann unter https://de.wikipedia.org/wiki/Madonna_im_Rosenhag#/media/File:Stefan_Lochner_Madonna_im_Rosenhag.jpg abgerufen werden.

Das Interview mit Paul Lévy kann unter http://www.cvce.eu/obj/beitrag_von_paul_m_g_levy_zur_schaffung_der_europaischen_flagge-de-6d23210b-865d-4f02-b2ca-2c30b9ed0588.html abgerufen werden.

[1] Arsène Heitz, ehemaliger Bediensteter im Europarat, nahm ebenfalls für sich die Urheberschaft zur Motivwahl der Europaflagge in Anspruch. Beide Personen reichten in etwa zeitgleich ihre Entwürfe im Europarat ein. Letzte Unklarheiten konnten aber bis heute nicht beseitigt werden.

[2] Lévy äußerte sich in späterer Zeit zur symbolischen Bedeutung der himmelblauen Sternenflagge in einem Interview, das unter http://www.cvce.eu/obj/beitrag_von_paul_m_g_levy_zur_schaffung_der_europaischen_flagge-de-6d23210b-865d-4f02-b2ca-2c30b9ed0588.html abgerufen werden kann.

Die vergessene Geschichte des Felix Maria Michael von Papen

Die vergessene Geschichte

des

Felix Maria Michael

von

Papen

Inhaltsangabe

Einleitung

  1. Herkunft
  1. Internierung ohne Grund?
  1. Entlassung 1934
  1. Von München nach Stuttgart
  1. Jetzt ist Schluss! Die Ausreise 1938
  1. Endstation Buchenwald

Fazit

Einleitung

Hermann Göring konnte bis zum Schluss seinen Bruder Albert vor den Fängen des nationalsozialistischen Regimes schützen, obwohl der jüngere Bruder des Reichsmarschalls ein offensichtlicher Vertreter des aktiven Widerstandes war. Felix von Papen, ein Verwandter des ehemaligen Reichskanzlers Franz von Papen, erlitt dagegen eine Odyssee in verschiedenen Konzentrationslagern während der NS-Zeit. Offenbar fühlte sich Franz von Papen – in der Geschichtswissenschaft nicht unpassend als Steigbügelhalter Hitlers bekannt – wenig zu seinem Verwandten hingezogen oder Franz von Papen selbst hatte einen schweren Stand unter der nationalsozialistischen Führung. Seine politischen Funktionen – unabhängig von der Rolle von Papens in der Röhm-Affäre 1934 – wiesen jedoch wohl eher charakterliche Gründe auf bei der Bewertung  seines Neffen Felix von Papen. Dieser unbekannte Papen verfasste Ende der dreißiger Jahre im niederländischen Exil eine Autobiographie mit dem Titel „Ein von Papen spricht … über seine Erlebnisse im Hitler Deutschland“. Dieses Buch hatte nicht wenig Anteil an der erneuten Internierung zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, da Felix von Papen sich in diesem Buch sehr kritisch mit dem Lagersystem der Nationalsozialisten auseinandersetzte. Felix von Papen stand auf dem Index, und die lange Haftzeit führte kurz vor Ende der NS-Herrschaft zum Tod im Konzentrationslager Buchenwald. Obgleich von prominenter Herkunft, ließ sich bei ersten Recherchen kaum Verwertbares zu diesem vergessenen und vielleicht auch zum Vergessen verurteilten von Papen herausarbeiten. Welche Gründe führten zu dieser Nichtpräsenz? Wieso gab es keine merkliche Protektion für Felix von Papen? Über die biographische Skizzierung dieses vergessenen von Papens werden diese Fragen in der Auseinandersetzung mit den mir zugänglichen Quellen einer möglichen Antwort zugeführt.

  1. Herkunft

1Felix von Papen-Wilbring gehörte einem Seitenzweig[1] der Adelsfamilie Papen-Koeningen an. Das Haus Koeningen hat seinen Stammsitz in der Scheidinger Gemarkung bei Werl in Westfalen. Aus seiner Anfangsbiographie lässt sich zunächst wenig herauslesen über seine Aversion in den dreißiger Jahren gegen den Nationalsozialismus. 1910 in Diedenhofen/Lothringen geboren, wuchs er zunächst unspektakulär auf mit seinen Geschwistern. Lediglich die durch das Ende des Ersten Weltkrieges bedingte Umsiedlung aus dem ehemaligen Reichsland Lothringen war von einschneidender Prägung für den jungen Felix. Der Vater, Bergbaudirektor bei Metz/Lothringen, hatte im Rahmen der Waffenstillstandsverhandlungen als Deutscher samt Angehörigen 1918 2Lothringen zu verlassen. Mütterlicherseits hatte Felix holländisches Blut in sich, die Reederei-Familie Scholten aus Rotterdam gehörte zur Verwandtschaft.[2] Dieser Zwangsumzug führte bei Felix in späteren Jahren nicht zu irgendwie gelagerten Rachegelüsten, zumindest war nichts bekannt oder herauszufinden. Seine ablehnende Haltung gegenüber den Nationalsozialisten lässt verstärkt vermuten, dass die Erziehung und das Umfeld von Felix eine grundsätzliche Distanz zu Hitler und dessen praktizierender Politik verursachten. Diese Aussage ist schwierig, da wenig Verwertbares an Erinnerungen von Außenstehenden zu erhalten war, wobei die größte Zurückhaltung nun ausgerechnet von Familienangehörigen ausging.[3]

Bekannt war, dass Felix von Papen während der Spätphase der Weimarer Republik in monarchistisch-großbürgerlichen Kreisen verkehrte, in denen auch aufstrebende Offiziere der Reichswehr zu finden waren, die später zum militärischen Widerstand im Dritten Reich zählten. Der als Wirtschaftsjournalist und Bankkaufmann tätige Felix von Papen formulierte mit gekonnter Feder die Rechtsbrüche der NS-Organisationen und bemühte sich nach der Machtergreifung 1933 um den Aufbau eines politischen Netzwerkes in Konfrontation zu den Nationalsozialisten, vergeblich, da  der Zeitgeist in dieser Phase der deutschen Geschichte nicht die Ausprägung hatte zu merklichem Widerstand. Die Gleichschaltungswellen nach dem Ermächtigungsgesetz zeigten mehr oder weniger ihre unterdrückende Wirkung. Es muss sich bei diesen Aktivitäten also um konsequente 3Schlussfolgerungen einer kategorischen Gesinnung gehandelt haben. Felix von Papen stand demnach grundsätzlich kritisch dem eigenen Verwandten Franz von Papen gegenüber, eben jenem Steigbügelhalter, der 1932 für kurze 4Zeit ein Präsidialkabinett anführte und Vizekanzler unter Hitler wurde. Ganz so kritisch war er in den zwanziger Jahren aber nicht, denn auch Felix hatte für einen kurzen Zeitraum die NSDAP-Mitgliedschaft inne. Etwas verwirrend sind demnach seine Aussagen in seinem biographischen Werk von 1938, in dem er sich verwundert zeigte über seine Verhaftung im Dezember 1933:

5Das Liedersingen und der Tod meines Mitgefangenen hatte mich sehr erschüttert. Wie schon oft fragte ich mich wieder: Warum bist du hier? Ich überlegte: Seit dem 6. Dezember 1933 bist du ein Gefangener. Warum? Weshalb? Als ich 18 Jahre alt war, gehörte ich einige Monate der NSDAP an. Sollte mein schneller Austritt etwa die Begründung sein? Unmöglich! Das war ja schon fünf Jahre her. Habe ich irgendwelche Äußerungen getan, die mich hierkommen ließen? Ich hatte keine Ahnung! Wie oft habe ich versucht, die Gründe meiner Inhaftierung zu erfahren. Vergebens! Ich beschloß, in den Hungerstreik zu treten, um dadurch der entwürdigenden Freiheitsberaubung ein Ende zu machen. Ich hielt nicht durch.[4]

War das Naivität? Bei meinen Recherchen konnte ich mich nicht dem Eindruck entziehen, dass entweder Felix von Papen im Widerspruch zu seinen eigenen Taten autobiographisch berichtete oder die Person – auch durch die Zurückhaltung der eigenen Familienangehörigen gefördert – einer allgemeinen Unklarheit unterworfen war. Warum? Das Potenzial für einen „Personenkult“ nach 1945 wäre vorhanden gewesen, ein von Papen im aktiven Widerstand hätte den familiären Persilschein darstellen können. In einer meiner Emailkorrespondenzen mit einem Angehörigen aus der Papenfamilie kommt vielleicht ein Grundgedanke des Vergessens zum Vorschein:

„[…] Auch ansonsten hört man, gerüchteweise, von viel rechtslastigem Ungeist in unserer Familie. Sie bemerken meine Distanz. Felix von Papen scheint von anderer Gesinnung gewesen zu sein. Wahrscheinlich wissen Sie darüber mehr als ich.[…][5]

  1. Eine unliebsame Person wird verhaftet

Wie bereits thematisiert, begann die Internierungsbiographie des Felix von Papen am 6. Dezember 1933. Er wurde in das Gestapo-Gefängnis „Kolumbiahaus“ gebracht, in der Nähe von Berlin-Tempelhof gelegen. Bekannt und berüchtigt war diese Häftlingsunterkunft für seine besonders ausgeartete Brutalität der SS-Schergen gegenüber den Gefangenen. Die Entgleisungen hatten einen derart faden Beigeschmack, dass im Sommer 1934 die 6„Schikanen“ von oberster Stelle offiziell verboten wurden – wohlgemerkt in einem Konzentrationslager![6] Ob die Verlegung im Januar 1934 in das KZ Oranienburg eine Befreiung war, bleibt dem Leser überlassen, aber der Neffe des Vizekanzlers war offenbar ein Opfer der nationalsozialistischen Prügelattacken geworden, und in Oranienburg wurde ihm noch als Zusatz das 7Steißbein im Prügelzimmer 16 zerschlagen.[7] Den Bewachern war Felix vom Namen her bekannt, aber es musste Gründe geben für diese hemmungslose Brutalität gegenüber dem Papenspross.

[…] Meine Bewachung waren Leidensgefährten. Was taten sie? Sie schrien und brüllten mich genauso an wie die SS- und die SA-Leute. Ich konnte keinen Unterschied entdecken. Und so kam es auch, daß ich, außer einer ganz kurzen Essenspause, mich bis zum Einbruch der Dunkelheit dauernd bückend auf dem Gelände bewegen mußte. Todmüde fiel ich auf mein Lager und sah nicht mitleidige, sondern bis auf wenige Ausnahmen schadenfrohe Gesichter. So ist der Mensch! Selbst getreten und zerschunden, empfindet er Genugtuung, wenn ein anderer gequält wird und er zusehen darf. In meinem Fall war es der SA gelungen, die Lagerinsaßen gegen mich aufzuputschen. Ich war der „Herr Baron“, der feine Pinkel, der Verwandte des berühmten Mannes usw.usw.[…].[8]

Hatte sich Franz von Papen mit Hitler überworfen? Oder waren die konspirativen Treffen von Felix mit gleichgesinnten Bildungs- und Großbürgern aus der Berliner High Society das ausschlaggebende Moment gewesen? Es ist zumindest keine Protektion durch den Vizekanzler überliefert, und die Haftbedingungen ließen stark vermutlich auch eine „Diplomatie durch die Hintertür“ nicht zu. Hermann Göring hatte hier wesentlich mehr Kante gezeigt für seinen Bruder Albert Göring.

Interessant waren seine Beobachtungen bezüglich der Wesensaffinitäten von Kommunisten und Nationalsozialisten in der Oranienburger Haftzeit.[9]

„[…]Die Gemeinsamkeiten von Nationalsozialismus und Kommunismus, die wir ja nicht nur in der Behandlung des politischen Gegners, sondern auch in der Verwaltung und der Wirtschaftsführung täglich beobachten können, ist eine ideologische, ja sie wirkt sich sogar bis in die höchsten Parteistellen aus.[10]

8An entsprechender Stelle kam sein ganz persönliches Erklärungsmodell für die Internierung in Oranienburg, die aber kritisch hinterfragt werden kann:

Dein Verwandter, das Schwein, hat uns stürzen wollen, seine Rede in Marburg sollte das Signal zum Losschlagen sein. Er hat sich aber geirrt! Die Reichswehr steht zu uns. Diesen Kerl können wir nicht kriegen, dafür sollst du die Wucht bekommen. Mit Euch adligen Schweinen werden wir schon fertigwerden.[11]

Reichsvizekanzler Franz von Papen beim Verlassen des Auditorium maximum in Marburg, 17. Juni 1934Natürlich sprach sich Franz von Papen am 17. Juni 1934 an der Universität Marburg gegen die ausufernden Exzesse der Nationalsozialisten aus. Es war eine mutige Geste, und bis zum Ende des Dritten Reiches auf hoher Ebene war es auch die letzte Rede gewesen mit offenkundigen Kritiktönen. Zu diesem Zeitpunkt saß aber Felix von Papen bereits ein halbes Jahr in Haft. Und so sehr konnte Franz von Papen nicht in Misskredit gestanden haben, denn nach dem Röhm-Putsch gelang es ihm mit Sonderstatus in Wien als Abgesandter die Vorbereitungen für die Eingliederung Österreichs durchzuführen. Es handelte sich um eine Schlüssel- und Vertrauensposition. Möglicherweise war Franz von Papen mehr Nationalsozialist gewesen als Hitler in ihm einen ideologischen Kampfgefährten sah. Göring warnte im Vorfeld des 1130. Juni 1934 Franz von Papen, und dieser entging der Säuberungswelle – Röhm-Putsch genannt – denn auch ohne Gesichtsverlust.[12] Das Vizekanzleramt gab er zwar ab, aber er unterstand danach direkt Adolf Hitler und nicht dem Außenministerium in seiner Funktion als Gesandter in der österreichischen Republik. Felix von Papen blieb in seiner Autobiographie bei seiner unwissenden Haltung bezüglich der Inhaftierung:

´Herr Brigadeführer, fast neun Monate werde ich hier festgehalten und weiß nicht warum. Ich kann und ich will nicht mehr. In ein anderes Lager bekommen sie mich nicht mehr. Ich habe mir schon einmal die Pulsadern aufgeschnitten und werde es ein zweitesmal tun, aber diesmal richtig. Dieses Leben führe ich nicht mehr weiter.´  Auf Eicke [Anmerkung der Autorin: Gemeint ist Theodor Eicke, Inspekteur der Konzentrationslager] machte mein Auftreten sichtlich Eindruck. Er empfand, dass dazu Mut gehörte. Er sah mich wohlwollend an:´ Wenn das stimmt, was Sie sagen, werde ich Sie morgen entlassen. Ich fahre morgen früh nach Berlin zum Führer, da werde ich zum Gruppenführer befördert und sehe mir Ihre Akten bei der geheimen Staatspolizei an.´[13]

13Entlassen wurde Felix von Papen nicht, aber er wurde in das KZ Lichtenburg bei Prettin in Sachsen-Anhalt verlegt. Das KZ bildete ein Auffangbecken für politische Gefangene oder politisch Unorganisierte. Es gab aber Licht am Ende der dunklen Unfreiheit, denn der dortige Kommandant hatte folgende Information für von Papen:

14Herr von Papen, ich bin von Herrn Gruppenführer Eicke beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß Sie in 14 Tagen entlassen werden. Bleiben Sie bei mir, ich bringe Sie in eine besondere Zelle. […]Ich bitte Sie, machen Sie keine Dummheiten. Sie kommen bestimmt heraus. Übrigens, wie haben Sie geschlafen. Haben Sie einen Wunsch oder eine Klage?[14]

Die letzten Tage auf der Lichtenburg müssen Felix von Papen wie das Warten auf Erlösung vorgekommen sein. Hier traf er Teile der Wachmannschaften vom Kolumbiahaus, hatte sich mit Sicherungsverwahrten eine Zelle zu teilen und traf auf 15illustre Mitgefangene wie Werner von Alvensleben, der in den Monaten vor der Machtergreifung politisch dem Flügel des Reichskanzlers Kurt von Schleicher zugeordnet werden konnte und wie ein Irrer über den Gefängnishof auf der Lichtenburg lief.[15] Er nahm es hin, denn das mehrmonatige Martyrium ging dem Ende entgegen.

 

  1. Entlassung

Nach zweiwöchigem Aufenthalt erfolgte die Entlassung. Die übliche Meldepflicht gehörte dabei zu den leidlichen, aber hinnehmbaren Restriktionen. Selbst von seinem Äußeren abgestoßen ([…]Das haben sie mit dir nun angerichtet, diese hitlertreuen Gesellen. Was soll aus solch einem Wrack nur werden?“ Ich fühlte mich halbtot, ich versuchte mich zu beruhigen. […])[16], bemühte sich Felix von Papen schon am Tag nach seiner Entlassung auf der Berliner Dienststelle der Geheimen Staatspolizei den Grund 16seiner mehrmonatigen Verhaftung zu erfahren … selbstverständlich ohne Erfolg. Felix von Papen konnte aber die Freiheit nicht lange genießen, denn schon nach einem Gespräch mit einer Bekannten auf offener Straße wurde er nachts darauf bereits in seiner Meldewohnung erneut verhaftet, angeblich wegen Verbreitens von Greuelmärchen zu seiner Internierung in Oranienburg. Es gelang ihm dabei noch die Mitnahme von Rasierklingen, denn die 17drohende Wiederholung des Martyriums in den Haftanstalten wollte er unter keinen Umständen erleben. Die Haftzeit hinterließ Spuren, nicht nur äußerlich. Er blieb während des Transportes aber gelassen, denn…

Meine Rasierklingen beruhigten mich dabei sehr. Gaben sie mir doch die Möglichkeiten, diesen Elementen zuvorzukommen. […]Fiebernd wartete ich auf den günstigen Augenblick, mir die  Pulsadern zu öffnen. Dieser kam auch. Mein Fahrer wurde durch eine Straßenbahnhaltestelle gezwungen seine Fahrt kurz zu unterbrechen. Diesen Augenblick benutze ich, mir mit Blitzesschnelle die Pulsadern zu öffnen. Ich schrie in meiner Verzweiflung laut hinaus: „Soweit werden Deutsche im Zeichen der Volksgemeinschaft getrieben.“ Ich hatte das Gefühl eine große Leistung vollbracht zu haben, stark floß das Blut aus meinen Pulsadern. Mir wurde der Arm abgebunden, die Blutung konnten sie aber nicht stillen, deshalb wurde ich in das Städtische Krankenhaus in Spandau gebracht. Es ist nicht zu beschreiben, welche Energie dazu gehört, und wie weit der Mensch sein muß, eine solche Tat, auf die Sekunde abgezirkelt, zu vollbringen. […][17]

18Die Verzweiflung muss groß gewesen sein. Der Zufall spielte dem von Papen aber in die Hände, denn eine Ärztin hatte offenbar – durch den allgemeinen Zustand ihres Patienten ausgelöst – eine überdurchschnittliche Fürsorgepflicht und verwahrte sich gegen die Einflussnahme der Polizisten und erreichte eine Verlegung in das Staatskrankenhaus Berlin, dort immerhin dem direkten Zugriff durch die Staatspolizei entzogen. Felix von Papen spürte instinktiv, dass das Hinauszögern der Transportfähigkeit überlebenswichtig wäre, denn die Geheime Staatspolizei verweilte in Warte- und Mitnehmhaltung. Der Hungerstreik begann, und entsprechende Leute wurden offenbar geweckt, denn:

Es mag gegen elf Uhr abends gewesen sein, als plötzlich meine Zellentür aufgerissen wurde, ein Mensch in Zivil trat ein und sagte:´ Sie sind doch von Papen?´ was ich bejahte. Er betrachtete mich und schrie die Leute, die mit ihm eintraten an:´ Schaut her, so wird bestes deutsches Blut im Zeichen der deutschen Volkgemeinschaft zugerichtet´. Er stellte sich als Dr. Olbertz vor und erklärte mir ergriffen:´ Meine Kollegen aus dem Staatskrankenhaus riefen mich an, ich kann es nicht mehr dulden, daß schon wieder ein Opfer aus diesem Hause getragen wird. Ich werde alles versuchen, Sie freizubekommen. ´ […]Am anderen Morgen wurde ich zur Vernehmung gebracht. Der Vernehmungsleiter Krüger erklärte mir, ich hätte Gruselmärchen über Oranienburg verbreitet. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, Dr. Olbertz sprang herein und schrie mir entgegen:´ Sie sind frei.´ Die Vernehmung wurde abgebrochen. Zwei Sanitäter brachten mich in das Offizierskasino, dort nahm ich die erste Flüssigkeit wieder zu mir. […][18]

Wenige Tage später kam es eben mit jenem im obigen Zitat erwähnten Dr. Olbertz zu einer Unterredung in einem Berliner Cafe. Der Arzt klagte über die allgemeinen Zustände und die Arbeitsbedingungen, die ihn ständig konfrontierten mit den Verhörmethoden der Sicherheitsorgane. Interessant war nun für Felix von Papen folgende überlieferte Aussage des Arztes:

Auf meine Frage, weshalb er diesen Posten weiter bekleidete sagte er mir:“ Wenn ich gehe, kommt auf meinen Posten doch nur so ein Sadist, wie dieser Dr. Strauß, den Sie ja reichlich kennen. Ich kann so etwas nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.[19]

neuFelix von Papen schien trotzdem nicht ganz mittellos zu sein. Er konnte zumindest einige Zeit in Cladow am Wannsee bei Berlin Erholung suchen. Hier kam er mit Bediensteten benachbarter Grundstück in Kontakt, die sich allesamt über den Reichspropagandaminister Goebbels und  dessen Ehefrau Magda beschwerten,20 ebenfalls eine Mietpartei am Wannsee. Offenbar nutzte Goebbels seine Stellung als Mitglied der Reichsregierung, um zu Spottpreisen am Wannsee zu hausieren. Der berühmte Hans Albers hatte als Mietvorgänger am Goebbelschen Anwesen mehr als das Doppelte an Mietbeitrag gelöhnt, und er stand schon unter – zugegebenermaßen berechtigt – 21Mietsonderkonditionen. Aber auch hier in der ländlichen Ruheoase blieb das Treiben des von Papen nicht unbeobachtet. Eher ungewollt kam es zu verschiedenen Stippvisiten von ehemaligen Leidensgenossen aus seiner Internierungszeit. Die gebrochenen Schutzhäftlinge hatten wenig Schuld, aber Felix musste aus dem Berliner Umfeld verschwinden. München kam da gerade recht, und zu Beginn des Jahres 1936 kam es zum Umzug in die Bayernmetropole.

Von München nach Stuttgart

In München durfte oder musste Felix von Papen zunächst die Zeichen der Zeit akzeptieren. 22Der Nationalsozialismus hatte hier nicht nur seinen Anfang genommen, sondern „verschönerte“ durch die wuchtigen Parteibauten das altehrwürdige München. Die alte Kunststadt hatte neue Parteikünstler erhalten, und Kunst nach der Partei oder mit dem Parteibuch wurde dann eben durchgeführt. Einer dieser Künstler 24war der Spätimpressionist  Conrad Hommel, der eben mit seinem Malstil das Kunstverständnis der Nationalsozialisten widerspiegelte. Seine Porträts ranghoher Repräsentanten des Nationalsozialismus – alle Wichtigen waren unter ihnen – zeigte seine Nähe zum System, und er gehörte schließlich zu den  „Gottbegnadeten“, die vom Kriegsdienst vollständig befreit waren.[20] Charakterlich war Felix von Papen gefestigt (geblieben), denn im Sommer 1936 gab es den Entschluss, dass ein Brief an Hitler nötig wäre. Vergeblich versuchte der Papensprössling im Vorfeld eine Audienz bei Adolf Hitler zu erhalten, aber die Bürokratie versandete diesen Vorstoß. Interessant war an dieser Begebenheit, dass das familiäre Umfeld keine Unterstützung liefern konnte. Oder gar nicht wollte? Franz von Papen – obgleich der NS-Diplomat auf österreichischem Boden – war kein Ansprechpartner. Entweder lag persönlicher Familienzwist vor oder der verkappte Nationalsozialist Franz von Papen war grundsätzlich kein Ansprechpartner. Felix von Papen forderte in diesem Brief das klare Bekenntnis Hitlers zu den sadistischen Entartungen in den Gefängnissen oder die Rehabilitierung. Dieser Brief sollte diesem von Papen noch nachhängen. Anfang 1937 kam es tatsächlich zu einer schriftlichen Antwort, die aber den endgültigen Bruch mit Deutschland – zumindest unter dem Hakenkreuz – verdeutlichte:

27 „Durch dieses Schreiben läßt mir also der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler sein völliges Einverständnis mit all seinen Ausschreitungen dokumentieren.  Wenn man in diesem Brief schreibt, man könne mir keine Entschädigung auszahlen, weil ich wiederholt erklärt hätte, ich würde auf meine Entschädigung verzichten, so muß ich dem Leser sagen, daß ich zu dieser Erklärung mit der Faust gezwungen wurde. In jedem geordneten Staat bezeichnet man eine solche Handlungsweise Erpressung und wird mit Gefängnis bestraft. Die Widersprüche in diesem Schreiben verraten deutlich die Schwäche dieser Leute. Also ein Verdacht genügt heute in Deutschland einen Menschen einzusperren und halb totzuschlagen.[21]

Die Situation blieb auch für mich bei meinen Recherchen unübersichtlich und befremdlich. 28Warum gab es kein Hilfeersuchen von Seiten der hochrangigen Verwandtschaft? Konnte sich Felix von Papen nicht die Hintergründe seiner Inhaftierung vorstellen oder war er tatsächlich ein zufälliges Bauernopfer als Ersatz für den davongekommenen von Papen während der Röhm-Affäre. Die Internierung wurde bereits im Dezember 1933 veranlasst, und die durchaus mutige Marburg-Rede hielt Franz von Papen wenige Wochen vor der Liquidierungswelle. Die politischen Aktivitäten von Felix zu Beginn der dreißiger Jahre wären vermutlich in die unauffällige Ecke der Tagespolitik einzelner NS-Größen verschoben worden, aber möglicherweise gab ungewollt 29Franz von Papen mit seiner unklaren Haltung zum Nationalsozialismus den Anstoß zu Maßnahmen, und der freigeistige Felix blieb da auf der Strecke. Die Entlassung im Sommer 1934 wäre aus dieser Perspektive erklärbar, da man offenbar von Seiten der Reichskanzlei auch Franz von Papen nach seiner Demission der Vizekanzlerschaft zu einer „Bewährung“ im Diplomatenkorps verhalf. Das Streben nach Rehabilitierung verursachte bei den NS-Größen aber einen faden Beigeschmack, der in Erinnerung blieb. Felix von Papen hatte sich den Reichsinnenminister Frick als Helfenden auserkoren.

Der Reichskanzler Hitler habe mir sogar die Ordnungsmäßigkeit dieser Mißhandlungen dokumentieren lassen. Weiter berichtete ich ihm, ich zöge es vor, mit meiner Familie lieber in einem Negerdorf zu leben, als unter solchen Umständen in Deutschland. Sollte er mir nicht zu meinem Recht verhelfen können, möge er mir wenigstens einen Paß geben. An eine Gerechtigkeit in Deutschland könne ich nach meinen Erfahrungen nicht mehr glauben; dennoch würde ich in seiner Person etwas Hoffnung sehen. (Kommt Frick doch aus dem alten Beamtentum.)[22]

Felix von Papen war sich der neuerlichen Gefahr durchaus bewusst, aber sein Einsatz in Sachen Kontaktaufnahme zahlte sich zumindest vorübergehend aus. Bereits nach wenigen Tagen kontaktierte der persönliche Adjutant Fricks den um seine Rehabilitierung kämpfenden von Papen. Nun ging alles recht schnell, denn nochmals nach wenigen Tagen erfolgte ein Besuch durch einen gewissen Kielhuber, der im Auftrag des Reichsinnenministers zu berichten wusste, dass das mit der Rehabilitierung und 30Entschädigung demnächst in Gang gesetzt werden könnte. In der Zwischenzeit begutachtete und kommentierte mit scharfer Zunge Felix von Papen am Tag der Deutschen Kunst im Juni 1937 in München das Niveau der Repräsentanten des Dritten Reiches. Sein Rundumschlag zur Außendarstellung der NS-Elite zeigte die innere Abkehr vom Nationalsozialismus. Er konnte diesem Weltbild nichts abgewinnen. Das war keine große Überraschung, aber die politisch-unpersönliche Diskrepanz wurde nun ergänzt – und da spielte seine Haftzeit sicher eine erhebliche Rolle – durch persönliche Abneigungen den Repräsentanten des Neuen Deutschland gegenüber.

Die brutale Gewalt besiegte den Geist. Nacheinander stolperten die Parteigrößen aus ihren Wagen und versuchten sich den Ausdruck eines Kunstkenners aufzulegen. Das Niveau dieser Kulturträger spiegelte sich am klarsten in der erheblichen Zunahme ihrer Körperfülle wieder. Man mußte schon staunen, was hierin innerhalb vier Jahren geleistet wurde.[23]

31Die voluminöse Hassfigur bildete ohne Abstriche Hermann Göring. Der Initiator der Konzentrationslager, der Morphinist, Erzeuger der „sagenhaften Edda“[24] und doppelzüngige Machtmensch in der Röhm-Affäre verkörperte die Personifizierung der Distanzierung.

Göring, der König der Fetten, ließ den Gegensatz besonders stark hervortreten. Sorgenlos und mit einer kindlichen Unbekümmertheit lächelte er gleich einer Filmdiva dem Volke zu. […] Hinter dieser Maske steckt ein teuflischer Sadist, der in seinem Morphiumwahn zu jedem Verbrechen bereit ist, wenn es gilt, die Machtgier zu befriedigen. Ein Zeugnis hiervon legte er durch die Schaffung der Konzentrationsläger, außerdem durch die Reichstagsbrandstiftung ab. Göring kennt nur einen Begriff: Macht! Er liefert jederzeit seine besten Freunde ans Messer. Der berüchtigte 30. Juni 1934 gab uns die Bestätigung hierüber. Göring schlug sich erst dann auf die Seite Hitlers, als er merkte, daß die Chancen für Hitler und seine Genossen besser standen.[25]

33Der stellvertretende Gauleiter in Bayern, Otto Nippold, kam auch nicht besser weg, es gab bezüglich dieser Person keine Zurückhaltung. Das galt besonders für die moralische Befähigung.

[…] Nippolt versuchte sich vor der Machtübernahme seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten wie Wasserpumpen, Versammlungen sprengen u.s.w. zu verdienen. Er lebte jahrelang mit einer Frau, welche ihm zwei Kinder schenkte, in wilder Ehe. Nachdem er nun zu Rang und Würden gekommen war, war ihm seine Freundin mit seinen Kindern nicht mehr gut genug. Er heiratete nicht die Frau, die ihm in den schwersten Tagen der Not treu zur Seite stand, sondern eine Frau aus der besseren Schicht. Obwohl er sehr verschuldet und von seinen Gläubigern zum Offenbarungseid gezwungen worden war, konnte er sich gleich nach der Machtübernahme eine Villa am Starnbergersee und den dazugehörigen Mercedes – Benz – Wagen mit Chauffeur leisten. […][26]

34Reichsjustizkommissar Frick – obgleich an ihn die Petition zur Rehabilitierung gerichtet war – schien ebenfalls in diese moralische Verkommenheit der NS-Größen zu passen. Wie treffend formulierte doch Felix von Papen in seiner Rückschau:

Ein anderer Wagen brachte den Reichsjustizkommissar und Minister für das Deutsche Recht: Dr. Frank. Frank zeigt durch seine Taten am besten, wie das neue Deutsche Recht, deren Gründer er ist, aussehen muß. Die erste Tat als Minister des Deutschen Rechts bestand darin, seinen Vater, der als Rechtsanwalt in München wegen Unterschlagung von Klientengeldern seine Praxis aufgeben mußte, wieder die Möglichkeit zu geben, seine asozialen Veranlagungen nachzugeben. Franks Vater durfte sein Amt wieder ausüben, die nächste Unterschlagung ließ nicht lange auf sich warten. Minister Dr. Frank erklärte schon im Jahre 1925 vor mehreren Münchener Anwälten, er überlege es sich schon lange, bei welcher Partei es am zweckmäßigsten sei, sich einzuschreiben. Er ahnte, wie so viele, daß in der NSDAP das größte Geschäft liege. Er behielt recht.[27]

35Arbeitsfrontführer Robert Ley oder Reichsjugendführer Baldur von Schirach kamen naturgemäß nicht besser weg in den Augen des Felix von Papen. Von Papen selbst hielt diesen Kunsttag lediglich für eine weitere Betäubungseinheit des Volkes, die  bei den Münchener aber überschaubare Wirkungen verursachte. Die Lage in dieser Stadt galt besonders Hitler als so suspekt, dass er persönlich die Stadtspaziergänge des populären bayrischen 36Kronprinzen Ruprecht verbieten ließ, da dieser als monarchistisch-republikanischer Sympathisant hätte nur unnötige Gedanken kolportiert. Möglicherweise hielt Felix von Papen seinen Verwandten Franz von Papen als zu sehr verstrickt in das von ihm so sehr verachtete politische System, um Protektion erfahren zu wollen über die verwandtschaftliche Schiene. Seine politische Nähe zeigte sich auch im Umgang mit den eigenen Familienangehörigen. Das war jedoch eine klassische Charakterstärke dieses Mannes; den Nationalsozialisten sprach er diese Stärke kategorisch ab. Die Spätfolgen seiner Internierung machten sich bei Felix von Papen nun bemerkbar. Auf ärztlichem Ratschlag hin nahm er nun Bäderkuren in Bad Cannstadt bei Stuttgart. Der Reichsinnenminister Frick war 38informiert und hatte durch den Kauf eines Gemäldes aus dem Privatbesitz des von Papen zunächst sein persönliches Wohlwollen dokumentiert. Wie ging es nun weiter? Die psychische Belastung, verursacht durch die Wartestellung während der Kur, verschlimmerte das Herzleiden bei von Papen. In Württemberg fand er – wie überall im Reich – eine grundsätzliche Antipathie vor gegenüber den Parteistatthaltern. Die Parteiarbeit und die Verdienste für die Partei in der Vergangenheit hatten ihren Preis gefordert in der Durchschnittlichkeit der Ämterbesetzung. Hier vor Ort machte man dem Gauleiter Murr seinen Lebenswandel zum Vorwurf, den er hätte sich nie und nimmer mit den auch von ihm propagierten tausend Mark Obergrenzengehalt selbst für Minister leisten können. Im August 1937 hielt es Felix von Papen nicht mehr aus und verfasste abermals ein Schreiben Richtung Innenminister Frick. Die Antwort kam, und die Erkenntnis aus diesem Schreiben war deutlich ziehen. Ein Reichsinnenminister hatte durchaus wohlgemeinte Ansinnen bei dem ihm übertragenen Fall des von Papen, aber die Partei bestimmte. Die Reaktion war der Entschluss zur Flucht aus diesem Vaterland, dem die Gerechtigkeit abhanden gekommen war. Seine Resignation kam Ende September 1937 in einem Brief an Frick zum Ausdruck:

Stuttgart, den 20.9.37

Sehr geehrter Herr Reichsminister!

Ich bin im Besitze Ihres abschlägigen Schreibens vom 14. D.M., worin wieder jede Begründung fehlt. Auf solch einen Bescheid war ich nun doch nicht gefaßt, obwohl mir von behördlicher Seite schriftlich erklärt wurde, daß man all diese tollen Zustände, die ich ertragen mußte, als „ordnungsgemäß“ bezeichnet. Ich lege Ihnen eine Abschrift eines Attestes meines Arztes bei. Die Kur, die derselbe mir empfiehlt, kann ich mir jetzt nicht mehr leisten. Andererseits mußte ich aber aus der Presse entnehmen, daß man Ausländer (Spanier) nach Deutschland kommen läßt, um dieselben auf Kosten des Staates auszuheilen. Einem deutschen Familienvater ist dies nicht möglich, obwohl der Staat hierzu wirklich die Verpflichtung empfinden müßte. Weitere Worte zu dieser erschütternden Tatsache sind mir auf Grund meiner katastrophalen Erfahrungen nicht möglich. Abschließend möchte ich jedoch noch feststellen, saß sich nach meiner Ansicht, die ich in meinem Brief vom 18. Juni schon zum Ausdruck brachte, indem ich sagte, daß ich an eine Gerechtigkeit in Deutschland nicht mehr glauben könnt, ich vollem Umfange bestätigt hat.

Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung[28]

  1. Jetzt ist Schluss! Die Ausreise 1938

Die Schlussfolgerung war eindeutig. Dem Land hatte Felix den Rücken zu kehren. Es machte keinen Sinn mehr. Selbst wenn seine konträren Ansichten und sein gesellschaftlicher Umgang zu Beginn der dreißiger Jahre den Nationalsozialisten aufstießen, lag Unverhältnismäßigkeit in der Behandlung seiner Person vor, zumal der eigene Verwandte ein hochrangiger Administrator war im System. Familiärer Schutz sah selbst für einen Schuldigen anders aus. Anfang 1938 kam es dann zur Ausreise. Die nationalsozialistische Bürokratie hatte ihm noch in freundlicher Atmosphäre den Reisepass übergeben – wohl nicht ohne Hintergedanken. Der Staat wollte Felix von Papen nicht mehr. Und Felix musste nach seiner Persönlichkeitsstruktur auch mit der Ausreise so handeln. Es ging zunächst in die Schweiz, und zur Sicherheit hatte er sich ein Leumundszeugnis ausstellen lassen. Hier kam der deutsche Staat ihm entgegen. Der Hintergedanke war offensichtlich. Felix selbst fuhr damit zweigleisig, denn nach der geplanten Veröffentlichung seiner Erlebnisse in Hitler-Deutschland traute er der Administration auf deutschem Boden für zukünftige Konfliktfälle berechtigt nicht mehr. Der Aufenthalt bei den Eidgenossen dauerte jedoch nicht lange an, denn nach dem Anschluss Österreichs und der Zunahme der NS-Sympathisantengruppen in der Schweiz 40ging es in die Niederlande nach Amsterdam, Heimat der Mutter. Dort kam es noch 1938 zur Veröffentlichung seiner Erlebnisse in Deutschland unter dem Titel: „Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler-Deutschland“. Es war die Biographie eines Vertreters des dynamischen Widerstands. Anfängliche Hoffnung und Erwartungshaltung wurden durch Enttäuschung, persönliches Unrecht und aktiven Widerstand abgelöst. Der Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg sollte später in abgewandelter Form diese Widerstandsentwicklung erleben. Kurioserweise kam es nie zu einer großen Auflage dieses Werkes, das gerade den Anspruch und die biographische Wirklichkeit der Parteibonzen auf deutschem Boden karikierte. Es wurde auf niederländischem Hoheitsgebiet verboten, angeblich wegen defätistischer Äußerungen gegenüber einem „befreundeten“ Staat. Mehr Mut hatten die Franzosen. In der Exilzeitschrift „Die Zukunft[29] kam es zum Druck der Autobiographie. Die vorprogrammierte neuerliche Inhaftierung ließ natürlich nicht lange auf sich warten bei Kriegsausbruch und beginnender Besatzungszeit auf niederländischem Boden. Anfangs noch auf der Flucht, wurde er durch Denunzierung gefasst und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht.[30]

  1. Endstation Buchenwald

Es ist zu diesem letzten Lebensabschnitt wenig bekannt. Franz von Papen zeigte – das ergeben zumindest die Recherchen – nach außen hin kein Interesse, und die Autobiographie als wahrer Internierungsgrund sollte aus verständlichen Gründen keine Breitenwirkung entfalten. Zu groß war die Angst der NS-Repräsentanten vor dem Gesichtsverlust. Ohnehin wäre der Inhalt des Buches nicht passend gewesen zu den in Kriegszeiten notwendigen Charaktereigenschaften einer Führungselite. Letztlich war dieser literarische Nachschlag von 1938 die Ursache für die nach Genugtuung und Rache strebenden NS-Bonzen. Offiziell starb er wenige Tage vor Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald durch US-Streitkräfte im April 1945 an den Folgen der Haftbedingungen. Überprüfen lässt es sich nicht mehr, da in den letzten Tagen der SS-Administration in Buchenwald die Planungen und Durchführungen der 41Evakuierungsmärsche nach Dachau und Flossenbürg[31] chaotische Zustände verursachten. Welche heimlichen Exekutionsbefehle der damalige Lagerkommandant Pister noch ausführen ließ, ist nicht belegt oder hinterlegt worden. Ausschließen kann man diese Todesvariante nicht, denn im August 1944 wurde Ernst Thälmann als Sühnemaßnahme für das Attentat auf Hitler im Juli 1944 in Buchenwald erschossen oder der Theologe  Dietrich Bonhoeffer 43noch im April 1945 aus Buchenwald nach Flossenbürg verlegt, um dort „in Ruhe“ von SS-Standartenführer Walter Huppenkothen in einem Schauprozess dem Henker zugeführt zu werden.[32] Unklarheiten blieben und konnten nicht endgültig der Klärung unterzogen werden, da tatsächlich die Haftbedingungen vor Ort (Arbeitsbedingungen, Unterernährung) die Möglichkeit zuließen, den Tod als Folge der Lagerhaft zu erklären. Felix von Papen hinterließ seine Ehefrau und drei Kinder.

Fazit

Es blieb bis zum Schluss unklar. Die Rolle des durchaus mit Einfluss versehenen Verwandten Franz von Papen entsprach nicht den jenem zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Felix von Papen war entweder ein zufälliges Willkür- und Ersatzopfer aus dem Papenzweig oder seine Internierung zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933/1934 war nach nationalsozialistischen Maßstäben ein Muss. Bei meinen Recherchen konnte ich mich dem Verdacht auf Vertuschung oder Nichtzugänglichmachung von Informationen seitens der Papenfamilie nicht entziehen, vielmehr wurde durch ein Abblocken und durch das Nichtreagieren meine Vermutung genährt. Aber warum? Die Zerrissenheit innerhalb derer von Papen spiegelte nur die Zerrissenheit innerhalb des deutschen Volkes wider. Psychogramme und dargestellte Lebensstile der NS-Größen – anschaulich im autobiographischen Werk von 1938 beschrieben – entsprachen vollständig dem Meinungsbild der deutschen Bevölkerung. Das war auch der Grund für die dann wenig überraschende Neuinternierung 1940. Unerklärlich bleibt das Verhalten der nachfolgenden Generationen. Warum gab es keine Erinnerungskultur nach 1945 für Felix von Papen? Unter Umständen hätte man da auch Franz von Papen etwas positiv – unwissenschaftlich, aber familienverbunden – einbauen können. Es gab diese unerklärliche Zurückhaltung. Felix von Papen war ein Benachteiligter des NS-Systems, und spätestens seit 1938 als literarischer Widerständler problemlos den Widerstandsbegriffen aus der Geschichtswissenschaft zuzuordnen. Das Familienecho versagte, so wie schon zu Lebzeiten Möglichkeiten der Protektion nicht genutzt wurden. Die These  von der familiären Kollektivscham und die daraus resultierende Zurückhaltung ist noch ein Erklärungsmodell, eine Sonderform der Vergessenskultur. Einem Familienmitglied in der Not nicht geholfen zu haben, steht Angehörigen nicht gut zu Gesicht, schon gar nicht in den Aufarbeitungsphasen nach der Adenauerära. Oder war es die unliebsame Doppelmoral, die den Deutschen im Umgang mit dem Nationalsozialismus oft nachgesagt wird? Der eigene Verwandte fand kein Gehör im Nationalsozialismus, ging auf Distanz zum System und verlor sich in den Bücher- und Dokumentenregalen. Ein Verleugnen auf privater Ebene ging dann aber oft allzu sehr Hand in Hand mit einer lässigen Inkonsequenz bei Entnazifizierungen. Beispiele muss man für diese Doppelzüngigkeit nicht suchen, sondern sie können aufgelistet werden. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger, Reinhard Gehlen vom Bundesnachrichtendienst, Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer oder der unter Konrad Adenauer tätige Kanzleramtsminister Hans Globke hatten eine offenkundige NS-Vergangenheit. Einzelne Personen mit moralischer Motivation auf Widerstand wurden jedoch in der Vergangenheit angefeindet wie Herbert Wehner oder eben jener Felix von Papen, wobei bei Letzterem die Verschwiegenheit über den Tod hinaus die Anfeindung bedeutete. Wenn nicht der vollständige Zugang zu Dokumenten gewährleistet wird oder Angehörige – egal aus welcher Motivation heraus – blockieren, dann sind wissenschaftlich fundierte Schlussfolgerungen nicht möglich, sondern es entstehen bautechnische Gebilde auf Sand. Hier ist Zurückhaltung und Nachfrage in einem notwendig. Gut möglich ist, dass Felix von Papen aus Sicht der Nationalsozialisten als Faustpfand missbraucht wurde, um die Loyalität des Vizekanzlers Franz von Papen zu sichern. Das politische Klima 1933/1934 wäre dieser Sichtweise zugeneigt, kann aber mit der Marburger Rede ebenfalls wieder entkräftet werden. Die Erpressung war den Nationalsozialisten nicht unbekannt, gab es doch bei der Arisierung gerade im Wirtschaftsleben zahlreiche Belege dieser brachialen Kommunikationskultur vornehmlich gegenüber jüdischstämmigen Unternehmern.  Die Zeit wird einiges überwinden an Hemmungen oder Festlegungen. Interessant war bei diesem Projekt – oder besser auffällig – die allgemeine Reserviertheit von Familienangehörigen derer von Papen, egal aus welchem Zweig. Das nährt den Verdacht, 9dass etwas begraben bleiben soll, oder das Desinteresse ist schlichtweg die Begründung. Wie passend ist es doch, dass zumindest auf dem Werler Friedhof ein Gedenkstein zu Ehren des Felix von Papen aufgestellt wurde. Ob Desinteresse oder nicht, das mit dem Begraben scheint tief verwurzelt zu sein. Beides steht jedoch nicht in der Kritik, muss respektiert werden, obgleich der fachwissenschaftliche Blickwinkel in den korrekten Schlussfolgerungen dann unter seinen Möglichkeiten bliebe. Das ist der Preis, den die subjektiv und objektiv Themenbeteiligten zahlen müssen. Bibliographisch will man aber auf der Zeit sein, und daher erfolgte eine Digitalisierung der Autobiographie von Felix von Papen und kann in der Deutschen Nationalbibliothek abgerufen werden.

https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1032656395#page/n5/mode/1up

Zum Schluss möchte ich einem von Papen das Wort überlassen, der diesen unklaren und  auch ambivalenten Teil in der Familiengeschichte beleuchtet:

Hallo Frau Seithe,

eben habe ich Ihre Arbeit gelesen. Ich bin Ihnen dankbar für diese Lebensgeschichte eines Verwandten. Gleichzeitig ist mir noch einmal deutlich geworden, wie wenig ich mich mit dieser Familie identifizieren kann. Es überrascht mich nicht, dass Sie so wenig Resonanz auf Ihre Anfragen bekommen haben, aber es ist natürlich traurig. Wenn ich mich mit Franz von Papen beschäftigt habe, ist mir oft aufgefallen, wie dieses „Haupt“ der Familie auf allen Seiten zugleich zu stehen scheint: Steigbügelhalter Hitlers 1933 und kritischer Mahner in Marburg 1934, Regierungsmitglied 1933 und völlig unschuldig an allem nach dem Krieg. An eine solche Wendigkeit bei Verwandten, die einem nahestehen, wird natürlich niemand gern erinnert. Und man möchte dann erst recht nicht an einen Familienangehörigen erinnert werden, der sich offenbar konsequent von den Nazis abwandte und dafür mit dem Leben bezahlte. Aber das ist natürlich Spekulation. Denn ich kann mich nur schwer in ein „typisches“ Mitglied der Familie von Papen hineinversetzen; dass ich keine entsprechenden Kontakte mehr habe, hatte ich Ihnen ja schon geschrieben. Der Name ist eine Mahnung, deswegen mag ich ihn. Seltsam, nicht? Mein Vater, von dem ich den Namen natürlich habe, hat sich schon früh aus meinem Leben verabschiedet. Und wenn ich mich auf Kindheitserlebnisse mit Verwandten väterlicherseits besinne, dann erinnere ich mich vor allem an eine „kulturelle Rechtslastigkeit“, die schwer in Worte zu fassen ist. In einem Bild: Ein sehr eigenartiges Land und es wundert mich nicht, dass Sie als Forscherin kein Visum bekommen haben.[33]

[1] Es handelt sich hierbei um die Linie Wilbring 1. Ferdinand von Papen-Wilbring (1805-1881) und dessen Ehefrau Antonie von Papen-Köningen (1814-1875) sind die Stammeltern der Wilbringer Nebenlinie I.

[2] Vgl. hierzu https://upload.wikimedia.org /wikipedia /de/f/f1/ Stammtafel _ Wilbring_I_%28Tafel_1%29.jpg

[3] Die entsprechende Emailkorrespondenz mit Angehörigen der Papen-Wilbrings liegt mir vor, wird aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht direkt eingebaut in die Ausarbeitung.

[4] Vgl. hierzu Felix von Papen, Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler Deutschland, Copyright Felix von Papen, Amsterdam 1938, Printed in the Netherlands, Druck: N.V. Drukkerij G. J. Thieme, Nijmegen (Holland), S. 9.

[5] Es ist aus einer Emailkorrespondenz mit einem von Papen entnommen, der gegenwärtig in Berlin wohnt.

[6] Vgl. hierzu http://www.tempelhofer-unfreiheit.de/de/stadtspaziergang-tempelhofer-feld-1-columbia-haus-vergessener-ort-des-terrors und die Ausführungen des Felix von Papen in seinem autobiographischen Werk von 1938, a.a.O. S. 9ff.

[7] Vgl. hierzu http://www.stiftung-bg.de/kz-oranienburg/index.php?id=19 und die Ausführungen bei Felix von Papen, a.a.O. S. 12.

[8] Vgl. hierzu die Ausführungen bei Felix von Papen, a.a.O. S. 13f.

[9] Vgl. hierzu http://www.zeit.de/1969/40/was-geschah-in-friedrichshain.

[10] Vgl. hierzu die Ausführungen bei Felix von Papen, a.a.O. S. 14.

[11] Ebenda, S. 16.

[12] Die Marburgrede vom 17. Juni 1934 trug sicherlich nicht zur Unantastbarkeit des Vizekanzlers bei, und Hitler wollte sich zudem vornehmlich der nichtnationalsozialistischen politischen Größen um den 30. Januar 1933 herum entledigen, aber Franz von Papen war sicherlich nicht das Opfer im Dritten Reich. Der politische Werdegang bis 1944 war der Beleg dafür. Vgl. zum Röhm-Putsch die Informationen unter http://www.spiegel.de/einestages/75-jahre-roehm-putsch-a-948373.html. Ausführlich schildert auch Felix von Papen den Machtwechsel der Wachmannschaften im KZ Oranienbaum in seinem autobiographischen Werk von 1938, a.a.O., S. 15.

[13] Vgl. hierzu Felix von Papen in seinem autobiographischen Werk von 1938, a.a.O., S. 31.

[14] Ebenda, S. 33.

[15] Vgl. hierzu http://www.familie-von-alvensleben.de/index.php/personen-von-historischem-interesse-mainmenu-34/nach-1850-mainmenu-214/werner-neugattersl-1875-1947-mainmenu-218.

[16] Vgl. hierzu Anmerkung 14, S. 39.

[17] Ebenda, S. 42.

[18] Ebenda, S.46 ff

[19] Ebenda, S. 51

[20] Vgl. hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/Conrad_Hommel.

[21] Vgl. hierzu Anmerkung 19, S.65 ff

[22] Ebenda, S.68

[23] Ebenda, S.69

[24] Edda Göring wurde durch eine künstliche Befruchtung gezeugt. Vermutlich kam es zu dieser künstlichen Befruchtung, da die Ehefrau, Emmy Göring, in tiefer Verachtung der Magda Goebbels verbunden war und der Kinderzeugung in nichts nachstehen wollte.

[25] Ebenda, S.69 ff

[26] Ebenda, S.74

[27] Ebenda, S.71

[28] Ebenda, S.76ff

[29] Die Zukunft war eine deutsch-französische Exilzeitschrift, die die Untertitel Ein Neues Deutschland: Ein neues Europa, Organ der Deutsch-Französischen Union und Journal Anti-Hitlérien trug. Sie erschien im Zeitraum zwischen dem Münchner Abkommen im September 1938 und dem deutschen Einmarsch in Frankreich im Mai 1940 in 81 großformatigen Exemplaren in Paris. Herausgeber war Willi Münzenberg, der bei der Finanzierung von Olof Aschberg und französischen Politikern aus dem Umfeld der Freimaurer Unterstützung erhielt. Chefredakteure waren Arthur KoestlerHans Siemsen und Werner Thormann. Zu den bekannten Autoren und Unterstützern der Zeitschrift zählten unter anderen: Ignazio SiloneAlfred DöblinThomas MannManès SperberSigmund FreudJulien BendaAldous Huxley und Franz Werfel. Die historische Publikation ist Forschungsgegenstand eines gemeinsamen Projekts des französischen Nationalarchivs in Paris und des Instituts für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum. Ausgangshypothese des Forschungsprojekts ist, dass die „Zukunft“ eines der bedeutendsten antifaschistischen Medien gewesen sei und zugleich letzte Einheitsbewegung der Anti-Hitleropposition vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Informationen können unter https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zukunft abgerufen werden.

[30] Am 10. Mai 1940 beendete die deutsche Wehrmacht mit ihrem Überfall die lange Neutralität der Niederlande. In nur 5 Tagen wurde das ganze Land besetzt. Besonders traumatische Wirkung hatte die Bombardierung Rotterdams am 14. Mai 1940, die stattfand, obwohl die Übergabe der Stadt bereits an die deutschen Stellen durchgegeben worden war. Königin Wilhelmina war mit ihrem Kabinett nach England geflohen und baute dort eine Exilregierung auf, während in den Niederlanden der Österreicher Arthur Seyß-Inquart von Hitler als Chef der Zivilverwaltung zum Reichskommissar der besetzten niederländischen Gebiete ernannt wurde. Während der fünf Kriegstage herrschte in den Niederlanden Panikstimmung unter der Bevölkerung. Aus Angst vor der sogenannten „5. Kolonne“, also mit den Nationalsozialisten sympathisierenden Verrätern, wurden viele Mitglieder der niederländischen nationalsozialistischen Bewegung „N.S.B.“ interniert. Auch viele Deutsche traf dieses Schicksal und sogar einige Juden, die aus Deutschland vor den Nationalsozialisten geflüchtet waren. Dieser Auszug und entsprechende weitere Informationen können unter https://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nl-wissen/geschichte/vertiefung/migranten/besatzung.html abgerufen werden.

[31] Vgl. hierzu http://www.buchenwald.de/463/.

[32] Vgl. hierzu https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer.

[33] Die Aussagen stammen aus einer Emailkorrespondenz mit einem Familienmitglied derer von Papen.

Bildernachweis:

https://de.wikipedia.org/wiki/Papen-Wilbring

http://www.deutsche-schutzgebiete.de/metz.htm

https://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder_dokumente/00755/index-11.html.de

http://www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de/chronologie-i-1920-bis-1932-der-nationalsozialistische-weg-war-vorgezeichnet/

Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler Deutschland, Copyright Felix von Papen, Amsterdam 1938, Printed in the Netherlands, Druck: N.V. Drukkerij G. J. Thieme, Nijmegen (Holland).

Das Buch befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe

http://www.thf-berlin.de/aktuelles-vom-standort/standortgeschichte/nationalsozialismus/kz-columbiahaus/

http://www.stiftung-bg.de/kz-oranienburg/index.php?id=19

Oranienburg, den 14. April 1934

Die Führung des Schutzhäftlings Felix von Papen

lässt sehr zu wünschen übrig. Bei der Arbeit ist er faul und grenzt sein sonstiges Gebahren an Frechheit.

Der Leiter des Konzentrationslagers: Hoerning

Sturmhauptführer.

Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler Deutschland, Copyright Felix von Papen, Amsterdam 1938, Printed in the Netherlands, Druck: N.V. Drukkerij G. J. Thieme, Nijmegen (Holland)

Das Buch befindet sich im Privatbesitz von Samantha Seithe

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/xsrec/current/3/pageSize/40/sn/edb?q=YToxOntzOjExOiJzYWNoYmVncmlmZiI7czoxMToiVml6ZWthbnpsZXIiO30=

http://www.gettyimages.co.uk/detail/news-photo/diplomat-politiker-dpapen-als-neuernannter-gesandter-auf-news-photo/541066397

https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Eicke

http://www.sachsen-anhalt-wiki.de/index.php/KZ_Lichtenburg

https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_von_Alvensleben

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Oranienburg

https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei

Rechnung für ambulante Behandlung Felix von Papen

Nähte, Verband, Schnittwunde a. l. Handgelenk am 3.9.1934

2 Reichsmark und 25 Reichspfennig.

Ein von Papen spricht… über seine Erlebnisse im Hitler Deutschland, Copyright Felix von Papen, Amsterdam 1938, Printed in the Netherlands, Druck: N.V. Drukkerij G. J. Thieme, Nijmegen (Holland)

http://www.villaoeding.de/7732.html

http://www.libertymagazine.com/war_reiss.htm

http://www.villaoeding.de/7732.html

Das Haus der Kunst ist ein Ausstellungsgebäude in der Münchener Prinzregentenstraße am südlichen Ende des Englischen Gartens. Es wurde von 1933 bis 1937 unter persönlicher Anteilnahme Adolf Hitlersnach Plänen von Paul Ludwig Troost in einem monumentalen Neoklassizismus als Haus der Deutschen Kunst errichtet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_der_Kunst

https://www.liveauctioneers.com/item/12569257_conrad-hommel-1883-1971

Antwortschreiben

Geheime Staatspolizei

Berlin, den 8. Januar 1937

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http://www.muenchner-stadtmuseum.de/daueraustellungen/nationalsozialismus-in-muenchen.html

http://members.24speed.at/doncortez/id22.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Nippold

Röhm-Putsch 1934 / Titelbl. Völk. Beobachter

http://www.akg-images.de/archive/-2UMDHUH80R32.html

Franz von Papen als Diplomat

http://www.gettyimages.co.uk/detail/news-photo/papen-franz-von-politician-diplomat-germany29-10-1879-news-photo/541550993

Reichsinnenminister Dr.Frick

http://www.delcampe.net/page/item/id,167770670,var,SammelbildSammelwerk-Nr8-Deutschland-erwacht-Bild-Nr136-Reichsinnenminister-DrFrick,language,G.html

Arbeitsfrontführer  Robert Ley

https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Ley

Rupprecht von Bayern (* 18. Mai 1869 in München; † 2. August 1955 in Schloss Leutstetten bei Starnberg) war der letzte bayerischeKronprinz und Heerführer in der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg.

Sein vollständiger Titel lautete bis 1918 Seine Königliche Hoheit Rupprecht Maria Luitpold Ferdinand Kronprinz von Bayern, Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben, Pfalzgraf bei Rhein.

http://www.akpool.de/ansichtskarten/246336-kuenstler-ak-kronprinz-rupprecht-von-bayern-uniform

Wilhelm Murr, Reichsstatthalter

http://ns-ministerien-bw.de/2014/12/wilhelm-murr-reichsstatthalter/

Die Zukunft war eine deutsch-französische Exilzeitschrift, die die Untertitel Ein Neues Deutschland: Ein neues Europa, Organ der Deutsch-Französischen Union und Journal Anti-Hitlérien trug.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zukunft_(Paris)

Deutsche Fallschirmspringer über den Niederlanden im Mai 1940

https://www.unimuenster.de/NiederlandeNet/nlwissen/geschichte/vertiefung/migranten/besatzung.html

Konzentrationslager Buchenwald

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/30640746

SS-Sturmbannführer Hermann Pister

Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald

http://www.buchenwald.de/fileadmin/buchenwald/fotoarchiv/print.php?inventarnr=5669

Dietrich Bonhoeffer, Theologe

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Dietrich_Bonhoeffer.htm

 

Die Görings… Hermann und Albert, ein ungleiches Brüderpaar

                                  Die Görings

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                          Hermann und Albert, 

                     ein ungleiches Brüderpaar

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

  1. Familiengeschichte
  1. Kindheit/Jugend von Hermann und Albert
  1. Die Goldenen Zwanziger
  1. Hermann im Dritten Reich
  1. Albert im Dritten Reich
  1. Hermann 1945/1946
  1. Nachkriegsjahre Albert
  1. Albert nach Jad Vaschem?

Fazit

Quellenverzeichnis

Einleitung

Hermann Göring hatte schon 1923 als direkt Beteiligter am Hitlerputsch die Voraussetzungen gelegt für seine Machtfülle im Dritten Reich. Hitler mochte loyales Verhalten, die gemeinsame Zeit in der Frühphase der nationalsozialistischen Bewegung – durchaus mit Entbehrungen verknüpft – bildete die Erinnerungskultur der Führungselite nach dem 30. Januar 1933.

Hermann nahm nicht nur moralische Schuld auf sich. Er führte verbissen die Luftschlacht um England, richtete Industrie und Wirtschaft auf den europäischen Krieg aus, den er aus Überzeugung wollte, notfalls mit unlauteren Mitteln. Er war zumindest ein organisatorischer Antisemit, da er Direktiven herausgab für „abschließende Maßnahmen“ gegen die Juden.

Der jüngere Bruder Albert war das ganze Gegenteil von Hermann, und ließ sich nicht vereinnahmen. Er war weder Mitglied der NSDAP noch Winkestatist bei nationalsozialistischen Werbeaktionen. Er fälschte Unterschriften, organisierte neue Ausweispapiere oder befreite internierte KZ-Insassen.

In diesen zwölf Jahren zwischen Machtergreifung und Kapitulation sahen sich die Brüder Göring nicht häufig, allenfalls inoffizieller Natur. Aber Albert brauchte Hermann, und er benutzte ihn. Denn ohne seinen Bruder wäre er verloren gewesen, ohne dessen Rückhalt hätte ihn die Gestapo, die genau wusste, mit wem Albert Umgang hielt und was er trieb, verhaftet und umgebracht.

Die Brüder Göring blieben in Loyalität bis zum Schluss verbunden. Er ist mein Bruder, sagte Hermann über Albert, und erinnerte die Gestapo-Schergen daran, dass Familienangehörige tabu waren. So lässt sich der ganze Wahnsinn dieser Zeit am Beispiel dieses Brüderpaars erzählen.

  1. Familiengeschichte

Jeder besitzt einen mehr oder weniger bekannten Familienstammbaum mit mehr oder weniger vorzeigbaren Vertretern. Die Görings unterschieden sich in der Hinsicht in keiner Weise von anderen. Ein für die Familienreputation gern genommener Vorfahre der Görings war ein gewisser Michael Geringk, Jahrgang 1695, Zeitgenosse des Alten Fritz aus Potsdam, in dessen Diensten stehend und erster Namensträger des modernisierten Nachnamens „Göring“. Dieser „Ur-Göring“ konnte eine für damalige Verhältnisse beachtliche Beamtenkarriere im preußischen Staat vorweisen, und sein Enkel Wilhelm Göring erhöhte noch einmal den sozialen Status der Görings durch die Einheiratung in einen alteingesessenen Hugenottenadel aus Holland. eAm 31. Oktober 1838 erblickte dann Heinrich Ernst, Vater der Gebrüder Hermann und Albert, das göringsche Licht der Welt. Obwohl dem juristischen Werdegang verpflichtet und mit Richterposten im Wilhelminischen Kaiserreich belohnt , verursachten Unzufriedenheit, Ruhelosigkeit und familiäre Tragödien bei Heinrich Ernst eine Flucht in den diplomatischen Dienst des Auswärtigen Amtes in Berlin. Ganz nebenbei zeigte seine persönliche Bekanntschaft mit dem damaligen Reichskanzler Bismarck erste Diensterfolge im Diplomatenkorps für den Quereinsteiger Ernst Heinrich. rBismarck war es denn auch persönlich, der ihm den wegweisenden Hinweis gab, zunächst in London in die Ausbildung und Erfahrungssammlung bezüglich europäischer Kolonialverwaltung zu gehen. Gesagt, getan, und Heinrich Ernst konnte nebenbei auch die familiäre Lücke schließen, die mit dem frühzeitigen Tod seiner ersten Frau Ida verursacht wurde.[1] Eine junge Frau namens Franziska Tiefenbrunn wurde seine zweite Frau, Stiefmutter seiner bisherigen Kinder und Mutter von Hermann und Albert. Sie folgte Ernst Heinrich Göring umstandslos nach London. Es brauchte nicht viel Anlernzeit, denn wenige Monate später kam schon die Berufung zum ersten Reichskommissar in der noch jungen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Ab 1885 blieb er für fünf Jahre im heutigen Namibia auf diesem Posten. Es war eine durchwachsene Amtszeit. Lediglich eine der tgrößeren Hauptverkehrsstraßen in der Hauptstadt Windhoek trug bis zur Unabhängigkeit Namibias 1990 seinen Namen. Zu schwierig war das soziale Terrain zu Zeiten des ersten Reichskommissars auf südwestafrikanischem Boden. Einheimische Herero und Nama waren zu zerstritten. Seine Schutzverträge mit Häuptlingen der Busch- und Hirtenvölker brachten keine langfristige Tragfähigkeit, da besonders der Namaführer Hendrik Witbooi wenig auf die Schutzbriefe gab und Land oder Viehherden benachbarter Stämme beraubte mit dem daran anschließenden Vertrauensverlust gegenüber der kaiserlichen Schutzmacht. Ernst Heinrich Göring hatte in dieser Auseinandersetzung auch persönlich zurückstecken müssen, da der Kommissariatssitz in Otjimbingwe nicht sicher vor Überfällen war und eine zeitweilige Räumung der Kolonie veranlasst wurde.[2] Franziska hatte ebenfalls gesundheitlich zu kämpfen mit dem Klima vor Ort und einer problematischen Schwangerschaft, die aber von einem Dr. Hermann von Epenstein mit ärztlichem Knowhow gemeistert wurde. Dieser Arzt mit jüdischen Wurzeln wurde über die Kolonialzeit hinaus ein enger Freund der Görings. Die relativ starke Vergessenskultur gegenüber Ernst Heinrich Göring lag auch in der Einrichtung eines ursprünglich sinnvollen „Schutzreservates“ für die bis dahin verfolgten einheimischen San begründet, aber der späterer Völkermord des Generals Lothar von Trotha auf südwestafrikanischem Boden überdeckte die durchaus administrativen Stabilisierungsbemühungen des ersten Reichskommissars. Auch nach seiner Rückkehr im Jahre 1890 blieb er der afrikanischen Bevölkerung verbunden, indem er auf die unmenschliche Behandlung der Ureinwohner hinwies. Dieses Engagement brachte ihm den Vorwurf der Sozialistennähe ein, in der Endphase der Sozialistengesetze immerhin eine Form der üblen Nachrede, Verunglimpfung und sozialer Ächtung in gewissen gesellschaftlichen Kreisen. Das politische Klima unter Wilhelm II. führte bei Ernst Heinrich Göring zum Entschluss, dass eine erneute diplomatische Tätigkeit weit ab vom Heimatland sinnvollerer Natur wäre und trat 1891 über das Auswärtige Amt in Berlin den Generalkonsulposten in Haiti an. Die eher unangenehmen Erfahrungen für seine Familie auf afrikanischem Boden sorgten dafür, dass wenige Monate später eine erneute Schwangerschaft seiner Frau Franziska mit Entbindung von Dr. von Epenstein auf deutschem Boden begleitet wurde. 1893 erblickte Hermann das Licht der Welt, blieb aber zur Pflege bei einer befreundeten Familie im bayerischen Mittelfranken. Der Vorname des zukünftigen Reichsmarschalls war dabei nicht willkürlich gewählt. Dr. von Epenstein war der Vornamensvetter; eben jener treue Freund, der schon in der heißen Kalahari den Görings ärztlichen Beistand lieferte. Den Erinnerungen seiner älteren Schwester Olga Therese zufolge war das erste Aufeinandertreffen zwischen den leiblichen Eltern nach ihrer Rückkehr aus Haiti und dem nun dreijährigen Hermann von unterkühlter Atmosphäre, wenn nicht sogar abweisend. Der Vater Ernst Heinrich missfiel sich in seiner Rolle als gPensionär. Körperlich schwach, von Krankheiten gezeichnet, konnte er keine feste emotionale Bindung mehr aufbauen zu seinen Kindern. Franziska selbst hatte in Dr. von Epenstein ihren Vertrauten und ihre Bezugsperson, vielleicht auch mehr als nur freundschaftliche Beziehungen. Ob Gerüchte hin oder her, in diese etwas verflochtene Familienkonstellation hinein kam 1894/95 eine weitere Schwangerschaft. Und am 9. März 1895 gebar Franziska einen weiteren Jungen mit dem Namen Albert.[3]

2.Kindheit/Jugend von Hermann und Albert

Die Beziehung zu von Epenstein war so ausgeprägt, dass die Görings auf den Besitzungen des ehemaligen Stabsarztes (u. a. Burg Veldenstein in Mittelfranken) ein und aus gingen, die Kinder der Görings praktisch aufwuchsen in Obhut des alten Familienfreundes Hermann von Epenstein. Die feste Beziehung zwischen dem kleinen Hermann aus dem Göringclan und dem alten Hermann, der gleichzeitig die einzige Bezugsperson darstellte, zeigte sich im Schulalltag. Hermann Göring war Schulrebell, wechselte die Schulstandorte und erlebte im Schulinternat Ansbach in Mittelfranken antisemitische Tendenzen an der eigenen Person. Sein Pate Hermann von Epenstein war Hauptfigur in einem der Aufsätze des jungen Hermann, und die Internatsleitung sanktionierte tatsächlich dieses „Fehlverhalten“, da die v. Epensteins eben den jüdischen Zweig in ihrer adligen Familienbiographie aufwiesen. Ungleich rabiater gingen seine Mitschüler vor, indem sie ihn mit einem Schild und der Aufschrift „Mein Pate ist ein Judehum den Hals über den Schulhof jagten. Das war ein personalisierter Pogrom, und der junge Hermann rächte sich in seiner für ihn typischen Art mit der Durchtrennung aller Saiten der Musikgeräte im Orchesterraum. Es war der geliebte Pate, der den jungen Hermann aus diesem schulischen Inferno rettete, indem er ihm einen Platz in der renommierten Kadettenanstalt in Karlsruhe unterbrachte. Hier lag der Beginn seiner im Ersten Weltkrieg getätigten Leistungen. 1912 kam bereits die Beförderung zum jLeutnant. Aufgeschlossen, wissbegierig und den klassischen Soldatentugenden wie Kameradschaft und Heldenmut zugeneigt, ließ eine soldatische Karriere nicht lange auf sich warten, und er begab er sich wie viele seiner Zeitgenossen mit Euphorie in die Wirren des Ersten Weltkrieges. Hermann wurde zum Jagdflieger ausgebildet, erkämpfte sich förmlich mehrere Kriegsauszeichnungen (u.a. das Eiserne Kreuz und den Pour le Mérite). Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde er zum Kommandeur des sagenumwobenen Kampfgeschwaders „Richthofen“ ernannt, ghkonnte aber in den wenigen Monaten bis zur Kapitulation im Herbst 1918 keine Akzente mehr setzen. Der Mythos war aber geboren, und der zukünftige Reichsmarschall ließ denn später auch keine Situationen verstreichen, in denen er nicht von seinen „Abenteuern“ auf dem Schlachtfeld berichtete. Das Kriegsende verbrachte er noch soldatisch ehrenvoll. Das Kampfgeschwader wurde ordnungsgemäß nach Deutschland verlegt, aber er verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Dänemark und Schweden als Militärberater und Schauflieger für die Maschinen des Flugzeugherstellers Antony Fokker. In Schweden lernte er auch seine lspätere erste Ehefrau Carin von Kantzow kennen. Das politische Deutschland nach der Monarchie war nicht seine Welt, und sofort nach dem ersten Kennenlernen 1922 schloss er sich denn auch dem charismatischen NSDAP-Führer Hitler an. öHitler sah in ihm eine Werbefigur für seine im Aufbau befindliche Sturmabteilung, denn Göring hatte einen exzellenten Ruf im öffentlichen Meinungsbild und in Militärkreisen. Am 9. November 1923 wurde Hermann Göring während des Hitlerputsches ernsthaft durch Gewehrkugeln verletzt, konnte sich aber in Bayern und Österreich bei Freunden und Weggefährten verstecken. Seine Schmerzen betäubte er in Österreich das erste Mal mit dem Narkotikum Morphium. Der „Morphinist“ Göring sollte erst kurz vor seinem Tod 1945/46 gezwungenermaßen durch die Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg davon  Abstand nehmen. Albert war sensibel und schüchtern, nicht zwingend von anderer Natur, aber  ästärker im feingeistigen Charakter ausgeprägt. Kunst, Kultur und Musik waren seine Leidenschaften, und seine Aktivitäten im Ersten Weltkrieg brauchten sich in keiner Weise vor dem Hermannschen Fliegerass verbergen. Als Nachrichtentechniker hatte er das ein oder andere Kabel unter Beschuss reparieren müssen, mehrere Lazarettaufenthalte zeugten von dieser gefährlichen Zeit. Es war keine einfache Zeit für Albert, und diese Erfahrungen prägten ihn. 1918 wurde er dann nach wiederholter Verletzung kurz vor der Kapitulation mit notdürftig versorgter Bauchschussverletzung aus dem Militär entlassen. Der Lebensmittelpunkt für Albert war nun München, wo er bis 1923 Maschinenbau studierte und seine ersten beiden Ehefrauen Marie von Ammon und Erna von Miltner kennenlernte.

  1. Die goldenen Zwanziger

Albert konnte zumindest eine bürgerliche Fassade aufrechterhalten, wohingegen Hermann eine Odyssee nach der anderen vollbrachte. Aufgefordert, sein vorübergehendes Domizil in Österreich zu verlassen, ging er 1925 nach Schweden. Die seit dem Hitlerputsch 1923 vereinnahmende Drogensucht konnte Hermann hier nur bedingt erfolgreich therapieren. Vorübergehend gab es sogar eine Zwangseinweisung mit obligatorischer Zwangsjacke in eine Nervenheilanstalt, die er aber nach konstruktiver Zusammenarbeit mit den Ärzten vor Ort nach wenigen Wochen verlassen konnte. Wie ein Rettungsanker muss es Hermann vorgekommen sein, als der neue Reichspräsident Paul von Hindenburg eine Generalamnestie aussprach für die Putschisten. Hermann konnte endlich wieder auf deutschem Boden alte Kontakte erneuern und seinen Kriegsheldenmythos nicht unbar im Dienste alteingesessener Firmen wie BMW präsentieren. Auch die Kontaktwiederaufnahme zu Hitler zahlte sich aus. Ab 1928 saß er für die NSDAP im Reichstag und koordinierte die  Lobbyarbeit aus Adel, Industrie und Reichswehr. Bruder Albert blieb diesem Politkreis fern, verachtete die Nationalsozialisten und sah in Hitler völlig richtig den Kriegspropheten. yBeruflich wechselte er 1928 nach Österreich zu Junkers (wohl nicht ohne Unterstützung seines Bruders Hermann). Die resolute Abkehr Alberts verdeutlichte bereits die kommende Konfrontation mit dem Funktionsträger Hermann.

  1. Hermann im Dritten Reich

Neidlos mussten auch die Zeitgenossen Görings in der Spätphase der Weimarer Republik dessen Geschick auf dem diplomatischen Parkett anerkennen. Sein durchaus internationales Flair öffnete die ein oder andere Sponsorentür in der Berliner High Society, ganz im Gegensatz zu den Brüllschlachten Goebbels auf der Straße. 1931 gab es dann für Hermann einen familiären Rückschlag. Carin Göring starb nach langem Leiden. Seinen Landsitz in der brandenburgischen Schorfheide nannte der Reichsmarschall ohne große cVerwunderung später „Carinhall“. In seiner Funktion als Reichstagspräsident konnte er unbewusst viel Trauerarbeit leisten. Er widmete sich diesem politischen Amt mit vollem Einsatz. Redetalent, taktische Finessen in Reichstagsversammlungen und ein organisatorisches Talent förderten die schleichende Akzeptanz nationalsozialistischer Gedankengänge in Politik und Gesellschaft. Hermann Göring war zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft unumstrittene Nummer Zwei in der Hierarchie. Der damalige französische Botschafter Poncet gab folgende Charakterisierung über Göring:

Er war geschickt, schlau, kaltblütig, mutig und von eisernem Willen. Skrupel kannte er nicht. Und er war Zyniker. Obwohl er großherzige Regungen und Ritterlichkeit kannte, konnte er von unerbittlicher Grausamkeit sein.[4]

Göring war Antisemit, gab aber im gleichen Atemzug seinen bekannten Spruch „Wer Jude ist, bestimme ich![5] von sich. Er stellte bis in die Endphase des Nationalsozialismus sogenannte Schutzbriefe aus, war amüsierter Zuhörer der berühmberüchtigten Flüsterwitze, konnte aber als gnadenloser Sympathisant in der Röhmaffäre seine hemmungslose und intrigante Kaltschnäuzigkeit kaum zügeln. Er war Vertreter des Laissez-faire, aber er vertrat auch mit Wissen und ohne Gewissen die Mordaktivitäten im Zweiten Weltkrieg. Der französische Diplomat lag völlig richtig in seiner Einschätzung. Ein ambivalenter Charakter mit theatralischen Zügen. Dieser Wesenszug war bis zu den Nürnberger Prozessen zu beobachten. Ein weiteres Merkmal war die Ämteranhäufung. Angefangen beim Reichstagspräsidenten noch in der Weimarer Republik, ging es zum preußischen Ministerpräsidenten und bekannten Reichsminister für Luftfahrt. Der passionierte Jäger blies jahrelang auch unter dem Reichsjägermeisteramt in Jägerkreisen zur Jagd. Als Beauftragter des Vierjahresplanes hatte er schon frühzeitig Kenntnis von Verdienste zum Feldmarschall, auch seiner organisatorischen Hitlers Kriegsplänen und –strategien. Hitler ernannte 1938 Göring für dessen Leistungen wegen bei der vAufstellung der „Legion Condor“. Diese Flugzeugstaffel  unterstützte den spanischen General Franco im Bürgerkrieg im Kampf gegen die Volksfrontregierung mit beachtlichem Erfolg. Die in der Reichskristallnacht verursachten Sachschäden hatten die Juden mit einer Sondersteuer von einer Milliarde Reichsmark zu finanzieren. Hermann war hier der wesentliche Agitator im Hintergrund. Ein Kriegstreiber war er jedoch nicht, da er in den Wochen vor dem Kriegseintritt der Engländer und Franzosen um diplomatische Vermittlung bemüht war. Wie treffend prophezeite er doch, der Ende August 1939 offiziell zum Nachfolger Hitlers auserkoren wurde, die moralischen Aspekte der deutschen Kriegsführung:

Wenn wir diesen Krieg verlieren, dann möge uns der Himmel gnädig sein.“[6]

Die militärischen Leistungen des Reichsmarschalls spiegelten den verlauf des Zweiten Weltkrieges aus deutscher Sicht wider. Den gut koordinierten Sturzkampfflugzeugen war nichts an Gleichwertigem aus alliierter Sicht entgegenzustellen. Die Blitzkriegphasen bis zum Russlandfeldzug verdeutlichten diese Überlegenheit, die aber gekoppelt war an die Erfolge und Überlegenheit der Landstreitkräfte. Bereits die Luftschlacht um England oder die Städtebombardements 1940/1941 zeigten Defizite der Luftwaffe in der alleinigen Kriegsführung oder eingeschränkte Kriegsstrategien. nDie Flächenbombardements auf deutsche Großstädte in der Endphase des Zweiten Weltkrieges hatten ihre Ursache in der falschen Weichenstellung für die Luftkriegsrüstung. Die Schlacht um Stalingrad zeigte mehr als deutlich die geringe Schlagkraft der Luftwaffe bei von Landtruppen losgelösten Operationen. Die Zunahme der alliierten Bombergeschwader verursachte bei Hermann einen Persönlichkeitsverfall. Das Versagen der Abfangjäger konnte weder gut verkauft noch vertuscht werden. Der Reichsmarschall rettete sich in seine leidliche Morphiumsucht, die ihn aber antriebslos werden ließ, zumindest auf dem Gebiet der effektiven Abwehrmaßnahmen. Der unter den Wunderwaffen befindliche Düsenjäger ME 262 kam 1944 zu spät und ging nie in Serie. Der direkte Verlust an Ansehen und Kredit für den würdigen und nachfolgenden Zeitgenossen des Roten Barons Manfred von Richthofen wurde kompensiert durch überzogenen Luxus, finanziert und begleitet durch Raubkunst in den eroberten Gebieten. Einige Exponate aus der Raubkunst standen z. B. bis wenige Tage vor der Kapitulation auf Carinhall. Hitler hielt ungewöhnlich lange an Göring fest. Die gemeinsamen nationalsozialistischen Anfänge und die unbestrittenen Verdienste am Ende der Weimarer Republik waren ein Pfund in der Weltanschauung Hitlers, aber parteiinterne Rivalen wie Martin Bormann oder Heinrich Himmler vereinnahmten Hitler immer mehr.[7] Erst kurz vor Kriegsende – Hitler hatte von inoffiziellen Kontakten Görings zu alliierten Unterhändlern erfahren – wurde Hermann Göring aus allen Ämtern ausgeschlossen und zur Verhaftung freigegeben. Einer möglichen Exekution kam der Reichsmarschall durch seinen Übertritt in die amerikanische Kriegsgefangenschaft zuvor.

  1. Albert im Dritten Reich

Der Bruder des Zweiten Mannes im Nationalsozialismus hätte zumindest in den dreißiger Jahren ein luxuriöses Leben führen können, aber er entschied sich für eine berufliche Tätigkeit in Österreich. Es kam noch schlimmer, denn er verband es mit der Annahme der österreichischen Staatsbürgerschaft. Albert hatte persönliche Abneigungen gegen Hitler, und die übertrug er auf seinen Bruder. Folgende Worte geben klar die unmissverständliche Einstellung wider:

Ach, ich habe in Deutschland einen Bruder, der sich mit diesem Mistkerl Hitler eingelassen hat, und mit dem wird es noch böse enden, wenn er so weitermacht. Ich spucke auf Hitler, ich spucke auf meinen Bruder, auf das ganze NS-System.“[8]

Von Beginn an zeichnete sich Albert durch Hilfsaktionen und –begehren aus für jüdischstämmige Freunde und Bekannte. Die Ehefrau von Hans Moser wurde unter Mithilfe von Albert nach Budapest gebracht. Er suchte trotz Abneigung notfalls den persönlichen Kontakt zu Hermann, so z. B. in der Eheangelegenheit des Komponisten Franz Lehár. Seine jüdische Frau wurde kurzerhand zur „Ehrenarierin“ ernannt. Es war eine Kennzeichnung, die zumindest pro forma Schutz gewährte auf dem Gültigkeitsboden der Rassengesetze. Hier handelte Albert durchaus pragmatisch. Seinen Freund Oskar Pilzer internierte 1937 die Geheime Staatspolizei. Obwohl Österreicher, erreichte er auch hier durch die Hintertürintervention bei Hermann die Freilassung seines deutschen Freundes. Er kannte die Machtbefugnisse Hermanns und wusste diese zu nutzen. Das ist aber ein eindeutig nachvollziehbares und wenig verruchtes Motiv, da es nie zu seinem eigenen Vorteil ausartete. Nach dem Anschluss Österreichs verweigerte er demonstrativ die Teilnahme an einer Massenveranstaltung, um Hitler in Wien reden zu hören. Himmlers Schergen waren bereits wenige Tage nach der Eingliederung auf der Suche nach potentiellen Feinden, Himmler selbst noch mit dem Ausbau des Konzentrationslagers Mauthausen beschäftigt, da organisierte Albert schon Fluchtprogramme für Arbeitskollegen und Freunde. Für seinen Arbeitskollegen Dr. Seletzky organisierte er die Geldtransfergeschäfte in die Schweiz und organisierte ihm ein Ausreisevisum. Seinem jüdischen Hausarzt verhalf er mit dessen Familienangehörigen zur Ausreise. Der Name bedeutete schon Schutz. Die Hilfe ragte bis in die höchsten politischen Kreise hinein. mDer österreichische Kanzler Schuschnigg wurde nach der „Wiedereingliederung“ faktisch unter Hausarrest gestellt in einem Wiener Hotel unter demütigenden Schikanen der Bewacher. Albert wurde informiert, und damit wurde Hermann informiert und beendete dieses unwürdige Schauspiel. Vor Handgreiflichkeiten für Schutzbedürftige waren auch die nationalsozialistischen Schergen nicht gefeit. In einem Handgemenge mit SA-Männern befreite Albert eine Jüdin in der Wiener Innenstadt aus den Händen des Mobs. Die kurzzeitige Festnahme endete nach Hörung des Namens mit der sofortigen und auflagenfreien Entlassung. Es war klar, dass bei diesen Aktivitäten Albert bei der Volksabstimmung im April 1938 über den „Anschluss“ ein wenig überraschendes „Nein“ ankreuzte. Folgen gab es aber nicht für Albert, zumindest sind keine überliefert. Albert vergab eben nicht nur Freibriefe, sondern nutzte auch die familiäre Konstellation zum persönlichen Freibrief. Der Legende nach fand 1938 in Wien-Grinzing ein Treffen der Görings statt, auf dem Hermann Göring jedem der Anwesenden einen Wunsch freigegeben hatte. Albert wünschte sich uneigennützig die Freilassung des alten Erzherzogs Joseph Ferdinand, der schon nach Dachau verfrachtet wurde. Der völlig unpolitische Habsburger war am nächsten Tag frei. Es konnte zügig gehen, und sowohl Albert als auch Hermann waren nicht grundsatzdebattierender, fanatischer Natur. Der Antinazi Albert nahm sich sogar einmal eine Bürste, um gemeinsam mit Juden in Wien Straßen zu säubern. Nachdem – wie so oft – die SA-Mannschaften aus den Papieren den Namen entnahmen, ließen sie ihn sofort gewähren oder zügig aus der Untersuchungshaft entlassen. Selbst den Nazischergen war ein Gefangener mit direktem Draht zum Reichsmarschall zu heiß. Des Öfteren reagierte er als Reaktion auf „Heil Hitler“ mit dem Gegenspruch „Leckt mich am Arsch!“ Es war ein Spiel für Albert, aber er stand stets im Bewusstsein der inszenierten und kurzfristigen Verhaftungszeit. Er kannte die Mentalität der Beamten, die nie und nimmer am Bruder des zweiten Mannes im Staat hätten Hand angelegt. Privat kam es Ende der dreißiger Jahre zu einer Familientragödie. Albert half vielen Leuten, aber der Krebs im Endstadium seiner Frau Erna war mächtiger. In dieser Zeit lernte er einen Dr. Kovac kennen, der ihn als Mittelsmann gewinnen konnte, um über finanzielle Transaktionen Juden sicher nach Lissabon zu führen. Nach dem Tod seiner Frau arbeitete er in den Skodawerken bei Pilsen. Den dortigen Exportleiter Bruno Seletzky, ein Mann mit jüdischen Wurzeln und in den vorangegangenen Zeilen schon Erwähnung gefunden, konnte Albert vor dem Zugriff der Nationalsozialisten bewahren und sicher in die Schweiz überführen. Der Wille zum aktiven Widerstand war so ausgeprägt, dass Albert selbst in Briefen den Anschein vermittelte, es handelte sich um Anweisungen seines Bruders, und diese wurden dann tatsächlich ausgeführt, wie die Entlassung eines Dr. Charvat aus Dachau zeigte. Die Geheime Staatspolizei hatte natürlich bald ein Auge auf diesen umtriebigen Bruder geworfen, aber Hermann stand als unüberwindbares, freilich ungewolltes Hindernis dazwischen. Geschickt nutzte Albert die Persönlichkeit Hermann aus, um die ein oder andere Hilfsaktion umzusetzen.[9] Der eitle Hermann demonstrierte nur allzu gern seine Macht, und dieser Einfluss kam – ob gewollt oder nicht – vielen Menschen zugute aus dem Bekanntenkreis Alberts. Selbst der gefürchtete ffReinhard Heydrich kam dem Hilfeersuchen nach Freilassung von Arbeitskollegen Alberts entgegen in Prag. Gerade dieses Entgegenkommen zeigte aber auch die Machtstellung Hermann Görings im nationalsozialistischen Machtapparat. Faktisch bis zum Kriegsende konnte Albert – bedingt durch seine Anstellung als Exportchef für Skoda – ein relativ sorgenfreies Leben führen in materieller Hinsicht. Der nur mündlich überlieferte Höhepunkt seiner Rettungsaktionen stellte die Befreiung jüdischer Häftlinge dar aus dem kKonzentrationslager Theresienstadt. Mit einigen Lastwagen fuhr er unbeirrt in offizieller Note als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Skodawerke nach Theresienstadt, um dort Häftlinge zu rekrutieren, die er aber wenige Kilometer vom Sammelpunkt frei ließ. Selbstbewusstes Auftreten, der Familienname und die ein oder andere Unterschriftenfälschung auf dem Briefpapier des Bruders reichten oft aus, die verblüfften Nazischergen zu passiven Statisten werden zu lassen. Die Gestapo war zur Untätigkeit trotz besseren Wissens verdammt, da selbst Heinrich Himmler im Unklaren lag, ob nicht Alberts Bruder Hermann selbst Auftraggeber dieser provozierenden Aktionen war. Zumindest auf diesem Gebiet war Hermann ein klassischer Bruder, der Albert in bedrohlichen Lagen stets zu Hilfe kam. Es war eine der wenigen angenehmen Charaktereigenschaften des Reichsmarschalls. Eigentlich stellten die Aktivitäten Alberts eine Zuständigkeit für den Volksgerichtshof dar mit vorhersagbarer Bestrafung, denn auch Dienstgeheimnisse wurden dem tschechischen Widerstand zugespielt, die bis auf die zuständigen Bürotische in London und Moskau wanderten. Da er seinen Lebensmittelpunkt seit dem Tod der ersten Frau in Tschechien hatte, war es nicht verwunderlich, dass er hier seine zweite Frau Mila Klazarova kennenlernte, eine ehemalige Schönheitskönigin. Himmler, Heydrich und Begleitmannschaften tobte, da sie das tschechische Volk lediglich für niedere Arbeiten bis hin zur Ausrottung auserkoren hatten, und nun bandelte ein Göring in diesem Volk an. Aber auch hier zeigte sich der Einfluss Hermanns deutlich, obwohl er aus Kompromissgründen nicht auf der Hochzeit erschien mit obligatorischem Geschenk. Die Blutvermischung stieß dem Reichsfeldmarschall übel auf, aber Ausnahmen waren immer möglich, und der Bruder hatte ohnehin den besseren Draht zum Luftwaffenchef als die parteiinternen Rivalen. Bis kurz vor Kriegsende blieb Albert seiner tschechischen Wahlheimat treu, setzte sich bei jeder Gelegenheit für die Mitarbeiter von Skoda ein oder kämpfte für die Gehaltsfortzahlung an die Familien internierter Skodamitarbeiter.

bbDer Prager Polizeichef Karl Frank wollte Albert 1944 „endlich“ verhaften, aber der übermächtige Bruder steuerte im Hintergrund den Schutz. Manfred von Killinger wurde ganz offen von Albert als Mörder tituliert. Der Gesandtschaftsrat war am Attentat auf den ehemaligen Außenminister Walter Rathenau beteiligt, und neben diesem Mörder wollte Albert nicht sitzen. Diese Bemerkungen spielte man von Killinger zu, und die Gestapo nahm sich seiner an. Am Ende gab es die Schutzintervention Hermanns…wieder einmal. Hinter vorgehaltener Hand wurde das Dienstbüro Albert Görings als Einsatzzentrale für „arme Tschechen“ geführt, aber die Polizei hatte keine Handhabe und zeigte ihre Weisungsgebundenheit deutlich unfreiwillig auf. Es ist anzunehmen, dass der verspätete Fall des Reichsmarschalls wenige Tage vor Ende des Dritten Reiches letztlich das Leben rettete von Albert, da zu diesem Zeitpunkt Albert ( und Hermann ) nicht mehr greifbar waren für die NS-Justiz.

  1. Hermann 1945/1946

Im Mai 1945 wurde Hermann Göring im luxemburgischen Mondorf interniert. Die nnInszenierung entsprach dem Charakter des Luftwaffenchefs. Ein eigener Kammerdiener, lackierte Fuß- und Fingernägel, zahlreiche Kleiderkoffer, kostbarer Schmuck, ein stattliches Reisegepäckgeld und Unmengen an Paracodin-Tabletten als Morphiumersatzmittel dokumentierten den abgehobenen Lebensstil, der wahrlich etwas deplaziert wirkte im Internierungslager „Ashcan“. Die Sachen wurden dem prominenten Gefangenen natürlich bis auf die notwendigsten Sachen sofort abgenommen, aber die Abnahme blieb vermutlich oberflächlich, da die mitgeführten Zyankaliampullen unbemerkt blieben. Sie blieben in Reichweite des korpulenten Reichsmarschalls und spielten 1946 für den letzten Akt im Leben des einst mächtigsten Mannes nach Hitler das notwendige Hilfsmittel. Weitere ranghohe Nationalsozialisten wie Albert Speer Joachim von Rippentrop oder Karl Dönitz kamen in dieses Zwischenlager als Zugriffsbecken für die dann kommenden Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg. Diese illustre Runde ranghoher Vertreter des Nationalsozialismus, von den Amerikanern spöttisch als „Abschlussklasse 1945“ bezeichnet, bestand dann doch mehr oder weniger aus sich untereinander anfeindenden und eitlen Parteibonzen, militärischen Betonköpfen und fanatischen Antisemiten. Es blieb

Im luxemburgischen Badeort Mondorf-Les-Bains richteten die Alliierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein von der Öffentlichkeit streng abgeschirmtes "Interrogation Center" ein. Es waren keine Badegäste, sondern die Hauptangeklagten der Nürnberger Prozesse wie Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop, Albert Speer und Julius Streicher, die in dem Hotel untergebracht wurden, bis ein Ort für die Prozesse gefunden war.
Im luxemburgischen Badeort Mondorf-Les-Bains richteten die Alliierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein von der Öffentlichkeit streng abgeschirmtes „Interrogation Center“ ein. Es waren keine Badegäste, sondern die Hauptangeklagten der Nürnberger Prozesse wie Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop, Albert Speer und Julius Streicher, die in dem Hotel untergebracht wurden, bis ein Ort für die Prozesse gefunden war.

eine groteske Situation in diesem streng abgeschirmten Hotel. Stacheldrahtzäune, behängt mit Tarnnetzen als Sichtschutz, und Wachtürme mit schwerbewaffneten Wachmannschaften versperrten der breiten Öffentlichkeit einen Zugang zum Alltag der Resteprominenz aus der nationalsozialistischen Ära. Die Lagerleitung versuchte alles in ihrer Macht stehende zu tun, um verantwortungsentziehende Selbstmordaktionen zu verhindern. Keine Rasierklingen, keine Krawatten, nur Löffel als Besteck oder Drahtglas als Glasfensterersatz wurden konsequent als Maßnahmenkatalog eingeführt. Der rechtsstaatliche Prozess wurde angestrebt. Aus dem Erinnerungsbericht des damaligen Gefangenenarztes Ludwig Pflücker war zu entnehmen, dass die Prominenz banale Charakterzüge aufwies wie jeder Durchschnittsbürger. Die Leute freuten sich kindisch über Sonderrationen an Schokolade, sonnten sich in den Liegestühlen auf der Hotelterrasse, spazierten im Hotelgarten und hielten einander selbstmitleidbesetzte Vorträge. Die banale Begleiterscheinung des Bösen und Unerklärlichen fand hier eine konzentrierte Sichtbarwerdung. Es kam wie bei jeder Ansammlung von Menschen, die Cliquenbildung ließ nicht lange auf sich warten. Interessant war, dass Hermann grundsätzlich gemieden wurde von allen Mitwirkenden in diesem bizarren Kammerspiel. Erika Mann, die Tochter des Schriftstellers Thomas Mann, bezeichnete diese Bewachung von Unschuld, Unwissenheit und selbstsicherer Arroganz als überaus gespenstisches Abenteuer mit Irrenhausmentalität.[10] Die schon optisch kkherausragende Überfliegerfigur dieser Versammlung war sicher Hermann Göring. Grundsätzlich wurde in diesen Tagen mit Zylinder gegessen am Gefangenentisch. Er fühlte sich noch immer als Nachfolger Hitlers, obwohl der Führer sich wenige Tage vor dem Untergang für Goebbels entschieden hatte. Seine Liege musste verstärkt werden, und sein Kleiderstil war eher ungewöhnlicher Natur. Ein rotgeblümter Schlafrock oder der schwarzseidene Pyjama hoben den offensichtlichen Kriegsverbrecher ab von der klassischen Sträflingskleidung seiner Mitgefangenen. Zumindest die Tablettensucht wurde erfolgreich bekämpft, auch wenn es ein schwieriger Weg war mit Herzattacken, Angstschweiß und Schweißausbrüchen. Eine gewisse Vorfreude überkam dem Reichsmarschall hinsichtlich der bevorstehenden Prozesse in Nürnberg. Im Entzugswahn philosophierte Hermann über mögliche Strategien im Kampf gegen seine Peiniger von der alliierten Anklägerbank, natürlich begleitet von aufflammenden Scheinwerfern, die den pompösen Göring richtig in Szene setzen sollten. Der Gerichtssaal hatte die Funktion einer Bühnendekoration in der Wahrnehmungswelt des Hermann Göring, und das dazugehörige Verhalten eines Schauspielers mit Hauptrollenvereinnahmung folgte dann ununterbrochen auf der Angeklagtenbank. Mitte August ging es dann in die juristische Höhle der Sieger nach Nürnberg. Die alte Reichstagsstadt war nicht willkürlich ausgewählt. Die Reichsparteitage und die Rassengesetze gingen symbolisch unter völkerrechtlichen Aspekten in Nachklausur. eeHermann kannte das Ergebnis, und der Weg dorthin sollte nach seinen Spielregeln erfolgen. Zeit genug hatten alle Inhaftierten in Nürnberg für die Eingewöhnung, denn die Prozesse starteten erst im November 1945. Die Verteidigung war durchaus geschickt gewählt, der Chefankläger Jackson hatte so seine Mühe gehabt mit dem redegewandten Hermann, aber die erdrückende Beweislast konnte nicht diplomatisch verwässert werden.[11] Das vveTodesurteil nahm er gelassen auf, denn – wie erwähnt – lagen in Griffweite die erlösenden Kapseln für den theatralischen Freitod mit Erinnerungsgarantie. Die Henker kamen wenige Stunden zu spät, er hatte sich am Tag der Hinrichtung der von fremder Hand geplanten Bestrafung selbst entzogen. Das war das Verständnis von Würde, Anstand und Selbstbestimmung des Hermann Göring. Die Leiche wurde eingeäschert, und Göring und die anderen Hingerichteten erhielten eine anonyme Bestattung.[12]

  1. Nachkriegsjahre Albert

Familiären Anstand besaß Hermann Göring. In einem Gespräch mit dem Gefängnispsychologen entlastete Hermann unmissverständlich Albert:

Er war stets das genaue Gegenteil von mir. Er interessierte sich nicht für Politik oder das Militär; ich schon. Er war still, zurückgezogen; ich liebe Menschenansammlungen und die Geselligkeit. Er war schwermütig und pessimistisch, ich bin ein Optimist. Aber er ist kein schlechter Kerl, dieser Albert.[13]

Der Name war jedoch bei Kriegsende ein zu erwartender Fluch. Der Bruder einer der mächtigsten Männer im Nationalsozialismus sollte angeblich ein Menschenfreund und in Abwehrhaltung zum Nationalsozialismus gewesen sein? Die alliierten Verhörspezialisten der Spionageabwehr konnten oder wollten es zunächst nicht glauben. Albert war durchaus gesprächsbereit gewesen, kooperierte, konnte sich aber nicht genügend verkaufen. Eine mehrmonatige Haftzeit begann. Er gab vereinzelte Namen an, die er rettete, aber seine Nähe zu Hermann verleugnete er ebenso wenig. Er konnte es auch nicht, da sie ja oft die nachträgliche Absegnung bedeutete für die Rettungsaktionen. Er gab in den Verhören nach bestem Wissen und Gewissen die Informationen preis, verdeutlichte seine Nichtparteimitgliedschaft und seine Nichtteilnahme an politischen Aktivitäten. Der Grundverdacht der Mitschuld blieb. Albert saß hadernd in den Gefängniszellen. Er fühlte sich betrogen, hatte er sich doch freiwillig den Amerikanern gestellt und wurde nun unter Generalverdacht gestellt. Und die Namenslisten von Geretteten wurden offenbar nicht geprüft. Nach einer Odyssee von Verhören kam er Mitte 1946 nach Darmstadt. Hier gab es den Kommissar Zufall. Einer der dortigen Verhörspezialisten namens Victor Parker erkannte auf der Gerettetenliste den Namen Lehár. Es las den Namen seines Onkels und bestätigte die ihm bekannten Rettungsaktionen des mutigen und couragierten Bruders. Das Vernehmungsprotokoll schloss denn auch mit den folgenden, wenig überraschenden Worten:

G. wurde als Bruder von Hermann Göring verhaftet. G. war nie Mitglied der nnnnPartei oder der angegliederten Organisation und war in Deutschland aber auch in Österreich, wo er die letzten 15 Jahre verbrachte, als Antifaschist bekannt. G. wurde 1933 aus Opposition zum Dritten Reich österreichischer Staatsbürger und blieb in der Hoffnung in Österreich, dort als freier Mensch in einem demokratischen Staat leben zu können. Nach der Besetzung Österreichs nutzte G. seinen Einfluss auf seinen Bruder, mehrere Menschen zu helfen, die in beiliegender Tabelle aufgelistet sind. Die meisten dieser Menschen können leicht ausfindig gemacht werden, falls sie als Zeugen gebraucht werden. Die letztere  Schilderung wird von dem Verfasser dieses Protokolls für wahr gehalten, da dem Verfasser persönlich bekannt ist, das G. Franz Lehar geholfen hat, dem Onkel des Verfassers. Es wird empfohlen G. zu entlassen.[14]

Die Amerikaner waren zumindest nun der Überzeugung, dass dieser ungewöhnliche Gefangene zu entlassen sei, allerdings nur aus der amerikanischen Gefangenschaft. Prag wartete (angeblich), zumindest nach amerikanischem Meinungsbild, und daher gab es eine prophylaktische Auslieferung an die Tschechen. Der Argwohn saß zu tief, und diese Vorurteile sollten Albert das Leben noch schwer machen.[15] Zunächst quartierte man ihn im berüchtigten Pankrác- Gefängnis ein, das nur so grundversorgt war mit Kriegsverbrechern, Plünderern und Mördern. Zahlreiche Skoda-Mitarbeiter machten mit sofortiger Wirkung Werbung für Albert. Sie berichteten von seinen Rettungsaktionen, schickten Telegramme und Briefe zum tschechischen Präsidenten. Die Gerichtsverhandlung in Prag zeichnete sich durch das Fehlen von Schuldbeweisen aus. Dieser Unschuldsdruck war zu groß und musste bei den tschechischen Behörden zum Einlenken führen. Im März 1947 erfolgte die Entlassung, und die österreichische Botschaft in Prag nahm ihn auf. Seit April 1947 hielt er sich in Wien auf. Kurzzeitig bemühten sich die Amerikaner noch um einen Zwangsaufenthalt in Nürnberg für Zeugenaussagen im dortigen Prozessmarathon, aber Albert konnte sich dem amerikanischen Behördenapparat entziehen. Er blieb aber nach der Entlassung ein gebrochener Mann, denn die körperliche und psychische Belastung in der Haftzeit hatten Spuren hinterlassen. Einige Zeit lebten er und seine Frau Mila mit der gemeinsamen Tochter Elisabeth in Salzburg. Die materielle Ausstattung blieb verbesserungswürdig. Der gesamte Besitz wurde beschlagnahmt, ständige Wohnungsdurchsuchungen mussten einkalkuliert werden, der Nachname war eine Bürde auf dem Arbeitsmarkt und seine Frau floh förmlich – mehr vor Albert als vor der allgemein erdrückenden Lebenssituation – nach Peru.eeee Zu Beginn der fünfziger Jahre gab es erste kleine Entspannungen. Ich München erhielt er eine Anstellung in einer Baufirma. Die Deutschen hatten aber so ihre Probleme mit dem Göring aus dem Nationalsozialismus. Der Chef der Firma gab ihm zu verstehen, dass ein Arbeitsplatzwechsel notwendig wäre, da sich die komplette Belegschaft gegen ihn ausgesprochen hätte. Er ging kommentarlos zu seiner Lebensgefährtin Brunhilde Seiwaldstätter in die Münchener Wohnung und versuchte danach durch gelegentliche Übersetzungen, mittels staatlicher Hilfe oder durch Spenden ein vernünftiges Leben zu führen. Die Last des Namens war zu groß. Die letzten Jahre lebte er völlig zurückgezogen mit Brunhilde, die er kurz vor seinem Tod noch heiratete, damit sie wenigstens in den Genuss einer Witwenrente kommen sollte. Am 20. Dezember 1966 starb Albert in München, beerdigt auf dem Waldfriedhof und seit jjjj2008 nach der Einebnung des Grabes offiziell auch ohne ehrenden Anlaufpunkt über den Tod hinaus. Er war als Flüchtlingshelfer willkommen in einer Diktatur, aber als Hilfebedürftiger in einer Demokratie ungleich schwerer den Ablehnungen ausgesetzt.

  1. Albert nach Jad Vaschem?

Hermann Göring machte sich – unabhängig vom Blickwinkel – schuldig im Zeitalter des Nationalsozialismus. Der Beauftrage des Vierjahresplanes kannte das Rekrutierungssystem für die Zwangsarbeit und die Behandlung der Zwangsarbeiter in den Arbeitslagern. Die Berichte aus den Vernichtungslagern blieben ihm nicht vorenthalten. Jedes Detail aus der Hermannbiographie wurde mehr oder weniger ausführlich in der Medienwelt thematisiert. Albert blieb eine Fußnote und nur dem Kenner der Materie vertraut. Er war ein Beispiel für die Aufarbeitungs- und Erinnerungskultur der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Name war belastender als die nachweislich zum aktiven Widerstand zählenden Aktivitäten des Albert. Die Geretteten und Hinterbliebenen gaben iiiiZeugnis ab ( Liste mit 34 geretteten Personen), aber der Zeitgeist dämmte und verschleierte. Die geringe Aktenlage aus der NS-Zeit ist noch nachvollziehbar, aber das Desinteresse und die kollektive Ausgrenzung nach 1945 preisen den Weg zur Doppelmoral. Eine Gratwanderung ist der Name für das Holocaustmuseum Jad Vaschem in Jerusalem.[16] Der Judenretter Albert, ein Menschenfreund, der sich gerade in seiner Zeit in Böhmen und Mähren nicht nur einmal und ungewollt einer realen Gefahr aussetzte, sogar die Entlassung von KZ-Internierten organisierte, hatte eben diesen älteren Bruder, der das nationalsozialistische Herrschaftssystem repräsentierte in weiner exponierten Stellung. Darf dieser Albert den Titel „Gerechter unter den Nationen“ tragen? Albert war Nichtjude, und die erste Voraussetzung im Anforderungskatalog ist erfüllt. Jetzt müssen nur noch – vornehmlich von fachwissenschaftlich orientierten Historikern – die Belege für die zahlreichen Befreiungs- und Rettungsaktionen zusammengetragen werden. Legende und Wahrheit müssen voneinander losgekoppelt sein, und einer gerechten Beurteilung der Leistungen Alberts steht nichts mehr im Wege. Diese formale Überprüfung ersetzt aber nicht die unwissenschaftliche Frage nach der Vertretbarkeit der Aufnahme eines Görings in Jad Vaschem. Das ist Angelegenheit der zuständigen Kommission.[17]

Fazit

Die unvollständige Quellenlage und die immer weniger werdenden Zeitzeugen erschweren ein objektives Leistungsbild, das sich aus einer objektiven Leistungsbilanz ergibt für die Rettungsaktionen von Albert Göring. Das unklare Bewertungsbild Alberts, das die alliierten Geheimdienste von ihm hatten, zeigte die schwierige Informationsbeschaffung zum jüngeren Bruder. Dieser Umstand verdeutlichte besonders den Vorsichtigkeitsgrad im Umgang mit der Geheimen Staatspolizei. Und Hermann sicherte weitgehend ungewollt und ungefragt nachträglich die Aktivitäten ab.

Unabhängig vom Grad der Bestätigung des aktiven Widerstandes, der Umgang mit Albert nach 1945 zeigte deutlich den ambivalenten Charakter der Deutschen mit der Vergangenheitsbewältigung. Ein Mann mit familiärer Bindung zu einem der Protagonisten des Nationalsozialismus hatte Existenzschwierigkeiten, aber die halbherzige Entnazifizierung in der Bundesrepublik brachte Menschen hervor, deren direkte oder indirekte Beteiligung am Aufrechterhalten des totalitären Systems unbestritten war. Personen wie Reinhard Gehlen (Bundesnachrichtendienst), Hans Globke (Kanzleramtsminister) oder Hans Filbinger (Ministerpräsident in Baden-Württemberg) hatten eine administrative Vergangenheit im Nationalsozialismus.

Auf persönlicher Ebene – losgelöst von der konkreten Zeitepoche – waren das Brüderpaar eine Belegsituation für charakterliche Unterschiede innerhalb einer Familie mit verschiedenen Lebenswegen und Schwerpunktsetzungen, aber auch familiären Bindungen in heiklen Situationen. Der typische Familienzusammenhalt war – und diese Bebachtung zeigt die Banalität und Gewöhnlichkeit auch für die Spitze in einer gesellschaftlichen Hierarchie – auch bei den Görings zu beobachten. 

Quellenverzeichnis

[1] Vgl. hierzu Wyllie, James, Albert Göring … Gegen Hitler, meinen Bruder und alle Nazis, Verlag Magnus Essen, 2006, S. 13f.

[2] Ebenda S. 14.

[3] Ebenda, S. 14f.

[4] Vgl. hierzu http://www.lexikon-drittes-reich.de/Hermann_G%C3%B6ring.

[5] https://books.google.de/books?id=7SIFAQAAIAAJ&q=bestimme.

[6] Vgl. hierzu http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/3862150/-dann-moge-uns-der-Himmel-gnaedig-sein.

[7] Vgl. hierzu Burke, William Hastings, Hermanns Bruder: Wer war Albert Göring?, Aufbau Verlag 2012, S. 98.

[8] Vgl. hierzu https://books.google.de/books?id=9OPXAgAAQBAJ&pg=PT40&lpg=PT40&dq=Ach,+ich+habe+in+Deutschland+einen+Bruder,+der+sich+mit+diesem+Mistkerl+Hitler+eingelassen+hat&source=bl&ots=CEZMW9BH0W&sig=sbuQi96xLFF9KxNHQtXzocwMYIw&hl=de&sa=X&ved=0CB0Q6AEwAGoVChMI5KbSiKqAyQIVg90sCh0OVgeP#v=onepage&q=Ach%2C%20ich%20habe%20in%20Deutschland%20einen%20Bruder%2C%20der%20sich%20mit%20diesem%20Mistkerl%20Hitler20eingelassen%20hat&f=false

[9] Vgl. Wyllie, James, a. a. O., S. 185.

[10] Vgl. hierzu http://www.spiegel.de/einestages/ns-elite-in-gefangenschaft-hotel-der-kriegsverbrecher-a-948559.html.

[11] Vgl. hierzu Anmerkung 9, S. 194.

[12] Vgl. hierzu http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/nuernberger-prozesse-half-us-soldat-goering-beim-selbstmord-a-340664.html.

[13]  Vgl. hierzu https://books.google.de/books?id=9OPXAgAAQBAJ&pg=PT29&lpg=PT29&dq=Er+war+stets+das+genaue+Gegenteil+von+mir.+Er+interessierte+sich+nicht+f%C3%BCr+Politik+oder+das+Milit%C3%A4r;+ich+schon.+Er+war+still,+zur%C3%BCckgezogen;+ich+liebe+Menschenansammlungen+und+die+Geselligkeit.+Er+war+schwerm%C3%BCtig+und+pessimistisch,+ich+bin+ein+Optimist.+Aber+er+ist+kein+schlechter+Kerl,+dieser+Albert&source=bl&ots=CEZMWbAHWW&sig=CoYuj-yKv4_p-lTQk20ODv0_mpk&hl=de&sa=X&ved=0CCcQ6AEwAWoVChMIvOSJ0PCAyQIVJHxyCh0ZlwY4#v=onepage&q=Er%20war%20stets%20das%20genaue%20Gegenteil%20von%20mir.%20Er%20interessierte%20sich%20nicht%20f%C3%BCr%20Politik%20oder%20das%20Milit%C3%A4r%3B%20ich%20schon.%20Er%20war%20still%2C%20zur%C3%BCckgezogen%3B%20ich%20liebe%20Menschenansammlungen%20und%20die%20Geselligkeit.%20Er%20war%20schwerm%C3%BCtig%20und%20pessimistisch%2C%20ich%20bin%20ein%20Optimist.%20Aber%20er%20ist%20kein%20schlechter%20Kerl%2C%20dieser%20Albert&f=false.

[14] Vgl. hierzu https://books.google.de/books?id=9OPXAgAAQBAJ&pg=PT126&lpg=PT126&dq=G.+wurde+als+Bruder+von+Hermann+G%C3%B6ring+verhaftet.+G.+war+nie+Mitglied+der+Partei+oder+der+angegliederten+Organisation+und+war+in+Deutschland+aber+auch+in+%C3%96sterreich,+wo+er+die+letzten+15+Jahre+verbrachte,+als+Antifaschist+bekannt.+G.+wurde+1933+aus+Opposition+zum+Dritten+Reich+%C3%B6sterreichischer+Staatsb%C3%BCrger+und+blieb+in+der+Hoffnung+in+%C3%96sterreich&source=bl&ots=CEZMW9CGWR&sig=GkNoy46HV55J5ECn_T08hZoOwuw&hl=de&sa=X&ved=0CB0Q6AEwAGoVChMIr-rQlq2AyQIVRtssCh2iowiQ#v=onepage&q=G.%20wurde%20als%20Bruder%20von%20Hermann%20G%C3%B6ring%20verhaftet.%20G.%20war%20nie%20Mitglied%20der%20Partei%20oder%20der%20angegliederten%20Organisation%20und%20war%20in%20Deutschland%20aber%20auch%20in%20%C3%96sterreich%2C%20wo%20er%20die%20letzten%2015%20Jahre%20verbrachte%2C%20als%20Antifaschist%20bekannt.%20G.%20wurde%201933%20aus%20Opposition%20zum%20Dritten%20Reich%20%C3%B6sterreichischer%20Staatsb%C3%BCrger%20und%20blieb%20in%20der%20Hoffnung%20in%20%C3%96sterreich&f=false.

[15] Vgl. hierzu und für den allgemeinen Überblick die Dokumentation auf ZDFNEO mit dem Arbeitstitel „Görings vergessener Bruder“, ausgestrahlt am 20. Juli 2015 um 20.15 Uhr.

[16] Vgl. hierzu https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/15/yad-vashem-israel-plant-eine-ehrung-von-albert-gohring-als-gerechter-unter-den-volkern/

[17] Vgl. hierzu http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-91346615.html und Wyllie, James, a.a.O., S. 265.

Hermann Göring

https://en.wikipedia.org/wiki/Hermann_G%C3%B6ring

Albert Göring

http://www.telegraph.co.uk/history/world-war-two/9922835/Hermann-Goerings-brother-may-be-recognised-for-saving-Jews-during-Holocaust.html

Heinrich Ernst Göring

http://ww2gravestone.com/people/goering-hermann-wilhelm/

Otto von Bismarck

http://www.rollingstone.com/culture/lists/beyond-pope-francis-10-more-conservatives-who-have-gone-liberal-20140128/otto-von-bismarck-19691231

Hauptverkehrsstraßen in der Hauptstadt Windhoek

https://kubon-sagner.e-bookshelf.de/products/reading-epub/product-id/24551/title/G%25C3%25B6ring.html

Familie Göring mit Dr. Eppenstein

http://biogra.0catch.com/goering.htm

Hermann Göring

http://biogra.0catch.com/goering.htm

Hermann Göring

http://biogra.0catch.com/goering.htm

Hermann Göring

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/luftschlacht-um-england-194041.html

Hermann und Carin von Kantzow

https://www.pinterest.com/pin/299419075202496533/

Hermann Göring 9. November 1923

https://www.pinterest.com/pin/337699672035449575/

Albert und Erna von Miltner

http://www.dailymail.co.uk/news/article-1264738/The-Goering-saved-Jews-A-new-book-reveals-Hermann-masterminded-Final-Solution-brother-Albert-rescued-Gestapo-victims.html

Junkers Werke

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/45/Bundesarchiv_Bild_183-R14718,_Dessau,_Junkers-Werke.jpg/220px-Bundesarchiv_Bild_183-R14718,_Dessau,_Junkers-Werke.jpg

Carinhall

http://www.schatzsucher.de/index.php?option=com_content&task=view&id=103&Itemid=170

Hermann als Reichsmarschalls

http://ww2gravestone.com/people/goering-hermann-wilhelm/

http://www.lwl.org/marsLWL/de/instance/picture/MZA-K924-Luftschutz-1933.xhtml?oid=11418

Hermann Göring bei der Jagd

http://austriaforum.org/af/Bilder_und_Videos/Historische_Bilder_IMAGNO/Gewehre/00157421

Anschluss Österreich

http://www.n-tv.de/politik/Goerings-guter-Bruder-article6600801.html

Kanzler Schuschnigg

http://www.gettyimages.de/detail/nachrichtenfoto/the-chancellor-schuschnigg-austrian-politician-with-nachrichtenfoto/55756875

Reinhard Heydrich

http://ottofredriksson.tripod.com/denazist.html

Theresienstadt

http://www.deathcamps.org/reinhard/pic/biggeneralview.jpg

Nürnberger Prozess

http://www.dailymail.co.uk/news/article-1264738/The-Goering-saved-Jews-A-new-book-reveals-Hermann-masterminded-Final-Solution-brother-Albert-rescued-Gestapo-victims.html

Hermann als Angeklagter

http://www.ksta.de/politik/nuernberger-prozess-in-zahlen,15187246,13767686.html

Hermann beging Selbstmord

http://ww2gravestone.com/people/goering-hermann-wilhelm/

Albert verhaftet

http://publikative.org/2012/07/21/albert-goring-ein-leben-im-schatten-des-bruders/

Albert mit 60 Jahren

http://lighttothelight.tumblr.com/post/40673047222/the-heroism-of-albert-goering-brother-of-hitlers

Einebnung des Grabes

http://www.n-tv.de/politik/Goerings-guter-Bruder-article6600801.html

Die Liste

http://www.auschwitz.dk/albert.htm

Albert Göring

https://www.tumblr.com/search/albert%20goering

Von Asteroiden und Atombombe

Gedankenspiele im Wartestand

Es ist kurz nach 17 Uhr, nasskalt, grelldunkel, und der kaum sichtbare Sternenhimmel ist von wenig einladender Atmosphäre an diesem 26. Januar 2015. Das kaum durchdringende Mondlicht verliert jeglichen Charme in diesem tristen Waschküchenklima. Meine am Nachmittag mühsam errichtete Reflektor-Teleskop-Anlage auf der elterlichen Dachterrasse kommt nicht sonderlich gut zum Vorschein. Meine Arbeitseinheiten in der Vorbereitung zur Sternenschau im trüben Frühabend bleiben denn so mehr verborgen als offengelegt. Das Westfalenland war als Ausgangsort für die Beobachtung des Asteroiden mit der Kennung 2004BL86 ohnehin  nicht die beste Standortwahl, aber das mit der Hoffnung …

Ich stehe nun auf der Dachterrasse mit hoffnungslosem Versuch eines Weitblickes von fast einer Million zweihunderttausend Kilometern[1] in den abendlichen Wetterwolkenhimmel hinein auf der Suche nach 2004BL86. rrrrWenig Hoffnung gäbe es übrigens bei diesem Kaliber von  erdnahem Gesteinsgeschoss im Falle des Aufpralls. Die umgeknickten Bäume an der Steinigen Tunguska 1908 wären dagegen ein reiner Schuljungenstreich. Ein ungleich kleinerer metallischer Bahnkreuzer aus dem All zeigte ja schon seine Wirkung in Tscheljabinsk 2013. Ist das unterschätzte Gefahr oder Ausdruck einer unbewussten Verhaltensnorm? Mir kommen so die Gedanken, denn …

Auffallend ist, dass bei allen Lösungsstrategien die Kernphysik eine  „Ultima Ratio“ einnimmt mit der Atombombe als ihrer Versinnbildlichung, sozusagen das gute Mittel mit dem bösen Zweck. Es ist eine negative Besetzung. Natürliche Prozesse in Form von Spaltung und Kernfusion können einer Bedrohung von außen in Form eines Asteroideneinfalls begegnen. Nuklearer Sprengstoff ist wirkungsvoll als Impulsgeber für Umlaufbahnänderungen bei erdnahen Asteroiden. „Nuclear explosives are particularly powerful, and can be used to deflect an asteroid that is too large to be diverted by any other means”, meint eben nicht nur der amerikanische Astrophysiker David S. Dearborn  vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien.[2]

Meine Überlegungen kommen zum Stillstand. Der Nieselregen nimmt zu, so wie die Ungemütlichkeit auf der Dachterrasse. Der Aufprall der Regentropfen auf meinem übergroßen Regenumhang verursacht ein detonierendes Dauergeräusch in meinen Ohren. Die Wassertropfen perlen an der Schutzplane vom Orbinar 203-800 EQ4 Reflektor-Teleskop ab und vereinigen sich auf den Terrassenfliesen zu sternenförmigen Rinnsalmustern. Meine Gedankenspiele nehmen wieder  rasant Fahrt auf, da …

Die kosmischen Bomben aus Gestein und Metall können in Abhängigkeit von der eigenen Dichtebeschaffenheit nach der Kollision mit den  atomaren Gegenspielern im Kosmos zum atomaren Meteoritenhagel auf die Erdatmosphäre degenerieren. Dieses Szenario wird der außerirdischen Pest und der irdischen Cholera zugleich gerecht. „Was ist, wenn die von Menschenhand gemachte Atomkraft aus Versehen zurückkommt nach Explosion mit all den Spaltprodukten?“, wird nicht ohne Grund nicht nur der resolute Atomkraftgegner fragen.[3] Dieser Disqualifizierung der Asteroidenforschung kann eigentlich nur durch eine verstärkte Asteroidenforschung begegnet werden. Zwei Minuten vor Eintritt in die Erdatmosphäre brauchen die Alarmsirenen nicht mehr …

Hundegebell ertönt aus der Ferne, überdeckt das monotone Aufschlagen der Regentropfen und zwingt mich zur Abkehr jedweden Gedankens an Abwägungsplanspielen. Das Problem ist jetzt ganz irdischer Natur und setzt die bildlichen Alarmsirenen frei. Die permanente Dauerberieselung von oben fordert ihren Tribut. Der Regenumhang passt sich fast nahtlos meiner Körperoberfläche an. Diese zweite Haut ist für den Bewegungsdrang und das Tragegefühl unangenehm, obgleich die Regenbekleidung in Funktion und dunklem Farbton der Situation angemessen ist. Ähnliches erleidet das Teleskop. Die nasse Schutzplane legt sich in schwerer Last auf das Orbinar. Mein verlängertes Auge in den Abendhimmel hinein ist nicht nur sinnbildlich verdeckt. 2004BL86 ist mit seinen 15 Kilometern pro Sekunde kurz vor 19 Uhr auch aus meinem theoretischen Sichtfeld, aber die nun irdischen Gedankenspiele in das Blickfeld gerückt mit …

Die Asteroidenkrater im südafrikanischen Vredefort und auf der Yucatanhalbinsel zeigen den Endzeitcharakter dieser außerirdischen Bedrohung. Die Friedenstaube oder der verordnete Weltfrieden sind keine geeigneten Mittel. Die Bedenken zur atomaren Schlagkraft sind ausschließlich durch die irdischen Einsätze oder Aussetzer der Vergangenheit bedingt (Hiroshima, Nagasaki, Bikini-Atoll, Tschernobyl). Ein klares Bekenntnis kann es jedoch nicht geben, da der Mensch noch zu instabil an der Nahtstelle gegensätzlicher Auswirkungen im Umgang mit der Atomkraft steht. „Good or not resides in people and how they use nature”, formuliert treffend Dr. Dearborn. Die Logik des Kalten Krieges würde in den Weltraum exportiert. Der Endzeitasteroid verlangt aber einen gleichberechtigten Gegenspieler. Der potente Gegenspieler muss seine Ressourcen und Möglichkeiten ausschöpfen, und hier steht die atomare Schlagkraft auch auf der Angebotsliste . Im Schatten des Gegenspielers kann dabei übrigens der ökonomische Aspekt in der Asteroidenforschung gedeihen. Asteroid Mining ist keine Science-Fiction, sondern über kurz oder lang zwingend ein Szenario, um den gegenwärtigen Produktionsprozess mit Edelmetallen oder seltenen Erden zu versorgen. Abwehr- und Abbaumechanismen sind symbiotische Handlungsstränge. Warum soll die Gefahrenabwehr nicht mit ökonomischen Planspielen einhergehen?[4] Platin, Olivinbanden oder Scandium können der verdiente Rohstofflohn für…

Das gedankliche Abwägen wird barsch unterbrochen. Der Nieselregen intensiviert sich zum Dauerregen. Das Aluminiumstativ des Teleskopes wankt unter der Last der Schutzplane und wird torpediert von kleinen Windböen. Im Hintergrund ertönen warnende Stimmen aus dem Flur mit der Bitte um Nichtunterschätzung der nasskalten Windböen, die plötzlich und unerwartet über die Terrassenfliesen peitschen. Ich will nicht abwarten, und die Asteroidenforschung sollte nicht abwarten. Es gibt jetzt keine Alternative mehr zum Abbau meiner astronomischen Beobachtungsstation, und das Beobachtungsziel ist klar verpasst. Ich habe keine Wahl, aber die Gedankengänge lassen die Wahl und verpassen nicht das Ziel. ADAS[5] muss das Ziel auch nicht verpassen, aber die Entscheidungsträger sind hierfür ganz irdischen Ursprunges mit haushaltspolitischen Blickwinkeln. Nichtsdestotrotz darf es in keiner Weise eine Vorherbestimmung geben, und die Bedenken müssen versachlicht sein bezüglich möglicher Planspiele. Die gegenwärtig bestimmende Lebensform auf der Erde hat einen Handlungsspielraum durch alternatives Denken ohne Ideologiebehaftung. Das Denken in der späten Kreidezeit war ein Dinosaurier. Das Ergebnis ist bekannt.

[1] Earth Distance: 0.008 AU? Es handelt sich hierbei um die Astronomische Einheit AU, einer astronomischen Längeneinheit. 1 AU entspricht exakt 149 597 870 700 Metern, also sind 0.008 AU 1 196 782 966 Meter oder eben die knapp 1,2 Millionen Kilometer.

[2] Die in der Reportage verwendeten Aussagen von Dr. David S. Dearborn wurden aus einer Email-Korrespondenz zwischen ihm und mir entnommen. Es sind persönliche Ansichten von David S. Dearborn und repräsentieren nicht das offizielle Meinungsbild von US-amerikanischen Einrichtungen.

[3] Die renommierte Atomkraftgegenerin Prof. Dr. Schmitz-Feuerhake aus Deutschland vertritt diesen Standpunkt. Diese Sichtweise von der emeritierten Professorin war deutlich und nachvollziehbar aus einer Email-Korrespondenz zu diesem Thema zwischen ihr und mir herauszulesen. Die Erlaubnis zur Verwendung zumindest sinngemäßer Textpassagen aus dieser Korrespondenz liegt mir vor.

[4] US-amerikanische Firmen wie  Planetary Resources oder Caterpillar beschäftigen sich nicht nur aus einer Laune heraus mit Berg(ab)bautechnologien zur Gewinnung extraterrestrischer Ressourcen. Interessante Anekdote: James Cameron, Regisseur des bis heute kommerziell erfolgreichsten Filmes „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, gehörte mit zur Investorengruppe bei der Ausrufung von Planetary Resources 2012 in Seattle. Kurioserweise behandelt der Film den geplanten Abbau von Rohstoffen eben auf dem Planeten Pandora.

[5] Die Abkürzung steht für Asiago – DLR Asteroid Survey, wobei DLR wiederum für Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Verwendung findet. Es handelt sich um ein Asteroidensuchprogramm zwischen der DLR und der Universität Padua.

11. Schlussbetrachtungen zum Vogelherdstandortkandidaten Scheidingen

Wenn in Geschichtslegenden ein historischer Kern verankert ist, um den sich austauschbare Elemente in Abhängigkeit von der Zeit sammeln, dann ist die Vogelherdlegende immer noch eines der Aushängeschilder zur Wesensdemonstration dieser literarischen Zunft. Kommen die Ursprünge der Geschichtslegenden mit ihren handelnden Hauptakteuren aus einer Zeit, in der die Schriftkultur und die Neigung zur schriftlichen Fixierung von nachprüfbaren Ereignissen höchstens marginale Ausmaße heutiger Verhältnisse annehmen, dann sind für den Historiker Grenzen und Freiräume zugleich bei Schlussfolgerungen gegeben.

Die möglichen Aufenthaltsorte in der Finkenherdgeschichte – und mein Projekt bezieht nur die gängigsten Ortschaften ein – zeigen deutlich das Dilemma auf: Ohne Überreste passiert erst einmal nichts außer Verklärung, aber mit den Überresten ist die Rekonstruktion  auch begrenzt. Die Sickelsche Urkundensammlung liefert keine Rückschlüsse zum Aufenthalt des Sachsenherzogs Heinrich um die Jahreswende 918/919. Ostfälische Standorte wie Dinklar oder Quedlinburg sind vorzeigbare Kandidaten, ziehen aber ihre Legitimation entweder aus einer in Vergessenheit geratenen literarischen Ersterwähnung oder aus Verklärungen, die sich zum Gewohnheitsdenken manifestierten. Hier setzen die für eine historische Legende markanten Zusätze variantenreich und zeitgeistabhängig an, wohlwissend, dass die Förderer dieser nebelumhüllenden Geschichten eine sachliche Überprüfung von Kritikern nach aktuellem Wissensstand nicht als abschließende Bewertung interpretieren brauchen und fürchten müssen…den Freiräumen ist dann zugleich der Nährboden bereitet.

In diesem Argumentationsklima darf der Krumme Duike in der Scheidinger Flur nahe Werl zum Standortkandidaten heranwachsen und berechtigt mitspielen.

Die Liudolfinger hatten Stammbesitzungen in Westfalen, Graf Eckbert und seine Ida aus Herzfeld waren legendäre Ahnen, Mathilde brachte ihrem Mann über die westfälische Immedingerlinie zusätzlich Land und Einfluss, das castrum verzeichnete nach Meinung der führenden westfälischen Geschichtsschreiber (Seibertz, Hömberg) einen Aufstieg mit dem beginnenden 10. Jahrhundert…Heinrich und Werl waren eng miteinander verbunden. Lässt man den Historikerstreit mit Werlaburgdorf aus Niedersachsen außen vor, dann war Werl auch strategisch sinnvoll als Fliehburgzentrum im Kampf gegen die Ungarn.

Wie ist nun der Bodenfund an der Teichanlage in L-Form zu interpretieren? Gut, dass offenbar mit den wenigen Hinweisen in der Literatur ein Fund im vermuteten Gebiet schneller als gedacht zum Vorschein kam. Gegenwärtig und mit aktuellem Wissensstand muss er aber selbstkritisch in einer unausgearbeiteten Fassung verweilen. Das Prozedere bei Bodenfunden ist zu akzeptieren, vorweggenommene Thesen sind ohne ausführliche Begutachtungen schon fachwissenschaftlich unseriös. Die Ausläufer der abgesteckten Steinfundamente deuten auf eine größere Jagdhütte hin (Stand Dezember 2014: 11,70 m × 9,60 m bei Einbeziehung des quadratischen Plateaus) in exponierter Lage für die typische Vogelstellerumgebung: Ein Aufbewahrungsraum für Fangnetze und Käfige mit den Singvögeln, und ein anderer Raum beherbergt den Vogelsteller mit Zugleinen in seinen Händen, die durch schmale Wandscharten auf das Vogelfangareal zulaufen als Schließvorrichtung für die dortigen Netzwände, umgeben von zumindest in Teilen erhaltenen Gräben. Halt! Ohne die entsprechenden Bodenfundanalysen gibt es über diesen Zugang (noch) keine eigenmächtigen Interpretationen. Hilfreicher und auch seriöser ist da schon ein anderer Blickwinkel, um mit dem Vogelfangprojekt nicht „in der Klemme zu stecken“:

Aus einem konstruktiven Gespräch mit Stephan von Papen im November 2014 nahm ich noch an Vorhaben mit, dass eben über die weitere Suche nach Halterungsbecken für die Fischzucht und deren Analyse nach geologischen Gesichtspunkten (Bodenkerne, Erdaufwallungen) entlang dem Landwehrkanal sicher eine Zuarbeit über das ehemalige Wirtschaftsareal in der Scheidinger Flur lohnen würde. Das castrum oder Präsidium, die curtis regia und der  curtis dicta Aldehof ermöglichen einen indirekter Zugang zum Vogelfangplatz am Duike…damit ist dann aber auch der Weg in den Pfalzstandort Scheidingen eingeschlagen. Einiges kann noch anvisiert werden, damit der „Pechvogel umgarnt“ werden kann, um es mit dem Wortschatz aus der Vogelstellerei zu verdeutlichen. Als Beigabe lieferte das Gespräch mit von Papen noch die Information, dass die Bezeichnung Aldehof nach seinem Wissensstand unter Einbindung der mündlichen Überlieferung über die Generationen hinweg stets die Lage des alten Wirtschaftshofes widerspiegeln würde, der aber dann auch zuvor das Zentrum der wie auch immer gearteten Ansiedlung gewesen war. Richtig, denn auf der von mir verwendeten Flurkarte 1774-UR-02 lag der alte Hof knapp 150 m vom heutigen „alten Hof“ entfernt. Diese Ausmaße lassen zumindest das Präsidium gerechtfertigt erscheinen.

Die vereinzelten Steinbrocken deuten wiederum auf alte Mauerreste hin. Eine gegenwärtige Untersuchung ist jedoch nicht möglich, da diese Stellen landwirtschaftlich genutzt werden. Sie passen aber in ein Gesamtgefüge von verborgenen Überresten entlang des Mühlenbaches oder des Salzbaches abseits der alten Heerstraße/des alten Hellweges für einen ausgeprägten Wirtschaftshof (curtis regia?) oder eben ein Präsidium (der Sachsenkönige?).

Interessanter Nebeneffekt: Während der Literaturrecherche konnte ich die Neudatierung der Gemeinde Illingen auf 1220 aufzeigen über die Vogteirollen, und hier liegt sicherlich noch weiteres Verborgenes in der Flurstück- und Ortsnamenaufarbeitung.

Vogeirolle 1neu
Vogteirolle

 

Vogteirolle 26 001
Ilinchusen

Nach kurzer Recherche war es mir auch für das Wirtschaftsgut Koeningen gelungen, dass zum Mühlenkomplex zumindest neue Erkenntnisse eingebaut werden sollten. In einer Urkunde von 1430 wurde bereits eine Mühle erwähnt, obwohl sich bis heute das Jahr 1524 in der Literatur zu diesem Thema hält.[1]

mühle
Urkunde Lappen von Konynck Schlichtung mit der Stadt Werl Die Werler sollen das Wasserwieder zu der Lappen Mühle leiten. Arnsberg 1430 September 16 http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/dwud/a1/pdf/057/a1057232.pdf

Aktuell können bereits neue Steinfunde (Ende Dezember 2014) auf benachbarten Fluren zum Krummen Duike gemeldet werden, die für den Zugang über die curtis regia sprechen als indirekte Beweisführung zum Vogelherd (siehe Altehof). Aber auch hier gilt ein Halt, denn „wenn der Vogler am schönsten pfeift, ist ihm am wenigsten zu trauen“, daher gilt auch hier Zurückhaltung ohne ausführliche Analysen. Abwarten und schrittweises Konstruieren zu einer Gesamtbildlage sind die Wegrichtungen. Letztendlich muss man sich über diesen Zugang entlang dem Salzbachverlauf in der Scheidinger Flur oder der angegliederten Hellwegzone auf archäologische Bodenfundkonzentrationen einstellen. Professor Baales, der Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen, brachte das für den Werler Raum treffend und kommentarlos schon Ende Oktober 2014 zur Sprache:

„(…)´Auch in der Nachbarschaft bestätigen uns Funde an der Oberfläche, dass da bedeutsame Archäologie im Boden anzutreffen ist´, weiß Baales. ´Die Hellwegzone ist voll damit´, ergänzt er. Wobei es sich teilweise um stattliche Dimensionen handelt ´größere Dörfer mit zahlreichen Höfen´, schildert der Olper Fachmann. (…).“[2]

Zum Schluss gibt es eine Danksagung an die Mitarbeiter der LWL , die durch Mitarbeit und Hinweise ihren Beitrag zum Projekt leisteten. Nach Aussage von Dr. Cichy plant man sogar für den Sommer 2015 eine Ausgrabung eben an den Steinfundamentresten…man darf gespannt sein auf die Ergebnisse. Stephan von Papen gilt mein besonderer Dank, denn mit seiner uneingeschränkten Erlaubnis war mir der Zugang zu den Flurstücken jederzeit möglich. Herr Heinz Kiko, der mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Ich hoffe, dass er mich auch weiterhin unterstützt und wir noch einige interessante Dinge erforschen können.

[1] Vgl. hierzu http://www. westfalen-adelssitze.de / koeningen.html und http:// www.lwl.org/ westfaelische-geschichte/ dwud / a1/ pdf/ 057/ a1057232.pdf.

[2] Vgl. hierzu die Werler Ausgabe im Soester Anzeiger vom 30. Oktober 2014.

Anhang

  • Quellen und LiteraturBauer, Albert und Rau, Reinhold, Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit, in: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe Band VIII, Darmstadt 1971.Borgolte, Michael (Hrsg.), Mittelalterforschung nach der Wende, München 1995.Eisold, Norbert und Kühn, Peter, Quedlinburg, Rostock 2002.Giese, Wolfgang, Heinrich I. Begründer der ottonischen Herrschaft, Darmstadt 2008.Hömberg, Albert K., Westfälische Landesgeschichte, Münster 1967.
  • Folgende Titel können unter http:// www.dmgh.de / de / fs1 / object / display / bsb00000871_00311.html ? sortIndex = 010:050:0004:010:00:00&zoom = 0.75 in digitalisierter Fassung abgerufen werden:
  • Höhne, Heinz, Der Orden unter dem Totenkopf, Die Geschichte der SS, Augsburg 1995.
  • Franz, Günther, Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes im Mittelalter, Darmstadt 1974.
  • Diwald, Hellmut, Heinrich der Erste, Bergisch Gladbach 1987.
  • Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark, Bände 11-12, Dortmund 1902.
  • Althoff, Gerd, Inszenierte Herrschaft, Geschichtsschreibung und politisches Handeln im Mittelalter, Darmstadt 2003.
  • Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde (Hrsg.), Band 1:Die Urkunden Konrad I., Heinrich I. und Otto I., Hannover 1879-1884, S. 39-79.
  • Hirsch, Paulus (Hrsg.), Widukindi monachi corbeiensis, rerum gestarum saxonicarum libri tres, Hannover 1935, S. 58f.
  • Pertz, Georg Heinrich u. a. (Hrsg.), Annalista Saxo, in Scriptores (in Folio) 6: Chronica et annales aevi Salici, Hannover 1844, S. 594.
  • Pertz, Georg Heinrich u. a. (Hrsg.), Hrotsuithae Gesta Oddonis, in Scriptores (in Folio) 4: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici, Hannover 1841, S. 319.
  • Pertz, Georg Heinrich u. a. (Hrsg.), Sigeberti Gemblacensis chronica cum continuationibus, in Scriptores (in Folio) 6: Chronica et annales aevi Salici, Hannover 1844.
  • Pertz, Georg Heinrich u. a. (Hrsg.), Vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis auctore Thangmaro, in Scriptores (in Folio) 4: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici, Hannover 1841, S. 754–782.Löns, Hermann, Sämtliche Werke, Band 1, Leipzig 1924.Mosen, Julius, Heinrich der Finkler, König der Deutschen: ein historisches Schauspiel in fünf Acten, Leipzig 1836.Petri, Franz, Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Nordrhein/Westfalen Band 3, Stuttgart 1970.Rösener, Werner (Hrsg.), Jagd und höfische Kultur im Mittelalter, Göttingen 1997.Rückert, Heinrich, Lohengrin, Zum Erstenmale kritisch herausgegeben und mit kritischen Anmerkungen versehen, Quedlinburg und Leipzig 1858.Schott, Clausdieter (Hrsg.), Eike von Repgow, Der Sachsenspiegel, Zürich 1991.Seibertz, Johann Suibert, Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, Erster Band, dritte Abtheilung, Geschichte des Landes und seiner Zustände, Dritter Theil, Arnsberg 1864.Vogl, Johann Nepomuk, Balladen und Romanzen, Wien 1835.Weiland, Ludwig (Hrsg.), Sächsische Weltchronik, Hannover 1877.Winkelmann, Eduard, Die Jahrbücher von Pöhlde, Berlin 1863.
  • Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Band 21, 1861.
  • Werler Ausgabe im Soester Anzeiger vom 30. Oktober 2014.
  • v. Papen, Franz, Der Wahrheit eine Gasse, München 1952.
  • Viehweger, Wolfgang, Die Grafen von Westphalen, Münster 2003.
  • Schulze, Fritz, Heimatbuch der Gemeinde Flerke 1982.
  • Schoppmann, Hugo, Band 1, II. Teil, Die Flurnamen des Kreises Soest, Soest 1940.
  • Rübel, Karl, Die Franken, Bielefeld und Leipzig 1904.
  • Pröhle, Heinrich, Unterharzische Sagen, Wernigerode 1855.
  • Nachrichten von der Georg-Augusts-Universität und der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Göttingen 1856.
  • Mehler, Franz Josef, Geschichte der Stadt Werl, Werl 1891.
  • Lindner, Kurt, Geschichte des deutschen Weidwerks, Band II: Die Jagd im frühen Mittelalter, Berlin 1940.